Flotte Dreier

AmpelDie SPD hat es zur Zeit nicht wirklich leicht — sie haben die Maske vor der eigenen Wählerschaft fallenlassen. Eine hässliche Fratze ziert nun die ehemalige Sozialdemokratie, die mittlerweile rechts der Mitte ihren Platz gefunden hat. Auf der anderen Seite die Union, die im Gegensatz zu früher noch ein Stück weiter rechts zu finden ist — grausam. Angeführt von Tante Merkel — das Gros der Deutschen liebt sie. Unverständlich — aber so sind sie, die Deutschen. Die SPD denkt laut über eine Ampel-Koalition nach. Aus der Union wird immer wieder Jamaika in den Raum geworfen. Die SZ spricht davon, dass solche Koalitionen wenig mit der politischen Realität zu tun haben. Da fragt man sich, wieso — sind die vier etablierten Parteien mittlerweile doch austauschbar. Erst recht, ihre Protagonisten.

Die Pappkameraden in Berlin sind mittlerweile auf breiter Front ohne jegliches eigenes Profil — wer wird in ein paar Jahren noch einen Heil, einen Röttgen oder einen Pofalla kennen? Niemand. Vermisst irgendwer Gerhard Schröder oder Otto Schily — nicht wirklich. Oder kennt noch wer Joschka Fischer? Glaubt irgendwer da draußen, es würde sich in unserem Land etwas ändern, wenn Künast oder Westerwelle anstelle von Müntefering Vizekanzler wäre? Die Grünen haben die Sicherheitspolitik der SPD mitgetragen — die hat sich nicht wirklich von der der heutigen Politik unterschieden. Man könnte ja mal die Blogosphäre mit dem Schäuble-Konterfei fragen, wo sie zu dem Zeitpunkt war — aber nein, das wäre ja wieder Blasphemie. Die Grünen haben diverse Einsätze der Bundeswehr mitgetragen — Friedenspartei darf sich in Berlin keine der etablierten Parteien mehr nennen.

Die Union schwimmt im Hysteriemainstream, ich behaupte ja, in der PR-Kampagne der Atomlobby — sprich dem Klimaschutz, dem Klimawandel. Die Ökosteuer früher als Hexenwerkzeug gebrandmarkt — heute wird sie von der Union gerne genommen. Die FDP ist halt die FDP — die steigt spaßeshalber mit jedem ins Koalitionsbett. Glaubt wirklich irgendwer, wenn es um die Macht geht, da würde auf vielleicht noch vorhandene Parteipolitik, die Basis Rücksicht genommen werden? Manchmal würde ich ja gerne den einen oder anderen schütteln, damit er aufwacht. Das beste Beispiel ist dann immer noch die SPD — keine Partei hat in dieser Form, sich selbst, sein Klientel, die eigenen Ideale und die Vergangenheit verraten und verkauft.

Natürlich würde eine Ampel– oder die Jamaika-Koalition funktionieren — es geht ausschließlich um den vermeintlichen Machtanspruch der Protagonisten. Dass diese nur austauschbare Marionetten, unabhängig vom Parteibuch, sind — geschenkt. Wir leben in einer Zeit, in der es keine politischen Abgrenzungen mehr gibt, jeder kann mit jedem — es sei denn, er heißt Kurt und wurde vom bösen Oskar beleidigt. Dann, aber auch nur dann, wird es kindisch und es scheint so, als würde es eben nicht funktionieren. Es scheint so. Dass es doch funktioniert, und dass die Linke offensichtlich auch austauschbar ist, zeigt das Beispiel Berlin. Marionetten halt.

Also liebe Kollegen der Journaille — natürlich würde es funktionieren. Ihr würdet Euch wundern, wie schnell — wenn es um vermeintliche Macht geht. Grundsätzliche politische Gegensätzlichkeiten gibt es — wenn überhaupt — nur noch in den Verlagshäusern. Während manche Zeitungen sich argumentative Schlachten liefern, gehen die Berliner Pappkameraden miteinander auf den nächsten Sponsorenempfang — so läuft das Spiel, und auch wir sind irgendwie Teil dessen.

Bild: zakgollop unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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