Flohmärkte

… sind auch nicht mehr das, was sie vielleicht einmal waren. Zu 90% werden irgendwelche Billig-Klamotten verhökert, sogenannte Neuware, die offensichtlich irgendwo auf der Welt von Kindern hergestellt wird. Aber der deutsche Michel, abends bei der Tagesschau sich noch aufregend, ist ganz hin und weg ob dieser günstigen Angebote, so dass es an diesen Ständen zu einem Menschenauflauf wie zu besten Zeiten beim Winterschlussverkauf kommt. Ein paar Fressbuden gibt es natürlich auch — Crêpes-Massenware, Coffee to Go und das halbe Brötchen — des Deutschen bester Freund. Und ansonsten? Flair, die besondere Stimmung? Nichts mehr von alldem ist vorhanden. Handeln lässt sich so gut wie gar nicht mehr — die oftmals sogenannten Neuwaren sind im Preis knallhart kalkuliert. Die Qualität lässt dementsprechend zu wünschen übrig, wenn man es denn sehr diplomatisch ausdrücken will. Dagegen verkauft ALDI Waren in feinster Dior-Qualität. Nein, Flohmärkte sind zu einem Abfallprodukt dieser Gesellschaft geworden, jeglicher Flair ist verloren gegangen, das freundschaftliche, fast schon familiäre, das gibt es nicht mehr.

Bei einem Kaffee mit dem Händler diskutieren ist utopisch — wie die Hühner auf der Stange werden die Leute an den Ständen vorbei geleitet. Und wenn ich dann noch sehe, dass viele Händler Kinder dabei haben, dann wird mir ganz anders. So lernen die Kleinen das Geschäft bereits im Vorschulalter. Anstelle mit Gleichaltrigen den Tag im Schwimmbad zu verbringen, müssen sie potentielle Käufer animieren — da fragt man sich wirklich manchmal, ob das Kind woanders nicht besser aufgehoben wäre. Wer diese Gesellschaft verstehen will, sollte einen Tag auf einem Flohmarkt verbringen. Ich habe es nur eine Stunde ausgehalten — von 20,- Euro auf 15,- Euro runtergehandelt konnte ich nebenbei mit Mann und Frau ein kleines Schwätzchen halten, die sich ähnlich unwohl fühlten und sich hier und dort das Taschengeld für den Urlaub verdienen. Genießt die Caipirinha, waren meine Abschiedsworte heute auf dem Flohmarkt. 15,- Euro habe ich gerne hierfür bezahlt, obwohl es an anderen Ständen sicherlich günstiger gewesen wäre. Top Qualität.

Flohmarkt

Auf dem Nachhauseweg war ich dann noch hier (schon interessant wieviele Google-Besucher die letzten Tage den Artikel gefunden haben) — dort hatten die Stadt, der Botanische Sondergarten Wandsbek nicht nur im Hinblick auf die internationale gartenschau hamburg 2013 ein Familienfest rund um den Garten, die Natur auf die Beine gestellt. Und hierauf freue ich mich schon jetzt — das ist ja was für mich. 😀

Genießt noch den Rest-Sonntag… :)

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5 Antworten zu “Flohmärkte”

  1. Oliver sagt:

    Andere Länder, andere Sitten — in Frankreich beispielsweise lohnt es sich und da kann man teils auch das eine oder ander Schmankerl ergattern bis hin selbst zur Antiquität … nur auskennen sollte man sich ebenso, denn Betrug liegt da seit eh und je nur nen Steinwurf entfernt 😀

  2. Dimebag sagt:

    Stimmt! Flohmärkte sind echt nicht mehr das was sie mal waren. Schade.

  3. Manuel sagt:

    Die Aussage mit den Kindern kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich selbst bin schon vor zig Jahren mit meinem Dad auf den Flohmarkt und wir haben da Zeug verkauft. Altes Spielzeug oder Klamotten, mit dem eh keiner mehr bei uns was anfangen konnte. Außerdem macht man sowas ja nicht jedes Wochenende, weshalb das eher zum Abenteuer wird. Aber stimmt schon, die Flohmärkte werden immer überfüllter und überlaufener.
    Genauso die Sache mit den «Profis», die mit Neuware ankommen und einfach nur kommerziellen Gewinn im Sinn haben. Aber dazwischen gibt es noch immer die «Familien», die ihren Dachboden oder den Keller ausgemistet haben.
    Aber bei eBay sieht’s mittlerweile nicht anders aus. Leider.

  4. Chris sagt:

    Folgendes Bild:

    Mutter, übergewichtig
    Tochter, übergewichtig

    Sie sitzt unterm Sonnenschirm, Tochter in der prallen Sonne — beide futtern Currywurst, Pommes-Mayo.

    Und das ist kein extrem.

  5. Manuel sagt:

    Äh, jo… kein Extrem, aber auch recht selten wie ich finde. Und ich wander fast jedes WE über’n Flohmarkt. Muss aber vllt auch dazu sagen, dass ich nicht in einer Großstadt flohmarkten geh… ist eher die mittelgroße Kleinstadt mit großem Supermakrt-Parkplatz. Und gerade mit den «Normalos», sprich Mamas, Papas und sonstige Nicht-Profis lässt sich ziemlich gut verhandeln. Die sind ja schließlich froh drüber, wenn sie ihr Zeug los werden. Gewinn will da selten jemand machen.

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