Flattr — Geld verdirbt den Charakter

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Satirisches Logo: F!XMBR

Egal ob man das Prinzip Flattr nun ablehnt oder nicht: es gibt Dinge, die sollte niemand, der mit beiden Beinen innerhalb unseres Grundgesetzes mit all seinen politischen und gesellschaftlichen Strömungen steht, akzeptieren, tolerieren oder nur einen Ansatz von Rücksicht zeigen. Dazu gehören selbstverständlich die NPD und deren PR-Organ «Deutschlandecho». Ich denke, ich muss das nicht begründen. Man kann die CDU und FDP politisch bekämpfen und doch beim Stadtteilfest gemeinsam einen Kaffee trinken. Bei manchen CDU– und FDP-Wähler ist Hopfen und Malz noch nicht verloren — umgekehrt denken viele Menschen übrigens genauso. Das ist bei den Rechtsextremen nicht der Fall. Und genauso verhält es sich selbstverständlich auch mit den islamfeindlichen Muttersöhnchen von Politically Incorrect, bei denen es natürlich mit der NPD eine große Schnittmenge gibt. Warum ich das gerade jetzt anspreche? Nun, bereits am 30. August wies ich Markus Beckedahl von netzpolitik.org per Twitter darauf hin, dass die NPD und ihr PR-Organ «Deutschlandecho» Flattr nutzen. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass ein paar Berliner Kollegen gute Kontakte zu Peter Sunde & Co. haben. Die Nachricht ist im Übrigen angekommen, es gab eine kurze Rückfrage. Dann habe ich gehofft und darauf gewartet, dass Etwas passiert.

Geschehen ist bis heute nichts — im Gegenteil. Die NPD und ihr neumodischer Stürmer werben noch immer für und mit Flattr. Zu den Herrschaften gesellen sich mittlerweile die Damen und Herren von Politically Incorrect. Social Payment will Flattr sein, ein soziales Netzwerk, bei dem Geld von den Mitgliedern hin– und hergeschoben wird. Techcrunch Europe hat gerade erstmals offizielle Zahlen veröffentlicht. Bei Flattr geht es einzig und allein ums Geld, dementsprechend ist der Dienst auch nicht mit Facebook, Twitter & Co. zu vergleichen. Die Mitglieder untereinander sind mehr oder weniger allesamt Geschäftspartner — und sei es nur über den Umweg des großen Bruders Flattr, der die Gelder verwaltet und den Wünschen der Kunden entsprechend verteilt.

Bei Flattr geht es nicht ums  Bedanken. Bei Flattr geht es auch nicht um die Anerkennung. Es geht bei Flattr um den schnöden Mammon. Nicht mehr und nicht weniger. Das sollten zumindest die teilnehmenden Blogs und Medien offen zugeben — das wäre ein Schritt in die «richtige» Richtung und zumindest weitaus glaubwürdiger, als dieses lächerliche Gerede vom Social Payment. Und jedes Blog und jedes Medium muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Geschäfte mit der NPD und Politically Incorrect zu machen — oder es zumindest zu tolerieren. Wer will schon mit Sicherheit sagen können, dass der kleine Westentaschen-Nazi nicht am Morgen der NPD, Politically Incorrect und am Abend netzpolitik.org, Spreeblick und Co. Geld hat zukommen lassen?

Geld verdirbt den Charakter. Bei Geld hört die Freundschaft auf. Bei Geld hört die Feindschaft auf. Geld kennt keine Werte. Geld keine keine Freunde. Geld kennt keine Feinde. Geld kennt keine Grenzen. Gerade bei Flattr wird dies einmal mehr als deutlich. Wer zukünftig von Flattr spricht, sollte gleichzeitig von der NPD, Politically Incorrect und den teilnehmenden Blogs und Medien sprechen. Sie gehören unweigerlich zusammen. Sie machen gemeinsam Geschäfte. Flattr macht die NPD, Politically Incorrect über den Umweg Social Payment wieder stückweit gesellschaftsfähig. Unter Tolerierung von netzpolitik.org, Spreeblick, CARTA, der taz, dem Freitag und wie sie alle heißen. Willkommen im Web 2.0. Heute schon geflattert?

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64 Antworten zu “Flattr — Geld verdirbt den Charakter”

  1. David sagt:

    Findest Du das nicht ein bißchen weit hergeholt?

    Ich meine nicht die völlig zutreffende Aussage, daß «Flattr» ausschließlich ein (jedoch auf die Zielgruppe gut zugeschnittenes) Zahlungssystem ist, das unterschreibe ich.

    Gerade aber weil das so ist, frage ich das obige. Denn wenn Du das konsequent weiterdenkst, darfst Du weder Paypal nutzen, noch Amex oder Visa, und in letzter Konsequenz noch nicht einmal Bargeld.

    Das alles sei völlig frei jeder Wertung für oder gegen diesen oder jenen Teilnehmer eines Zahlungssystems gesagt.

  2. prengel sagt:

    Kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen.
    Im Prinzip sagst du ja, dass netzpolitik.org u.A. durch flatter die NPD etc unterstützen. Das ist aber total an den Haaren herbei gezogen. Erstens würd die rechten Seiten doch nicht mehr oder weniger Geld bekommen, wenn die «normalen» Seiten bei flatter nicht mitmachen würden (bzw. eher sogar mehr, weil sich ja das Flatter-Guthaben des Nutzers dann nur noch auf die rechten Seiten aufteilt). Zweitens hat das ja nicht viel mit Flatter zu tun. Wenn die NPD-Seite und nen anderer Blog nen paypal-donate-button haben könnte man den gleichen Zusammenhang darstellen.

    Meiner Meinung nach könnte man höchstens flatter kritisieren, dass die mit den rechten Seiten zusammenarbeiten.

  3. Da es bereits losgeht:

    Ich werde hier jeden Dummbeutel des Feldes verweisen, der behauptet, die NPD sei eine normale Partei.

  4. Nein, da gibt es dann doch Unterschiede. und gerade weil sich Flattr als Web-2.0-Unternehmen, als große Community sieht, muss man sie daran messen.

  5. Letzteres tue ich. Wer es zudem toleriert, dass der eigene Geschäftspartner, mit dem man Geld verdient, mit der NPD in einem Boot sitzt, ist ebenso zu kritisieren.

  6. Gaston sagt:

    Flattr, google-Werbung, Paypal, etc.
    Ja, man kann diese alle hinterfragen. Aber ebenso, wie es (manche) Banken zumindest versuchen sich von Abschaum fern zu halten (Nehmen wir das Beispiel der Münchener RAin, wo die kontoführende Bank dann sogar vor Gericht gegangen ist und gewonnen hat, sprich das Konto kündigen durfte) oder Paypal die der NPD gekündigt hat kann man bei Flattr hinterfragen, was diese Community macht.
    So sehe ich diesen Artikel hier.
    Wobei Paypal ein schönes Beispiel als Vergleich ist. Einerseits ist es in meinen Augen positiv, das sie der NPD gekündigt haben, auf der anderen Seite finde ich Ihr Geschäftsgebahren und die Kopplungsverträge von der Paypal-Mutter eBay mit selbigen sehr bedenklich.
    Ebenso wie hier bei Paypal (oder auch bei anderen Institutionen) muss sich jeder selbst überlegen, wo seine Grenzen sind.
    Ich für meinen Teil weiß es. Deswegen habe ich weder ein PayPal-Konto, noch nutze ich Flattr. Ja sogar mein Konto ist nicht bei der Bank, die für mich am günstigsten wäre.
    Ich will selbst entscheiden, wem ich Geld zukommen lasse und nicht, durch einen Verteilungsschlüssel an Schw**** (Selbstzensur), die ich nie unterstützen will.

  7. Ich lese aus deinem Artikel folgende These raus:

    Sozialsphären, die man nur mit Geld betreten kann und die zudem von Nazis frequentiert werden, sind grundsätzlich abzulehnen. Ebenso machen sich alle übrigen Teilnehmer verdächtig, insgeheim mit den Nazis zusammenzuarbeiten.

    2 mögliche Schlussfolgerungen:
    Ich darf in kein Geschäft mehr gehen, wenn es Nazis nicht konsequent bereits an der Tür abweist.
    Ich muss Deutschland verlassen, da ich hier nicht umsonst leben kann und Deutschland jede Menge Nazis hier Leben.

    Ist irgendwie irrational, oder? Deinem Ärger über Nazis und/oder flattr kannst du sicher auch besser begründet Luft machen.

  8. Äpfel, Birnen…

    [ ] Du hast den Artikel verstanden…

  9. Du hast die Luft zum Atmen vergessen, diese teilen wir auch mit allerlei unliebsamen Zeitgenossen. Die «Konsequenz» die du da ansprichst, nennt sich gemeinhin Fundamentalismus. Ehrlich, dies ist nicht unsere Welt.

  10. >Sozialsphären, die man nur mit Geld betreten kann und die zudem von Nazis frequentiert werden, sind grundsätzlich abzulehnen. Ebenso machen sich alle übrigen Teilnehmer verdächtig, insgeheim mit den Nazis zusammenzuarbeiten.

    Noch ein Fundi. Okay zum Mitschreiben, obwohl ich denke es ist eher vergebene Mühe: nein und nein, aber Pragmatismus ist keine Antwort. Keiner macht sich verdächtig, allerdings sind die Verantwortlichen — sofern sie alles geflissentlich ignorieren — keineswegs weniger schuldig, als jene die aktiv solche Umtriebe unterstützen.

  11. Peter Sunde sagt:

    Hi,

    I just want to answer from Flattr regarding this issue.

    My background is within the sphere of freedom of speech. I have always been fighting for this right. In order to protect it we need to understand WHY we have this right. The basic idea is that if we can’t get informed, we can never be sure that we are right (or wrong) about something. Everybody should have their right to say what they believe and what they are thinking. Without this we do not have a free society. Even though some people are f*cked up (like the people from NPD) we cannot and should not remove their right to organize or talk. A free society must be able to let all people do this, no matter how wrong they are.

    With information we can win. Without it we lose automatically. We would, for instance, probably not be able to understand that NPD are f*cked up if we didn’t have the information that we base our opinions on. And not that long ago, the people that did not believe in a supreme race were the extreme ones that were not allowed to speak their minds.… we had a fight and won, taking that away just makes us lose what we won.

    For legal reasons we are also not allowed to discriminate. This is a good thing, and I want to explain why. Flattr is a payment agent, for other people. It’s not our money that we send to anyone, it’s someone elses money. It’s the same way with a bank. Consider how you would feel if you went to a bank and they decided that they did not want you as a client, because you have a socialist background. This happened not that long ago as well.

    I for one do not wish for a class society to come back in majority. I am fighting all I can for that not to happen. Also, I find it a bit arrogant that other people claim to do the same, but effectively propagate for a society with different classes, not based upon race but on political opinions.

    What we have done at Flattr is to divide the service into two pieces; one piece is the payment agent service. This is the one that we cannot allow discrimination in. The other piece is our own website where you can find information that might be of interest. We had a very long discussion at the office and decided that this website is our own to censor if we so wish. We decided to remove NPD from being listed on the site. We do not want to give them additional traffic. This is a tough decision because it is on the line of what we consider to be fair censorship. Their opinions is disgusting, but it might be worse to ignore it than to take the fight with them. Ignorance is usually not the best answer. But we decided this anyhow, to make sure we feel that we did something that might have an impact. We certainly do not wish to help them, and honestly, we would prefer for them not to be users on Flattr. But the way to make them go away from the system is probably to make sure they lose all their voters.

    Flattr is one of very few companies in Europe that has a outspoken political ideal. We are a socialist company. (We are also a vegetarian company…) We are very open with all of this and we try to influence all of our users without doing propaganda. We think that being a good role model it’s possible to get more attention and followers than breaking your own believes into shit because you have some people abusing the meaning of the system. Most other companies would have sued you over this blog post, or the flaming logo you’ve made. It’s probably violation of lots of laws, but we of course think this is fair use and in order since we actually DO believe in free speech.

    If you really want to fight the nazis, do not try to enforce different rules for different people. We can only win with a balanced and long term view on how to fight them.

  12. Peter, I will never agree with that. We two can fight us. They would kill us for another, for our opinion.

    Fascism is not an opinion. Fascism is not freedom. Fascism is a crime.

  13. >If you really want to fight the nazis, do not try to enforce different rules for different people.

    Different rules? We’re talking of domestic authority, that’s quiet a difference. The government only has the means to enforce such things you’re referring to. If we’re e.g. take such action it’s no censorship at all, due to the fact, that everyone not able to speak here can yet live his freedom of opinion within the borders of the law anywhere else in the worldwide web. The only thing you can do is making a difference by demonstrating the public your very habitus. Taking a pragmatic stance instead makes you guilty too.

  14. Peter Sunde sagt:

    Yes, Fascism is not freedom. So you agree! Censoring them would be fascist.

  15. Peter Sunde sagt:

    It would be different rules. It’s very clear to me, as well as the local laws that apply.

  16. Sorry Peter, you’re confusing house rules with censorship. Flattr has it own rules, F!XMBR, too. This has nothing to do with censorship.

    We have to fight against fascism. It’s time to stop them. All over Europe, they come up. Who if not us, here in web 2.0, should stop them.

    That’s our big responsibility.

  17. You’re also following rules of business, you’re following rules of good taste and you’re certainly following rules of humanity. Are those «rules» censorship? If someone comes to your platform and breaks your very own rules, do you tolerate it? Domestic authority is the answer and you’re placing a sign for tolerance in the public. Have a look at the pragmatic view of those so-called «desk murderers» back in the Third Reich, their guilt is legion! It’s a mockery of free speech, to «tolerate» those people actively working against those principles you want to defend. I don’t have to tolerate such people in «my house» and you should think twice about your attitude toward them. Right-wing extremism is no opinion, it’s an attitude against humanity.

  18. Peter Sunde sagt:

    When you run a public service, it’s censorship, not house rules. We are a public service in the legal sense or we could not operate at all.

    We should all fight fascism. And yes, we have different views on how to do it. I think you are totally wrong in not letting their views getting out there, that for me gives people reason to question what is going on. For me it has always been top priority to fight things in the open, with all data available. Sometimes you will lose a fight, but I do believe it’s the only way to win the war itself in the long run.

    It’s the same with terrorism, child porn and so on. I do not wish to just censor it, since the problem is still around. I wish to make it go away with fighting it with information and deletion. If we think that what they publish on NPD is illegal, we have just cause to remove them from our service, otherwise not.

  19. Peter Sunde sagt:

    The rules of humanity is to follow what you believe in. Actually, right wing extremism IS an opinion until you act on it. There is a difference here. If someone breaks the law, they break it. If they talk about changes they want implemented, it’s not illegal.

    I am scared about the way people act towards other people. From both sides of this conflict. It’s not just to hate someone because they hate someone else. I do not believe in «eye for an eye».

    Yet again — we are not legally able to censor someone from using our service — but we wouldn’t want to do it neither since we believe in freedom of speech. If it turns into act and not speech it’s something different.

  20. The german constitutional protection report

    My summary of our discussion: Flattr is protecting the NPD…

  21. >When you run a public service, it’s censorship, not house rules. We are a public service in the legal sense or we could not operate at all.

    @Peter

    It’s maybe so according to the jurisdiction in your country, but it isn’t in Germany. The public is different from private property like super markets etc. And every owner of private property has its domestic authority. You’re making the rules. Tell me, if I break some rules of your business, can I call for censorship if you ban me from the further use? That’s nonsense …

  22. Georg Schneider sagt:

    Sehr interessanter Ansatz. Irgendwie eigenartig, aber lesenswert …

    Gruß
    Georg Schneider

  23. Peter Sunde sagt:

    Christian,

    Yet again; Flattr is obliged under law to not discriminate users.
    Also; we are not a German company. We’re a Swedish (and a United Kingdom) company. We do not have the same exceptions in the laws as Germany has regarding certain political groups. On the contrary, we are obliged not to discriminate them.

    Also, we are fighting for the freedom of speech. The laws apply differently. There are cultural difference, I am aware of this. Because of the history in Germany, this is a much more sensitive topic. That’s understandable, and has proved very useful for Germany. However, in other nations these measures has not been needed to take. That’s the reality we live in with borders.

    If you think that Flattr is protecting the NPD you’re wrong. I hate the guts out of them. I have been listed on «wanted dead»-lists of certain Swedish neonazi groups lists myself. Still I will fight for everyones right to fear treatment, as guarded by laws that apply in this case.

  24. Peter Sunde sagt:

    As you say yourself, we have different laws. We can’t choose which jurisdiction to fall under. It’s not up to us to select that we will censor someone according to local law because it’s needed under laws in Germany. I am not even sure that the NPD is violating german law — if so, they should be shut down in Germany. Please report them to the police in that case.

    In Sweden you are not allowed to select your customers. You’re open to business for all or for noone.

  25. Peter Sunde sagt:

    I need to sleep because I’m travelling all day tomorrow. I might have time to reply on Thursday at the earliest. However, I think I’ve said the most I can say, and we’re probably not changing eachothers mind. I just want to add one thing;

    Even though we think differently we have the same goal in mind. I think that’s super important to remember. What’s been going on with making people aware (and as well, pressuring companies) is always a right and important to do. Keep that going. But I would hope for some to be a bit more humble. We are all different, this is what makes humanity great. This is what our opponents are working against. Work with that instead of trying to force people to have the same approach to problems. With trying all angles, we will win.

    Sleep tight,
    P

  26. >if so, they should be shut down in Germany.

    Well that’s the «funny» part, our government is somewhat disturbed.

    But read for yourself:

    In 2001, the federal government, the Bundestag, and the Bundesrat jointly attempted to ban the NPD in a trial before the Federal Constitutional Court, the Bundesverfassungsgericht, the highest court in Germany with the exclusive power to ban parties if they are found to be «anti-constitutional». However, the case was thrown out in 2003 after it was discovered that a number of the NPD’s inner circle were in fact undercover agents or informants of the German secret services, like the federal Bundesamt für Verfassungsschutz.

    Source: Wikipedia

    But apart from that, if this is actually the definition of public and free speech in your country then it is indeed the law. Anyhow, you attitude is bewildering in my opinion.

  27. Bon voyage.

    Oliver

  28. Yuggoth sagt:

    Wie ich diese Rechtsstaatsapologeten hasse.

    Das westliche Staatensystem basiert auf der Kapitalakkumulation von Privatpersonen, und darauf basiert diese fundamentalistische Freedom-of-Speech-Kotzescheisse.

    Erst verbieten sie uns, den Nazis mit der Sprache zu begegnen, welche jene verstehen können (die Sprache von Bomber Harris) und dann relativieren sie ihre eigenen Normen bestenfalls mittels einer Extremismuskonstruktion zu völligem Konformismus und scheissen auf alle Werte und Erkenntnis, die sie selbst je gewonnen hatten.

    Pervers ist nicht nur die Verachtung für andere, sondern vor allem diese Selbstverleugnung; ja gar Lebensverneinung der eigenen Ansprüche.

    Der Musterschüler ist immer der, bei dem die Hausarbeiten abgeschrieben werden.

  29. Markus sagt:

    Ich hab das weitergegeben und es hat zu Diskussionen geführt. Allerdings hat sich die Mehrheit bei flattr dafür entschieden, aus Schweden nicht zu zensieren, weil die NPD legal in Deutschland zugelassen ist.

  30. ebertus sagt:

    Danke für die Info!

    Formal nicht zu beanstanden, was flattr da macht bzw. zulässt. Für mich (neben dem quasi Paypal-Zwang) allerdings ein substantieller Grund, nicht mal als reiner Spender da mitzumachen; was ich anfänglich erwogen hatte. In einem anderen Forum, in anderem Zusammenhang nannte ich das von Peter Sunde hier vertretene Verhalten «neutralistisch», weil dort auch intellektuell verbrämter, menschenverachtender Dreck postuliert werden konnte; mit dem Hinweis auf die Neutralität des Forums.

    Wenn die genannten Medien nicht auf der eigenen Agenda stehen, merkt man das ja auch nicht, und hier darüber zu diskutieren, mit klarer, gesellschaftspolitischer Verortung zu diskutieren das in in Ordnung. Erinnert mich an eine ähnliche Geschichte, wo ich durch den permanent laufenden Adblocker nicht mitbekam, welche Werbung auf einem Medium geschalten war, einem Blog, den ich bis dato schon ab un zu gelesen hatte.

    Und das Lenin-Wort von den Stricken passt sowieso, nur das Mancher sich vorher selber aufhängt…

  31. Gaston sagt:

    Hallo Markus,

    ich würde sagen, das es da immer 2 Seiten einer Medaille gibt. Hier sogar 3.
    Die eine ist, das «flattr» sich nicht entschieden hat, zu «zensieren» (drunter ging es ja wohl für die Jungs und Mädels nicht?).
    Gut, es ist Ihre Entscheidung, wen sie alles in Ihr Haus lassen. Oder nennen wir es mal besser eine Markthalle mit Eintritt.

    Die andere Seite sind diejenigen, die sich entscheiden trotz der NPD etc. dort einen Stand aufzustellen und so mithelfen, das diese Gruppierungen von der Menge der allgemeinen Einnahmen mit profitieren, die dort dann zur Ausschüttung kommen.
    Und es gibt als 3. Seite diejenigen, die trotzdem in die Markthalle gehen und somit es hinnehmen, dass mit Ihrem Geld auch Gruppierungen unterstützt werden, die sie nicht unterstützen wollen.

    An der 1. Seite, also der Entscheidung von «flattr» kann ich nichts ändern. Wohl an der 2. und 3. Seite, bzw. da kann ich mich zu verhalten.
    Und genau das mach ich. Weder würde ich für einer meiner Seiten, noch für Seiten, bei denen ich Mitarbeite das System «flattr» akzeptieren, noch werde ich als jemand, der andere unterstützen will, das System «flattr» nutzen, um diesen zu Unterstützen.
    Im Gegenteil für mich ist die Beteiligung am dem System «flattr» eines der Kriterien zur Beurteilung, ob ich jemanden überhaupt Unterstützung zukommen lassen will.

    @ Yuggoth
    Ist es Dir vielleicht möglich deinen Kommentar auch so zu verfassen, das ein Emporkömmling mit Hauptschulabschluss ohne Fremdwörterbuch und Suchmaschinen, der zudem schon zu alt ist, sich mit all den Internet-Szenebegriffen vertraut zu machen, es versteht? 😉

  32. Tom sagt:

    Ich kann auch die mehr oder weniger großen Blogs verstehen, die sich die paar hundert Euro pro Monat nicht entgehen lassen wollen. Und all das Geld, was zb. netzpolitik bekommt, entgeht einer NPD-Seite.
    An mir geht das vorbei, denn ich ignoriere bzw. blocke Flattr seit dessen Start. Als Danke und Anerkennung finde ich echte Postkarten viel schöner.

  33. Linus sagt:

    Mir ist bei dem Logo oben erstmal das Logo der Deutschen Bank eingefallen 😉

  34. Dank Dir weiß ich nun, dass ich die NPD unterstütze 😉

    Die Diskussion als solche finde ich jedoch höchst interessant und ich kann beide Positionen (Eure und die von Peter Sunde) nachvollziehen. Sunde vertritt eine sehr offene, ja geradezu humanistische, Einstellung zur Meinungsfreiheit, Ihr macht Euch (zu Recht) Sorgen darum, dass NPD und Konsorten unter dem Schutzmantel der Meinungsfreiheit Propaganda gegen die humanistischen Werte betreiben.

    Dabei dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass die Meinungsfreiheit (die der anderen!) ein Grundrecht ist und nur als ultima ratio eingeschränkt werden darf. Die NPD zu «dulden» ist wohl der Preis, den wir für den Schutz unserer eigenen Meinung zu zahlen haben. Ich weiß, dass diese Position in Deutschland nicht eben beliebt ist und ich gleich mächtig Haue von Chris bekommen 😉

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Hetze ist natürlich nicht über die Meinungsfreiheit geschützt.

  35. Jens, ganz im Ernst: Jeder Mensch mit ein wenig Rückgrat würde spätestens jetzt Flattr den Rücken kehren.

    Wer wirklich argumentiert, bei der NPD ginge es um die Meinungsfreiheit, der sollte mal sein Oberstübchen checken lassen.

    Wo kommen wir denn hin, wenn selbst «wir» (kritischen Geister) anfangen, das Gesetz ohne Sinn und Verstand und insbesondere Moral und Ethik strengstens auszulegen und damit in Verteidigungshaltung argumentieren. Da unterscheidet uns rein gar nichts mehr von Sicherheitspolitikern, die Flugzeuge abschießen wollen, von Politikern, die Zwangsarbeit einführen wollen oder von Politikern, die am äußersten rechten Rand, «es darf keine rechte Partei neben uns geben» den Sarrazin machen.

    Nein, darum geht es aber auch nicht. Man will sich die Euronen nicht entgehen lassen. Das ist der Punkt.

    Soziale Netzwerke gegen Nazis.

    Die Kollegen haben zurecht oder war es zu Recht viel positive Kritik bekommen, auf Facebook wurde eingeschlagen, weil diese nicht mitmachen. Auch von vielen Blogs, die zum Flattr-Netzwerk gehören.

    Muss ich dazu noch viel schreiben. Ich bin ehrlich gesagt müde, und nicht nur, weil ich heute Nacht sehr wenig geschlafen habe.

    Bei Euch heißt es, und das mit aller Deutlichkeit:

    Flattr und Blogger für Nazis.

  36. ebertus sagt:

    «Ein Grundrecht?» lieber, geschätzter Jens Berger?

    Muss man als Betreiber eines privaten Hausherrenmodells denn so edel neutralistisch sein? Oder geht es hier um demokratisch legitimierte, institutionalisierte, Strukturen, die dann natürlich über jedem privaten Wohnzimmer stehen?

    Meine Erfahrungen sind da jedenfalls sehr differenziert, schon mal partiell negativ behaftet. Und eine klare, gesellschaftspolitische Verortung hat natürlich auch ihren Preis, ist ansonsten ja ein Stück weit bereits der Einstieg in die berühmten Sachzwänge; auch ökonomischer Art.

  37. Jens, ganz im Ernst: Jeder Mensch mit ein wenig Rückgrat würde spätestens jetzt Flattr den Rücken kehren.

    Meines Erachtens nimmst Du die NPD ein wenig zu wichtig.

    Wo kommen wir denn hin, wenn selbst «wir» (kritischen Geister) anfangen, das Gesetz ohne Sinn und Verstand und insbesondere Moral und Ethik strengstens auszulegen und damit in Verteidigungshaltung argumentieren.

    Ich sag es mal mit Wiglaf Droste: Schwer nur ist diese Position zu halten — aber wer sagt denn, dass Humanismus leicht ist? Ich trete seit jeher für die Meinungsfreiheit von Idioten ein, auch wenn mir das sicherlich keine Freunde einbringt.

    Da unterscheidet uns rein gar nichts mehr von Sicherheitspolitikern, die Flugzeuge abschießen wollen, von Politikern, die Zwangsarbeit einführen wollen oder von Politikern, die am äußersten rechten Rand, «es darf keine rechte Partei neben uns geben» den Sarrazin machen.

    Entschuldige bitte, aber mir erschließt sich hier der Zusammenhang nicht. Sicherheitspolitiker, die Flugzeuge abschießen wollen, Zwangsarbeitsbefürworter und Politiker am rechen Rand argumentieren gegen das Grundgesetz und gegen die humanistischen Werte.

    Nein, darum geht es aber auch nicht. Man will sich die Euronen nicht entgehen lassen. Das ist der Punkt.

    Das ist sicher ein Punkt unter vielen, aber — zumindest bei mir — sicher nicht der zentrale.

    Bei Euch heißt es, und das mit aller Deutlichkeit:

    Flattr und Blogger für Nazis.

    Wenn Du das so siehst, dann sehe das so. Ich muss ja nicht alles verstehen, was Dir so in den Kopf kommt 😉

  38. Tja, da stimme ich dir zu. Nur gehen die Gesellen ähnlich wie Boxer vor, die wissen wie sie foulen müssen, um dennoch nicht disqualifiziert zu werden. Und jeder «zufällige» Tiefschlag bringt letztendlich den Gegner dennoch schneller zu Boden.

    Und reden wir doch mal Tacheles, die Partei selbst wäre doch schon sicherlich längst verboten, wenn es der Staat nicht vermasselt hätte. Würdest du Propaganda solcher Zeitgenossen bei dir stehen lassen, ganz der Meinungsfreiheit verpflichtet oder würdest du auch nicht eher vom Hausrecht Gebrauch machen?

    Nun wir hier z.B. diskutieren mit allerlei Leuten, einige mögen uns, andere können uns nicht leiden und dann existieren noch ein paar die unterschreiten das Niveau von «nicht mögen». Letztere sparen wir uns, ebenso wie wir uns auch Rechts als «Meinung» ersparen. Aber auch schon so mancher übereifrige «linke» geistige Tiefflieger rannte bei uns gegen eine Wand. Wir nennen das schlicht Hausrecht, wir heucheln auch keine Objektivität — die per se ohnehin nicht existiert — wir setzen ein klares Zeichen.

  39. Da muss man aber unterscheiden, ob man von einem «privaten Hausherrenmodell» und einer «offenen Plattform» spricht. Natürlich moderiere und lösche ich auch Meinungen, die mir zu sehr nach «rechter Propaganda» klingen. Wenn man eine «offene Plattform» anbietet, sollte man allerdings «kulanter» sein — ansonsten hätte man eine «geschlossene Plattform», eine Art Türsteher, der nur die reinlässt, die seinem weltanschaulichen Vorstellungen entsprechen.

    Wäre ich Chef von Flattr würde ich folgendermaßen verfahren: Die Beiträge der rechten Plattformen anschauen und bei dem kleinsten Verstoß gegen die Nutzungsrichtlinien (und das dürfte bei PI gerade mal ein paar Stunden dauern) den Account kündigen. Grundsätzlich solche Seiten — ohne konkreten Verstoß — zu sperren, halte ich jedoch für problematisch.

  40. Und reden wir doch mal Tacheles, die Partei selbst wäre doch schon sicherlich längst verboten, wenn es der Staat nicht vermasselt hätte. Würdest du Propaganda solcher Zeitgenossen bei dir stehen lassen, ganz der Meinungsfreiheit verpflichtet oder würdest du auch nicht eher vom Hausrecht Gebrauch machen?

    Das sagte ich (zeitliche Überschneidung) schon in meiner Antwort an «ebertus»: Nein, ich würde das natürlich löschen, aber ich betreibe auch ein Medium, das überhaupt nicht den Anspruch hegt, «offen» zu sein.

    Flattr sollte bei konkreten Missbrauchsfällen m.E. auch sofort mit einer Sperrung reagieren. Aber Du hast natürlich Recht — erfahrene Rechtsextremisten wissen, wie sie trickreich «justiziable» Formulierungen umgehen. Das ist ein Problem.

  41. Wenn es nur Flattr wäre…
    Die Rechten haben generell, dass Internet für sich endeckt, gerade auf Facebook und Twitter boomen die rechten Inhalte — aber anstatt solche Dienste zu Boykottieren finde ich Aufklärung wesentlich wichtiger, daher bleibe ich bei Flattr, Facebook, Twitter und Co. und versuche mit meinen Beiträgen für ein vernünftiges Gleichgewicht zu sorgen.

    Wenn wir anfangen alles zu Boykottieren, überlassen wir diese Plattformen den Rechten — ich denke, dass wollen wir auch nicht 😉

  42. Avatara sagt:

    Dürfte Flattr die Seiten denn Ausschließen? Wenn ich Peter Sunde richtig verstehe dann wohl nicht.

  43. Selbstverständlich. Flattr ist keine staatliche Institution, weder in Schweden, noch in England und auch nicht in Deutschland. Er hat Hausrecht — oder wieso glaubt Ihr, die hier zusammengeschlossenen Netzwerke konnten es tun.

    Lasst Euch nicht auf den Arm nehmen

  44. ganz klar ja!

    Ein Auszug aus den Nutzungsbedingungen:

    # to abuse, harass, threaten, impersonate or intimidate other Flattr users or anyone else;
    # to post or transmit, or cause to be posted or transmitted, any Content that is infringing, libelous, defamatory, obscene, abusive, offensive, profane, or otherwise violates any law or right of any third party;
    # for any illegal or unauthorized purpose. If you are an international user, you agree to comply with all local laws regarding online conduct and acceptable content;
    # to post or transmit, or cause to be posted or transmitted, any communication or solicitation designed or intended to obtain password, account, or private information from any Flattr user;
    # to create or submit unwanted email («Spam») to any other Flattr users or any URL;
    # to violate any laws in your jurisdiction (including but not limited to copyright laws);

    der letzte Punkt ist übrigens interessant, da er Sundes Aussage, die rechtliche Grundlage sei alleine die schwedische, widerspricht.

  45. Anonymous sagt:

    Um einem gesetzlichen Kontrahierungszwang zu unterliegen, muss man nicht unbedingt eine staatliche Institution sein. Ich halte es durchaus für möglich, dass flattr als schwedisches Unternehmen da schärferen Gesetzen unterliegt, nicht zuletzt auch als Finanzdienstleister (Geld wird für andere eingenommen und verteilt). Wenn Peter Sunde auf gesetzliche Vorgaben verweist, gehe ich davon aus, dass ein solcher Kontrahierungszwang besteht. Aber vielleicht könnte das am Donnerstag nochmal geklärt werden.

  46. Mason sagt:

    Let’s translate the situation to the real world:

    On some highstreet the NPD is handing out flyers with their ideology. Flattr follows a few paces behind and ask people that took a flyer for some donation, passes the money on to NPD and keeps 10% of the proceeds. Surely, nobody decent would do that, so why is Flattr doing exactly that in Web2.0 ?

    If they don’t, freedom of speech is not affected whatsoever, as said a zillion times before: They still can say «whatever» they want. The crucial point is earning money from it.

    So, for me, there are only two ways forward

    1) Not earn money from NPD ideology (and kick them) or
    2) All money Flattr earns from Nazi ideology should go to some good cause.

  47. Zufälliger Drüberstolperer sagt:

    nun ich mus ja sagen: es gibt da ein Sprichwort das sagt, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen vier zurück. Ich finde diesen Artikel doch sehr Populistisch.

  48. Yuggoth sagt:

    Sorry, Ich hab Angst vor dem Verfassungsschutz, wenn ich gängige Faschismustheorien zitiere. Der VVN-BDA ist wegen genau der Geschichte im Verfassungsschutzbericht in NRW aufgetaucht.

    Was ich sagen will ist, dass das Verhältnis von Staat,Nation und Kapital leider zwangsläufig zu einer Umwertung der Werte führt, welche autokratischen und vllt auch faschistischen Charakter annimmt. Dagegen mit immanenten Werten — wie der Meinungsfreiheit– vorzugehen, ist ein Götzendienst der Regression.
    Es geht hier um Gewalt — und wenn es um Gewalt geht, ist jede kategorisch-moralische Argumentation fehl am Platze.

    Oder um es perfider auszudrücken: Menschen scheeren aus dem gesellschaftlichen Konsens aus und dies mittels Werten, die eben dieser Konsens vorgibt.
    Das der Konsens hier keine Sanktionen auferlegt, sondern dies subventioniert, spricht jedoch Bände über das Verständnis von Gesellschaft.

  49. Elke Wittich sagt:

    Hej Peter,

    nej, jeg kann ikke tro det. Lover som er gjort for å beskytte ofre for vold er å beskytte gjerningsmennene?
    Okay, in English:
    I can´t believe the swedish anti-discrimination law protects those who discriminate people because of their race, their religion etc. on a regular basis and I can´t believe you are forbidden by the swedish state to exclude Nazis from your services.

    Therefor — I am a journalist — I wrote an E-Mail to Justitiedepartementet and asked about it. I´ll let you know what the answer will be,
    regards,
    Elke

  50. Ja genau, auch in diesem Kommentar wird wieder unterschwellig behauptet, die NPD wäre eine normale Partei, die sich an die Gesetze halten würde.

    Sorry Martin, dass dies nun unter Deinem Kommentar steht, Du bist gar nicht mal persönliche gemeint:

    Aber dies ist das perfekte Beispiel dafür, warum die deutsche Blogosphäre so grenzdebil ist, es eine politische nicht gibt und im Prinzip in jeder Redaktionsstube über die deutschen selbst ernannten Top-Blogs schallend gelacht wird.

    Schlicht und ergreifend, weil es in Deutschland offensichtlich keine politische und historische Bildung mehr gibt. Von Verantwortung, «aber wir wollen doch Geld verdienen» ganz zu schweigen.

    NPD, eine normale Partei.

    Ihr habt doch alle einen Vollschatten…

  51. Herr Voß sagt:

    You don’t have to censor them, you could simply decide not to finance them…

  52. Martin sagt:

    Das Problem ist die Grenzziehung. Angenommen, es gäbe nicht den verkomplizierenden Faktor der unterschiedlichen nationalen Gesetzgebung, stellt sich mir die Frage, wo man die Grenze zieht, wann es ok ist, eine Site von Flattr auszuschließen, die nicht eindeutig illegal ist.

    Wo verläuft die Grenze? Wie viel konservativ ist ok für Flattr? Ist schon ein positiver Blogbeitrag über Sarazzin ein Grund, dass ein Blog von Flattr ausgeschlossen werden muss? Und was passiert mit Sites aus dem Linksextremen oder anderen fundamentalistischen Milieus? Soll tatsächlich eine Person bei Flattr darüber entscheiden, welche Site mitmachen darf und welche nicht? Was passiert, wenn plötzlich — aufgrund einer missverständlichen Formulierung — ein Blog fliegt, welches an und für sich harmlos ist?

    Am Ende glaube ich, dass es weder für Flattr noch für einen anderen Webdienst auf diesem Planeten möglich ist, ein derartiges, auf individuellen Abwägungen basierendes System zu betreiben. Schon allein aufgrund unterschiedlicher Sprachen.

    Sprich: Ein System wie Flattr kann nur funktionieren, wenn jeder mitmachen darf, solange er/sie nicht gegen Gesetze verstößt (ich weiß nicht, ob die im Artikel genannten Sites dies tun — ich entnehme den Schilderungen hier jedoch, dass dies nicht der Fall ist)

    Und wenn man dennoch das Gefühl hat, damit indirekt eine Bewegung zu unterstützen, die man definitiv nicht unterstützen möchte (was ich in dem aktuellen Beispiel zwar nicht sehe, aber das ist wohl Ansichtssache), dann ist der persönliche Boykott sicherlich der konsequenteste Schritt.

    Er würde aber auch bedeuten, dass damit quasi allen virtuellen Zahlungssystem und Währungen für immer der Weg verbaut sind.

    In meinen Augen ist der Boykott daher keine Lösung. Aber ich sehe ohnhin nicht das von dir beschriebene Problem.

  53. Claudia sagt:

    @Mason: es geht dabei aber um GESETZESVERSTÖSSE, nicht um legale Beiträge nicht-illegaler Gruppierungen. Ich würde an flattrs Stelle verfahren, wie der Spiegelfechter vorschlägt: beim ersten Verstoß bzw. irgend einem «verhetzenden» Beitrag kicken!

    Ansonsten sehe ich sehr wohl einen Unterschied zwischen einem Blog, das Kommentare moderiert/löscht, und einem allgemeinen Zahlungssystem und solchen Mega-Coms & Diensten wie FB und Twitter. Da ist die Linie «raus bei Verstößen gegen Gesetze oder die AGB» eigentlich die einzig machbare Linie — erst recht, wenn es sich um international agierende Coms handelt.

    Ich unterstütze die NPD nicht, wenn ich das Geldsystem nutze, obwohl das auch Rechtsradikale tun (wer weiß denn, was eine große Bank alles für Kunden hat?). Und mit einem Klick auf einen Flattr-Button honoriere ich Blog-Artikel, die mir gefallen — nicht etwa die NPD, nur weil sie das System ebenfalls nutzt. Flattr ist für mich im übrigen keine irgendwie «kuschelige Community», in der sich Menschen gleichen Geistes treffen, sondern schlicht und ergreifend eine neue Infrastruktur, um Micro-Spenden zu verteilen.

    Ich kaufe auch in Läden und Supermärkten ein, obwohl das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mir unliebsame Menschen mit politisch irren Ansichten tun. Und ich laste es auch dem Ladenbetreiber nicht an, dass er an jeden verkauft, der bezahlt und sich im Rahmen des Einkaufs an die Gesetze hält.

  54. Claudia sagt:

    Es geht doch nicht um «normal» (was soll denn DAS konkret heißen?), sondern um legal versus illegal. Und da ist die NPD nun mal bis heute nicht verboten, also LEGAL. Sie kann also «ganz normal» am allgemeinen Geschäftsleben teilnehmen, darf Webseiten betreiben, Druckschriften heraus geben, Angestellte haben, Wahlkampfkostenrückerstattung kassieren, das Geldsystem nutzen und vieles andere mehr. Die politische Auseinandersetzung mit solchen Gruppierungen muss in unserem Rechtssystem nicht mittels «Rauswurf OHNE Gesetzesverstoß» funktionieren, sondern durch Information, argumentatives Dagegenhalten und Gegendemos.

    Und das ist gut so, denn wie Martin sagt: wäre es anders, WO wäre denn jeweils die Grenze?

  55. Gaston sagt:

    Mit der Grenzziehung hat Martin recht.
    Das ist eine schwierige Sache. Aber wer hat behauptet, das ein «Gewissen» einfach ist?
    Aber ansonsten sehe ich es mit erstaunen und es beängstigt mich in gewisser weise, wie hier Worte wie Freiheit und Meinungsfreiheit für die eigenen Interessen missbraucht werden.
    «Meine» Freiheit und «meine» Meinungsfreiheit bestehen auch in dem Recht für «mich» andere Auszugrenzen. (ich habe das Wort bewusst genutzt)
    Ich muss nicht sozial und gerecht zu jedem sein!
    Ich kann auch jemanden nicht mögen. Das Recht auf «meine» Freiheit verlange ich. Mich braucht auch nicht jeder zu mögen (was ja oft auf Gegenseitigkeit beruht), auch das was ich tue nicht.
    Ich habe seit Jahren anderen die Möglickeit geschaffen, mich anonym anzuschreiben. F!XMBR hat auch seit einiger Zeit den «toten Briefkasten (sie verwenden den selben Anbieter). Das bedeutet, wir lassen es zu, das sich andere ganz frei uns gegenüber äußern können, ohne sich zu erkennen zu geben. Ich glaube, das dies mehr Meinungsfreiheit und Freiheit überhaupt ist, als viele bereit sind zu gewähren. Ich habe bei meinen Artikeln gegen Rechte oder über die Piraten und auch den Christen über diesen anonymen Briefkasten Dinge mitgeteilt bekommen, die mich im Fall der Rechten darin bestärken, auch einer «legalen» Organisation nicht ein Handbreit meiner Freiheit zuzugestehen. Aus der Kirche bin ich, der frühere Messdiener schon vor Jahren ausgetreten und ich unterstütze da lieber ideologiefreie Organisationen im sozialen Bereich.
    Ich bin ja mal gespannt, was Elke Wittich für eine Antwort bekommt.
    Wobei ein Freund von mir, der bis vor ein paar Jahren in Schweden gelebt und gearbeitet hatte, gemeint hat, das der Schwedische liberale und offene Kurs nicht nur für die Meinungen gilt, sondern auch für Firmen. Ein Gesetz, das Firmen verpflichtet mit jedem als Kunden zu arbeiten sei Ihm nicht bekannt. Es bleibt mal abzuwarten, was die Pressestelle des «Justitiedepartementet» antwortet (und ob überhaupt).
    Ansonsten ist für mich eine Diskussion über die (Meinungs-)Freiheit sowieso nur ein Vorwand, sich selbst nicht positionieren zu müssen, in diesem Fall. Für solche Diskussionen empfehle ich das Piraten-Forum, da werden solche Thesen, soweit nicht der Piratenpartei zum Nachteil gereichend gerne aufgenommen.

  56. Moritz sagt:

    Wenn Flattr beginnt, einzelne Gruppen auszuschließen: wer sagt, dass sie dann damit nicht immer weiter machen und immer mehr ausschließen? Am Anfang die NPD, kurz darauf die KPD, dann die MLPD und plötzlich darf die taz den Dienst dann nicht mehr benutzen? Solche Ausschlussverfahren sind immer kritisch, weil es sehr schwierig ist, klare Grenzen zu finden.

    Versteht mich nicht falsch: Gegen Nazis muss man sich öffentlich zur Wehr setzen, und zwar immer wieder und ich selbst würde nie auf die Idee kommen, die NPD mit irgendwelchen harmlosen Kommunisten zu vergleichen. Aber Flattr ist in meinen Augen für alle da und der falsche Weg, um gegen Nazis zu demonstrieren. Abgesehen davon gibt es doch viel bessere Möglichkeiten: Flattr könnte einen Teil der überstehenden Einnahmen an Stiftungen spenden, die sich gegen Nazis engagieren. Dann würden die Nazis diese Stiftungen mitfinanzieren… gerade, wo er mir kommt, gefällt mir der Gedanke echt gut 😀 . Der NPD-Verlag in Riesa sitzt seit kurzem ja auch in der Geschwister-Scholl-Straße — diese Form des Widerstands gefällt zumindest mir besser, als irgendwelche Ausschlussverfahren.

    Und nur nochmal zur Bestätigung: Die NPD ist keine normale Partei und jeder, der NPD wählt, wählt das mögliche Aus der Demokratie.

  57. >Flattr könnte einen Teil der überstehenden Einnahmen an Stiftungen spenden, die sich gegen Nazis engagieren.

    Umgekehrt hats ja zumindest gefunkt, wenn man da an Carl Lundström und dessen Support von The Pirate Bay denkt. Wird natürlich von Sunde vehement bestritten, doch andererseits sprich der gelebte Pragmatismus hier auch Bände.

  58. Gaston sagt:

    «Ich unterstütze die NPD nicht, wenn ich das Geldsystem nutze, obwohl das auch Rechtsradikale tun (wer weiß denn, was eine große Bank alles für Kunden hat?). Und mit einem Klick auf einen Flattr-Button honoriere ich Blog-Artikel, die mir gefallen — nicht etwa die NPD, nur weil sie das System ebenfalls nutzt.»

    Oh, bist Du Dir da so sicher?
    Es ist monatlich eine Summe von mindestens 2 Euro fällig.
    Wird nicht einmal ein sogenannter Flattr-Button geklickt, dann ist das Geld für dich nicht mehr kontrollierbar weg! Schau ich mir mal so an, was mir und vielen meiner Freunden so im laufe des Jahres passiert, so denke ich, das im Durchschnitt jeder mind. 1 Monat im Jahr seinen Beitrag nicht selbst verteilt (was ja dann sowieso nur noch 1,80 Euro sind, nach Abzug der 10%). Das sind erhebliche Summen, die da zusammenkommen, vor allem, wenn der Erfolg und die Verbreitung zunehmen. Was passiert mit dem Geld? Eine entsprechend der Klicks orientierte Ausschüttung? In die eigene Tasche der ach so sozialen Aktionäre? Oder an eine gemeinnützige Organisation?
    Egal, wie, Flattr entzieht hier dem Geldgeber die Möglichkeit, zu entscheiden, was mit dem eigenen Geld passiert.
    Ein bitterer Beigeschmack, wo doch ein Vertreter dieser Organisation hier die Worte Freiheit und Meinungsfreiheit, wie auch Zensur so vollmundig rausposaunt.

    Ich sehe in dem, das man mir mein Geld klaut (so empfinde ich das, wenn ich nicht mehr entscheiden kann, wen ich unterstützen will, weil z.B. in einem laufenden Monat mir nichts von dem, was ich gesehen habe, was ich für Unterstützungswürdig hielt oder im Urlaub/Krank/wasweißich war) eine ganz klare Zensur meiner Meinungsfreiheit und der Freiheit selbst über mein Geld zu entscheiden.

    Somit für mich nicht akzeptabel.
    Wenn eine Bank Geld, das auf den Girokonten ist, am ende des Monats in Ihren Besitz nehmen würde, dann wäre der Aufschrei groß. Aber wie immer im Verbraucherschutz, es wird flächendeckend an der Schmerzgrenze der Menschen agiert, um sich so einen Vorteil zu schaffen. Hier sind es halt die «mind. 2,00 Euro».
    2,00 Euro kann man ja auch mal ohne «Gegenleistung» verschmerzen. Da verzichtet man dann halt mal darauf, in dem Monat eine Obdachlosenzeitung oder ähnlichen zu kaufen. Die versaufen das ja eh nur (Vorsicht Sarkasmus).
    Woanders sind es angebliche Abogebühren, die seltsamerweise alle in ähnlichen Regionen liegen (kurz unter 100,00 Euro, weil eine 2-stellige Zahl nicht so hoch wirkt) und gerade noch beim Nerven als das geringere Übel gilt, um endlich Ruhe zu haben.

  59. Coretex sagt:

    @Gaston, Die überlegung, was mit dem Geld passiert, wenn Du mal einen Monat nicht flatterst wird bereits durch die FAQ beantwortet.

    What happens if I don’t flattr anything a month?
    — Then your monthly amount is given to charity, we will not keep it.

    Und nachdem ich Peter Sunde gelesen habe, bin ich mir absolut sicher, das Charity nicht mit NPD identisch ist.

    @Christian

    Ausgehend von dem Gedanken, das Flattr ja das Hausrecht nutzen kann um die NPD komplett auszusperren, gibt es dann natürlich auch keine Einwände, wenn die USA Paypal und andere Zahlungsdienstleister dazu drängen das gleiche Hausrecht bei Wikileaks Spenden, oder ähnlichem anzuwenden.

    Flattr bildet wie Paypal, oder andere Banken ein Netzwerk für Geldfluß, und die Grundsätze für Netzwerkneutralität sollten hier ebenfalls angewandt werden.

    Ich stelle mir gerade unseren Wochenmarkt vor, auf dem kurz vor irgendwelchen Wahlen auch immer wieder die verschiedenen politischen Parteien ihre Werbung unterm Sonnenschirm betreiben.

    Warum sollte ein Kartoffelhändler nicht mehr auf dem Markt fahren, nur weil ein paar Tage pro Jahr eben auch die NPD dort einen Wahlstand hat.

  60. So, alle «Argumente» sind dann wohl ausgetauscht. Ich bin es leid, immer und immer wieder zu wiederholen, dass es sich nicht «nur» um Spinner oder «nur» um Rechtspopulisten handelt.

    Es geht um die NPD und da fehlt vielen Menschen offensichtlich die historische und politische Bildung.

  61. Martin sagt:

    @ Christian Sickendieck

    Du legst anderen Dinge und Behauptungen in den Mund und tabuisierst damit die Diskussion, die du selbst gestartet hast.

    Es geht genau um das, was Claudia schon angemerkt hat: legal und illegal. Um nichts anders. Dazu haben wir das Gesetz. Ob man dann Dinge, die legal sind, normal oder unnormal findet, spielt da einfach keine Rolle. Wer hier nicht trennt, begibt sich auf dünnes Eis. Während wahrscheinlich 99 Prozent dem Ausschluss eines NPD-Blogs von Flattr zustimmen würden, gäbe es schlagartig unzählige andere Fälle, in denen ähnliche Forderungen gestellt werden, die Lage aber weit weniger eindeutig ist.

    Hat man damit erst einmal angefangen, ist im Prinzip das gesamte System dahin.

    Und (so schlimm ich es finde, dass man dies extra erwähnen muss, um nicht automatisch den gegensätzlichen Stempel aufgedrückt zu bekommen): Nein ich finde die NPD nicht normal.

  62. […] Nachdem ich den Artikel „Flattr – Geld verdirbt den Charakter“ bei Fixmbr gelesen habe, fühle ich mich in dem Entschluss noch bestärkt. Und hoffe, dass es […]

  63. […] sehe ich allerdings, dass wie fixmbr zu recht kritisiert, in der flattr-Community auch Nazis unterwegs sind. Das ist gerade vor dem Hintergrund des Community-Gedankens abzulehnen. Das Argument von Peter […]

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