Finanzieren die Telekom und Adidas illegale Todes-Rennen?

Gumball 3000Via Fastix bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen. Das Gumball 3000-Rennen, bei dem jährlich die größten Vollpfosten der (westlichen) Hemisphäre teilnehmen, hat 2 Todesopfer gefordert — ein Rentnerehepaar aus Mazedonien: Vladimir Cepunovski und sein Frau Margit wurden von ein paar Gehirnwaisen getötet, ich könnt kotzen. Das Gumball 3000-Rennen ist ein seit 1999 jährlich illegales Straßenrennen, bei dem ein paar Schwachmaten mit Geld in der Tasche, Startgebühr allein 41.000 Euro, mitmachen. Ich hätte mir gewünscht, dass man über diese Penner nicht berichtet, nachdem die deutschen Behörden das einzige richtige getan habe, sie der Lächerlichkeit preisgegeben:

Allein in Rheinland-Pfalz hielt die Polizei in der Nacht zum Montag 62 schnelle Luxusautos der Rallye durch ganz Europa an. In Nordrhein-Westfalen und Hessen wurden sechs Rennfahrer gebremst. Die Fortsetzung des Rennens in Deutschland sei verboten worden […]

Allein an einer Autobahn-Raststätte bei Koblenz wurden 52 Sportwagen angehalten und kontrolliert. Anschließend fuhren die Luxusautos in einem von der Polizei überwachten Konvoi zum Flughafen.

Stern.de — Polizei stoppt Luxus-Rallye

Das Bild hätte ich gerne gesehen. Diese halbstarken Möchtegerns, begleitet von der Polizei, in einem Konvoi zum Flughafen — ich hofffe, die Polizei hat Taschentücher verteilt. Das sind bestimmt einige Tränen geflossen. Da bekommt man schon Mitleid — naja, oder auch nicht.

Kommen wir nun aber zum Interessanten an der Geschichte: Laut Fastix sollen unter anderem die Telekom und Adidas die mutmasslichen Todesfahrer des Rennens sponsorn. Fastix zitiert Adidas:

Nebst dem Adidas-Sponsoring von einzelnen Teams des «Gumball 3000″ legte Adidas eine gleichnamige Schuh– und Kleiderkollektion samt Accessoires auf. Laut Adidas-Sprecherin Ursula Bayer hat sich «Adidas an der Rallye nur in der Annahme beteiligt, dass die Gesetze eingehalten würden.» «Der Veranstalter hat sich uns versichert, dass er mit den verantwortlichen Behörden in den verschiedenen Ländern zusammenarbeitet»

Lächerliches PR-Geblubber meiner Meinung nach — da wird doch gleich mal nachgefragt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

laut Medienberichten gehören Sie zu den Sponsoren des Todes-Rennens Gumball 3000. Was jeder halbwegs intelligente Mensch voraussehen konnte, ist nun eingetreten: Es gab unschuldige Tote — das Mazedonische Ehepaar Margit und Vladimir Cepunovski musste sterben, weil es halbstarke Menschenaffen mit Sponsoren-Unterstützung jedes Jahr schaffen, das Gumball 3000-Rennen zu starten.

http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/berlin/169954.html

Diesbezüglich hätte ich ein paar Fragen:

Wird Ihr Haus auch zukünftig das Todes-Rennen finanziell unterstützen, bzw. sind die Medienberichte diesbezüglich korrekt?

Gibt es in Ihrem Haus Überlegungen, den Hinterbliebenden von Margit und Vladimir Cepunovski (finanzielle) Unterstützung zukommen zu lassen?

Wie steht Ihr Haus generell zu illegalen Autorennen — hier im Industriegebiet in Hamburg werden auch immer solche Rennen gestartet. Können die Fahrer dort vor Ort auch mit Ihrer Unterstützung rechnen?

Wer ist in Ihrem Haus dafür verantwortlich, dass dieses Rennen finanziell unterstützt wurde?

Informieren Sie sich über die Ereignisse, die Sie sponsorn?

Wie steht Ihr Haus zu den Todesfahrern und den Opfern?

Und ab dafür an die Pressestelle der Telekom und Adidas…

Bild der Wikipedia entliehen — Lizenz Public Domain worldwide .

13 Antworten zu “Finanzieren die Telekom und Adidas illegale Todes-Rennen?”

  1. Dr.Dean sagt:

    Tja — da wird es wohl keine Antworten geben. So demokratisch gesinnt ist man bei Adidas nun auch wieder nicht, dass man sich Kritikern stellt — her möchte man solche Fragen totschweigen.

  2. Martina sagt:

    Gutes Schreiben! Nun bin ich auf die Antwort gespannt. Aber nun mal etwas «ernsthafter» zwischen und beiden Klosterschwestern: Was sollen diese armen Kiddies denn anstelle dieser Äcktschon machen? Wenn Langweile pur ihr Leben bestimmt?

    Und es ist doch ein Naiß tu häv, wenn man den einen oder anderen potentiellen Sponsor kennt…

  3. Chris sagt:

    Mail ging auch raus an Red Bull, MTV und eBay. Ich glaube zwar nicht, dass es was bringt, aber hey — sie haben die Möglichkeit, uns zu überraschen… 😉

    Hm, Klosterschwester? 😀

    Mein Paps hat mir den C64 finanziert — dort finanziert Paps eben den Porsche und das Gumball-Rennen…

  4. Äh, nicht, dass ich Gumball befürworten würde, aber von einem «Todes-Rennen» zu sprechen ist BILD-Zeitungsniveau.
    Auf unseren Todes-Strassen kommen jedes Jahr mehrere zehntausend Menschen um, die meisten in Todes-Autos, aber auch viele auf Todes-Motorrädern und es gibt sogar Todes-Fussgänger.

  5. Chris sagt:

    Die fliegen aber nicht in einem illegalen Rennen mit 240 km/h und schneller über die Straßen. Und jetzt ist Schluß hier mit den Relativierungen — so ein Dreck hat hier bisher genauso wenig was verloren gehabt, wie Spam…

    Alles klar soweit?

  6. Das dürfte nun das dritte Mal gewesen sein, dass ein Kommentar von mir Dich zu abtrusen Vergleichen verlitten hat.

    Sehr viele der xtausend Verkehrstoten pro Jahr gehen auf das Konto von notorischen Rasern. Die Wahrscheinlichkeit von so einem Menschen plattgemacht zu werden, ist erheblich höher, als durch ein Gumball-Rennen abzuleben.
    Nicht, dass es das Gumball besser machen würde, aber _wenn_ Du Gumball als Todesrennen bezeichnest, musst Du konsequenterweise auch mit den täglichen Raserwahnsinn auf deutschen Strassen tun.

  7. Chris sagt:

    musst Du konsequenterweise auch mit den täglichen Raserwahnsinn auf deutschen Strassen tun.

    1. Was ich schreibe und zu denken habe, das überlasse doch einfach mir, klar?

    2. Abgesehen davon, woher weißt, dass ich nicht genau das tue, und ich eben durch den Artikel einen Aufhänger «nur» für das Rennen hatte.

    3. Und tschüss…

  8. ph sagt:

    Blubb,
    also ich weiß ja nicht, ob da jetzt die Zahl der Verkehrstoten auf deutschen Straßen unbedingt Material für nen «guten» Beitrag hergibt, aber befremdlich find ich das hier jetzt schon etwas. Ich drück es mal so aus: Formulierungen wie «illegale Todesrennen» sind jetzt kein Beinbruch, denn immerhin ist der Rest vom Artikel ja lesenswert. Den Einwand mag jeder so sehen, wie er will. Aber warum muss dann bei Beiträgen wie oben direkt mit der Spamkeule gefuchtelt werden?
    Ich kann ja nachvollziehen, dass ihr bei den ganzen heißen Eisen, die ihr hier anpackt, auch ne Menge unliebsamen Besuch habt mit dem ihr nicht eure Zeit verplempern wollt. Ok, und je nach angeschlagenem Ton — Hausrecht und so… Wär nur halt schade, wenn irgendwann echte Diskussionen drunter leiden. Und sei’s nur, weil man einen Ton wie oben wählt.

  9. Chris sagt:

    Ich habe den Weg nicht eingeschlagen — und der gute Herr oben hat, wie er selbst schreibt, eine «Vergangenheit».

  10. Name sagt:

    Machen wir uns nichts vor. Unter den Teilnehmern solcher Rennen (es gibt mehr als nur Gumball) finden sich genug asoziale Schweine, die glauben mit Geld lässt sich alles regeln, und für die zum Beispiel die in Deutschland fälligen 420 Euro einfach lachhaft sind.

    Morley scheint von den lokalen Gesetzen auch nicht viel zu halten. So wollte er, nachdem er das erste mal aus der U-Haft entlassen wurde, doch glatt mit einem Privatjet fliehen. Erst die Fahrerflucht, dann der Fluchtversuch aus dem Land mit einem Gumball BMW, dann der Fluchtversuch mit dem Jet. Ein feiges Stück ist dieser feine Herr und sein Kumpel McConvile für mich.

  11. Falk sagt:

    Und denkt mir bloss an die Kinder und vor allem an die dritte Welt. Dort sterben noch viel mehr Menschen, aber nicht durch Autorennen, sondern durch Unterernährung.

    Meine Fresse, diese elendige Relativiererei und «Das dort ist aber auch schlimm…» geht mir echt auf die Nüsse…

  12. Chris sagt:

    Du hast den Klimawandel vergessen Falk… 😉

  13. […] Über das Todesrennen Gumball 3000 hatte ich hier ein paar Zeilen geschrieben. Während ich den Artikel geschrieben hatte, kam mir die Idee, von den angeblich werbenden Unternehmen beim Gumball 3000 ein paar Statements einzuholen. Das gestaltet sich schwierig. Bis auf MTV hat nicht ein Unternehmen geantwortet. Aber so leicht lasse ich mich nicht abschütteln — aus dem Windschatten heraus werde ich ganz einfach per Post nachlegen, eine eMail kann ja mal aus Versehen verloren gehen. […]

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