Final: Der deutsche — kritische — Journalismus

Nebenan bei der BooCompany gibt es verschiedene Steps — eigentlich für Unternehmen gedacht und ihre Schritte in Richtung Exodus. Ein Boo wird vergeben bei Negativmeldungen, eine Final, wenn die Lichter (endgültig) ausgehen. Gerade habe ich in dieser Diskussion angemerkt, dass es mal wieder Zeit ist für eine Final, und zwar für den deutschen Journalismus. Ich merke hier an, den kritischen Journalismus, da sich heute ja fast jeder noch so kleine Publizist das Wort Journalist auf die Visitenkarte druckt, wie zum Beispiel Mathias Döpfner. Nicht nur die heutigen Auszeichnungen zu den Journalisten des Jahres haben mich zu der Einschätzung geführt, auch andere Ereignisse der letzten Tage verfestigen immer mehr dieses Eindruck.

Ich hatte heute das erste Mal seit Monaten wieder einen gedruckten Spiegel in der Hand. Ich hatte die Kollegen von der Brandstwiete für dieses Artikel sehr gelobt — hätten sie ihn zum Titel gemacht, dann wäre es perfekt gewesen. Und so wollte ich schon den Spiegel in den Einkaufswagen packen — doch dann meldete sich der kleine, kritische Chris oben rechts und meinte, schau doch erst noch mal ins Inhaltsverzeichnis. Und so fiel mir neben dem obigen ein weiterer Artikel ins Auge — ein Artikel über die neue Juso-Chefin Franziska Drohsel. Überschrift des Artikels: Die fröhliche Sozialistin. In dem Artikel behauptet der Spiegel doch allen Ernstes, dass die SPD [sic!], ja, die gesamte SPD unter der Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel wieder nach links rutschen würde. Zur Erinnerung: Wir sprechen über diese nette, junge Frau. Die junge Welt hat sich auch ihre Meinung zu dieser Person gebildet. Und da war es dann wieder vorbei — die unsägliche Qualität des Spiegels, der sich in den letzten Jahren unter Aust gebildet hatte, trat wieder zum Vorschein. Und so wanderte das Heft wieder in das Regal — so ein Blödsinn braucht nun wirklich kein Mensch.

Über das Pamphlet von Bernd Graff in der SZ ist schon viel geschrieben worden, da muss ich nicht mehr viel zu schreiben. Hier tritt die nackte Existenzangst hervor, die nackte Angst vor dem Unbekannten, die nackte Angst davor, dass es tatsächlich Menschen gibt, die die neue Form des Publizierens ohne Volontariat oder eine adequate Ausbildung besser beherrschen als die alteingesessenen Journalisten dieses Landes. Die Zukunft des Journalismus wird von Amateuren besser beherrscht, als von den Profis — um im Jargon des Herrn Graff zu bleiben. Der nette Kollege von der SZ schreibt, was das Internet für ihn bedeutet — Sabotage, Verschwörung, Häme, Denunziation, Verächtlichmachung, Hohn, Spott. Nicht, dass er Beispiele bringen würde oder gar recherchiert hätte, nein, es wird einfach so in den Raum geworfen um dann dem Ganzen die Krone aufzusetzen, der freie Meinungsmarkt sei destruktiv. Nicht nur, dass hier auf perfide Weise Artikel 5 des Grundgesetzes als Markt bezeichnet wird — durch die Bezeichnung destruktiv erfolgt ein direkter Angriff auf unsere Verfassung. Für Journalisten wie dem netten Herrn Graff zählt die Meinungsfreiheit offenbar nur, wenn er oder seine Kollegen dieses Recht ausüben dürfen — der Pöbel hat doch bitte den Mund zu halten.

Die gleiche Sichtweise, wie der nette Herr Graff, zeigt heute der nette Herr Kaube von der FAZ. Auch hier tritt die nackte Existenzangst ganz offen hervor — man kann sie im geistigen Auge förmlich sehen, die Äderchen, wie sie im Gesicht des Jürgen Kaube hervortreten, wenn er an das abgrundtief böse Internet denkt. Bezugnehmend auf das Urteil im Spickmich.de-Prozess, wir erinnern uns, Schüler dürfen Lehrer, solange es keine Schmähkritik wird, im Internet benoten, schreibt der nette Herr Kaube: Aber Erscheinungen wie die der Lehrerkritik durch Schüler im Internet als Zunahme an Demokratie zu feiern ist mehr als dumm. Mit diesen Worten offenbart der nette Herr Kaube seine ganze Denke: Kinder, Schüler, Amateure haben doch bitte den Mund zu halten, er und seine Kollegen beanspruchen die Lufthoheit über die Meinung in unserem Land. Alles andere ist dumm und überhaupt unsachlich — man kann es förmlich durch die Leitung mit den Händen greifen, wie er sich offenbar gerade noch zurückhalten kann, haltet die Schnauze, zu schreiben.

Getroffene Hunde bellen bekanntlich — der kritische Journalismus in unserem Land ist am Ende. Schlicht und ergreifend muss man das so konstatieren. Der Journalismus in unserem Land war mal unsere vierte Gewalt. Er hatte die Aufgabe, die anderen drei (offiziellen) Gewalten zu kontrollieren und zu überwachen — und meiner Meinung nach auch immer wieder zu hinterfragen. Diesem Job geht der Journalismus in diesem Land schon seit Ewigkeiten nicht mehr nach. Der deutsche Journalismus ist in seiner heutigen Verfassung nur noch Erfüllungsgehilfe der Politik und PR-Maschine einer ungezügelten Wirtschaft. Ich erinnere mich zum Beispiel an das TV-Duell Merkel vs. Schröder. Die gesamte Industrie wollte Merkel als Kanzlerin — es gab eine vorher nie dagewesene Manipulation der Massen, pro Merkel, pro Schwarz-Gelb — angeführt vom Spiegel und Stern. Und was passiert nach dem TV-Duell? Jeder halbwegs intelligente Mensch hat gesehen, dass Schröder die Merkel in Grund und Boden gestampft hatte. Und was machen unsere Kommentatoren daraus? Merkel gewinnt, Merkel besser als erwartet. Wo erleben wir heute diese Meinungsmanipulation zugunsten weniger? Kleines Stichwort: Der Aufschwung kommt bei den Menschen an.

Und lieber Herr Graff und lieber Herr Kaube — es mag Sie wahrscheinlich überraschen, aber die Amateure, der Pöbel, wie auch immer sie die nicht professionellen Publizisten (im Internet) bezeichnen wollen, sind nicht das Problem. Kein Blogger zum Beispiel wird einem fundierten, gut recherchierten Artikel etwas entgegenzusetzen haben. Er wird sich darauf beziehen, er wird ihn verlinken, er wird seine Meinung dazu verfassen und dadurch diesen in seiner Leserschaft weitertragen, vielleicht sogar zu ein wenig Ruhm verhelfen. Kein Blogger hat die Möglichkeiten, die ein Journalist hat — kein Blogger in diesem Land wird in naher Zukunft und sogar mittelfristig Konkurrenz für Euch sein. Das Problem liegt an völlig anderer Stelle. Es ist der enorme Vertrauensverlust der Bevölkerung in Euch, in die alten Medien. Ich kenne mittlerweile kaum einen Menschen, der nicht mindestens zwei Publikationen zu ein und demselben Thema liest, weil zu Euch schlicht und ergreifend das Vertrauen fehlt. Ihr werdet auf den deutschen Blogs oftmals noch verlinkt — und schlussfolgert daraus, dass Ihr wichtig seid, dass Ihr die Profis seid, die anderen, der Pöbel beziehen sich nur auf Euch. Doch das ist ein Trugschluss.

Auf den Blogs ist es üblich, die Quelle zu nennen, auch eine Respektbekundung, die Ihr nicht mal im Ansatz beherrscht. Und genau so kommen Eure Verlinkungen zustande. Nicht, weil Ihr die großen Schreiber dieses Landes seid, nein — sondern weil Ihr einfach nur noch dafür da seid, die initiale Information zu liefern. Die Bewertung, die Interpretation indes erfolgt an anderer Stelle. Ihr werdet da kaum noch ernst genommen. Ihr werdet zum Großteil nur noch als Journaille wahrgenommen — wann gab es zum Beispiel das letzte kritische Interview mit einem Politiker? Eigentlich immer nur, wenn es um Gregor Gysi oder Oskar Lafontaine geht — schon gar nicht, wenn Guido Westerwelle von Sozialismus schwafeln  darf, wenn es darum geht, zu verhindern, dass Menschen und Kinder in unserem Land weiter hungern. Ihr, die Journalisten in diesem Land solltet eigentlich die Stimme der Bevölkerung sein, Ihr seid jedoch die Stimme der Politik und der Industrie. Ihr seid nicht mehr die, die zur Mäßigung aufrufen und sich argumentativ als Anwalt des kleinen Mannes präsentieren — Ihr seid die, die die sogenannten Reformen für die Politik und pro Wirtschaft salbungsvoll dem kleinen Mann verkaufen. Schämt Euch!

Liebe Journalisten, Ihr habt schon vor langer Zeit die Seiten gewechselt und Eure ursprüngliche Aufgabe als vierte Gewalt vergessen. Nun jammert nicht rum, wenn sich Ansätze und mehr sind es zur Zeit dann auch nicht, einer Gegenöffentlichkeit präsentieren. Wenn Ihr sie als so stark empfindet, wie Eure von Angst zerfressenen Pamphlete vermuten lassen, dann solltet Ihr vielleicht mal in den Spiegel schauen. Denn die Stärke einer sogenannten Gegenöffentlichkeit kann nur aus der Schwäche der ursprünglichen Form, hier dem deutschen Journalismus entstehen. Keine der von Euch so verächtlich gemachten Amateure, hat Eure Möglichkeiten oder gar Eure Kontakte. Die meisten Leute da draußen, ob man nun immer mit ihnen einer Meinung ist, oder nicht, völlig egal, haben Euch jedoch eines weit voraus: Sie haben (noch) das Herz am rechten Fleck, sie wurden noch nicht gekauft, sie haben den Pfad der (journalistischen) Tugend noch nicht verlassen. Die vierte Gewalt, ich schrieb es vor längerer Zeit schon mal, existiert in unserem Land (so gut wie) nicht mehr. Sie wurde mittlerweile fließend integriert in die Legislative, geschützt durch Judikative und Exekutive — so meine Worte damals, heute ergänze ich, gesteuert von einer maßlosen Wirtschaft. Es liegt an Euch, wieder das zu werden, was ihr mal wart — geschätzte Mitglieder der Gesellschaft. Nur solltet Ihr dann mal anfangen, die Politik, die Industrie und Euch selber so zu hinterfragen, wie Ihr das voller Angst in schöner Regelmässigkeit mit uns unwichtigen Amateuren macht. Wir müssen nicht hinterfragt werden, das können wir ganz gut alleine — Ihr seid dafür da, die Gesellschaft, das Miteinander zu hinterfragen, die größten Missstände aufzudecken.

That’s your Job — take it or leave it.

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12 Antworten zu “Final: Der deutsche — kritische — Journalismus”

  1. Bernhard sagt:

    Der Artikel ist sehr gut. Dennoch ist er mir etwas zu übertrieben — nicht übertrieben in dem was er aussagt sondern mehr übertrieben in dem Glauben, dass die Verflechtung der Gewalten jemals geringer war.

    Vielleicht (ich pump mal Hoffnung in all das Web 2.0 usw.) wird es durch Blogs, Foren etc. demnächst eine fünfte Gewalt geben, die aufgrund ihrer Größe nicht mehr so sehr vereinehmbar ist.

  2. Oliver sagt:

    Die Kritik an der Journallie war auch nie wirklich leise, allenfalls heute leiser denn früher. Auch wenn man es u.U. nicht glauben mag und es vermeint anders herum zu sehen. Das Internet schenkt dieser mittels der omnipotenten Allgegenwärtigkeit mehr Aufmerksamkeit als verdient. Das Problem ist so alt wie die Presse selbst, die nie eine vierte Gewalt war, dieser Mythos wurde auf Dauer selbst von der Presse geprägt. Dank Internet rutschen heute einige problematischen Dinge mehr in das allgemeine Interesse der Bevölkerung, aber wiederum auch nur für diejenigen, die das Netz auch tatsächlich nutzen.

  3. Bernhard sagt:

    Alles was Du jetzt geschrieben hast hat unglaublich viel Potential und vielleicht hast Du sogar recht mit der Allgegenwärtigkeit der Presse — aber vielleicht ist dies auch eine Chance — nämlich die Verknüpfung von bspw. Blogs bzw. Bürger und traditionellen Medien. Vielleicht kommt hier der richtige Austausch zustande, vielleicht werden hierdurch viele Masken fallen.

    Ansonsten sehe ich die Presse schon als vierte Gewalt an und das sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.
    Ich denke hier spricht auch ein wenig der Ärger wenn Du dieser, dass aberkennst.

  4. Sophie sagt:

    «Im Anfang war die Presse
    und dann erschien die Welt.
    Im eigenen Interesse
    hat sie sich uns gesellt.
    Nach unserer Vorbereitung
    sieht Gott, daß es gelingt,
    und so die Welt zur Zeitung
    er bringt […]
    Sie lesen, was erschienen,
    sie denken, was man meint.
    Noch mehr läßt sich verdienen,
    wenn etwas nicht erscheint.»

    meinte z.B. der scharfe Presse-Kritiker K. Kraus vor bereits über 80 Jahren; ein Streiter, der «Zahlungen sogenannter ‘Pauschalien’ großer Wirtschaftsunternehmen an Zeitungen» nachwies und die «kritischen Journalisten» als «Tintenstrolche», «Fanghunde der öffentlichen Meinung», «Preßmaffia» oder «Preßköter» bedachte.

    (Mein persönlicher «Favorit» aber ist — «Journaille»)

  5. Oliver sagt:

    @Bernhard, mir deucht hier liegt ein Verwechsler vor, Chris schrieb obigen Text, ich kommentierte nur drunter. Eine «Gewalt» zudem ist ein wager Begriff, denn immer wenn ich irgendwo stark vertreten bin kann ich meine Sicht der Dinge durchdrücken. Die Konzerne sind auch eine «Gewalt», vielleicht die fünfte? Und wo kommt die sechste und siebente? Das könnte man endlos fortsetzen, wichtig ist *keinem* eine derart mächtige Stellung zukommen zu lassen, den Macht wird mißbraucht.

  6. Bernhard sagt:

    Ähh, sorry. Kenne den Blog schon länger, lese aber das erste Mal rein. Dachte der Artikel wäre von Dir.

    Und mit den Gewalten gebe ich Dir sogar recht, wenn man es differenziert betrachtet ist es wirklich so. Habe die Presse nur auch 4. Gewalt genannt (der Einfacheit halber) — weil sie schon sehr mächtig ist.

  7. Bernhard sagt:

    5. Gewalt mein ich

  8. Yehuda sagt:

    @Chris

    > sondern weil Ihr einfach nur noch dafür da seid, die initiale Information zu liefern

    Dies entspricht exakt meinem Verständnis von *Berichterstattung* (bitte nicht mit Journalismus verwechseln). Der Berichterstatter soll eine Begebenheit oder einen Sachverhalt möglichst wertneutral darstellen und formulieren, damit der *mündige* Bürger, basierend auf diese Information, sich seine Meinung bilden kann.
    Ich persönlich erwarte in einem Pressebericht keinerlei Wertungen, Advokatur, etc. Eine saubere Info würde mir schon reichen. Alles Andere ist aus meiner Sicht tendentiöse Berichterstattung, egal auf welcher Seite man sich dabei als Presseorgan auch schlägt.

    Wir haben uns als Bürger zu Konsumenten degradieren lassen — dann dürfen wir jetzt auch nicht jammern, wenn wir von «eingesessenen Presseorganen» zwangsgefüttert werden.
    Das Publizieren im Web könnte in diesem Zusammenhang eine der letzten Chancen sein, demokratische Werte aktiv zu verteidigen. Doch wieviele Menschen wissen überhaupt, dass eine Demokratie fortwährendes Engagement des Einzelnen verlangt? Wir sind eine übersättigte und diskursfaule Gesellschaft geworden — und/oder desinteressiert. Auf Kosten derer, die gar nicht in der Lage sind, sich selbst zu wehren.

    Klassische Medien erleben keine Glaubwürdigkeitskrise — die Bürger dieses Landes sind seit geraumer Zeit zu passiv und zu brav. Sie kaufen weiter die verlogenen KlickiBunti-Magazine, die hingerotzte Tageszeitung und sehen keinen Anlass dafür, die Aussagen der x-ten Macht im Lande anzuzweifeln. Am Ende des Tages, plappern sie den Quatsch auch noch nach.
    Zu einem erfolgreichen Lügenbaron, gehören auch Menschen, die den Märchen das nötige Glauben schenken — und von dieser Sorte gibt es mehr als genug.

  9. Oliver sagt:

    >Ich persönlich erwarte in einem Pressebericht keinerlei Wertungen, Advokatur, etc.

    Objektivität existiert nicht, die Subjektivität beginnt schon beim gewichten der Info per se, sprich ob diese gedruckt wird und geht über zum notwendigen abstrahieren, bei der eventuell essentielle Informationen weggelassen werden. Bei letzterem redet man sich mit Professionalität heraus, wobei man hier aber auch klar sagen muß nur ein Fachmann kann tatsächlich abstrahieren. D.h. so oder so wird es eine subjektive Nachricht, egal wie nobel die Absichten desjenigen auch sein mögen.Du mußt dich also damit abfinden *immer* mit Subjektivität zu leben, letztendlich macht die Quellenkritik die Güte der Information aus. Und wenn man diese scheut, ob der damit einhergehenden Arbeit, dann und nur dann darf man sich auch nicht beschweren!

    >Wir haben uns als Bürger zu Konsumenten degradieren lassen — dann dürfen wir jetzt auch nicht jammern, wenn wir von “eingesessenen Presseorganen” zwangsgefüttert werden.

    Mit dieser Argumentation befleißigst du dich soeben dieser Konsumentenhaltung. Indem du kritisiert und auf Fehlungen hinweist entsagst du diesem Konsumentenstatus.

  10. Yehuda sagt:

    > Mit dieser Argumentation befleißigst du dich soeben dieser Konsumentenhaltung.

    Wohl kaum. Man kann aber nicht *die Presse* kritisieren und die Bürger ausnehmen, die die Konzerne zu dem gemacht haben, was sie heute sind. Springer verdient nicht so viel mit BILD, weil die Mehrheit der Bürger kritisch und aufgeklärt ist. Sie verdienen so viel Geld, weil sie die Urinstinkte ihrer Käufer bedienen: Sensationslust, nacktes Fleisch, drittklassige Enthüllungen, markige Sprüche, Verdrehungen und Gerüchte, alles wie im richtigen Leben. DAS ist offensichtlich das, was täglich 2,x Mio. Menschen dazu bewegt, dieses Blatt zu kaufen und über 10 Mio. Menschen, es zu lesen — und das ohne Zwang, sie tun es freiwillig…;-)
    Und dann erwartest Du, dass Journalismus (von einer Mehrheit der Bürger) kritisch beäugt wird ? Die Kritik sollte sich in erster Linie an die richten, die diese Produkte regelmäßig kaufen, oder ist diese Art der Wahrheit zu unangenehm? Es ist unpopulär zu behaupten, bei einer großen Mehrheit der Rezipienten, reicht es halt geistig nicht — es wäre aber die Wahrheit.
    Es ist wie mit der Kritik an StudiVZ: In Wirklichkeit, interessiert die teilnehmenden Studis Datenschutz, Sicherheitslücken, etc. NULL. Sie wollen quatschen, flirten, dumme Sprüche reissen, provozieren, «Chicks klar machen» und sich mit Banalitäten befassen. Doch kein Kritiker traut sich laut zu fragen «Sag mal, wie ticken die denn? Und diese Typen sollen unsere Zukunft sein?». StudiVZ hat eine Menge Mist gebaut, aber für die Niveau– und Gedankenlosigkeit ihrer Nutzer können die nix — da kommt lediglich zusammen, was zusammengehört.

  11. Oliver sagt:

    >Man kann aber nicht *die Presse* kritisieren und die Bürger ausnehmen, die die Konzerne zu dem gemacht haben,

    Was wir hier nicht machen, ein Weblog ist in seiner Gesamtheit zu betrachten. Man kann nicht bei jedem Text, alles noch einmal rezitieren. Es gehört u.a. zum Status des Aufgeklärten sich auch höchstselbst zu informieren.

    >Springer verdient nicht so viel mit BILD, weil die Mehrheit der Bürger kritisch und aufgeklärt ist.

    Das ist wohl war, andererseits bin ich mir aber auch bewußt bzw. kenne viele solcher Fälle wo Akademiker die FAZ konsumieren bzw. ähnliche Blätter und im Urlaub oder bei langen Pendlerfahrten mit der BILD als «Snack für Zwischendurch» vorlieb nehmen. Warum weiß ich nicht.

    >Und dann erwartest Du, dass Journalismus (von einer Mehrheit der Bürger) kritisch beäugt wird ? Die Kritik sollte sich in erster Linie an die richten, die diese Produkte regelmäßig kaufen, oder ist diese Art der Wahrheit zu unangenehm?

    Der erste Fehler ist es einen omnipotenten Prügelknaben zu suchen, der die Schuld von der Welt nimmt. Wir beleuchten hier regelmäßig diverse Bereiche. Der zweite Fehler ist es, sich ebenso wiederum der Presse zu befleißigen, die gerne das Bild vom unmündigen Bürger schürrt. Tendenzen sind vorhanden, eine Einheit im Volk fehlt und diese wird fortwährend mittels gegenseitiger Schuldzuweisungen torpediert.

    >Doch kein Kritiker traut sich laut zu fragen “Sag mal, wie ticken die denn?

    Dann hast du ungefähr 1–2 Monate Artikel an diversen Stellen komplett übersehen, denn *beide* wurden massiv kritisiert, Studenten als auch StudiVZ per se. Wobei zu bemerken ist das *jeder* sich dort anmelden kann.

    Last not least ist es nicht nur die Presse, die zum Teil, manipuliert auch andere Bereiche. Sprich Wissen mittels Quellenkritik anzusammeln ist eine leidvolle, wenn auch lohnenswerte Aufgabe. Oft jedoch fehlt die Kenntnis mit Wissen umzugehen, es nicht damit getan etwas zu lesen oder denjenigen zu folgen dessen Worte dem eigenen Ego schmeicheln, Quellenkritik muß auch gelernt sein. Und bei letzterem wäre die Schule in Verantwortung zu ziehen, die in diesem Bereich versagt. Die Parameter die also zur sogenannten Verblödung des Volkes führen sind vielfältiger Natur und entziehen sich zum Großteil eben diesem. Es existieren natürlich immer Ausnahmen, aber es wäre mehr als arrogant anzunehmen, das dieser enorme Aufwand von jederman zu bewältigen wäre. Viele versuchen es und scheitern, dumm sind sie deswegen noch lange nicht. Es existieren auch viele die wissen was Sache ist und sie tun nichts.

    Man kann kritisieren, man kann auch polemisieren, aber man sollte *selbst* immer mit Augenmaß arbeiten und ab und an auch andere an diesem Wissen teilhaben lassen. Viele Weltverbesserer, die alles «richtig» sahen, waren im Nachhinein schon die größten Despoten.

  12. Yehuda sagt:

    > Es existieren auch viele die wissen was Sache ist und sie tun nichts.

    Was Verantwortung und Zivilcourage innerhalb einer demokratischen Gesellschaftordnung betrifft, ist Schweigen bzw. Passivität bereits Mittäterschaft, zumindest «Mitstörerhaftung».

    > Der erste Fehler ist es einen omnipotenten Prügelknaben zu suchen, der die Schuld von der Welt nimmt.

    Es gibt keine «omnipotenten Prügelknaben», Demokratie verpflichtet. Wer diese Pflichten missachtet bzw. verschläft, könnte in einer anderen Gesellschaftsordnung aufwachen. Alles schon mal dagewesen, aber für den braven Deutschen unvorstellbar. Fälschlicherweise. Blöd nur, wenn sich der Joch nicht nur um Hals der LassMirMeiRuh’-Fraktion legt…:-(((

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