Fedora 12 Constantine

Ich glaube mein erstes Red Hat hatte damals die Version 41, mußte noch käuflich erworben werden und kam mit einem vorkonfigurierten fvwm als Desktop daher. Keine Frage, ich war zu dem damaligen Zeitpunkt recht zufrieden damit, wenn auch der mangelnde ISDN-Support nervte. Heute schauen wir Red Hat und Fedora, letzteres für den Desktop optimiert und teils auch Testbett für neuere Technologien, die später in RHEL einfließen.

Scheidepunkt für mich war damals die sogenannte rpm-hell, die heutzutage beim Gros der rpm-basierten Distributionen Gott-sei-Dank der Vergangenheit angehört, dank Weiterentwicklung des Paket-Systems und diverser darüberliegender Wrapper. Ganz im Gegenteil, die Arbeit mit yum gestaltet sich recht simpel und inzwischen werden auch Delta-RPMs konsequent genutzt. Vorteil: flinkere Updates und dies ist gerade bei Desktop-Distributionen, die oftmals wöchentlich einen ganzen Schwall Updates mit sich bringen, nicht zu unterschätzen. Insbesondere Fedora bekleckerte sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm und sah gegenüber OpenSuse recht alt aus. Aber wie schon erwähnt spreche ich hier von der Vergangenheit.

Die Installation mittels Anaconda gestaltet sich schmerzfrei, ist übersichtlich und bietet dennoch genügend Ansätze auch den passionierten Linux-User zu seinem ganz persönlich Glück zu helfen, bisherige User werden keine Überraschungen erleben. Der Desktop per se ist recht schlicht aufgebaut, für einige mitunter zu schlicht, für meinen Geschmack gerade passend. Ansonsten ist die Hardware-Erkennung auf mehreren Testsystemen recht gut, auf einem Laptop mit Ati 3430 Grafikkarte konnte auch ohne Probleme 3D-Beschleunigung stabil genutzt werden2. Ein älterer Bluetooth-Stick mit Broadcom-Chipsatz war sofort einsatzbereit, ebenso gestaltete sich der Anschluß eines Canon IP4600 als problemlos — anstecken, bestätigen, drucken.

Auf Seite der mitgelieferten Applikationen sieht man alte Bekannte: OpenOffice 3.1.1, Firefox 3.5.5, Gimp 2.6.7 usw. Als eingeschworener Consolero teste ich natürlich eine Distribution auch dahingehend, was denn so die Repositories an Material diesbezüglich hergeben. Um es kurz zu machen, ich wurde nicht enttäuscht: yacpi, newsbeuter und diverse andere sind mit von der Partie — keine Selbstverständlichkeit mehr innerhalb heutiger GNU/Linux-Systeme. So oder so aber würde ich nicht umhin kommen eigene Pakete zu erstellen, wenn auch mehr für einige Exoten. Aber auch für die üblichen Bedürfnisse ist gesorgt, seitens eines Repositories eines Fedora-Entwickler kommt man selbst in den Genuß von Chromium-Builds, Opera bietet ohnehin fertige Pakete u.a. für Fedora an usw.3

Im Gegensatz zu anderen Distributionen für den Desktop, die mehr auf der Oberfläche glänzen, setzt Fedora mehr auf die inneren Werte. Hier auch macht sich der Einfluß der RedHat Kernel-Hacker bemerkbar, die ihrerseits mannigfaltigen Code Upstream beisteuern, andererseits oftmals auch Funktionalitäten kommender Kernel rückportieren4. Verheimlichen darf man jedoch ebenso wenig die Einführung neuer Bugs, da derartig portierte Funktionalitäten aus gutem Grund noch nicht überall enthalten sind. Aber unter dem Strich wage ich die Behauptung aufzustellen ein Plus an Qualität zu schauen. Eine komplette Übersicht der enthaltenen Features findet man im Wiki des Projekts.

Interessant vielleicht für Netbook-Nutzer die Möglichkeit die Moblin-Oberfläche auf diesen Geräten zu nutzen und somit ein Plus an Komfort zu erfahren. Die Performance ist meiner Meinung nach mehr als gelungen auf diesen Geräten5.

Insgesamt also ein recht gelungenes System, welches schnell startet und sonst auch angenehm im Hintergrund verbleibt, was ich von einigen Vorgängern nicht behaupten konnte. Wer sich über fehlendes Version-Geplänkel bzw. Hardware-foo wundert: ich wollte diesmal nur meinen Eindruck von dieser Distribution wiedergeben, detailverliebte Technik-Freaks werden bei Heise fündig. Have phun :-)

  1. anno ’96 auf einem Cyrix 6×86 P166+ []
  2. Test: Extreme Tuxracer, Quake 3; experimenteller Mesa-Driver []
  3. RPM-Fusion besorgt die übrigen Pakete die aus rechtlichen Gründen außen vor bleiben müssen []
  4. z.B. Patches aus Kernel 2.6.32, welcher Verbesserungen für die 3D-Funktionalität der Radeon-Treiber mit sich bringt []
  5. die Distribution wurde für Intel Atom (i686) optimiert, im Gegensatz zum früheren i586 — Performance-Wunder darf man alleinig ob diesen Umstandes jedoch nicht erwarten []

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4 Antworten zu “Fedora 12 Constantine”

  1. Benedikt sagt:

    Ja, also Fedora ist zur Zeit das einzige «Mainstream-Linux», welches ohne Grafikfehler bei mir bootet. Nun stellt sich mir die Frage, wie ich die doch recht unscharfe Schrift denn so umändern kann, das sie z.B. wie bei Ubuntu ausschaut… Weil ich irgendwie das Gefühl habe, das in der Standardeinstellung alle Schriften recht unscharf und leicht verwischt sind. Geht das eigentlich nur mir so?

  2. Oliver sagt:

    Also ich würde mal in System -> Einstellungen -> Erscheinungsbild -> Schriftarten etwas an den Parametern drehen. Zudem muß natürlich die Schrift passen. Nicht jede Schriftart bietet ein ausgewogenes Schriftbild bzw. «funktioniert» entsprechend den Einstellungen unter Erscheinungsbild. Dort findet man auch Tipps zur Installation von den Microsoft Fonts.

  3. Phil sagt:

    @Benedikt Lares:

    Also ich arbeite gerade unter Ubuntu 9.10 und mir gefällt soweit die geglättete Schrift, die standardmäßig eingestellt ist.

    Früher fand ich auch die Kantenglättung nicht wirklich toll, doch da ist bestimmt so einiges optimiert worden.

    Wenn Dir jedoch die Kantenglättung nicht zusagt, kannst Du diese auch deaktivieren/einstellen, wie Oli schon ausführte.

  4. Hab jetzt F12 am Notebook installiert und alles ist schon fast überperfekt! Toll!
    Die einzige Überraschung kam, als ich den Monitor im Büro anhängte.
    Zuerst konnte ich die richtige Auflösung nicht einstellen, ging dann mit nomodeset bei den Kernel-Optionen im Grub.
    Dann war alles superscharf. Aber einen Tag später passte zwar noch die Auflösung jedoch alles war total unscharf. Mit Schrift optimieren wie oben angegeben ließ sich die Sache nicht reparieren …
    Any hints?

    nik/baum

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