Farbe bekennen, Frau Kraft!

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Foto: F!XMBR

Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu. Norbert Röttgen befindet sich derzeit in einer Zwickmühle: Er ist Landesvorsitzender der NRW-CDU und wurde einstimmig zum Spitzenkandidaten für die anstehenden Neuwahlen gewählt. Gleichzeitig gilt sein Blick aber dem Bund, er sieht sich selbst als legitimer Nachfolger von Angela Merkel. Gewinnt er NRW und wird Ministerpräsident, kommt die CDU an ihm nicht mehr vorbei. Ein Sieg der CDU mit einem Ministerpräsidenten Röttgen gilt aber als ausgeschlossen. Viel wahrscheinlicher ist es, dass Rot-Grün mit komfortabler Mehrheit zukünftig Nordrhein-Westfalen regiert. Und Röttgen? Gesenkten Hauptes geht es zurück nach Berlin, Ansprüche kann er vorerst keine stellen.

Es ist also davon auszugehen, dass Norbert Röttgen als Renate Künast aus dem Pott in die CDU-Geschichte eingeht. Er wird nur nach Düsseldorf wechseln, wenn er Ministerpräsident wird — Oppositionsführer wird wohl Armin Laschet oder vielleicht auch Karl-Josef Laumann. Dies wird bereits von Rot-Grün kritisiert, durchaus nachvollziehbar: Ein Ministerpräsident sollte mit seinem Land verbunden sein — und nicht, wenn man nicht gewählt wird, die Rückfahrkarte nach Berlin ziehen. Julia Klöckner beispielsweise hat es in der Pfalz vorgemacht, was ihr viele Sympathien eingebracht hat.

Doch nicht nur Norbert Röttgen muss Farbe bekennen, auch Hannelore Kraft. Es wird erwartet, dass bei einem Wahlsieg Krafts, wenn gemeinsam mit den Grünen eine Mehrheit errungen wird, innerhalb der SPD kein Weg mehr an der Grande Dame aus NRW vorbeigeht, wenn 2013 der Bundestagswahlkampf beginnt. Gegen Hannelore Kraft stehen zwei Wahlverlierer, Steinmeier und Steinbrück, sowie ein nicht ernst zu nehmender Parteichef. Die letzten Antwort auf die Frage nach der Kanzlerkandidatur haben dann nicht drei alte Männer, sondern eben die NRW-Ministerpräsidentin. Hier ist es nun an Hannelore Kraft, eine Antwort zu geben: Bleibt sie Ministerpräsidentin in NRW, auch über 2013 hinaus oder möchte sie Angela Merkel nachfolgen? Die Menschen in NRW verdienen nach dem peinlichen Desaster der letzten zwei Tage klare Antworten. Vor der Wahl.

Von Norbert Röttgen und Hannelore Kraft.

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2 Antworten zu “Farbe bekennen, Frau Kraft!”

  1. Das ging schneller als gedacht: Kraft hat heute gesagt: «Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen!».

  2. In der Geschichte der Bundesrepublik war es immer wichtig, sowohl vor Ort als auch im Land und im Bund genügend Netzwerk zu haben, verankert zu sein. Alle Kanzler bis auf Erhard hatten vor ihrer Kanzlerschaft eine wichtige kommunal– oder landespolitische Funktion inne (Frau Merkel in der Regierung der DDR nach der Wende). Die Kunst ist es, den richtigen Zeitpunkt zum «Absprung» zu finden. Schröder ging in jungen Jahren vom Bundestag in die Landesregierung, Schmidt, Brandt, Kohl gingen den umgekehrten Weg. Für Frau Künast und Herrn Röttgen ist es vielleicht zu spät, in die Länder zu wechseln, weil sie dort einige Zeit brauchen, sich zu etablieren (siehe auch Scholz), dann ist die Rückkehr irgendwann verbaut. Frau Klöckner war zum Zeitpunkt ihres Wechsels jung genug. Unter diesem Gesichtspunkt tut Röttgen gut daran, angesichts seiner mangelnden landespolitischen Perspektive in NRW an Mamis Küchentisch sitzen zu bleiben.

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