Exklusiv-Interview mit Torsten H. nach seiner Einweisung in die Psychatrie

15.07.2012 — F!XMBR: Die Augen eng zusammengekniffen, auf seinem Stuhl hin– und herschaukelnd, hinter ihm ein Wärter — das ist das Bild, welches die F!XMBR-Redakteure vor sich sehen, als sie Torsten H.* (43) im Krankenhaus besuchen. Torsten H. war einer der ersten Menschen, der trotz Killerspielverbot weiter im Internet seinem Hobby nachging — bis die Vorratsdatenspeicherung wahr wurde und er so dingfest gemacht werden konnte. Er ließ sich selbst in die Psychatrie einweisen um vorerst den Verhören der GedankenPolizei zu entfliehen und um eine positive Sozialprognose zu bekommen.

F!XMBR: Herr H., wie gehts Ihnen heute, Ihr Fall schlägt ja große Wellen?

Torsten H.: Mir geht es ganz toll, in ein paar Jahren werde ich wieder ein volles Mitglied der Gesellschaft sein, die Nebenwirkungen der Medikamente sind auch nicht so schlimm wie befürchtet. Ich erkenne meine Fehler.

F!XMBR: Sie wurden nach einer Razzia bei sich im Haus festgenommen. Was hat ihre Familie gesagt?

Torsten H.: Meine Familie, ja, ich bin eine Gefahr für sie, das weiß ich nun, nur leider zu spät. Es war einfach nur pervers, wie ich bei Counterstrike anderen Menschen in den Kopf geschossen habe. Ich bin froh, dass die Politik mich davor bewahrt hat, auch im richtigen Leben Amok zu laufen.

F!XMBR: Politiker wie Stoiber, Beckstein oder Schünemann hatten lange vorher gewarnt.

Torsten H.: Ja, diese großen Demokraten haben frühzeitig die Gefahr erkannt. Sie wussten, dass die Amokläufer von Erfurt, Emsdetten, Columbine High vorher, teils jahrlang, in Killerspielen ihre Taten geplant haben, dass diese Killespiele schuld an den Amokläufen waren. Hätten wir nur auf sie gehört.

F!XMBR: Warum haben sie weiter auf Menschen geschossen, obwohl Killerspiele verboten waren?

Torsten H.: Das ist eine gute Frage. Ich war süchtig, süchtig nach dem Tod. Die gesetzlichen Regelungen sind früher viel zu lasch gewesen. Was ist das für eine Welt gewesen, in der ich gelebt habe. Es, ich — war pervers.

F!XMBR: Terroristen sollen Counterstrike gespielt haben.

Torsten H.: Schon bei 9/11 hatten die Terroristen vorher mit dem MS Flugsimulator geübt. Das hätte uns damals schon eine Warnung sein müssen. Mit den Killerspielen haben wir den Terroristen eine wunderbare Trainingsmaßnahme in den Hand gegeben. Wenn ich nur daran denke, an meine Familie. Ach wie gut, dass Wolfgang Schäuble durchgesetzt hat, dass uns die Bundeswehr nun auch im Inneren beschützt.

F!XMBR: Stimmt es, dass sie auch in der Anti-Terror-Datei gelandet sind?

Torsten H.: Das ist richtig, macht aber auch nichts, ich habe nichts zu verbergen. Mein Großvater kam halt aus dem nahen Osten — plus die Killerspiele, da bleibt man halt hängen. Wenn die Behörden dann aber das Leben bis ins kleinste Detail durchforsten, nichts finden, ist alles gut. Ich möchte ab jetzt ein vorbildlicher Bürger sein.

F!XMBR: Die Behörden sind Ihnen durch den sogenannten Bundestrojaner auf die Spur gekommen.

Torsten H.: Genau so war es. Meine kleine Tochter hat im Kindergarten erzählt, was ich für Spiele am Computer spiele. Da wurden sofort die Behörden benachrichtigt. In Kooperation mit meinem Provider wurde bei mir der Trojaner eingeschleust. Wie konnte ich auch nur so naiv sein, und glauben, mit einer Firewall eines westlichen Herstellers wäre ich sicher. Aber heute weiß ich ja, es ist zu meiner eigenen Sicherheit gewesen.

F!XMBR: Die Cyber-Cops, die nun bundesweit eingestellt wurden, halten weiter im Internet nach Kinderpornografie und Killerspielen Ausschau.

Torsten H.: Das ist ganz grandios, was da unter Günther Beckstein ins Leben gerufen wurde. Endlich wird dieser menschliche Abschaum verdrängt. Ein Lob an den bayerischen Ministerpräsidenten. Und denen, die da draußen immer noch Killerspiele spielen, möchte ich zurufen: Lasst Euch helfen. Mit Medikamenten, mit Hilfe von Psychologen kann man Euch unterstützen, Ihr müsst es nur wollen.

F!XMBR: Wolfgang Schäuble hat nun eine neue Diskussion angefacht. Sogenannte Rennspiele sollen an vielen Autounfällen mit Todesfolge schuld sein. Überhöhte Geschwindigkeit und rücksichtsloses Fahren sind nach einer Studie die Hauptgründe für die vielen Toten.

Torsten H.: Da muss jetzt schneller gehandelt werden, als bei den Killerspielen. Jede Woche gibt es unzählige Tote auf Deutschlands Straßen nachdem Menschen Rennspiele gespielt haben. Verbietet sofort diese Tötungsspiele!

F!XMBR: Sie scheinen da mittlerweile ein rigoroser Verfechter von Verboten zu sein?

Torsten H.: Wenn man, wie ich, alles mitgemacht hat, sein Leben ruiniert hat, weiß man, was möglich ist — wir brauchen mehr Liebe, mehr Glauben, mehr Vertrauen und mehr Religion in unserer Gesellschaft.

F!XMBR: Und sie, wie werden sie jetzt wieder ihr Leben in den Griff bekommen?

Torsten H.: Ich werde regelmäßig meine Medikamente nehmen, sie wissen schon, die rosa und die blauen Pillen. Dann habe ich noch einen Prozess vor mir. Ich hoffe, dass ich mit 20 Jahren davon komme. Die Zeit wird schwierig, aber ich habe es nicht anders verdient — schließlich war ich eine Tötungsmaschine.

F!XMBR: Und nach den 20 Jahren?

Torsten H.: Ich muss mal meinen Bruder fragen, was er so macht. Kriminalität liegt bei uns in der Familie, aber auch er hat den Absprung geschafft. Vielleicht werde ich ein Tagebuch schreiben. Schau m’er mal.

F!XMBR: Wir danken für das Interview und wünschen für die Zukunft alles Gute.

Während wir den Raum verlassen, drehen wir uns noch einmal um. Gedankenverloren starrt Torsten H. aus dem Fenster. Ein Mensch, der selbstverschuldet sein Leben ruiniert hat — leider hat er dies zu spät erkannt. Sollte er die Psychatrie und das Gefängnis überleben, wird ihn ein Leben nahe oder gar unter dem Existenzminimum erwarten, denn — wer will schon einen potentiellen, vorbestraften Amok-Läufer beschäftigen. Hartz VI wird sein Ende sein. Traurig.

*Name geändert, der Redaktion bekannt.

6 Antworten zu “Exklusiv-Interview mit Torsten H. nach seiner Einweisung in die Psychatrie”

  1. Finkregh sagt:

    ganz großes Kino…

    nur ist der Beigeschmack etwas störend :/

  2. Simbarto sagt:

    Ich werde mich morgen selber stellen denke ich. Ich hatte schon lange das Gefühl ich bin eine Bedrohung.

  3. phoibos sagt:

    äh, wo war gleich noch mal das beitrittsformular für den teletubbie-fanclub?

  4. JumpingJakk sagt:

    sehr schön — nur hoffe ich das das niemals Realität wird …

  5. […] ist es Science Fiction, was da bei F!XMBR zu lesen ist, noch… Aber wie lange noch? 2012 — eine deutsche Geschichte. “Die Augen eng zusammengekniffen, auf seinem Stuhl hin– und herschaukelnd, hinter ihm ein […]

  6. […] ich noch viel über das Totschlagargument — Terrorismus — schreiben? Oder reicht der eine oder andere Link, der Hinweis auf die Fernuniversität des Terrors? Mit dieser Argumentation da nebenan […]

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