Evernote — das virtuelle Notizbuch

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Information Buffer Overflow. Erinnert Ihr Euch noch an die kleinen Büchlein, die man früher mit sich trug? Man nannte sie auch Notizbücher — und so manches schwarzes Notizbuch hat Berühmtheit erlangt und ist heute Legende. Heute, wie sollte es auch anders sein, speichern wir fast alles auf dem Rechner, dem Handy oder anderen (mobilen) Geräten ab. Genau an diesem Punkt setzt Evernote an. Per Cloud Computing habt ihr Zugriff auf Eure Notizen vom Rechner, vom Handy oder auch iPad, mit fast jedem Gerät. Ob Textnotiz, handschriftliche Notiz, Foto oder Webseite — per Evernote lässt sich alles abspeichern und mit Schlagwörtern versehen. Die Daten werden auf den Servern von Evernote gespeichert, so hat man von fast überall Zugriff auf seine Notizen.

Evernote bietet zwei Konten an: die freie Variante und den Premium-Account. Für den Premium-Account fallen pro Monat 5 $ an — oder gleich für das gesamte Jahr 45 $. Die Unterschiede:

Zugriff auf alle Evernote-Versionen Ja Ja
Plattformübergreifende Synchronisierung Ja ja
Erkennung von Text in Bildern Ja Ja
Die Anzahl und Größe der hochgeladenen Notizen Unbegrenzt, Upload von 40 MB/Monat Unbegrenzt, Upload von 500 MB/Monat
Dateisynchronisierung Begrenzt: Bilder, Audiodateien, Handschrift, PDF Alle Dateitypen
Suche in PDF-Dateien Nein Ja
Zugriff auf Notiz-Historie Nein Ja
Offline-Notizbücher (iPhone/iPad/iPod) Nein Ja
Notizbuchnutzung über Evernote Web Nur Leserechte Lese– und Schreiberechte
Maximale einzelne Notiz-Größe 25MB 50MB
Support Standard Premium-Support
Sicherheitslevel Standard SSL-Verschlüsselung
Schnellere Bilderkennung Nein Ja
Werbung ausblenden Nein Ja
Kosten Kostenlos 5 $/Monat oder 45 $/Jahr

Ich habe in den letzten Tagen intensiv Evernote und die Pre-Release-Version 4.0 für Windows getestet — und wie der Zufall so spielt, ist heute die Final Evernote 4.0 erschienen. Es ist wirklich praktisch. Gerade, die Möglichkeit, (Teile von) Webseiten zu sichern, ist bei einer Recherche oder Anleitungen sehr hilfreich. Schluss damit, sich immer durch die Bookmarks zu wühlen, die meist genutzten und wichtigsten Dinge lassen sich per Evernote hinterlegen.

Nun haben ich mich bekanntlich voll und ganz Windows verschrien — für Evernote gibt es aber auch neben dem Web-Zugriff Clients für Mac OS X, iPod Touch, iPhone, iPad, Android, BlackBerry, Palm Pre, Sony Ericsson X und Windows Mobile. Für den Firefox und Google Chrome gibt es eine Erweiterung, mit der sich auf Knopfdruck komplette Webseiten abspeichern lassen, für alle anderen Browser bietet Evernote den so genannten Web Clipper an.

Evernote bietet Erweiterungen an, mit denen man seine Notizen verwalten kann. Mehrere Anbietet haben Ihrerseits Dienste, die sich mit Evernote verbinden lassen, sei es die Office-Datei– oder PDF-Bearbeitung oder gar die Konvertierung von Sprachnotizen in Texte. Die Angebote sind teilweise nur für den Mac zu haben, nichtsdestotrotz sollte in der Galerie für jedes Bedürfnis etwas zu finden sein. Einzelne Notizbücher können für die Öffentlichkeit oder für ausgewählte Benutzer freigegeben werden, so dass man Arbeitsgruppen bilden kann. Evernote bietet individuell Möglichkeiten, dem Information Buffer Overflow zu entgehen.

Die Schwächen sollen natürlich auch nicht verschwiegen werden: So lassen sich jeweils pro Bereich nur ein Notizbuch anlegen, nehmen wir hier zum Beispiel das Thema F!XMBR. Es lassen sich keine Unterordner anlegen, das heißt, Blog, Technik und Anleitungen sind beispielsweise bei mir unter F!XMBR zu finden. Die Suchfunktion ist bei Evernote Dein liebster Freund, damit wird im Regelfall gearbeitet, nicht das gezielte Aufrufen einer Notiz.

Zudem fehlt bei Evernote eine Verschlüsselung, man muss also den Machern von Evernote vertrauen, wenn man dort Daten hinterlegt. Auch dass nur für Premium-Kunden eine SSL-Verschlüsselung angeboten wird, ist negativ zu sehen. Die fehlende Verschlüsselung ist für sicherheitsbewusste Nutzer sicherlich ein K.O.-Kriterium. Da muss in Zukunft etwas passieren. Uneingeschränkt kann ich aus diesem Grund Evernote nicht empfehlen. Schon gar nicht für den sensiblen Geschäftsbereich.

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26 Antworten zu “Evernote — das virtuelle Notizbuch”

  1. Markus sagt:

    kleiner Tipp: einzelne Schnippsel lassen sich neben der Einsortierung in Notizbücher (Ordner) auch verschlagworten, neumodisch «taggen» ;-)
    Damit bekommst du dann auch ordnerübergreifende Kategorisierung hin.

    Ich persönlich brauche die Schlagworte nur zweitrangig, die integrierte Suche funktioniert gut.

  2. Ich zitiere mich mal selbst aus obigen Artikel:

    per Evernote lässt sich alles abspeichern und mit Schlagwörtern versehen.

    :p

  3. Markus sagt:

    mift! Dann seh es als Ergänzung zu dem Mangel «fehlende Unterordner». Der wird dadurch nämlich imho behoben. Ha!

  4. Ich gehe auch heutzutage trotz Android in der Tasche nicht ohne mein Moleskine aus dem Haus. Schon mein Palm III war ein nettes Spielzeug für derlei Dinge, aber eben auch nur sehr begrenzt. Ich schätze beispielsweise digitale Zettelkästen, aber auch nur für digitale Dinge, weils da einfach praktischer ist. Und seitdem ich weiß, daß auch Fefe die analoge Hilfe schätzt, fühl ich mich auch als Nerd mehr als bestätigt :D

    Meine Notizen nöchte ich auch noch in 10 Jahren nicht missen und Moleskines lassen sich so hübsch archivieren ;-)

  5. derliebewolf sagt:

    Danke :-) Hab in den letzten wochen mehrfach überlegt, das mal zu nutzen. Sogar den Client für Windows Mobile schon runtergeldan. Vermutlich installiere ich das dann einfach mal…

  6. Frank sagt:

    @ Ben: Man kann durchaus Notizen zusammenfassen, zwar nicht online, aber über den Desktop-Client (zumindest den für Windows). — Willst du mehrere Ausschnitte aus einer Webseite zusammenfassen, ist es aber wohl letztlich geschickter, die ganze Seite zu clippen und dann alles Überflüssige zu entfernen.

    @ Markus, Christian: Die Notwendigkeit von «Unterordnern» habe ich nie verstanden. Das System ist primär auf gezieltes «Taggen» ausgerichtet; verschiedene Notizbücher anzulegen lohnt sich nur bei wirklich unterschiedlichen Notiz-Arten, z.B. Kochrezepte vs. Codes vs. Bilder vs. Texte.

    Die Tagging(Schlagwort)-Struktur dagegen ist ziemlich flexibel: Die Tags lassen sich nämlich gruppieren, d.h. es lassen sich Unter– und Ober-Tags bilden (!), so dass ganz schnell eine komplexe Organisation möglich wird, sofern man vorher fleißig getaggt hat.

    Echte Nachteile von EN sind IMHO derzeit neben der fehlenden Verschlüsselung vor allem die wirklich lahme Web-Oberfläche und der fehlende Linux-Client.

  7. Frank sagt:

    [Öm, hier stimmt was mit den Zeitstempeln nicht. Mein 11:30h-Kommentar bezog sich auf Bens Quasi-12:08h-Kommentar … ;-) ]

  8. mik sagt:

    nutze das programm schon lange auffem iphone und moechte es nun nicht mehr missen. und elefanten gewinnen mich eh :/

  9. Ben sagt:

    Das einzige was mir wirklich fehlt ist die Möglichkeit mehrere Notizen zusammenzufassen.
    Wie handhabt ihr es denn, wenn ihr Auszüge aus Webseiten macht? Kopiert ihr die direkt immer schon in dieselbe Notiz? Ich habe dafür immer erstmal je eine Notiz pro «Webseite» und muss die dann händisch zusammenfassen.
    Nervig das.

  10. Robert B. sagt:

    Was heißt denn „keine Verschlüsselung“? Man kann die Notizen doch auf dem lokalen Rechner einmal durch GnuPG jagen, bevor sie gespeichert werden.

    Ansonsten pflichte ich Oliver bei: Diese modernen Notebooks mit wahlweise Ledercase oder voll recyclebarem Gehäuse haben keinen Akku und funktionieren immer ohne Strom oder Internet. Nachteile: Die fehlende Displaybeleuchtung sowie keine Schnittstellen. Als Ableger davon sollen demnächst Bücher in den Handel kommen.

  11. Was heißt denn „keine Verschlüsselung“? Man kann die Notizen doch auf dem lokalen Rechner einmal durch GnuPG jagen, bevor sie gespeichert werden.

    Das ist natürlich Unfung. Evernote ist nicht darauf ausgelegt, ein, zwei Notizen pro Tag in aller Ruhe abzulegen. Kopfdruck, fertig. Wenn die Daten erst per GnuPG verschlüsselt werden sollen, wird man ja nie fertig.

  12. Robert B. sagt:

    Ich kann doch GnuPG (per Terminal oder mit GPA) auch on-the-fly benutzen, oder täusche ich mich da?

  13. HH-Typ sagt:

    Hm, stört es eigentlich niemanden mehr, Firmen in den eigenen privaten Daten stöbern zu lassen?

    Ich finde es persönlich z.B. absolut dreist, wenn man seine Kontakte nur noch auf’s Handy gesynct bekommt, indem man sie vorher ins Netz herauspustet und damit einer Firma (Google, Apple, jetzt endlich auch MS) gratis zur Auswertung zur Verfügung stellt.

    Nur leider höhlt der stete Tropfen den Stein — kritische Anmerkungen dazu findet man selbst bei Datenschutzfans nicht mehr.

    Dabei wäre es doch extrem simpel, eine Anwendung anzubieten, die all diese Daten auf einem eigenen Webserver speichert. Aber das ist natürlich nicht im Interesse der datensammelnden Firmen.

  14. rr sagt:

    Kein Linux :-( .. soll aber wohl mit wine laufen.

  15. Robert B. sagt:

    Seit fast fünf Stunden keine Antwort auf deine wichtige Frage. Sollte das zu Denken geben? Ich habe auch große Berührungsängste, meine Privatsphäre einem Unternehmen anzuvertrauen und behalte Privates lieber privat. So nett Evernote zwar für Leute ohne eigenen Webserver ist, aber manche Dinge behält man vielleicht doch für sich selbst.

  16. Woher willst Du wissen, wann ich die Mail geschrieben habe? Und ja, eine rhetorische Frage, nimm sie als Hinweis…

  17. Nic sagt:

    ich habe Evernote schon längere Zeit auf meinem Palm zu laufen. Bin relativ zufrieden damit. Allerdings habe ich eine Frage: in der Werbung (und in der Beispielnotiz) ist die Rede davon, dass man eine To-Do-Liste führen kann. Ich finde die entsprechende Funktion aber nicht. Kann EN das oder kann es das nicht?

  18. im Windows-Client geht das ohne Probleme:

    Evernote

  19. Ben sagt:

    @Frank: Habe das eben nochmal versucht mit den Notizen zusammenzuführen (im Client), aber ich glaube ich bin dazu zu doof. Könntest du mir kurz den Ablauf beschreiben?

    Dank dir!

  20. Die beiden Notizen markieren, Rechtsklick, Notizen verbinden.

  21. Frank sagt:

    Genau! :-)

  22. Ben sagt:

    Oh Mann… Danke. Ich bin wirklich blind.. Hab es immer mit Drag&Drop versucht.

  23. HH-Typ sagt:

    Was für eine Mail jetzt?

  24. Ich habe bei Evernote angefragt, ob die Daten auf dem Server verschlüsselt werden. Im Prizip kenne ich die Antwort, aber um eine definitive Aussage scheut sich Evernote auf deren Homepage…

    Die Tatsache, dass eine SSL-Verbindung nur gegen Aufpreis zu haben ist, nährt den Verdacht, dass Sicherheit Geschäftsprinzip ist und nicht Firmenphilosophie…

  25. Harry B sagt:

    Ich verstehe nicht, warum ich einem Cloud Server meine persönlichen oder beruflichen Daten anvertrauen soll ?

    Ob der CIA mich dann auch mal auf eine Termin aufmerksam macht, den ich verpasst habe ? Eher weniger. Also lasse ich das ganze Cloud-Zeugs lieber ganz weit weg und über mir hinweg ziehen !

    Solange ich noch meine zehn Finger habe, und einen Stift halten kann, schreibe ich meine Notizen auf mein Eigentum oder meine Fetsplatte !


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