etwas ist faul im Staate Dänemark

Sowie in ziemlich jeder der bekannten großartigen westlichen, mit Demokratie gesegneten Nationen. Das sich die USA, Großbritannien und auch Deutschland geradezu in einem Wettlauf um den Platz biggest brother on planet earth befinden, dürfte selbst dem Einfältigsten inzwischen bewußt sein. Made in Germany ist heute gefragter denn je und der Exportschlager schlechthin. Der Austausch untereinander zwischen den erstgenannten könnte nicht besser sein und das Heer von freiheitssichernden Satellitenstaaten verdingt sich als williger Abnehmer derlei menschverachtender, freiheitskontaminierender Absurditäten.

Die USA, Großbritannien … who cares? Nun wir beschreiten nicht mehr nur nationale Gefilde, sondern das alles erlangte unlängst globale Dimension. Obwohl Deutschland dank zweier menschenverachtender Regime schon immer diese globale Dimension genoß — respektive Aufmerksamkeit, selbst wenn es jetzt erst einigen Zeitgenossen gewahr wurde. 9/11 war solch ein Höhepunkt, mehr eine Zäsur, eine Art Zeit des Erwachens, andere hingegen schlafen heute noch und wähnen sich auf einem Ponyhof.

Zwei Regime, die Unterwanderung demokratischer Gefilde mit nationalsozialistischen Altlasten bis in die höchsten Regierungsebenen, Notstandsgesetze, Hatz auf Linke unter dem Deckmantel des Radikalenerlaß, Großer Lauschangriff etc. pp. bis hin zum erwähnten 9/11 — all dies bildet eine recht stabile Plattform, von welcher aus fortwährend Angriffe gegen das recht fragile freiheitlich-demokratische Fundament dieses Landes geführt werden. Man etablierte seit vielen Jahrzehnten Strukturen, die nunmehr teils erst ihre tatsächliche Wirkung entfalten können. Neu ist das alles nicht, man verfeinert die Methoden, streckt dank stetig fortschreitender Technik die Fühler in zuvor nicht vorhandene Gefilde aus. Wir schauen heute mitunter nur die Umsetzung von früher etablierter Theorie in die Praxis, teilweise ist auch das öffentliche Bewußtsein gegenüber diesen Dingen massiv gesteigert — das WorldWideWeb konnte dahingehend zumindest positiv wirken.

Eine Konstante jedoch gab es immer in diesen Deutschen Landen: Linke, also diese glaubhafter Natur — nicht linke Neoliberale oder Links 2.0, hatten es schon immer schwer, diese fand und findet man im Prinzip nie bei der SPD — jene Partei des nach außen kommunizierten linken Habitus, diese fand und findet man unter den Verfolgten. Damals wie heute sehen sich diese Leuten Angriffen ausgesetzt und von großen Teilen des Volks verlassen, gar verhöhnt, denunziert …

Schreibtischtätertum, sowie Biedermeier-Mentalität geben sich die Klinke in die Hand und machen es den Politikern leicht Volkes formulierten Gedanken zu Ende zu denken, in die Tat umzusetzen. Natürlich versucht man mittels diverser staatlicher Strukturen diese Stimmung im Volk zu wahren, echte Bürgerrechtler haben es somit schwer — erklinkt ihre Stimme doch recht leise und wird desöfteren mittels diverser egogetriebener Trittbrettfahrer verwässert. Der Preis der Freiheit eben, man muß auch mit einer Portion Mißbrauch leben können. Ein Preis den die Eingangs erwähnten Staaten nicht mehr zu zahlen bereit sind bzw. nie waren. Ein Preis jedoch der humanistischen Werten gezollt wird und Mensch erst Mensch werden läßt.

Stattdessen findet man mehr und mehr präventive Maßnahmen vor, Maßnahmen die wiederum auf Annahmen fantasieloser Kleingeister gründen, Maßnahmen die Blüten treiben, welche jeglicher Art von Freiheitsempfinden spotten. Maßnahmen die dazu dienen das eigene Volk auszuhorchen, unheilige Allianzen zwischen Wirtschaft und Staat schaffen oder gar das Volks verhöhnen etc. pp. Die Liste der Maßnahmen ist lang, jene der Kolateralschäden ebenso, die Aufmerksamkeit der Mehrheit des Volkes verschwindend gering. Denn nicht zu verbergen hat man ja und es gibt immer wichtigeres als die durchgeknallten Fantasien linker Spinner, die nur rechtsfreie Räume für ihre Spielereien wünschen.

Wir brauchen keine Wirtschaft die uns erzählt wieviel Mensch rentabel ist, wir benötigen keine steinewerfenden Aktionisten, keine Demonstranten prügelnde Exekutive, keine verhöhnenden Politiker, kein Geheimdienst der das eigenen Volk unterwandert, usw. Was wir brauchen sind Menschen die tacheles reden, die ein Gewissen haben, die Mensch sein wollen und dies auch einfordern für alle, die auch aufstehen und Nein sagen können — Menschen die emanzipiert sind.

Hoffnung habe ich keine, Hoffnung lullt ein und beruhigt — ich sehe die Tatsachen, ich schaue zurück und sehe vergangene bis heute wirkende Strukturen, ich besitze genügend Fantasie mir die nahe Zukunft ausmalen zu können und werde dennoch desöfteren von dieser Zukunft überrumpelt. Wir finden uns definitiv nicht in einer Diktatur, wir sind noch weit entfernt von wirklich menschenverachtenden Regimen — aber anstatt im Nachhinein immer die Ursachen zu hinterfragen, wäre es doch auch einmal angebracht den Anfängen zu erwehren, wenn diese denn schon derart offenbar sind, oder?

, , , , ,

8 Antworten zu “etwas ist faul im Staate Dänemark”

  1. phoibos sagt:

    moin,

    ein schön geschriebener artikel!
    wobei ich finde, dass wir uns schon in einer diktatur befinden — wenn es auch eine individuelle diktatur ist, in der subjekte und objekte identisch sind. die frage ist nur, wurden wir subkutan konditioniert oder ist es eine allgemein menschliche haltung, die zu der sich selbst unterdrückenden resignation führt. und ab welchem punkt überschreitet die die subjekt/objekt-einigkeit die individuelle grenze (die auch im kollektiv zu beobachten ist, ich möchte fast von einem schwarm-individuum sprechen), und wird definierend (im sinne von ausgrenzend)? dass heute bereits kräftig definiert wird, ist an der springerschen hetze gegen schüler/studenten/hartz iv-ler zu bemerken.
    doch was hilft. oliver sprach es an: humanismus. oder auch allgemeiner gesagt: bildung. und zwar bildung, die aus einem selbst kommt, die um ihrer selbst willen erworben wird. etwas, was das heutige bildungssystem — politisch gewollt und wirtschaftlich gefordert! — nicht leistet. diese neuartigen anstalten der konditionierung und der belernung (ich meine damit, dass heute lernen nur als reproduktion zur bedrohung stattfindet) sollen gar nicht mehr das individuum, mithin objekt eines jeden humanismus, fördern, sie sollen eher produzieren, was, das muss erst noch definiert werden.

    ciao
    phoibos

  2. Oliver sagt:

    Bezüglich des philosophischen Ansatzes, daß man irgendwo immer etwas dikitiert bekommt, respektive nie tatsächlich frei ist, bin ich mir durchaus bewußt. Andererseits aber könnte ich in real existierenden Dikataturen jedweder couleur auch nicht derartige Worte wählen.

  3. phoibos sagt:

    oh, mein kommentar sollte gar nicht so tief ansetzen. die ontologische diskussion, ob der mensch überhaupt frei sein kann oder nicht, überlass ich den neurologen, theologen und anderen philosophen. ich zielte eher darauf ab, ob diktatur nicht auch durch sachzwänge erzeugt wird bzw. dass wir keine real existierende diktaturen brauchen, wenn wir von haus aus uns schon unterdrücken. denn ich glaube, dass das bildungssystem hier einen großteil der vorarbeit vornimmt und dass man dagegen wiederum nur mit einem aufklärerischen humanismus ankommt (immerhin hat der deutsche humanismus auch in keinster weise vor dem verbrecherischen regime der nazis geschützt).

    http://de.wikipedia.org/w.….Mörders

    http://de.wikipedia.org/w.…._Strafen

    ciao
    phoibos

  4. Oliver sagt:

    Humanismus ist auch kein Selbstläufer und auch kein Diktat, ergo muß die Vernunft einsetzen — tja und da bin ich eher pessimistisch in diesen Gefilden.

  5. MFG sagt:

    Ich gebe dir absolut recht. Das Problem ist hier sehr deutlich formuliert. Ich tu mein Bestes.

    Allerdings bin ich etwas verwirrt, warum Dänemark im Titel steht…

  6. Oliver sagt:

    Ein geflügeltes Wort aus Hamlet. something is rotten in the state of denmark

  7. Chris sagt:

    Ich danke Dir. :)

RSS-Feed abonnieren