Entern die Piraten 2012 die Hamburger Bürgerschaft?

Mit Interesse habe ich heute Morgen die neuesten Umfrageergebnisse zur Hamburger Bürgerschaft gelesen, die die Hamburger Morgenpost veröffentlicht hat. Nicht etwa, weil die SPD selbst unter einem Schwarz-Grünen Senat tiefer und tiefer fällt oder weil der Wähler der Meinung ist, die CDU hätte gegenüber den Grünen ihre Interessen vertreten, diese nur das Anhängsel von Ole von Beust und seinen Mannen sind. Nein, etwas Anderes ließ mich heute nachdenken.

umfrage_hamburg_piraten
Grafik: F!XMBR. Daten: YouGov im Auftrag der Hamburger Morgenpost.

Eine Zahl stach mir hier besonders ins Auge — und nein, es sind auch nicht die 17% für die Grünen, die mich persönlich absolut überraschen. Viel mehr sind es die 7%, die den sonstigen Parteien zugerechnet werden. Bei den letzten 3 Umfragen, zusammengetragen von Psephos und Infratest dimap, entfielen auf die kleinen Parteien zwischen 1,5% und 3%. Bei der Bürgerschaftswahl waren es insgesamt 2,5%.

wahlrecht_hamburg
Zahlen: wahlrecht.de.

Wo kommen also die Zahlen her? Liegt es am Umfrageinstitut? YouGov war mir bisher nicht bekannt. Es kann sich bei der Mehrzahl der Antworten eigentlich nur um die Piratenpartei drehen — andere außerparlamentarische Parteien treten in unserer Stadt zur Zeit nicht in Aktion. Leider führt die Hamburger Morgenpost nicht weiter auf, auf welche Parteien sich die 7% verteilen — eine E-Mail-Anfrage diesbezüglich an YouGov läuft. Ich denke aber, dass diese Zahlen nicht explizit erhoben wurden.

Nun wissen wir alle, dass in Hamburg die Uhren ein wenig anders ticken. Die Grünen heißen hier noch GAL, man denke auch an die Schill– oder die STATT-Partei. Es ist also nicht unmöglich, dass die Hamburger bereits die Piratenpartei außerhalb des Netzes wahrgenommen haben. Hier in Hamburg sind die Wahlkampfplakate der Piraten weit verbreitet. Hält der Kurs der Piraten also weiter an, ist es nicht unmöglich, dass 2012 die Piraten eines der schönsten Rathäuser dieses Landes entern.

Und liebe Piraten, Ihr seid mir ja durchaus sympathisch, mit Euren Trollen können wir hier umgehen — doch vier Bitten hätte ich an Euch: Klärt den Freiheitsbegriff, beantwortet die soziale Frage, erstellt ein Parteiprogramm, das andere Punkte wie Afghanistan oder die Atomkraft behandelt und distanziert Euch in aller Deutlichkeit, nicht nur mit warmen Worten, von den Rechten. Ihr habt die Infrastruktur. Dann werdet Ihr auch für mich eine ernsthafte Alternative. Bis dahin aber, wird noch viel passieren — und der eine oder andere Artikel hier erscheinen. 😉

Bis dahin ein Lesetipp: WEISSGARNIX — Ver(w)irrte Piraten

Die Piratenpartei ist zuerst einmal eine one issue Partei wie es sei immer wieder gibt. Die diversen Formationen in Hamburg waren Beispiele – von der Statt-Partei bis zu Schill. Frau Pauly in Bayern ist noch nicht einmal bis dahin gekommen. Sie verschwinden nach kurzer Zeit, wenn die etablierten Parteien das Thema aufnehmen und damit unschädlich machen. Dazu kommt die fehlende Professionalität und Parteiinterner Streit – um Posten und Positionen.

Ich stimme mit dem Artikel zwar grundsätzlich nicht überein — aber das liegt wahrscheinlich daran, dass Frank und mein Wenigkeit unterschiedliche Jahrgänge sind. Nichtsdestotrotz ein sehr wertvoller Diskussionsbeitrag — auch Wähler wie Frank wollen erreicht und überzeugt werden. Und bevor auch hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich schätze WEISSGARNIX weitaus mehr als solche Mainstream-Postillen wie das Handelsblatt oder die FTD. WEISSGARNIX ist grandios…

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28 Antworten zu “Entern die Piraten 2012 die Hamburger Bürgerschaft?”

  1. phoibos sagt:

    och joa, hamburg hat ein händchen für experimente :) und diese halten auch ein, zwei legislaturen… die piraten sind in hh wirklich aktiv (siehe auch mein posting im anderen thread) und haben hier unter anderem auch studiengebührenfreiheit auf dem zettel (und, wenn man lieb ist, auch wieder die lernmittelfreiheit). ich denke, dass die hamburger irgendwie auch ihre piraten liebhaben, es gehört so irgendwie zum pauli-flair hinzu — etwas, was auch die gutbürgerlichen zu schätzen wissen, sofern ein wasserwerfer und ein paar pooligans zwischen ihren ghettos (oder wie sie es nennen würden: gated communitys) und den anderen ghettos stehen.

    ciao
    phoibos

  2. phoibos sagt:

    weil ich grad heute mal wieder in alten platten, aktuell wie immer, gewühlt habe:

    Mellow Mark — Alarmstufe Rot

    Max & Mackie — Freiheit Stirbt Mit Sicherheit

    Mono — Zivicops

    Nikitaman — Einfach nur ein Lied

    entstammen dem album dancehallfieber 3

    erinnert mich total an den summer of resistance

    so ein t-shirt hab ich noch :)

  3. Thaniell sagt:

    Nach all dem ‘Gebashe’ jetzt wieder so ein optimistischer Pro-Piraten Artikel, Mensch das geht doch nicht, wie soll man so denn schlau aus dir werden und dich in einem links-rechts äh pro-kontra Schema einordnen?! 😉

    In Großstädten sind die Piraten wie mir scheint generell gut aufgestellt (von Ausnahmen abgesehen) und Hamburg und Berlin machen da mit ihrer jeweiligen politischen Sonderstellung nochmal eine — für die Piraten — positive Ausnahme.
    Was mich umgekehrt bei Einschätzungen für die Bundestagswahlen noch etwas skeptisch sein lässt ist die Piratenabsens in eher ländlichen, kleinstädtischen Gegenden. In meiner Nachbarskleinstadt gibt es nicht ein Piratenplakat und es hat da immerhin schon eine kleine Uni mit Studenten.
    Umso netter wenn man mal in eine «Großstadt» kommt und sie einem da auch Offline mit Plakaten begegnen. Okay, das Web gibt es auch hier, aber wenn es schon keine aktiven Piraten gibt, die Plakate ordern und aufhängen, dürfte auch ansonsten die Begeisterung verhalten sein. Aber mal sehen am Sonntag, was das gibt.

  4. Piratenversteher sagt:

    Zum Freiheitsbegriff: Ich zitiere
    Manifest
    Freiheit und Verantwortung
    Freiheit ist die Möglichkeit sein Leben nach eigenem Willen zu gestalten. Dabei endet diese Freiheit dort, wo die Freiheit des Nächsten anfängt. Eigenverantwortung, gegenseitiger Respekt und Kooperation sind wichtige Grundsätze zum leben dieser Freiheit. Unnötige und anmaßende Eingriffe des Staates lehnen wir ab.

    Soziale Frage:
    Bewusst keine Aussage! Unter uns: Kein Pirat möchte, dass sich die soziale Schere weiter öffnet (sonst wäre er ja in der FDP :-) ). Aber was ist der richtige Weg? Transferleistungen um 3% erhöhen?, Mehrwertsteuer um 2% runter? Unternehmenssteuern 3% rauf, oder doch runter? dafür eine Vermögenssteuer?
    Wer glaubt, er kenne die Lösung, soll LINKE wählen. Die Piratenpartei wird nie allein regieren und jeder der Piraten wählt, hat ein vorrangiges Ziel, das ihm, oder ihr wichtiger ist als Prozentrechnung und Sachzwänge.
    Parteien müssen kein Vollprogramm haben, das ist ein deutsches Missverständnis. Es gibt genügend NGOs die sich lange vor den Piraten für dieselben Themen eingesetzt haben. Waren sie erfolgreich? Nein! Der nächste logische Schritt ist die Parteigründung, auch ohne in der sozialen Frage einer Meinung zu sein. Achja: Das Grundeinkommen wird heiß diskutiert.

    Parteiprogramm, das andere Punkte wie Afghanistan oder die Atomkraft behandelt:
    Gut Ding will Weile haben.

    … und distanziert Euch in aller Deutlichkeit, nicht nur mit warmen Worten, von den Rechten.
    Wer hören will, der hat es gehört, wer nicht, der nicht. Alles Klar?
    Danke fürs Zuhören.

  5. Chris sagt:

    Dieser Kommentar zeigt alles, warum die Piraten derzeit unwählbar sind. Danke. :)

  6. Evil Daystar sagt:

    Ich finde das Schweigen des Bundesvorstands der Piraten zu seiner «Wir reden mit Schmuddelkindern» Straregie gegen Rechte trotz der immensen Kritik daran verantwortungslos:

    Die Piraten und ihr verantwortungsloser Umgang mit ihrer Rechts-Debatte

  7. Oliver sagt:

    Okay klare Aussage des Piratenverstehers, geht es um ne Menschen darf man definitiv nicht die Piraten wählen. Danke!

  8. vsnfd sagt:

    Ich möchte mal etwas positives sagen. Ich mag deine Artikel zur Piratenpartei. Und das obwohl ich selbst Pirat bin. Ich bin sicherlich nicht immer der gleichen Meinung, aber das wäre auch langweilig. Ich halte es aber für wichtig, dass wir uns nicht nur gegenseitig beglückwünschen was für eine tolle Partei wird sind sondern auch darauf achten, was Andere an den Piraten kritisieren.

    Selbst wenn sich im Partei– und Wahlprogramm und in den Tiefen des Wiki die Antworten und Stellungnahmen finden lassen, die viele suchen so ist es dennoch keine gute Idee, alle Kritiker mit einem entsprechenden Hinweis abzubügeln. Ich habe nämlich manchmal den Eindruck, das die vielen unterschiedlichen Detailpositionen innerhalb der Piratenpartei noch ein wenig angeglichen und vermittelt werden müssen.

    Und daher bin ich ziemlich sicher, dass wir nach der Bundestagswahl auch noch einiges an internen Diskussionen führen werden um zu klären, wie wir uns positionieren und auch, wie wir diese Positionen deutlich nach außen tragen können. Wenn Viele der Meinung sind, wir haben uns gegenüber den Rechten nicht ausreichend abgegrenzt, dann kann man nicht einfach sagen: «Doch». Dann müssen wir handeln.

    Meine Zustimmung zur Piratenpartei wird von 2.Punkten gestützt:
    1. Die Überzeugung, dass die Ziele im Wahlprogramm sinnvoll und notwendig sind.
    2. Die Hoffnung, dass wir den ganzen Rest im Laufe der Zeit auf die Reihe bekommen, ohne nachher auszusehen wie die anderen Parteien.

    In diesem Sinne, geht alle wählen. Was immer ihr für richtig haltet.

  9. aloa5 sagt:

    Es wird sicher Programmerweiterungen und Klarstellungen geben. Mit einer gewissen Größe kommt m.E. auch mehr «Durchschnitt» in die Partei. Wenn ich es mir recht überlege kann es durchaus sein, das dieser Durchschnitt auch in anderen Parteien vorhanden ist — jedoch schlicht nicht gehört wird.

    Das schöne an der Präferenz der Piraten ist, das diese nicht «lastig» wirkt. Die FDP ist wirtschaftslastig, die Grünen sind Öko-lastig, LINKE sind eben Links-lastig. Das bedingt eine automatische Verpflichtung wenn man so will, eine selbsterfüllende Prophezeihung. Man will dort gar nicht den Durchschnitt sondern hat sich für etwas anderes, spezielleres entschieden. So gesehen wären es im übrigen gar nicht die Piraten welche man als ..Nerds.. bezeichnen müsste. Im Gegenteil, sie sind es eigentlich welche sich «keiner Gruppe» zurechnen *können*.

    Grüße
    ALOA

  10. […] zu einem großen Teil die Grünen oder die SPD gewählt. Auch von der FDP scheinen einige zu den Piraten übergelaufen zu sein. Auffällig ist die Zahl von Befragten, die angeben, bei der letzten […]

  11. Arnomane sagt:

    Was mich am meisten an dieser Partei stört ist dass sie ihr Programm noch nichtmal ernst nimmt, sondern nur einen auf Protest macht und dem vereinahmenden WIR-Wahlkampf der Union einen WIR-sind-das-Internet-Wahlkampf entgegen stellt.

    In Wikipedia hab ich eins gelernt. Wer andere für sich vereinnahmt und vor allem wer permanent mit WIR und «WIR sind die Durchblicker» ankommt, hat einfach mal verloren.

    Daher liebe Piraten: «Not in my name». (Ich hoffe ihr kennt wenigstens die (Internet-)Kampagne «Not-in-our-name»). Wenn ihr die Piraten seid und meint ich müsse das auch sein, dann bin ich Gallier.

    Wenn Piraten dauernd sagen. Ihr habt Angst vor uns dann sag ich: Au fein Piraten. Auf geht’s Asterix!

    So und nun mal konkret zu eurem Anspruch:

    Wo stehen denn all die Überwachungskameras? Im Bund oder in den Kommunen? Wer entscheidet denn darüber ob eine Kamera in der Öffentlichkeit aufgestellt wird? Ohne Gemeinde und andere «untere» Ebenen geht da GARNIX! Ihr habt bisher an ganzen drei Komunalwahlen teilgenommen in den ganzen Jahren eures Bestehens. Dabei gibt es in den Kommunen noch nichtmal eine 5%-Hürde. In Kommunen sind Themenparteien vollkommen in Ordnung und wählbar, aber NICHT im Bund, wo es um viel mehr als meine persönliche Umgebung geht.

    Verinnerlicht den Leitsatz: Think global. Act local!

    Nur so werdet ihr Erfolg haben.

  12. @Arnomane
    Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren sind Bundesgesetze. Außerdem ist die Piratenpartei mit lokalen Themen erst kürzlich in zwei kommunale Parlamente eingezogen.

  13. Thaniell sagt:

    @Arnomane: Seh ich in diesem Fall genau umgekehrt, Netzpolitik ist national, Ermächtigungen für Polizeibefugnisse national oder auf Landesebene. Patente usw. auch alles national. Bildung ist Sache der Länder (und wäre wünschenswerterweise zumindest etwas mehr national). Für mich machen die Piraten primär im Bund und auf Landesebene Sinn. In Kommunen nur z.T. — ja was deinen Punkt mit den Kameras angeht, aber ansonsten berührt da wenig Piratenpartei-themen. Und den Punkt kann man, denke ich, auch auf Landesebene gesetzlich eindämmen. Von daher sehe ich kein Problem darin sich auf die oberen Ebenen zu konzentrieren, wäre aber dennoch erfreulich auch den ein oder anderen Piraten auf Kommunalebene zu haben, ja. Im Übrigen haben die Piraten erst in den letzten Monaten einen Mitgliederzuwachs der eine flächendeckende Kommunalabdeckung überhaupt erst möglich macht.

    Im übrigen werde ich auch ungern vereinnahmt. Wenn die Piraten aber innerhalb des Netzes die Umfragen dominieren, haben sie zumindest eine gewisse Berechtigung für einen substantiellen Teil der Netzgemeinde zu sprechen. Klar muss man differenzieren, nicht alle Netzbewohner stehen (in allen Punkten) hinter den Piraten, und da schlägt der ein oder andere sicher mal über’s Ziel hinaus. Wobei mir spontan da jetzt kein offizielles Statement in einer wir reden mal für euch alle Form aufgefallen wäre.
    Es stimmt (nach eigener Netzerfahrung), dass Piraten gerne mal in ‘dann mach doch mit’ Statements verfallen. Das ist natürlich kein Argument sich der Diskussion zu verweigern.
    Auf der anderen Seite haben sie zu einem Teil aber auch recht damit — wenn es deine Themen sind, ist das die Gelegenheit politisch direkt mitzumischen — auch in der Gestaltung der Partei, noch ist da nichts wirklich verfestigt und kann sich in alle Richtungen drehen, neue politische Bewegungen entstehen nicht jeden Tag.

    @Oliver: Ich würde das positiv formulieren. Geht es um Menschen (im Sinne eines brauchbaren Sozialstaates) sollte man **** wählen (je nach Gewichtung Linke/evtl. Grüne, andere Exoten) bzw. dort mitmachen, sie in die richtige Richtung bringen usw. Dann sind die Piraten nämlich schlicht der falsche Gesprächspartner.
    Es mag jeden einzelnen Piraten durchaus interessieren, aber es ist nicht das glaubwürdige Hauptthema der Partei. Umgekehrt sehe ich aber auch keinen expliziten Schaden durch die Piraten, man darf schon wählen, aber dann darf man sich nicht wundern wenn soziale Aspekte eher untergeordnet sind. Gut, wenn das soziale Miteinander (bzw. dessen staatliche Regelung insbesondere in Finanzhinsicht; ‘persönliche Freiheit’ ist ja auch immer ein Aspekt davon) der einzige Punkt ist der bei der Wahl von Interesse ist, wäre es etwas seltsam sich für die Piraten zu entscheiden, in der Tat.

    Ich denke aus dem Bildung für alle Kernpunkt, der Wissensgesellschaft usw. werden auch einige weitere ‘soziale’ Punkte den Weg ins Programm finden und entsprechend hart vertreten werden, aber eine primär links-soziale Partei wird es (hoffentlich) nicht werden. Nicht, dass ich was gegen entsprechende Politik hätte, aber nach den sehr frustrierenden Erfahrungen mit Gemischtwarenhändlern für alles, wäre ich eigentlich ganz glücklich mit einem größeren Parteiensystem mit stärkerer Präsens von Fachhändlern. Das Gesamtkonzept ergibt sich dann eben aus den zustande kommenden Koalitionen. (Und da sehe ich bei den Piraten im Moment mehr Übereinstimmungen mit linken Programmpunkten als mit denen der Konservativen, aber das ist ja eine andere Diskussion^^).

  14. Falk sagt:

    Think global. Act local!

    Warum nur musste ich bei dem Satz daran denken, daß dann der PC und das Internet eine nur untergeordnete Rolle spielen würde?

  15. […] und die Welt ändern wollen, aber in all den Jahren ihres Daseins vor ihrer eigenen Haustür noch nichtmal nennenswert gegen die römische Ordnung vorgegangen sind. Wir wählen daher keine Piraten, die Rom erobern […]

  16. Arnomane sagt:

    @Falk. Warum sollte dieser «Ökospruch» nicht auch auf das Kernthema der Piratenpartei übertragbar sein? Ich weiß, die Ökos sind immer noch als Technikfeinde verschrieen. 😉 Im Gegensatz zu dem Gerede der obigen Piraten wird meine digitale Freiheit ganz erheblich von Überwachungskameras, Vorratsdatenspeicherung und Datenschutzskandalen in Kommunen und lokalen Unternehmen beeinträchtigt und darauf passt der Spruch sehr gut.

    So und weil mich die Piraten so sehr herausgefordert haben, starte ich ein kleines Experiment, das so groß werden kann, wie es das Netz wünscht, und sag:

    «Ihr seid Piraten? — Ich bin ein Gallier!» — Und jedes Wesen, dass mit mir dem gallischen Manifest zustimmen kann, soll das bitte gerne tun:

    Ich bin Gallier!

  17. Oliver sagt:

    @arnomane

    >Ich weiß, die Ökos sind immer noch als Technikfeinde verschrieen.

    Auch fefe beispielsweise hat in seinem ganz persönlichen Wahn noch nicht mitbekommen wieviele Mitglieder der Grünen auch den CCC supporten und das teils schon länger als diese Likedeeler als Partei existieren. Aber das nur nebenbei …

  18. Carlos sagt:

    @Arnomane:
    «Im Gegensatz zu dem Gerede der obigen Piraten wird meine digitale Freiheit ganz erheblich von Überwachungskameras, Vorratsdatenspeicherung und Datenschutzskandalen in Kommunen und lokalen Unternehmen beeinträchtigt«
    Nun, meine «digitale Freiheit» — und die von ca. 8 Millionen anderen Hartz IV (und sonstigen Staatlichen Hilfeleistungen) Empfänger wird zu allererst dadurch «beeinträchtigt», das es für die meisten von denen schwer bis unmöglich ist, sich an diesem digitalen Leben überhaupt beteiligen zu können! Und nicht nur am digitalen… jedes Buch, jede Zeitschrift z.B., alles, was irgendwie der Bildung dienen könnte, ist ein Problem für die Haushaltskasse!

    Um es mal überspitzt zu sagen: was nützt mir diese schier grenzenlose Freiheit, von der die Piraten sprechen, wenn ich nichts zu fressen habe?
    Und darauf haben die Piraten irgendwie gar keine Antwort!

    Das die Piraten alleine durch ihre Existenz eine menge ins rollen gebracht haben, was die Diskussion über Zensur angeht, finde ich ja gut, aber bei einer Wahl, bei der es für einen großen Teil der Bevölkerung um die Nackte Existenz geht, UND wie ein Staat mit diesem Teil der Bevölkerung umgeht, da wähle ich zumindest keine Partei, die sich auf einen einzigen (oder meinethalben auch 2) Programmpunkte festlegt bzw. beschränkt.

    Und das gilt nicht nur für die anstehende Bundestagswahl, das gilt genauso für Wahlen zur Bürgerschaft oder den Landesparlamenten.

    Zum @Piratenversteher:
    «Unnötige und anmaßende Eingriffe des Staates lehnen wir ab.«
    Nun, ich bin durchaus für einen starken Staat! Was passiert, wenn der Staat einer kleinen Minderheit (den 10% Reichen,Bankern, Industriellen usw.) ihre Freiheit lässt und alles, was die dann verbocken, der Masse des Volkes aufladen, das können wir gerade sehen — und genau darauf läuft dieser FDP-Spruch von der «Freiheit und Verantwortung» hinaus.

    Was übrigens die Umfrage angeht (weshalb ich hier eigentlich etwas schreiben wollte), das abschneiden der GAL wundert mich ja schon, und erschreckt mich auch. Irgendwie habe ich immer noch diesen Anti-Moorburg-Wahlkampf der Grünen im Ohr… aber Kohle von Ole scheint sich nicht nur für die GALlier in der Bürgerschaft und im Senat auszuzahlen, der Wähler scheint es auch noch zu honorieren… merkwürdige Welt.

  19. Oliver sagt:

    @Carlos: das kann ich mal einfach so ohne weitere Worte unterstreichen.

  20. phoibos sagt:

    vielleicht sollten sich die piraten mal den guten alten dostojewski vornehmen…: der großinquisitor

    naja, und hier die kurzfassung.

  21. Heckenpenner sagt:

    Auf die «Freiheit» obdachlos in der Gosse zu verhungern kann ich auch gut verzichten. Die Piraten sollten sich eher darauf konzentrieren, dass auch jeder in der Lage ist, seine Meinung digital zu verbreiten. Sie muessen sich halt auch auch auf die sozialen Probleme konzentrieren, sprich: «Erst der Magen, dann die Freiheit»

    Deshalb werde ich am Sonntag die Piraten und die Linke waehlen. Allerdings waeren die Piraten als starker Fluegel der Linken besser aufgehoben als als eigene Partei. hoffentlich ist das kein Fehler…

    Fuer mich also: Kompromisslose Redefreiheit a la USA + soziale Freiheit. Hoert sich das vernuenftig an?

  22. Oliver sagt:

    >Kompromisslose Redefreiheit a la USA + soziale Freiheit.

    In der Theorie ja, in der Praxis verklagt dich jemand ob deiner Meinung auf irgendwelche Fantastilliarden und der andere spricht dir mit seiner Meinung deine Meinung ab.

  23. Heckenpenner sagt:

    ich kenne mich mit dem Recht in den Staaten jetzt nicht so aus. IMHO steht dort die Meinungsfreiheit ueber dem Persoenlichkeitsrecht (die FCC mal ausgenommen). Und meine Meinung kann mir jeder absprechen, so lange er sie mich aussprechen laesst.

    Ob das Ganze hier in D so funktionieren wuerde sei mal dahin gestellt, ich haette es halt gerne so 😉

  24. Oliver sagt:

    Ich nicht, Persönlichkeit geht vor Meinung. Und in den USA ist beides gedeckelt mittels des First Amendments, Details Regeln im angelsächsichen Rechssystem die Gerichte, nicht der exakte Wortlaut eines Gesetzestextes,

  25. Arnomane sagt:

    @Heckenpenner:

    > Kompromisslose Redefreiheit a la USA + soziale Freiheit.

    Nein das hört sich nicht vernünftig an. Libertarismus (nicht Liberalismus!) zerstört die Vielfalt der Meinungen, weil kein Mensch auf Dauer bestimmte destruktive Extreme aushalten, geschweige denn verteidigen kann und irgendwann nur noch die schmerzbefreiten Extremen übrig bleiben, sei es im Internet oder im Leben. Deswegen gibt es auch in Deutschland die wehrhafte Demokratie: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit. — Mit Netzsperren, Vorrratsdatenspeicherung und Stasi 2.0 hat das alles nichts zu tun.

    Außerdem passen Libertarismus und soziale Freiheit nicht zusammen. Libertarismus heißt auch, dass man grundsätzlich den gesamten Staat ablehnen kann und das tun erfahrungsgemäß vor allem die, die kerngesund sind und ein bischen mehr Geld an die Allgemeinheit zu verlieren haben. Libertarismus heißt auch, das Recht ein mitleidsloses, asoziales Arschloch zu sein, das sich für seine unterlassene Hilfeleistung für Schwache, sie sie konkret oder indirekt, nicht verantworten braucht.

  26. Ein Mensch sagt:

    Zitat: «Sie muessen sich halt auch auch auf die sozialen Probleme konzentrieren, sprich: ‘Erst der Magen, dann die Freiheit’ »

    Nein umgekehrt. Wenn wir erst die Redefreiheit verlieren, dann können wir uns auch nicht mehr wirksam um die sozialen Belange kümmern, die Misstände und den Lobbyismus aufdecken, die Heuchelei anprangern, usw.

    Die Information ist unsere wirksamste Waffe.

    Wenn die Freiheit der Information gesichert ist, dann kümmern wir uns um die soziale Gerechtigkeit, und wenn die gesichert ist, dann haben wir alle die Köpfe und Hände frei, den Planeten zu retten. Da müssen wir hin.

  27. Gedankenwanderer sagt:

    Hallo, ich könnte mir vorstellen, dass hinter den 7 & nicht unbedingt nur die Piraten, sondern auch die FREIEN WÄHLER (www.FreieWaehler-HH.de) stecken. Die finden nämlich in Hamburg durchaus statt, z. B. in der Bewegung gegen die Schulreform und in Themen wie maroder Staatshaushalt.

    Ich persönlich halte es für denkbar, dass Piraten und FREIE WÄHLER in Hamburg kooperarieren. Beide Bewegungen fußen an der Elbe stark in IT-affinen Menschen und beide sind in Hamburg Großstadtvereinigungen. Während die Piraten eher jüngere Hanseaten erreichen, könnten die FREIEN WÄHLER eher ältere ansprechen. Gemeinsam ist Ihnen programmatisch der starke Gedanke der bürgerlichen Freiheiten.

    Wer weiss, ob da nicht noch ein gemeinsamer Schuh draus wird — vorstellen könnte ich es mir!

  28. Chris sagt:

    Wenn hier 20.000 Links auf einmal hinterlassen werden, reagiert der Spam-Filter…

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