Enteignet Springer 2.0

twitter_weltkompakt

Ich frage mich ernsthaft, wie intelligente Menschen einer Springer-Postille, wie der Welt, und sei es nur auf Twitter, folgen können. Nachdem heute die Geschäftsführung der Welt das BILDblog abgemahnt hat und die Kosten für die Macher durchaus existenzgefährdend werden können, ist der Aufschrei groß. 15.370 Follower hat @weltkompakt zur aktuellen Stunde immer noch, das sind immer noch 15.370 Follower zu viel. Nicht wegen der Abmahnung, wer das BILDblog im Übrigen unterstützen möchte, kann das hier tun, sondern aus Prinzip. Unsere Eltern haben Enteignet Springer skandiert, unsere Generation lädt Springer und Konsorten auf BarCamps & Co. ein, weil sie ja welche von uns sind. Wer sich mit dem Teufel einlässt, verändert nicht den Teufel, der Teufel verändert ihn. #deppen20

Doch nicht nur das BILDblog hat rechtlichen Ärger. Gegen Regensburg Digital erging eine einstweilige Verfügung der Diözese Regensburg. Regensburg Digital schreibt: Vom fernen Hamburg aus wurde unserer Redaktion in Regensburg nun verboten, in Zusammenhang mit einem pädophilen Pfarrer in Riekofen, einer Vereinbarung zwischen der Diözese Regensburg mit der Familie eines Opfers und einer dadurch vermittelten Geldzahlung eine bestimmten Eindruck zu erwecken. Auch die Kollegen bitten um Unterstützung. Doch auch damit nicht genug.

Die erste einstweilige Verfügung gegen einen Tweet ist ebenso erwirkt worden. kriegs-recht.de schreibt: Ein Twitter-Nutzer hat Links zu fremden Webseiten “getwittert”. […] Auf den verlinkten Webseiten soll sich eine Vielzahl wahrheitswidriger Behauptungen über ein Unternehmen befunden haben. Das betroffene Unternehmen reichte daraufhin beim Landgericht Frankfurt am Main Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ein, die dem Twitterer verbieten sollte, Links von seinen Twitter-Accounts zu Seiten Dritter zu schalten, auf denen sich die beanstandeten Behauptungen befinden — und das Landgericht Frankfurt am Main erließ darauf hin die beantragte einstweilige Verfügung.

entfollowed_weltkompakt_500

, , , , , , , , , ,

21 Antworten zu “Enteignet Springer 2.0”

  1. […] Hintergrund beim BILDblog | Grafik von F!XMBR […]

  2. karoc sagt:

    Diese BILDungsdoppelmoral gibt es doch bei den druckerzeugnissen genau so, wie oft musste man sich schon Rechtfertigungen mit dem Sportteil anhören..

  3. Urbster sagt:

    Die Geschichte aus Regensburg finde ich ja am schlimmsten, und werde mir jetzt demnächst endlich die Zeit nehmen und die Bande im Real Life entfollowen.

  4. Ricarda sagt:

    Der erste Beitrag der mir aus der Seele spricht, was das Thema angeht. Zumindest zeigt sich jetzt mal wieder deutlich, mit welcher «Professionalität» sich gewisse Menschen und Firmen im Netz präsentieren ohne an die Außenwirkung zu denken.

  5. Könnte man eigentlich regelmäßig Wasserstandsmeldungen veröffentlichen, wieviel Nutzer wieder abgesprungen sind? Das würde vielleicht noch einen weiteren Anreiz schaffen, sich dieser Bewegung anzuschließen.

  6. RIO sagt:

    sowas ist genau der grund, warum ich aus dem springer verlag nichts lese. ich halte sie für einen ganz gefährlichen medien-thinktank, dem der garaus gemacht wird. liebe kinder in der springer-redaktion, wenn ihr das hier lest, abmahnung dann bitte an mich und die jungs von f!xmbr da raus lassen, ja? die können nämlich nix zu dem, was ich hier schreibe, ausser stillschweigend zustimmen oder widersprechen. die pappnasen von springer verlegen ja auch «wissenschaftliche fachliteratur». ist mir zum glück ist mir das noch nicht untergekommen, und falls doch, würde ich die lektüre allen ernstes aus gewissensgründen ablehnen. und ah, welt online. da erübrigt sich ja eigentlich jeder kommentar, gelle?

  7. RIO sagt:

    …der garaus gemacht gehört. dumme tippfehler. sorry, mates!

  8. olhe sagt:

    Zumindest sollte man diesen Axel Springer-Verlag nennen, denn ein weitaus älterer und sehr bekannter Springer-Verlag hat nichts mit diesem gemein. Vor allem Erstsemester verwechseln diese beiden gerne …

  9. Bulo sagt:

    Ihr seid zu doof, das zu begreifen, Leute, oder? Entfolgt nicht Springer. Entfolgt miiir!!!… http://twitpic.com/1dovgt

  10. RIO sagt:

    «Vor allem Erstsemester verwechseln diese beiden gerne …»

    » dann ist mir das womöglich soeben passiert… und ich bin längst kein erstsemester mehr…:S

    *shame on me* und danke dir für den hinweis!
    :)

  11. Urbster sagt:

    Diese Entfollow-Aktionen haben irgendwie immer den gegenteiligen Effekt, sowohl beim guten Bulo, als auch bei der Welt.

  12. Chris sagt:

    Böse Zungen behaupten, bei Bulo war es so geplant. Bei der Welt zeigt es nur, wie sumpfsinnig-blöd das deutsche Web 2.0 ist und sich mit einer rechten Propaganda-Maschine einlässt. Zudem folgt seit gestern die Welt jedem, der was mit weltkompakt schreibt, so kann man den Leuten auch was vormachen.

    Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast…

  13. RIO sagt:

    bin zwar mittlerweile auch leicht wiki-allergisch, aber schaut mal hier.

    allein die anzahl von publikationen… da wird einem angst und bange.

  14. olhe sagt:

    Hüstel, aber irgendwie outet sich das Gros dieser Blätter schon seitens des Inhalt, die Gemeinsamkeit Axel Springer ist da nur noch das i-Tüpfelchen.

  15. RIO sagt:

    naja, ich investiere ja derzeit ob des auslangsaufenthalts kein geld in printmedien. soweit lasst euch gesagt sein: alles, was das wörtchen B*LD als namensbestandteil hat, ist bei mir genauso streng verboten wie die implementierung des proprietären mp3-codecs bei RH/fedora-linux (bin trotzdem windows xp-user, fedora fristet bei mir unter sun vbox ein relativ virtuelles dasein…).
    hab gerade mal meinen feedreader auf sauberkeit geprüft. dort finde ich unter den deutschen medien heise online, faznet-homepage und SPON. wobei ich die letzteren beiden nur zur headline-lektüre nutze. international el país edición global. helsingin sanomat hab ich rausgeschmissen, ist mir auf finnisch dann doch zu heftig. aber faznet-hp und SPON… sollten auch mal ausgemustert und ggf durch den stern ersetzt werden.

    gruss aus .fi // der RIO

  16. Franse sagt:

    Früher «Enteignet Springer!» heute Twitter-Defollow? Wie ärmlich ist das denn… Die Twitter-Follower kratzen doch keinen dort. Ich lese zwar raus, dass euch diese magere Reaktion auch ankotzt und euch irgendeine Aktion noch lieber ist als keine, aber bitte — _sowas_ =/

  17. Chris sagt:

    Ich habe mit dieser Aktion gar nichts zu tun. Nur so fürs Protokoll. Vielleicht einfach noch einmal den ersten Absatz lesen. Danke. Und demnächst dann bitte genauer lesen vor dem Kommentieren.

  18. dissident sagt:

    Ex-Spiegel-Chefredakteur Aust will ja jetzt die angeblich Sonntags erscheinende «Die Woche» als Wochenmagazin im Springer-Verlag auf den Markt bringen.

  19. RIO sagt:

    @Franse: warum soll denn ein twitter-defollow ärmlich sein? allerorten lese ich im deutschsprachigen netz, wie der MI (aka content-mafia) das problem sinkender absätze vorgehalten wird, da sie ja aus eigener schuld den anschluss an die modernen medien verpasst habe. allerorten im deutschsprachigen internet klatschen sie einem die diskussion um websperren um die ohren, und dass mit twitter aus krisen– und kriegsgebieten informationen verbreitet werden, entgeht dir scheinbar auch. man darf ja von twitter halten, was man will, aber hier ist auch nicht mehr von «enteignet springer», sondern von «enteignet springer 2.0″ die rede, was alleine schon auf die adaption des einstigen konzepts auf die moderner, interaktive medienlandschaft, eben das web 2-.0 als «mitmach-web» hinweist. da bekommt auch die interaktive komponente, sprich das mitmachen, eine völlig neue bedeutung. mit dem, was du mitmachst oder ablehnst, gestaltest du den diskurs, das ist doch toll und gut so… wer lesen kann, ist klar im vorteil…

  20. Franse sagt:

    @Chris: Falls du mich meinst — ich kritisiere die Aktion, nicht dich.

    @RIO: Im Vergleich zu einer realen Enteignung IST ein Defollow ärmlich. Ich weiß nicht, was du mit der Aufführung der Fakten aussagen willst. Das Web ist wichtig, Twitter-Follows aber nicht. Enteignung (2.0) wäre mindestens ein Ende bzw. die Übernahme von Springers Webpräsenzen. Da das relativ utopisch ist, habe ich ja oben erwähnt, dass so eine Aktion möglicherweise noch besser ist als gar nichts. Trotzdem ist sie unter dem Label «Enteignung» völlig fehl am Platz. Und ein Follow auf Springer sagt ja auch schon genug aus, ergo ist das eher ein Bumerang :-)
    Generell gebe ich dir ja recht in punkto Mitmach-Web, aber die Gestaltungskraft bezieht sich dabei so gut wie immer nur auf das konkrete Umfeld (bei einem Twitter-Defollow also sowas wie «ist mir zu langweilig», worauf dann der Autor und potentielle Leser reagieren können). Es bleibt also dabei, dass du dabei nicht mal an der Außenmauer von Springer kratzt und durch den vorherigen Follow ja auch schon eine Aussage gemacht hast (die bei Springer auch keinen vom Hocker reißt).

  21. RIO sagt:

    @Franse: so ging das aus deinem vorherigen kommentar allerdings nicht hervor. so wie du jetzt argumentierst, muss ich dir natürlich auch recht geben. sicher hat ein twitter defollow keinerlei gesellschaftliche relevanz (es soll ja immer noch leute geben, die sich diesem trend verweigern *ähem*), sodass es für die netzgemeinde natürlich allenfalls einen gewissen symbolwert hat.
    vllt sollte man den verlag einfach im wahren leben «defollowen» (!!!), aber wenn man sich mal die stammleserschaft der B*LD so anschaut… es hat ja wegen der werbekampagne der taz mit dem springer-verlag auch rechtlichen disput gegeben deswegen… was auch wieder für sich selbst spricht…
    aber danke dir für deine ausführungen. ich liebe es, wenn eine konstruktive kritik mich dazu bringt, auch meine eigenen gedanken zu hinterfragen, so muss es sein!
    :)

RSS-Feed abonnieren