Endlich — König von Deutschland

heilige_apostel

Liebes Tagebuch,

endlich bin ich König von Deutschland. Das wurde auch langsam Zeit. Wir haben gemeinsam mit den Splitterparteien der Union die Rot-Rot-Grüne Pest in die Opposition geschickt. Leider musste ich dieses eine Mal noch meiner gute Freundin Angela den Posten der Bundeskanzlerin überlassen, in vier Jahren wird aber alles anders werden. Wir, die FDP, mit mir als Vorsitzenden, sind die Partei der Mitte und werden bald die einzige Volkspartei der Bundesrepublik Deutschland sein. Endlich haben die Menschen begriffen, dass nur die FDP die Lösung für unsere Probleme bereit hält. Natürlich gab es auch die eine oder andere Kritik, aber was wissen diese hirnverbrannten Schmierfinken der Presse schon? Ich kenne als einziger die Lösung auf alle Fragen, die unser Land beschäftigt. Ich bin König von Deutschland.

Gestern Abend habe ich mit meinen Freunden zusammengesessen und über die FAZ gelacht. Die sind uns voll auf den Leim gegangen und fangen schon an, von einer sozialdemokratisierten FDP zu sprechen. Was mein Freundin Angela kann, das kann ich schon lange. Ich überlege, ob ich die FAZ zur Parteizeitung der FDP erkläre, inoffiziell sind es die Journalisten aus Frankfurt schon. Ich frage mich allerdings, ob ich dann zu Scientology wechseln muss. Ich denke da an die unschöne Laudatio von Frank Schirrmacher für Tom Cruise. Das muss ich vorher klären.

Über die Kritik an unseren geplanten Reformen am Gesundheitssystem kann ich nur müde lächeln. Selbstverständlich ist es gerecht, wenn zukünftig jeder Arbeitnehmer den gleichen Beitrag einzahlt, sei es nun die Reinigungskraft oder der Firmenchef. Wie haben es meine mir ergebenen Freunde der Springer-Presse so schön ausgedrückt: Fürs Essen müssen alle schließlich auch den gleichen Betrag bezahlen. Das ist wahre soziale Gerechtigkeit, der mit uns endlich wahr wird. Ich bin König von Deutschland.

Der Markt wird es richten, auf diesem System ist unser Land aufgebaut. Daher darf es auch keine Mindestlohnregelungen geben. Das ist purer Kommunismus. Schließlich sitzen bei Vertrags– und Lohnverhandlungen zwei gleichberechtigte Partner am Tisch, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Da darf sich der Staat nicht einmischen. Die Rot-Rot-Grüne Pest hat mit meiner Freundin Angela zwar schon in wenigen Bereichen den Kommunismus eingeführt, aber im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass diese überprüft werden. Wir, die FDP, mit mir als Vorsitzenden, wir retten die soziale Marktwirtschaft. Wider dem Kommunismus, wider der Rot-Rot-Grünen Pest.

Selbstverständlich werden wir in der Energiepolitik auch auf die Brückentechnologie Kernkraft setzen. Alternative und regenerative Energien sind unverantwortlich. Wer soll das bezahlen? Diesen grünen Träumen wird der Garaus gemacht. Und das ist auch gut so. Deutsche Kernkraftwerke sind die sichersten der Welt. Ich strahle jedes Mal voller Freude, wenn ich an unsere Energieunternehmen kenne. Diese sind die Eckpfeiler für eine soziale und gerechte und zukunftsgerichtete Energiepolitik. Sie wollen nur das beste für unser Land. Genau wie ich, dem König von Deutschland.

Die Finanzindustrie wird sich nach dem kleinen Tief der letzten Monate auch wieder fangen. Auch hier wird es selbstverständlich der Markt richten. Wir werden es nicht zulassen, dass weiterhin wie in alten kommunistischen Zeiten den Banken Ketten angelegt werden. Das Finanzsystem ist gut und richtig so, wie es derzeit funktioniert. Selbst das kleine Tief hat es nicht aufhalten können. Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lebt, und er wird in Zukunft größer und erfolgreicher leben als jemals zuvor. Dank der großen Volkspartei FDP. Darauf bin ich stolz.

Arbeitslose müssen in unserem Land endlich härter an die Kandare genommen werden. Es kann nicht sein, dass Menschen Monat für Monat von der hart arbeitenden Bevölkerung leben. Mit dieser Sozialromantik muss endlich Schluss sein. Dafür stehe ich als König von Deutschland. Auch muss endlich der Kündigungsschutz in diesem Land fallen. Dafür habe ich mit meiner FDP gesorgt. In Zukunft wird es möglich sein, befristete Arbeitsverträge in Kette abzuschließen. Die wahren Leistungsträger, die Unternehmen und die Manager, dürfen nicht länger von kleinen Arbeitnehmern abhängig sein. Die müssen so schnell wie möglich austauschbar sein. Dafür stehen wir als FDP. Nieder mit der Sozialromantik von Rot-Rot-Grün.

Wir, die FDP, mit mir als Vorsitzenden haben der deutschen Bevölkerung Steuersenkungen versprochen. Unsere Lakaien von der Springerpresse rechnen bereits aus, wie viel Geld Besserverdienende im nächsten Jahr mehr in der Tasche haben. Auf welcher Grundlage? Egal, das weiß keiner. Wir haben sie gut im Griff. Die Leistungsträger dieser Gesellschaft müssen wieder mehr netto in der Tasche haben, bezahlen werden das selbstverständlich die Minderleister. Das ist mehr als fair in einer modernen sozialen Marktwirtschaft. Nur wir, die FDP, stehen für diese Fairness.

Bald werde ich meinen Amtseid als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland ablegen. Ich werde — noch — Vizekanzler sein und dieses Land größer und sozial gerechter machen. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Wir Leistungsträger dürfen uns nicht länger vom Prekariat rumschubsen lassen. Die Elite dieses Landes muss endlich wieder mit Stolz vorweg marschieren. Wir sind die, die Leistung bringen. Wir sind nicht die, die vom Staat leben und nichts in ihrem erbarmungswürdigen Leben zustande bringen. Die FDP steht als Vertreter der Elite im Zentrum der Macht. Mit mir als Vorsitzenden, mit mir als König von Deutschland. Darüber freue ich mich.

Dein Guido

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7 Antworten zu “Endlich — König von Deutschland”

  1. […] weiterlesen! AKPC_IDS += «1010,»; Post a comment — Trackback URI RSS 2.0 feed for these comments This entry (permalink) was posted on Montag, Oktober 26, 2009, at 4:10 pm by Frau Klein. Filed in *no comment*, news and tagged fdp, germany, politik, westerwelle. […]

  2. Sebastian sagt:

    Pass nur auf: Der Letzte, der die geheimen Tagebücher eines deutschen Spitzenpolitikers veröffentlicht hatte, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. 😉

  3. Der Mann aus der Pfalz sagt:

    Liebes Volk,

    Bundesmutti hat es wieder geschafft.
    Das Kabinett steht.
    Ronald (Po)falla (parteiinterner Spitzname Po) wird
    Kanzleramtschef, sein Zwillingsbruder Peter (Hirni)
    Hintze Staatsminister im Kanzleramt.
    Eigentlich wollten wir den Peter parteiintern zum Mond
    schießen (Peterchens Mondfahrt), daraus wird nun leider
    nichts, sehr schade.
    Hermann (kennt den wer?) Gröhe wird neuer
    CDU-Generalsekretär.
    Kanzleramtsminister bleibt der eloquente Volker
    Kauder(welsch).
    Den kritischen Landesfürsten Ötti aus BaWü hat Mutti
    ins europäische Parlament nach Brüssel weggelobt.

    Das Innenministerium übernimmt jetzt Thomas de
    Maiziere.
    Mein Freund Wolfgang Schäuble war dort
    bedauerlicherweise nicht mehr länger als
    Überwachungsminister im Amt zu halten.
    Nun ist er auf seine alten Tage von Mutti zum
    Finanzminister der Deutschen berufen worden, obwohl ich
    ihm dringend davon abriet, sich dieses Amt in seinem
    Alter noch anzutun, in Anbetracht leerer Kassen,
    zunehmender Staatsverschuldung, und der größten
    Weltwirtschaftskrise seit Menschengedenken.
    Mit 67 Jahren ist doch mal gut, und eine fette
    Ministerpension gibts doch auch jeden Monat aufs Konto
    überwiesen.
    Ich weiß natürlich auch um das Nachwuchsproblem in
    unserer Partei, von der JU ist überhaupt nichts mehr zu
    erwarten, und Wählerstimmen abgreifen können wir nur
    noch bei den Rentnern und über 50-Jährigen.

    Schon zu meiner Regierungszeit konnte ich mich auf
    Wolle 100% tig verlassen. Besonders als er sich nicht
    mehr an 100.000 DM erinnern konnte, die ihm unser
    Waffenschieber Karlheinz
    Schreiber (interner Deckname: Fuchs) als Parteispende
    zugesteckt hatte. Etwas senil war Wolle schon immer und
    mit schwarzen Parteikonten kannte er sich bestens aus,
    aber davon habe ich natürlich nichts gewußt, ich litt
    damals schon chronisch unter fortschreitendem
    Gedächtnisschwund.
    Also liebes Volk, wundert euch nicht, wenn zukünftig
    ein paar Milliarden Euro für notleidende Banken unterm
    Tisch verschwinden, Wolle sich dann aber an nichts mehr
    erinnern kann, was mit den Moneten passierte.
    Mein Rat: Schweigen und aussitzen.
    Das hat bei mir politisch immer super funktioniert.

    Pisaministerin bleibt die profillose Annette Schavan.
    Morgendlicher BILD-Pamphlet Leser Politstar,
    Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg von der CSU
    darf als Verteidigungsminister Deutschland am
    Hindukusch verteidigen, wie man hörte, sein absoluter
    Traumjob.
    Das Aussenministerium wird zukünftig von der
    selbsternannten deutschen Freiheitsstatue und dem
    native-english-speaker Guido Westerwelle von der FDP
    regiert.
    Liebe Auslandskorrespondenten, denkt bitte daran, eure
    zukünftigen journalistischen Fragen NUR in deutscher
    Sprache an den Kosmopoliten Guido von der FDP zu
    stellen, DANKE!
    Die Wurfprämie für Akademikerinnen, sowie
    Betreuungsgeld für Ego-Karrieristen gibt es weiterhin
    von Familienministerin Ursula von der Leyen, besser
    bekannt unter ihrem Synonym Zensurula.
    Die restlichen Ministerpöstchen lasse ich unter den
    Tisch fallen.

    Der Koalitionsvertrag steht und Mutti kann rundum
    zufrieden sein.
    CSU/FDP bekommen ihre Steuersenkungen für
    Besserverdiener, sogar mit Tarifstufenregelung!
    Die Wurfprämie für gutverdienende Akademikerinnen und
    Betreuungsgeld gibts als Schmankerl obendrauf, damit
    zukünftig nicht die falschen Bevölkerungsschichten für
    Nachwuchs sorgen.
    Übrigens, die Hartz IV-Aufstocker und
    Niedriglohnschufter zahlen keine Steuern, ergo keine
    Leistungsträger, ergo keine Entlastung (von was
    auch?).
    Dort wird es nichts werden, mit dem Wahlversprechen vom
    Vollpfosten Guido von der FDP, mit «mehr Netto vom
    Brutto».
    Der Gesundheitsfonds wird abgewrackt, dafür die Pflege–
    und Krankenversicherungsbeiträge erhöht.
    Ich frage mich schon die ganze Zeit, wieso um Himmels
    Willen 10% der Arbeitslosen bei der Bundestagswahl FDP
    wählten? Gehts eigentlich noch?

    So, ich bin dann mal weg zum Mittagessen im Kanzleramt
    mit Josef, seinen Freunden von den Bilderbergern und
    natürlich Mutti ‚bis demnächst mal wieder.
    Heute gibts übrigens leckeren Saumagen mit Rieling aus
    der Pfalz, nur zu empfehlen.

    Mahlzeit!

    Euer Helmut

  4. Der Mann aus der Pfalz sagt:

    Nachtag — das hatte ich oben noch vergessen zu erwähnen.
    Mir selbst wurden ja ebenfalls knapp 2 Millionen DM
    Spendengelder aus dubiosen Industriequellen für unseren
    bevorstehenden Wahlkampf zugeschoben. Nein bestechlich
    war ich niemals, und mein gegebenes Ehrenwort habe ich
    nicht gebrochen.
    Vorher aber noch das Parteiengesetz eigenhändig zu unterschreiben
    war vielleicht rückschauend betrachtet ein Fehler.
    Im Untersuchungsausschuss habe ich dann zu den Spendern
    geschwiegen, der Verdacht der Untreue — völlig haltlos,
    die spinnen doch.
    Trotzdem hatte ich vorsorglich brisante Akten vernichten
    lassen (Bundeslöschtage), man weiß ja nie, welche
    belastenden Fakten sonst noch ans Licht gekommen
    wären.
    Die gegen mich verhängte 300.000 DM Geldbuße hat mir schon gehörig Magenschmerzen bereitet, aber der Deal mit der Staatsanwaltschaft war im Grunde fair und in Ordnung. Mein Freund Leo Kirch hat mir nach meiner beendeten Kanzlerschaft einen gut dotierten, 3-jährigen Beratervertrag angeboten, welchen ich natürlich unmöglich ausschlagen konnte und annahm. Bei 1,8 Mio DM Vergütung, konnte ich einfach nicht nein sagen. Was juckten mich da noch die 300.000 DM Bußgeldzahlung, Hauptsache nur nicht in den Knast.

    An unsere niederländischen Freunde möchte ich noch diesen Ratschlag richten.
    Lieber Rob Savelberg, Sie als niederländischer
    Staatsbürger und engagierter Journalist können das
    nunmal nicht wissen; kritische Fragen an Mutti zu ihrem
    neuen Finanzminister, kommen in der
    Bundespressekonferenz überhaupt nicht gut an, also einfach
    mal den Mund halten. Nehmen Sie sich ein Beispiel an
    den deutschen Medienvertretern. Nur erwünschte
    Fragestellungen sind im Kabinett willkommen, kritische
    Nachfragen eher kontraproduktiv, also lassen Sie das
    zukünftig bitte sein.
    So, ich bin dann mal weg zum Früstück im Schloß Bellevue mit Horst und seinen Freunden vom IWF, bis demnächst mal wieder.

  5. […] Endlich – König von Deutschland “Wir, die FDP, mit mir als Vorsitzenden, sind die Partei der Mitte und werden bald die einzige Volkspartei der Bundesrepublik Deutschland sein. Endlich haben die Menschen begriffen, dass nur die FDP die Lösung für unsere Probleme bereit hält. Natürlich gab es auch die eine oder andere Kritik, aber was wissen diese hirnverbrannten Schmierfinken der Presse schon? Ich kenne als einziger die Lösung auf alle Fragen, die unser Land beschäftigt. Ich bin König von Deutschland.” […]

  6. Robert B. sagt:

    Oh, das ist mir ja jetzt erst aufgefallen: Schwarz-Geld verdrängt Das Ende der SPD. So weit ist es also schon …

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