ein Treffen mit dem Lama

Korrekt, hier in Deutschland und wer trifft sich mit dem Dalai Lama? Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul von der SPD. Und wer ist dagegen? Die Union? Nein die SPD: Wenn ich die Ministerin wäre, würde ich mich nicht mit dem Dalai Lama treffen, so SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow. Steinmeier, Köhler & Co, sprich die Wirtschaftsclique schlechthin, trifft sich natürlich nicht mit dem Lama. Könnte ja zu wirtschaftlichen Problemen mit dem Regime führen und derlei Dinge möchte man nicht wegen belanglosen Dingen wie Menschlichkeit etc. aufs Spiel setzen1 . Lustiges Detail am Rande, der Dalai Lama trifft sich auch mit Roland Koch, ja genau diesem Roland Koch 😀 Verkehrte Welt und eine asoziale SPD-Spitze. Das Buckeln vor menschenverachtenden Regimen2 ist usus in Deutschland, mitunter ob der eigenen Vergangenheit — denn Menschlichkeit birgt wohl zuviele Nachteile .…

SZ

  1. wobei ich mir durchaus im klaren bin bezüglich des vorherigen tibetanischen Gottesstaats und dessen Vorstellung von Freiheit etc. []
  2. man denke nur an den Schah von Persien damals []

18 Antworten zu “ein Treffen mit dem Lama”

  1. Claudius sagt:

    Schön und gut, du schreibst, du seist dir des «vorherigen tibetanischen Gottesstaats» durchaus bewusst — aber die Konsequenz, dass es auch andere als wirtschaftliche Gründe (ich möchte nicht bestreiten, dass diese wahrscheinlich vorrangig sind) geben kann, sich nicht mit einem religiösen «Staats-» oberhaupt treffen zu wollen, ziehst du nicht?

  2. Oliver sagt:

    >aber die Konsequenz, dass es auch andere als wirtschaftliche Gründe

    Er ist nun einmal der Ansprechpartner und wird wie seinerzeit Jassir Arafat als Koryphäe dieser Bewegung gehandelt. Wenn man keine Probleme damit hat mit Regimen zusammenzuarbeiten oder diesen gar als einer der größten Waffenhändler weltweit Waffen zu verkaufen, dann kann man wohl auch keine Skrupel zeigen einzig ob des religiösen Habitus dieses Lamas diesem die Kommunikation zu verweigern. In letzter Instanz spricht also Gott Mammon und folglich ist es in diesem Zusammenhang absurd, bedenkt man insbesondere die massiven geschäftlichen Beziehungen Deutschlands, Europas ja der ganzen Welt zu der VR, von anderen Gründen zu fabulieren. Zuerst kommt der Mensch und dann der Rest, unter ferner liefen rangiert der ökonomische Gedanke.

  3. Claudius sagt:

    Der Dalai Lama ist in meinem Augen hauptsächlich «Ansprechpartner» wenn es um ein unabhängiges Tibet geht, nicht, wenn es um den chinesischen Unterdrückungsstaat im Allgemeinen geht. Wenn man also dem Dalai Lama die Kommunikation verweigert, mag man sich damit auf die Seite Chinas stellen — jedoch bitte nur in der Sache «Unabhängigkeit Tibets». Inwiefern diese nun unterstützenswert ist oder nicht ist umstritten (u. a. auch aufgrund des von dir schon erwähnten Gottesstaats), von daher sehe ich in dieser einen Sache keinen Grund, mich nicht von ökonomischen Gedanken leiten zu lassen und dem Dalai Lama nicht die Kommunikation zu verweigern. Wohlgemerkt nur in dieser einen Tibet betreffenden Sache, da es hier aus meiner Sicht keine besseren festen Gründe pro/contra gibt.

  4. Oliver sagt:

    >jedoch bitte nur in der Sache “Unabhängigkeit Tibets”

    Beschäftigt man sich mit Tibet _und_ China, ich schicke das mal als gegeben vorraus, dann wird eines klar, der kulturelle Genozid Tibets steht auch exemplarisch für die Volksrepublik höchstselbst.

    >Inwiefern diese nun unterstützenswert ist oder nicht ist umstritten

    Nicht Tibet ist umstritten, handelt man denn als Mensch, sondern allenfalls die Vergangenheit. In erster Linie geht es um die Menschen in beiden Ländern. Was ich dem Lama vorwerfe sind nicht seine heutigen Reden, die doch sehr vernünftig sind, nein eher die mangelnde Vergangenheitsbewältigung und so manche Verzerrung der historischen Tatsachen insbesondere in puncto Beziehungen zw. Tibet und China.

    >Wohlgemerkt nur in dieser einen Tibet betreffenden Sache, da es hier aus meiner Sicht keine besseren festen Gründe pro/contra gibt.

    Die Menschen eventuell? Ich sehe sogar die Idee eines Mao ein, der zumindest anfangs tatsächlich dieses Land von der feudal-klerikalen Fessel befreien wollte, der erwähnte kulturelle Genozid ist jedoch keinesfalls besser und gereichte schon dem eigenen Land zu einer massiven Rückständigkeit und kulturellen Blässe, welche erst in jüngeren Jahrzehnten so langsam wieder wett gemacht werden konnte.

  5. Claudius sagt:

    > Nicht Tibet ist umstritten, handelt man denn als Mensch, sondern allenfalls die Vergangenheit.

    Die Frage die sich mir hier stellt — was würde in Tibet passieren, wenn China dieser Region wirklich Unabhängigkeit zugesteht und der Dalai Lama als religiöses und Staatsoberhaupt dort regiert?
    Wer garantiert, dass nicht die von der chinesischen Seite propagierten Zustände vor der Besetzung Tibets wieder eingeführt werden?
    Wer garantiert, dass die Religion — in diesem Falle der aus meiner Sicht per se rückwärtsgewandte Buddhismus — nicht miss– bzw. gebraucht wird, um eine Situation zu schaffen, die nicht als besser als die jetzige bezeichnet werden kann?

    Es ist nunmal so das Religion welcher Art auch immer gerne dazu genutzt wird, eine Staat oder einen Landstrich respektive dessen Bevölkerung auszubeuten und zu unterdrücken, Beispiele hierfür gibt es genug — es muss ja nicht immer die eigene Bevölkerung sein.
    Vor diesem Hintergrund stellt sich mir auch die Frage, ob nicht der «kulturelle Genozid» Maos der Unterdrückung und Sklaverei — so sie damals in Tibet stattgefunden hat — vorzuziehen ist oder nicht. Ich persönlich würde lieber auf meinen Tempel als auf mein Recht auf Leben o. ä. verzichten. Bin allerdings auch nicht sonderlich religiös, da fällt so eine Aussage leichter.

  6. Oliver sagt:

    >und der Dalai Lama als religiöses und Staatsoberhaupt dort regiert?

    Der Dalai Lama verließ das Land als es sich quasi in einer Art Mittelalter befand. Nur ist inzwischen dieses Land im hier und jetzt angekommen, ebenso wie der Dalai Lama wohl auch international seine Lektion gelernt hat. Von daher sehe ich da weniger Probleme, das Volk würde sich wohl selbst entscheiden.

    >Es ist nunmal so das Religion welcher Art auch immer gerne dazu genutzt wird, eine Staat oder einen Landstrich respektive dessen Bevölkerung auszubeuten und zu unterdrücken

    In diesem Land ist dies nicht mehr der Fall, unsere Religion heute nennt sich Arbeit und die Angst diese zu verlieren. Unter diesem allgegenwärtigen Damoklesschwert funktionieren wir treu den Richtlinien. Religion in Perfektion? Damals die Angst vor dem Fegefeuer und die harte Knute der Obrigkeit und heute die scheinbare Freihheit gepaart mit eben jener omnipotenten Angst.

    >Vor diesem Hintergrund stellt sich mir auch die Frage, ob nicht der “kulturelle Genozid” Maos der Unterdrückung und Sklaverei — so sie damals in Tibet stattgefunden hat

    Der kulturelle Genozid findet fortwährend statt, indem die Sprache, Kult, Ritus, Tracht, eben die ganze Kultur unterdrückt wird und mittels massiven Umsiedlungen gänzlich dezimiert wird. Das ist eine Tatsache, keine Vermutung.

    >Ich persönlich würde lieber auf meinen Tempel als auf mein Recht auf Leben o. ä. verzichten.

    Das Recht auf Leben ohne Identität ist vielleicht die heutige konditionierte Vorstellung in diesem Land, kulturell bewußtere Gemeinschaften sehen dies jedoch anders. Funktioniert heute schon recht gut, wir dürfen Arbeit gegen Leben eintauschen. Ein perfekter Handel in einer geistlosen Gesellschaft, die sich dennoch aber Leitkulturen hingeben möchte. Ist es da nicht recht vermessen, über die Identitäten anderer Völker leichtfertig zu urteilen? Ich fordere keineswegs Demokratie für Tibet und China, auch das wäre vermessen, aber Freiheit fordere ich für beide Länder.

  7. Claudius sagt:

    >In diesem Land ist dies nicht mehr der Fall, unsere Religion heute nennt sich Arbeit und die Angst diese zu verlieren.

    Wenn dir das nicht passt ist es dir jederzeit freigestellt, auszuwandern — (noch) hindert dich niemand.

    >Das ist eine Tatsache, keine Vermutung.

    Entschuldigung, hierbei bezog ich mich auf Sklaverei und Unterdrückung in Tibet vor der chinesischen Besatzung — verlässliche Informationen hierzu habe ich leider noch nirgends gefunden.

    >Das Recht auf Leben ohne Identität ist vielleicht die heutige konditionierte Vorstellung in diesem Land, kulturell bewußtere Gemeinschaften sehen dies jedoch anders.

    Ich würde hier sagen «Das Recht auf Leben ohne kulturelle Identität» — ich definiere meine Identität durchaus nicht nur (und auch nicht größtenteils) über meine Umgebung, sondern über mich selbst.
    Der weitere Zusammenhang in deinem letzten Absatz erschließt sich mir leider nicht ganz, nur soviel als persönliches Statement:
    a) Zwangsarbeit, völlig gleich in welcher Form lehne ich als schweren Eingriff in die persönliche Freiheit ab.
    b) Ebenfalls lehne ich an Bedingungen geknüpfte Grundversorgung ab — wenn eine Gesellschaft derart aufgebaut ist, dass ein gewisser Betrag im Monat zum Überleben zwingend notwendig ist, dann hat diese Gesellschaft diesen Betrag auch jedem zur Verfügung zu stellen.
    Soweit ich den Link nun verstanden habe, prangerst du an, dass Arbeit gegen Leben getauscht wird — der Zusammenhang zur Identität, die sich für mich zwar aus der Arbeit ergeben kann, aber nicht muss, bleibt mir trotzdem verschlossen.

  8. Oliver sagt:

    >hierbei bezog ich mich auf Sklaverei und Unterdrückung

    Unterdrückung kennt viele Gesichter. Sklaverei per se findet man wohl auch dort vor, wie auch in China in Form der nahezu unfreien Legionen von Tagelöhnern, die unter Einbehalt ihrer Pässe, quer durchs Land von Arbeit zu Arbeit gekarrt werden. Aber das meinte ich auch nicht.

    >der Zusammenhang zur Identität, die sich für mich zwar aus der Arbeit ergeben kann, aber nicht muss, bleibt mir trotzdem verschlossen.

    Eine kulturelle Identität, ich spreche von etwas höherem als nur den profanen Personalien, ist das A und O. Wenn du herumgekarrt wirst einzig um der Arbeit und des Überlebens willen, dann bist du nicht mehr als ein Sklave. Es fällt natürlich auch in diesem Lande mehr und mehr schwer derartige Unterschiede herauszustellen, da die Bevölkerung zum Gros auf eben dieses inhaltsleere Leben konditioniert wurde. Die Indentität die sich für dich scheinbar aus Arbeit ergibt ist das Ergebnis einer langen Beeinflussung seitens des Staats. Ich spreche von einer wertvollen Identität, von etwas das den Geist beflügelt und die Menschheit weiterbringt. Arbeit ist notwendig, jedoch kein Lebenszweck und sie ist ein Paramter unter vielen, jedoch auch der unwichtigste. Man sollte auch nicht den Fehler begehen sich mit jemandem zu vergleichen, der die Möglichkeit besitzt seine kulturelle Identität auf seine Arbeit zu übertragen, das sind die rühmlichen Ausnahmen. Der Rest der Menschen erfüllt eine Funktion und stirbt geistig ab, wenn man als einzige Identität primär Name, Adresse und Arbeit vorweisen kann.

    >Das Recht auf Leben ohne kulturelle Identität

    Ich gehe von einem menschenwürdigen Inhalt aus, nicht der profanen Bedeutung eines Wörterbuchs.

  9. Claudius sagt:

    Wie ich weiter oben schon schrieb, ergibt sich für mich die Identität nicht aus der Arbeit, allerdings ist es für mich möglich, meine Arbeit als einen Teil meiner Identität vorzuweisen.
    Desweiteren halte ich es ebenfalls für gut möglich, ohne kulturelle, d. h. gesellschaftlich bestimmte, Identität «man selbst» zu sein und sich von seiner Umgebung zu unterscheiden.
    Ich habe jedoch den Verdacht, wir redeten aneinander vorbei: Ich verstehe unter «kulturelle Identität» die von der Kultur und damit der Geschichte und Gesellschaft eines Personenkreises geprägte Art und Eigenheit desselben Personenkreises, der für mich nicht zwingend in Zusammenhang steht mit der Art und Eigenheit des Subjekts. Damit wäre auch ohne «kulturelle Identität» ein menschenwürdiges, d. h. selbstbestimmtes, freies und sich selbst erfüllendes Leben möglich.

  10. XiongShui sagt:

    Zwei Anmerkungen zu dieser Diskussion:

    - Wenn wir nicht lernen, unsere eurozentrische Sicht aufzugeben und uns mit den Werten der asiatischen Kultur auseinanderzusetzen, sind solche Diskussionen nutzlos und würden von Asiaten noch nicht einmal verstanden.

    - Die tibetische Form des Buddhismus unterscheidet sich grundlegend vom Buddhismus im Allgemeinen. Es sind zu viele Elemente des Bon, der archaischen tibetischen Religion enthalten.

    Daraus ergeben sich zwei Dinge:

    - Einmal entspricht die asistische Grundhaltung eher dem Kommunismus, als unserer demokratischen, auf individuelle Freiheit gerichteten Selbstverständnis. Für Asiaten spielt das Individuum nur eine untergeordnete Rolle, die Familie, die Gemeinschaft sind zentrale Identifikationspunkte.

    - Der Buddhismus (pronounciert in seiner tibetischen Variante) sieht das Leben als eine Abfolge von Geburten, hat man gerade «schlechtes Karma», so hofft man im nächsten Leben auf ein besseres. (Das ist zwar Volksglaube und hat mit der eigentlichen buddhistischen Lehre nicht viel zu tun, ist aber genau so unausrottbar, wie die Marienverehrung im Katholizismus.) Ein weiterer Grund, individuelle Freiheit der religiösen «Identität» unterzuordnen.

  11. Oliver sagt:

    >Desweiteren halte ich es ebenfalls für gut möglich, ohne kulturelle, d. h. gesellschaftlich bestimmte, Identität “man selbst”

    Ehrlich gesagt das ist auch die Traumwelt jener, die geistiges Eigentum propagieren. Du willst dich neben Kultur stellen, neben die Gesellschaft? Klar …

    >Damit wäre auch ohne “kulturelle Identität” ein menschenwürdiges, d. h. selbstbestimmtes, freies und sich selbst erfüllendes Leben möglich.

    Solltest du irgendwann einmal den Begriff Kultur verstehen, wirst du u.U. auch die Absurdität deiner Behauptung wahrnehmen. Nur soviel, du bist immer ein Teil von Kultur, dir ist es vielleicht nur nicht bewußt und das ist genau die Problematik die ich ansprach. Die Menschen dort, weniger technisiert, weniger staatlich abstrahiert, sind sich dessen noch bewußt. Du willst *menschenwürdig* leben, verneinst die kulturelle Identität und verdankst dieser doch letztendlich überhaupt die Begrifflichkeit per se in puncto Menschenwürde et al.

    Kurzum, ohne Kultur ist man ein nichts, eine Funktion wie eben 0 und 1 in der binären Welt. Ich erwähnte es oben schon einmal, Kultur ist nicht ein Begriff kurzatmig mittels eines Wörterbuchs erklärt oder ob deines Geburtsortes in $Gefilden definiert.

    Ich bin hier erst einmal raus, tut mir leid, aber für jemanden der sich tagtäglich mit Kultur in ihrem gigantischen Spektrum privat als auch ob der Profession beschäftigt ist diese Art von Diskurs eher ermüdend, da zu nichts führend. Ich bin immer bereit diverse Facetten dieser expemplarisch zu erörtern, jedoch ist ob der Selbstkasteiung einiger mittels fortwährender Verneinung einer kulturellen Identität eine ertragreiche Diskussion eher im Bereich des Unmöglichen angesiedelt. Jedenfalls fehlt mir der Nerv dazu, die Grundlagen menschlichen Zusammenlebens extensiv bei jeglicher Art von Thematik abzuarbeiten, nur um eventuell noch einige mitzureißen.

  12. Oliver sagt:

    >Wenn wir nicht lernen, unsere eurozentrische Sicht aufzugeben und uns mit den Werten der asiatischen Kultur auseinanderzusetzen

    Das ist das Todschlagargument Nummer Eins, ich habe mich ebenso intensiv mit asiatischer Philosophie beschäftigt und gewisse grundlegende Werte sind dort ebenso usus. Und selbst die oft beschworene Antike Philosophie hat ihren geistigen Ursprung in anderen Gefilden, fernab also von irgendwelchen eurozentrischen Sichtweisen.

    >Einmal entspricht die asistische Grundhaltung

    Unsere Vorstellung von Freiheit gründete gar nicht so sehr auf einer europäischen Sichtweise, das ist mehr oder weniger ein Trugschluß. Vielmehr sind wir ein Sammelbecken seit der frühesten Menschheitsgeschichte von diversen Einflüssen, auch aus dem heutigen orientalischen Bereich, der natürlich zu weitaus früheren Zeiten noch nicht diese Bezeichnung trug. Darüber hinaus bekamen wir die Möglichkeit ein wenig weiter zu gehen und mehr an Freiheit zu schmecken. Denn gerade die Geschichte Chinas zeigt, daß bis zurück zu den chinesischen Königen ein massive Unterdrückung stattfand, wie sie auch bei uns usus war und erst nach und nach ausgemerzt wurde.

    Man kann natürlich, wenn man denn ganz pragmatisch vorgeht, eine Gesetzmäßigkeit daraus ableiten und auch die Ausuferung eines Kommunismus rechtfertigen. Wie gesagt man kann, aber dabei übersieht man auch, daß diese Sichtweise wie du sie bezeichnest keine Ureigenschaft des Menschen darstellt, sondern zumindest in China konditioniert wurde seit Jahrtausenden (darüber hinaus Greueltaten diverser Herrscher in Größenordnungen die uns gar nicht in ihrem Ausmaß vermittelbar sind) und ob desaströser Fremdeinflüsse, ob nun seitens Japans oder auch später mittels der Briten, ergab sich selbst in der jüngeren Geschichte nie eine Chance dazu. Perfekt kaiserzeitlich konditioniert wurde dieses Volk ergo später mittels des honorigen(?) Kommunismus weiterverwaltet.

    Ich sehe keineswegs und das betone ich auch fortwährend die Demokratie als der Weisheit letzter Schluß an, aber ich betrachte gewisse grundlegende Dinge als gegeben und diese sind in diesem Land nicht vorhanden.

    Soll ich mich nun also dem Pragmatismus hingeben, dieses riesige Reich benötigt eine starke Hand, möglichst wenig Diskurs und überhaupt lieben die Menschen dort die Zustände, da sie schon seit tausenden von Jahren unterhalb der Stiefelspitze dahinvegetierten? Damit würde ich zahllose chinesische Dissidenten, die ob des Internets eine Art menschliches Erwachens durchleben ad absurdum führen. Ich zwinge diesen keine Richtung auf die eventuell mir in unseren Gefilden zu eigen ist, das obliegt jenen ob ihrer eigenen Kultur, aber ich respektiere deren Ruf nach Freiheit die sie in diesem Land nicht besitzen. Das Internet dort heute ist ähnlich jenem Zustand den die napoleonischen Feldzüge in Europa hinterließen, den zaghaften Advent der Aufklärung.

  13. XiongShui sagt:

    Liber Oliver, warum fühlst Du Dich immer gleich angegriffen?

    Ich habe nirgendwo behauptet, daß die asiatischen Zustände gut sind oder, daß sie erhalten werden sollen. Es ging mir nur darum, vor allem Deinen Kontrahenten daran zu erinnern, daß man Entwicklungsschritte, die bei uns viele Jahrhunderte gebraucht haben, in Asien nicht von jetzt auf gleich erwarten kann. Man muss die Menschen da abholen, wo sie stehen. Und sie stehen nun mal mit ihrem Bewusstsein immer noch im Feudalismus. In China heißt es heute noch von einem Beamten, er «arbeitet für den Kaiser».

    Selbstverständlich haben alle Bestrebungen, Menschenrechte auch in Asien einzuführen, Unterstützung verdient. Unsere westliche Ungeduld ist da allerdings eher hinderlich.

  14. Oliver sagt:

    >Liber Oliver, warum fühlst Du Dich immer gleich angegriffen?

    Weil ich mich bemühe eben nicht eine europäische Sichtweise oder Staatslehre auf solche Länder/Kulturkreise zu projizieren. Darüber hinaus leben wir hier mit dieser Meinung recht gut, z.B. in puncto Angriffen irgendwelcher rechten Gesellen.

    >Es ging mir nur darum, vor allem Deinen Kontrahenten daran zu erinnern

    Mein Kontrahent … nun ich schrieb es ja. Er kann auch ohne kulturelle Identität leben und glücklich allemal, was will Mensch mehr?

    >Unsere westliche Ungeduld ist da allerdings eher hinderlich.

    Natürlich ist sie dies, ich fand diese Drängen auch zu Gorbatschows Zeiten unmöglich, viel schlimmes hätte passieren können und vieles hätte man besser machen können, nachhaltiger. Gut Ding will Weile haben, allerdings darf man auch nicht lockerlassen, jene die dort gegen dieses System ankämpfen brauchen auch irgendwo Rückhalt und wenn man sich eben nur für deren Sache stark macht oder die Information weiterträgt — in Zeiten des Internets mehr denn je eine Sache der Völker und weniger der Politik.

  15. XiongShui sagt:

    > mehr denn je eine Sache der Völker und weniger der Politik.

    Ist das denn keine Politik? 😉
    (Ja, ich habe verstanden, Du meinst das, was Politiker als Politik bezeichnen)

  16. Claudius sagt:

    Oliver schrieb:
    >Ehrlich gesagt das ist auch die Traumwelt jener, die geistiges Eigentum propagieren.

    Ja, genau. Muss ja ein ganzer böser sein wenn der jetzt auf einmal meint, nicht auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert zu sein, was andere als Kultur definieren. Kann ja nur mit «jenen» unter einer Decke stecken. Smilies bitte selbst einbauen.

    >Solltest du irgendwann einmal den Begriff Kultur verstehen, wirst du u.U. auch die Absurdität deiner Behauptung wahrnehmen.

    Hab ich ja noch ein bisschen Zeit für, werde ich mir bei Gelegenheit vielleicht sogar Gedanken drüber machen. Irgendwann.

    >Kurzum, ohne Kultur ist man ein nichts, eine Funktion wie eben 0 und 1 in der binären Welt.

    Ich wäre dir wirklich dankbar wenn du das für die ganz Doofen ausführen könntest. Ein «Seitenhieb» auf «Freaks» die keine Kultur (und nach dir keine Identität) haben können? Oder irgendetwas hintergründiges?

    XiongShui schrieb:
    >Wenn wir nicht lernen, unsere eurozentrische Sicht aufzugeben und uns mit den Werten der asiatischen Kultur auseinanderzusetzen, sind solche Diskussionen nutzlos und würden von Asiaten noch nicht einmal verstanden.

    Ob Asiaten oder sonst irgendwer eine Diskussion versteht ist mir recht gleich, ich bin froh, wenn ich verstehe, was mein Gesprächspartner mir eigentlich sagen will («Geh woanders spielen?» «Werd erwachsen?»).

    Nicht umhin komme ich aber um die Frage, wie eine bestimmte Handlung bzw. zwei Alternativen zu bewerten sind — und da bleibt mir leider nur eine zumindest europäische Sichtweise. Allerdings stellt sich mir auch die Frage — ist in einer gewissen Region der Erde Freiheit mehr wert als woanders? Und wenn das der Fall ist, wie soll ich die Maxime meines Handelns stehts so ausrichten, dass sie zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte?

    Oliver schrieb:
    >Natürlich ist sie dies, ich fand diese Drängen auch zu Gorbatschows Zeiten unmöglich, viel schlimmes hätte passieren können und vieles hätte man besser machen können, nachhaltiger.

    Kann ich wenig oder nichts zu sagen, nur soviel: Natürlich kann man wenn man sich mehr Zeit nimmt etwas besser machen — aber wenn man das nun wieder Verallgemeinern würde: Wie lange soll man warten, bis etwas «gut» ist?

    >in Zeiten des Internets mehr denn je eine Sache der Völker und weniger der Politik.

    Als ganz binärer Mensch stimme ich dem primitiv-unbedingt zu.

  17. Oliver sagt:

    >Ja, genau. Muss ja ein ganzer böser sein wenn der jetzt auf einmal meint, nicht auf Gedeih und Verderb dem ausgeliefert zu sein, was andere als Kultur definieren.

    Jener der sich der Absurdität des geistigen Eigentums hingibt, nur ob dem von mir gewählten Beispiel zu genügen, ist ein kultureller Schmarotzer! Man kann nicht einer etwaigen Definition ausgeliefert sein, wenn man sich dieser Erkenntnis initial verschließt. Andere definieren auch was ein Kilobyte ist, finde dich halt damit ab und versuche es zu verstehen. Kultur ist kein abgrenzender Sandkasten, es ist ein weltumspannendes, dynamisches Gebilde, das fortwährenden Wechselwirkungen unterzogen ist.

    >Hab ich ja noch ein bisschen Zeit für, werde ich mir bei Gelegenheit vielleicht sogar Gedanken drüber machen. Irgendwann.

    Beeile dich, gemäß den Aussagen einiger liegt die Zukunft bei euch. Früh übt sich …

    >Ein “Seitenhieb” auf “Freaks” die keine Kultur (und nach dir keine Identität) haben können?

    Ja auf solche Freaks wiederum wie meinereiner, wäre natürlich dann treffend gewählt als Seitenhieb. Mitunter dürftest du dir hier spätenstens substanzieller Wissenslücken deinerseits bewußt werden. Um es dem Nerd schmackhaft zu machen, 0 und 1 wäre ein geistloser Zustand, das Leben jedoch könnte man als Fuzzy-Logic bezeichnen, eben jene berühmt, berüchtigte Unschärfe abseits von 0 und 1.

    >Werd erwachsen

    Ja wenn du magst, aber wohl eher ersteres. Ich tue mir recht schwer damit noch jüngere Zeitgenossen ob ihres kürzeren Verweildatums auf diesem Planeten abzuwatschen. Eher habe ich da Problemen bei Älteren, denn dort ist meist Hopfen und Malz verloren. Bei Jüngeren ist doch noch vieles offen in der Entwicklung. Hätte ich dies vorgehabt, wäre mir wohl diese Masse an Text erspart geblieben. Womit sich die Frage eigentlich erübrigt.

    >ist in einer gewissen Region der Erde Freiheit mehr wert als woanders?

    Jein, der Begriff Freiheit in seiner ureigenen Form ist wohl überall identisch, jedoch führen viele Wege nach Rom und weitreichende Folgen des Begriffes Freiheit werden auch wiederum je nach Kulturkreis verschiedenartig ausgelegt.

    >Als ganz binärer Mensch stimme ich dem primitiv-unbedingt zu.

    Selbst jene Subkultur der Nerds, der du dich zugehörig glaubst, ist letztendlich auch nur eine Facette der gesamten Kultur. Viele Dinge verneint der Jungspund, nur um irgendwann später einmal festzustellen, das man sich doch teils auch mitunter erzkonzervative Eigenschaften des Opis aus den 50ern zu eigenen machte, ohne dessen gewahr zu sein. Vielleicht benennt man diese anders, schränkt diese mehr ein. Es ist eben die kulturelle Identität. Ich würde mich hüten einen Menschen als binär zu bezeichnen, wäre wohl ein wenig eintönig. Wenn wir uns schon dem technobabble hingeben, dann auch korrekt — siehe obige Erwähnung der Fuzzy-Logic.

    >Und wenn das der Fall ist, wie soll ich die Maxime meines Handelns stehts so ausrichten, dass sie zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte?

    Nicht das Gesetz ist die Regel, sondern die in dir geborene Vernunft, eine Regel setzt lediglich dort an, wo die Vernunft brachliegt.

  18. XiongShui sagt:

    @ Claudius,

    > Und wenn das der Fall ist, wie soll ich die Maxime meines Handelns stehts so ausrichten, dass sie zum Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte?

    Relativ einfach: Dieser Kantsche Imperativ hat unter anderem zum Inhalt, die Freiheit des Anderen zu achten. Das heißt, ich habe kein Recht, ihm meinen Freiheitsbegriff aufzuzwingen. Ich kann allenfalls aufklärend wirken. Denn zur Freiheit gehört auch die Freiheit zum Irrtum.

    Wir haben auch zur Kenntnis zu nehmen, daß unter inzwischen 1,6 Milliarden Menschen, die sich aus 150 verschiedenen Nationen rekrutieren, seit Jahrhunderten dauerhafter Frieden herrscht. Das muss Europa (samt seinen Nachbarn) erst einmal leisten. Hier herrscht unter weitaus weniger Menschen und ebenfalls weniger Nationen seit Jahrhunderten Krieg.

    Ebenfalls sollten wir einmal darüber nachdenken, was es bedeutet, daß diese Masse Menschen eine gemeinsame Schrift und Verwaltungssprache haben. Zumindest schriftlich können sie sich also untereinander mühelos verständigen. Sprache und Schrift sind ein wichtiges Kulturmerkmal, das sowohl individuelle, als auch staatsbürgerliche Identität schafft…

    Auch das wir hier miteinander diskutieren können, beruht auf (unserer) Kultur. Mit anderen Worten, ohne Kultur wären wir nicht in der Lage miteinander zu reden.

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