Ein Sturm im Wasserglas?

Der Sachverhalt ist bekannt. Das «Google-Copy-Paste-Syndrom», wie der Salzburger Medienwissenschaftler Stefan Weber es nennt, findet sich mittlerweile überall, an Schulen und Universitäten, bei Wissenschaftlern, Romanschriftstellern, Predigern und auch Politikern und Journalisten.

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Das copy’n paste Syndrom bezeichnet nicht etwa das Zitieren oder Paraphrasieren an sich, sondern den Umstand eine fremde Leistung als eigene auszugeben, auch eine Zeitschrift in Deutschland fiel dabei schon einmal auf, Wikipedia Artikel zu kopieren ohne die Quelle zu erwähnen. Wobei auch selbst die Wikipedia nicht davon frei ist.

An Unis, Schulen, bei Autoren jedweder Art sei es usus — aber ist es das wirklich? Liegen den Zahlen vor im Vergleich oder ist es nicht nur die Mutmaßung, ob der vorhandenen Leichtigkeit via Google und Co derlei Dinge überhaupt erst zu entdecken?
Die Form der Plagiate gab es schon immer, auch schon zu Goethes Zeiten und selbst der Meister kann sich davon nicht freisprechen, wenn man denn seine Werke genauestens durchleuchtet. Die plump-dreiste Art natürlich fehlt, die 1:1 Kopie ist da ja schon die massivste Form von Plagiat, da liegt wohl eine tief verankerte Naivität zugrunde.
Aber ehrlich, es ist zwar heute sehr leicht Information via Suchmachine zu kopieren, das auffinden dieser ist aber wieder eine Wissenschaft für sich. Darüber hinaus befindet sich gerade im geisteswissenschaftlichen Bereich sehr wenig wissenschaftliches Material im Netz — zudem die meisten dort sich noch beim Anblick eines Computer bekreuzigen ;). Warum auch, der fröhliche Plagiator konnte und kann ebenso einfach Mikrofilm, OPAC etc. nutzen und sich binnen kurzer Zeit via Fernleihe jegliche Arbeit besorgen, falls nicht ohnehin vorrätig vor Ort. Und dem regulären Schreiberling, gemeinhin auch als Autor bekannt, stehen diese Optionen ebenso offen — die meisten UBs sind oft gleichermaßen auch Landesbibliotheken.
Von daher sehe ich diese Debatte ebenso uferlos, wie das Gezeter um die Gewaltspiele etc. — man verkennt die Realität und stürzt sich auf ein neues Medium das man nicht versteht. Ohne Google nämlich, wäre die liebe Herr nicht einmal auf die Idee gekommen :)
Anstatt wieder an den Folgen herumzudoktorn und falsche Ursachen zu benennen, sollte man den Leuten die grundlegenden Prinzipien im Umgang mit Information beibringen, halt diese Mündigkeit im eigenen Tun und Handeln. Mißbrauch kann leider nie ausgeschlossen werden, da hilfts auch nicht ein neues Medium als Lückenbüßer einzusetzen. Kleinreden muß man das Problem nicht, aber auch nicht neuer und größer machen als es in Wirklichkeit daher kommt.
Wo hört beispielsweise positive Beeinflussung auf und wo beginnt das Plagiat, der Content-Klau und denken wir mal jetzt nicht an das stupide 1:1 Verhalten? 😉


8 Antworten zu “Ein Sturm im Wasserglas?”

  1. Chris sagt:

    Ich hatte den Artikel gestern nur kurz überflogen, da macht einer Werbung für sein neues Buch, war mein Gedanke.

    Aber mal zum Contentklau: Hab da gestern irgendwo son Blog gesehen, welches Artikel von uns kopiert hat, hatte was mit privat, privacy oder so zu tun. 😀

  2. Oli sagt:

    Der Kerl beißt sich schon seit einiger Zeit an der Thematik fäßt, okay in der heutigen Zeit muß halt jeder guggen wo er bleibt. Familie ernähren usw.… 😀

  3. Hansi Schnier sagt:

    Manche mögen sich bekreuzigen und das Finden (nicht das Suchen) ist ne Wissenschaft an sich: Genau das ist aber doch das Problem. Während die Professorin sich bekreuzigen und froh ist, wenn der Sekretär morgens den PC anmacht, zappt der Student nachts durch die kleinen aber feinen gesellschaftswissenschaftlichen Netzkanäle– und findet dann etwas, was den Sekretär nicht interessiert und die Professorin nicht finden kann. Einfacher war es, als sich Täter und Detektiv der gleichen Mitteln bedienten– die Professorin sollte Gedrucktes besser finden können als der faule Student. Das Gejammer ist also ein Gejammer um verschobene Kräfteverhältnisse. Klagen Professoren normalerweise mal im Stillen und mal peinlicherweise in der Öffentlichkeit, wenn man sie ihrer Meinung nach zu wenig beachtet, jammern sie nun darüber, das andere fähiger sind als sie.

  4. Oli sagt:

    Das finden ist doch recht einfach, erst einmal muß man wissen *wie* man sucht. Und ich sehs da nicht wirklich an der Uni, die Leute stellen sich teils schlimmer an als wesentlich ältere Leute. Da wird kräftig geschüttelt und die alten Plagiatoren übersieht man da geflissentlich 😉
    Nehmen wir den sehr großen Bereich der Phil Fak, sehr wenig Technikwissen, sehr wenige brauchbare Informationen im Netz — Plagiate gibts dort auch, aber da hat das Netz nichts mit zu tun.

  5. Hansi Schnier sagt:

    Suchen ist einfach– das kann jeder. Finden ist das Problem :)
    Ja, die Philosophen sind da etwas hinterher. Die Geschichtswissenschaft, die Politikwissenschaft und auch die Germanistik sind da um Klassen besser aufgestellt. Sogar für die Jiddistik ist viel brauchbares Material im Netz vorhanden. Und wenn ich mir meine Seminare so ansehe: Wer studiert heute überhaupt noch Philosophie? 😉
    Außerdem ist deine Uni nicht gerade die beste Adresse für Geisteswissenschaften. Sind die Geschichtsvorlesungen immernoch in alten Bunkergebäuden gegenüber den High-Tec Glasvitrinen der Informatiker?

  6. justme sagt:

    Ich finde das Leben ist zu kurz um sich über Quellenangaben zu streiten. Wenn ich etwas kopieren, schreibe ich die Quelle mit dazu. Wenn das jemand anders nicht macht finde ich das weniger seriös, glaubwürdig und überzeugend.

    Aber jetzt gegen die Vorzugehen (ausser argumentativ das Quellenangaben sinnvoll sind) finde ich genau so hirnverbrandt wie sogenannte Urheberrechtsverletzungen. Die Welt hat schlimmere Sorgen also so was. 😉

  7. Oli sagt:

    Ob die Welt immer schlimmere Sorgen hat, wage ich zu bezweifeln — da Wissenschaft oft der Lösungsansatz ist bzw. Mittel zur Lösung dieser «größeren» Problem, kann man dort wohl keine Betrüger gebrauchen. Da kann nicht viel bei rum kommen, imo zu *jeder* Zeit ein gigantisches Problem.

  8. […] Ja schon zuvor wurden pauschal die Studierenden abgewatscht, nun müssen auf — konsequenterweise — die Blogs dran glauben, mutierte Textfetzen ohne Quellenangaben wären die Regel. […]

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