Ein sexsüchtiger Serienmörder

DexterEhrlich gesagt habe ich ja nicht viel erwartet als ich das erste Mal davon gehört habe, dass Californication und Dexter nun auch im deutschen TV zu sehen sind. Zu sehr wurde ein Hype drumherum gebastelt — auf der einen Seite David Duchovny als sexsüchtiger Schriftsteller, der im realen Leben gerade seine Sexsucht auskurieren muss — genau, so wird es sein. Auf der anderen Seite Dexter, der Forensiker des Miami-Metro Police Departments, der in seiner Freizeit dem zwanghaften Hobby Morden nachgeht. Ein sympathischer Serienmörder und das Sex and the City für Männer — so war nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen. Wer will sowas schon sehen? Und wie das so ist, man hat gerade nichts anderes zutun, zappt durch das TV-Programm und bleibt dank der Werbung im Hinterkopf auf RTL 2 hängen. Und was soll ich sagen? Ein herrlicher Spaß — bestimmt nicht für die ganze Familie.

Im Gegensatz zu Gillian Anderson hat David Duchovny sich vom Akte X-Image freigeschwommen. Er hat den Absprung geschafft — und hat mir Californication eine neue Paraderolle für sich gefunden: Ein auf Drogen alles fickender mit dem eigenen Leben unzufriedener durchgeknallter Mitvierziger. Hank Moody hat so viele Schwächen, dass man ihn einfach lieben muss. Und irgendwo findet ein Jeder eine Schwäche in Hank Moody, in der man sich selbst wiederfindet. Wenn er mit seiner Ex und Mutter seiner Tochter in den Zweikampf geht, natürlich rein platonisch, bleibt kein Auge trocken — noch viel weniger, wenn er uns seine Gespielinnen im Bett landet. Sei es völlig zugekifft oder sei es die 16-jährige Tochter des Verlobten seiner Ex, die ihm beim Sex mal oben ohne Vorwarnung ein blaues Auge verpasst. Autsch. Californication ist nicht das Sex and the City für Männer — es ist besser, viel besser. Surrealistische Fernsehunterhaltung wie man sie heute kaum noch findet. Dazu für die Herren der Schöpfung in jede Folge etwas fürs Auge, manchmal etwas mehr — die Damen dürfen sich über den kalkweißen Hintern des David Duchovny freuen. Ich habe lange nicht mehr so gelacht — allein der Wortwitz der Beteiligten ist ganz großes Kino. Hank Moody ist einfach nur durchgeknallt — also perfekt für mich.

Gleich nach Californication geht Dexter auf Menschenjagd. Dexter ist das genaue Gegenteil von Hank Moody. Er ist unfähig zu jeglicher Gefühlsregung — es sei denn, Blut fließt. Seine Beziehung verläuft aufgrund traumatischer Erlebnisse seiner Partnerin ohne Sex — perfekter geht es für Dexter nicht. Das Leben meint es gut mit ihm, kann er doch als Forensiker sowie als mordender Racheengel in der Nacht seine Leidenschaft voll und ganz ausleben. Sein Vater erkannte schon früh seine Fähigkeiten und seinen unbändigen Drang zu töten. Er erzog ihn, nur die zu töten, die es auch verdient haben — die, die dem System entwischen können. Der Vater ist mittlerweile tot und doch lebt die Serie auch durch die Beziehung zwischen Dexter und seinem alten Herrn. Wie Dexter zu dem wurde, was er heute ist, wird in Rückblenden erzählt. Ein sympathischer Serienmörder. Sicherlich ein Tabubruch und doch übt die Serie eine große Faszination aus. Dexters Beziehung zu seiner Schwester, die einzige Person, zu der etwas Entferntes wie menschliche Gefühle aufbringt, sein Umgang mit seinen Arbeitskollegen, seine Beziehung und schließlich der rituelle und fast sexuelle Akt des Dexter Morgan — das Töten. Der Tabubruch mag viele Leute irritieren, und doch würde man Dexter jederzeit zum Abendessen zu sich nach Hause einladen. Dexter Morgan  ist einfach nur durchgeknallt — also perfekt für mich.

Foto: lobstar28 unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend.

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8 Antworten zu “Ein sexsüchtiger Serienmörder”

  1. […] auf RTL2 an. Zuerst dachte ich, wie viele, dass die Serien nichts sein können. Doch wie auch dieser Kommentar feststellt, habe ich mich voll getäuscht. Californication gefällt mir noch besser als Dexter, aber ansonsten […]

  2. loci sagt:

    endlich hat es rtl2 mal geschafft auch interessante unterhaltung anzubieten. ein toller coup, den der sender da gelandet hat.
    ich habe mich vom hype dazu locken lassen mir die beiden einfuehrungsfolgen anzusehen und schon an dem abend habe ich gemerkt, dass ich den spaeten montag wohl zu meinem fernsehabend ausrufen werde.
    auch wenn die beiden serien inhaltlich rein gar nichts miteinander zu tun haben ergaenzen sie sich doch perfekt — sex, gewalt und drogenparties. was will man mehr fuer einen gelungenen fernsehabend? :-)

  3. ph sagt:

    Ob da nicht wohl einige von abgeschreckt werden, wenn solche Serien auf RTLII «verheizt» werden? Ich jedenfalls mag die morbide Ästhetik von Dexter, kenne aber einige die das trotz meiner Empfehlung nicht gucken wollen :) Aber trotz Sender und einigen Längen ist das absolut eine meiner Lieblingsserien :)

  4. derhans sagt:

    Schön das beide Serien im deutschen TV laufen (hat mich ehrlich überrascht).

  5. tante sagt:

    Ich habe Dexter im Englischen Original gesehen und muss sagen, dass ich es ähnlich großartig finde, wie Du gerade beschreibst.

    Die Serie hat ein gutes Händchen für Charaktäre, für Storybögen über eine ganze Season, die jede Folge als ein sinnvolles Puzzleteil erscheinen lassen. Doch auch der «handwerkliche» Teil ist großartig: Ein Händchen für Einstellungen und Musik sorgt für phantastische Stimmung.

    (Der Soundtrack selbst ist übrigends auch eine echte Empfehlung)

  6. Chris sagt:

    Ich habe einen Deppenkommentar wegen der Synchronisation gelöscht, einen weiteren editiert.

    Es reicht.

    Ich habe gestern gedacht, na warnste die Leute vor, bitte keinen Kommentar zur Synchronisation? Dieser Fetisch geht mir sowas von auf die Nerven.

    Deutschland hat weltweit die beste Synchronisation zu bieten, in keinem anderen Land wird in diesem Bereich professioneller gearbeitet. Woanders gibbet nur Untertitel — die Synchronisation hört sich meistens, insbesondere im Ton, weitaus als besser an, als das Original. Gerade TV-Serien werden in Kinoqualität synchronisiert — wenn man die mal im Original hört, kann es einen nur schaudern. Manchmal gewinnt man den Eindruck, Der Alte aus den Achtzigern hatte ähnliche Qualität.

    Gerade die kulturellen und sprachlichen Unterschiede lassen sich nicht immer 100%-ig übersetzen — wie soll das auch gehen. Schaut weiter Eure Raubkopien, wandert, wenn Euch das alles so ankotzt, in die USA aus, hier aber will ich keinen Kommentar mehr über die Synchronisation lesen.

    Da kann ich genauso gut schreiben, Firefox ist scheiße und IE der große Hit und die Reaktionen abwarten.

    Dieser Pawlowsche Reflex, sobald über eine Serie gesprochen wird, dabei ist egal, welche, hat hier ein Ende.

  7. phoibos sagt:

    @ californication: ich glaub, meinem bildschirm sind grad ein paar barthaare gewachsen 😀

  8. phoibos sagt:

    mist, jetzt hat der bildschirm einen dreitagebart…

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