Ein Quantum Trost

Für die meisten von uns dürfte es nur einen wahren James Bond geben: Sean Connery. Und doch hatte jeder Bond das gewisse Extra. George Lazenby hatte Emma Peel, Roger Moore seinem Sarkasmus,  Timothy Dalton musste sich in den Achtzigern als Actionheld gegen John McClane und Terminatoren behaupten bevor Gentleman Pierce Brosnan endlich von Remington Steele entlassen wurde und seinen Martini, geschüttelt, nicht gerührt bestellen durfte. Aktuell ist es Daniel Craig — und nach Casino Royale habe ich mich eher mit Kritik zurückgehalten, eine zweite Chance hat auch der James Bond des neuen Jahrtausends verdient. Ein Quantum Trost, so heißt der neueste Bond, der gerade auf DVD erschienen ist. Ich muss ehrlich sagen, er lässt mich schon wenig sprachlos zurück.

Schon Casino Royale war grenzwertig: Ein Agent des britischen Secret Service muss zwei Tötungen vorweisen, um den Doppelnull-Status zu erlangen? Das hat was von Ego-Shooter, bei dem man eine gewisse Anzahl von Kills erreichen muss, um die nächste Level zu erreichen. Wo Casino Royale aufgehört hat, setzt Ein Quantum Trost an. Jeder Gegner, der James Bond über den Weg läuft, landet erst einmal in einem Leichensack. Soweit, so gut, das sieht man auch nicht das erste Mal — bleibt die Frage nach dem Besonderen.

Nach knapp zwei Stunden stellt man fest, dass der neue Bond beliebig geworden ist. Man hat versucht, den neuen Bond mit dem alten zu verbinden. Eine weltweit agierende Verbrecherorganisation, nach einem Stelldichein wird ein Bondgirl nicht mit Gold, sondern mit Öl überzogen — am Ende steht die riesige Explosion des Hauptquartiers, ein Hotel irgendwo im Nirgendwo. Nichts, was man nicht schon einmal gesehen hat, sei es in anderen Bondfilmen, hier schlecht kopiert oder bereits in Casino Royale. Der neue Bond weiß nicht zu überraschen, es wirkt beinahe so, als versuche er bloß keinen Fehler zu machen, keine Angriffsfläche zu bieten — um im nächsten Bond die Zuschauer wieder in die Kinosäle locken zu können.

Die Rolle Daniel Craigs als James Bond ist als Trilogie geplant und wird dementsprechend umgesetzt. Ein Quantum Trost setzt eine Stunde nach Casino Royale an und am Ende wissen wir nicht, wie es mit der Verbrecherorganisation Quantum weitergeht. Schon jetzt ist der Inhalt von Bond 23 vorgezeichnet. Das ist nicht neu, Jason Bourne oder auch Captain Jack Sparrow lassen grüßen — jedoch wirken die neuen Bonds anders. Inhaltlich hätte man aus Casino Royale und Ein Quantum Trost durchaus einen Film machen können. Und wird man sich im 23. Bond nicht erheblich steigern, hätte insgesamt ein Film gereicht.

Man mag es kaum glauben, wenn man Ein Quantum Trost gesehen hat — aber im Film spielen durchaus andere Schauspieler wie Daniel Craig mit. Jedoch ist der ganze Film auf eine Person zugeschnitten — und es bekommt dem Werk überhaupt nicht. Die restliche Schauspielerriege kann sich nicht entfalten, lediglich bei Judy Dench als M hat man das Gefühl, sich nicht in einer Levis-Werbung mit Daniel Craig zu befinden. Olga Kurylenko wird ihrem Status als Bondgirl nicht gerecht — Ihr fehlt der Witz, die Erotik und die Schlagfertigkeit anderer Bondgirls. in keiner Phase des Films hat man das Gefühl, als könne sie Bond in ihr Bett ziehen. Daniel Craig alleine trägt schlicht und ergreifend keinen Film. Moneypenny fehlt ebenso wie Q–Nachfolger R. Bond war nie Bond alleine, Bond war immer ein Team — das scheint man vergessen zu haben.

Der Titelsong wird von Alicia Keys und Jack White gesungen, das erste Duett in der Bondgeschichte. Nun ist es sicherlich Geschmackssache, aber bei mir verursacht der Song große Zahnschmerzen. Another Way to Die gehört meiner Meinung nach zu den schlechtesten Songs, die jemals einen Bond eingeläutet haben. Besser zu bewerten ist die Filmmusik von David Arnold — an so mancher Stelle kommt das alte Bondgefühl durch. Jedoch vermag auch die Musik nicht, aus Ein Quantum Trost einen großartigen Film zu machen.

Der neue Bond hat nichts mehr mit dem alten gemein. Es fehlt der alte Charme, der Esprit, Daniel Craig fehlt einfach die Klasse. Der in der Vergangenheit fast schon familiäre britische Secret Service wird auf das Verhältnis M zu Bond reduziert — Bond ist nicht mehr Bond, sondern einfacher Actionheld. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Gutes Actionkino weiß durchaus zu unterhalten — doch erwartet man beim Namen Bond mehr. Das, was in Casino Royale und Ein Quantum Trost geboten wird, ist zu wenig. Viel zu wenig. Der Name James Bond steht für große Filmgeschichte. Diese beginnt man gerade zu verspielen.

Jeder Bond stand jeweils für seine eigene Epoche. Der Bond der Sechziger mit dem nie erreichten Sean Connery, die Ironie Moores in den Siebzigern, die Action Daltons der Achtziger und der smarte Brosnan in den Neunzigern. Dementsprechend ist der neue Bond auch ein Spiegelbild unserer Zeit — Beliebigkeit ist Trumpf, über das Sixpack des Hauptdarstellers wird mehr diskutiert als über den Inhalt. Der neue Bond überzeugt nicht — er wird seiner Geschichte und seinem Anspruch nicht gerecht. Es ist ein mittelmäßiger Actionfilm mit einem unterdurchschnittlichen Hauptdarsteller — aber immerhin hat dieser einen Waschbrettbauch vorzuweisen. Das ist immerhin Etwas.

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8 Antworten zu “Ein Quantum Trost”

  1. phoibos sagt:

    leider werden diese gut vs. böse-filme momentan zur propaganda «legitimer» folterung missbraucht. siehe auch 24, ncis, jag, …

  2. Ingmar sagt:

    Ich weiß nicht ob es an dem Gratis-Bier im Kino oder am Training vor dem Kinobesuch lag aber ich bin bei «Ein Quantum Trost» fast eingeschlafen.

  3. Oliver sagt:

    Der mieseste Filmtitel in der Filmgeschichte? Aber das ist auch schon alles was mir auffällig ist. Darüber hinaus gehöre ich zu den Leuten die im ersten Satz abgehandelt wurden bzw. ich konnte mich noch halbwegs mit Moore anfreunden. Für reine Action-Kost gibts wohl besseres und für Bond nur ein rückwertiger Blick nebst tiefem Seufzer 😉

  4. PZK sagt:

    Ich konnte und wollte diesem Film nach Casino keine Chance mehr geben, bereits die Pierce Brosnans waren bereits alle imho nur noch billige Actionfilme, die vergangenem Flair hinterher heulten. In meinem Freundeskreis gab es Szenen wie «Ich hab ihn mir zwei mal reingezogen. Beim Ersten mal hab ich das Meiste verpennt, und der Zweite Besuch sollten eigentlich beweisen, dass der Film nur Mist war, weil ich alles Gute verpennt hab … Aber nein, beim ersten Mal hab ich nix verpasst!»

  5. Solarix sagt:

    Quantum Solace ist eine Katastrophe, ich hab ihn den Umständen entsprechend im Originalton gesehen. Nach Casino Royale war ich mir sicher das Quantum Solace ein Desaster wird, nicht weil Casino Royale per se ein schlechter Film war, im Gegenteil.

    Von Daniel Craig als Bond war ich nie überzeugt. Casino Royale hatte die Gnade des guten Buches, eines der meiner bescheidenen Meinung nach besten Bondgirls aller Zeiten, mit Eva Green perfekt besetzt. Köstliche Dialoge und der Film hat sich Zeit genommen einen Plot aufzubauen.

    Quantum hingegen, hat eine total gestörte Kameraführung, die Figur wurde bis aufs letzte entkernt und man kommt sich vor wie bei Bourne Identity 23.

    Bis auf die Flugzeugnummer sind alle Bondmomente auf die man sehnsüchtig wartet, völlig ausradiert worden. Von der Figur James Bond ist NICHTS übrig geblieben und das war was mich an Quantum so schockiert hat, der Figur wurde alles genommen was sie auszeichnet. Man hätte genau so gut Chuck Norris für die Rolle besetzen können.

    Meiner Meinung nach ist es noch vorLicence to kill der schlechteste Bond aller Zeiten. Ehrlich gesagt hoffe ich das die Daniel Craig Ära schnell zu Ende ist, bevor das Franchise völlig vor die Hunde geht. Als eingefleischter Bond Fan war für mich der Rauswurf von Pierce Brosnan schon ein Riesenfehler.
    Man kann nur hoffen, das die Macher vernünftig werden und möglichst schnell einen anderen Darsteller (z.B. Robbie Williams, Clive Owen) finden und sich wieder auf ihre Wurzeln besinnen.

    Sicher, auch Pierce Brosnan hatte nicht die besten Bücher und «Tomorrow Never Dies» sowie «The World is not enough» waren auch nicht gerade die Brecher. Aber mit «Goldeneye» wurde die Serie würdig gerettet und «Die another Day» war zumindest ein würdiger mit großen Stunts gesegneter Abschied. Mit Pierce Brosnan war die Bond Welt noch besser. 😉

    Die Vergleiche mit Sean Connery sind im übrigen nicht fair, auch wenn er der unumstrittene Bond bleiben wird, mit dem Original zu konkurrieren kann immer nur in die Hose gehen, egal wie gut man seine Sache macht. 😀

    Wobei den Filmsong fand ich jetzt soo schlecht nicht, der braucht nur ein bisschen Zeit, eigentlich ist das ein richtig gutes Stueck, vor allem wenn man es vergleicht mit dem Verbrechen aus Casino Royal, der Song hat mal wirklich gar nix getaugt. 😉 Die Jack White Nummer ist eigentlich das beste an Quantum Solace. 😀

  6. Nülls sagt:

    Mir hat er gefallen.

    Und für mich trifft es diese Rezension einfach besser:

    Der James Bond, den wir verdienen

  7. Ishtar sagt:

    Ich fand schon Casino Royale mehr als verzichtbar, wenn auch aus anderen Gründen als Du, Quantum of Solace ist nur noch ein schnell geschnittener Videoclip bei dem das Product Placement blitzlichtartig von (stimmungsvoll gefärbten) Filmszenen ohne grossen Zusammenhalt unterbrochen wird. Quasi die längste Werbeeinbledung der Kinogeschichte.

    Wie eine modernisierte gute Agentengeschichte aussehen kann zeigen die Bourne-Filme. Ansonsten muss man sich der Tatsache stellen dass das Konstrukt Bond einfach nicht mehr zeitgemäss ist.

  8. Anonymous sagt:

    Interessant, wie unterschiedlich Meinungen sein können. Ich konnte mit Brosnan überhaupt nichts anfangen und freue mich mit Craig über einen endlich wieder «interessanten» Bond zu haben.

    Die Modernisierung der Serie war längst überfällig.

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