Ein Neuanfang für die Bahn?

DBDer gute Herr Mehdorn wird bald seinen Vornamen zurückerhalten. Er wird nicht mehr Bahnchef Mehdorn heißen, sondern wieder seinen Geburtsnamen Hartmut Mehdorn tragen dürfen. Er hat heute angekündigt, von seinem Posten als Bahnchef zurückzutreten — um nach eigenen Aussagen Schaden vom Unternehmen Deutsche Bahn abzuwenden. Der Rücktritt Mehrdorns gleicht seinem gesamten Wirken in der Öffentlichkeit und bei der Deutschen Bahn. Keine Spur von Selbstkritik, keine Reflektion des eigenen Handelns. Die anderen sind selbstverständlich schuld, er selbst hat sich nichts vorzuwerfen. Das ist natürlich Unsinn, stand er doch einem Unternehmen vor, von dem das ehemalige Ministerium für Staatssicherheit noch eine Menge hätte lernen können. Der Daten– und Spitzelskandal sagt eine Menge über die Führung des Hartmut Mehdorn aus, aber auch über unseren Zeitgeist, wie ein modernes Unternehmen zu führen ist.

Dem vermeintlichen Erfolg ist alles andere unterzuordnen. Arbeitnehmerrechte? Wen interessieren die schon. Pressefreiheit? Lästig, man hat schließlich eine eigene PR-Abteilung, die Artikel für die Medien verfasst und dort dankbare Abnehmer findet. Gewerkschaften? Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Der Aufschrei der Öffentlichkeit prallte in den letzten Wochen an der Deutschen Bahn und deren Chef ab. Man hatte den Eindruck, als würde man die Kritik nicht ernst nehmen. Daten, was sind schon Daten — der Bahnchef hatte ein Weltunternehmen zu führen, die Prioritäten waren klar verteilt. Der Höhepunkt war der selbstherrliche Auftritt des Bahnchefs vor dem Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages.

Hartmut Mehdorn ist gefallen, so wie er sein eigenes Unternehmen geführt hat. Die eigene Selbstüberschätzung, die eigene Arroganz, der Unwille zu einem Kompromiss oder gar Transparenz innerhalb des Unternehmens haben ihn zu Fall gebracht. Zum Schluss konnten ihn selbst seine politischen Lakaien, die bis ins Kanzleramt reichen, nicht mehr halten. Außerhalb der Union oder des rechten Flügels der SPD dürfte ihm nicht viele nachweinen.

Für die Deutsche Bahn und die Mobilität dieses Landes bedeutet dies die Chance auf einen Neuanfang. Sollte nun ein Nachfolger Hartmut Mehdorns gefunden werden, der die Bahnprivatisierung ohne Wenn und Aber stoppt, den Daten– und Spitzelskandal transparent aufklärt und offenlegt, ist ein erster Schritt getan. Im zweiten Schritt heißt es dann, die Deutsche Bahn modern in die Zukunft zu führen. Die Wirklichkeit indes wird sehr wahrscheinlich anders ausschauen. Union und SPD befinden sich im Dauerclinch, es ist Wahlkampf, das heißt es wird eine Kompromisslösung gefunden werden. Nach der Wahl wird evtl. der Nachfolger vom Nachfolger präsentiert — die Deutsche Bahn wird nicht zur Ruhe kommen. Das Beispiel Deutsche Bahn zeigt, wie sehr politische Ränkespiele einem Unternehmen schaden können. Die Vergangenheit — insbesondere Großbritannien — beweist aber auch, dass ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn niemals in die Hände privater Investoren fallen darf.

Dieses Spannungsverhältnis, diese Hinterzimmerpolitk, dazu die ideologische Verblendung unserer Elite wird einen Neuanfang der Deutschen Bahn unmöglich machen. Es wird der Tag kommen, da werden sich die Menschen Hartmut Mehdorn als Bahnchef Mehdorn zurückwünschen. Bei ihm weiß man, woran man ist, man kennt seine Stärken und seine Schwächen. Bis sich der Neue eingearbeitet hat wird vielleicht ein Jahr vergehen — in diesen Zeiten ein verlorenes Jahr. Wir dürfen nicht vergessen, wir befinden uns inmitten einer Weltwirtschaftskrise, die noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. Der Rücktritt Mehdorns kommt zu spät, viel zu spät. Die Politik, an der Spitze Angela Merkel, hat viel zu spät gehandelt. Die Deutsche Bahn wird großen Schaden nehmen — Schaden, den sie nicht nehmen würde, würde Hartmut Mehdorn seinen Vertrag — wie es geplant war — bis 2011 erfüllen.

Bild: alex.ch | CC-Lizenz

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3 Antworten zu “Ein Neuanfang für die Bahn?”

  1. Wolf-Dieter sagt:

    – Zitat –
    Sollte nun ein Nachfolger Hartmut Mehdorns gefunden werden, der die Bahnprivatisierung ohne Wenn und Aber stoppt, den Daten– und Spitzelskandal transparent aufklärt und offenlegt, ist ein erster Schritt getan.
    – Zitat Ende –

    Deine Hoffnung in Ehren, aber ich befürchte, Mehdorn war nur eine Figur im Brettspiel.

    Meine Güte. Der nächste wird nach den gleichen Kriterien ausgesucht, nur nach Verarbeitung des Lerneffekts aus Mehdorn: der neue wird richtig smart sein.

  2. Chris sagt:

    Nichts anderes habe ich oben geschrieben. Du hast den Artikel nicht ganz gelesen. 😉

  3. Wolf-Dieter sagt:

    Asche auf mein Haupt.

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