ein Manifest, ein Manifest

Zugegeben ich schreibe mich so manches mal ein wenig in Rage, so ein klein wenig zumindest. Gestern beispielsweise war so ein Tag, wenn die selbsterklärte Crème de la Crème der Netcitizens, aka Werber und Journalisten, sich wieder einmal aufmacht für alle die Stimme zu ergreifen, die eben nicht bei drei unterm Tisch sind.

Gestern las ich es noch: vor 10 Jahren, ja da wäre solch ein Manifest der Hit per se gewesen. Heute aber? Heute aber zuckt man mit den Schultern, es ist inzwischen usus sich mit derlei Dingen zu profilieren, der Sturm im Wasserglas wird jedoch nur ob der Initiatoren angeregt, von denen einige schon in diesem Mikrokosmos Bloggosphäre den einen oder anderen Fauxpas landeten. Erwähnenswert wären da Vodafail, Adical und auch ein wenig Glanz und Gloria seitens des online Tagesspiegels.

Für Außenstehende, also jenen 95% der Netzes — ganz zu schweigen von jenen ohne jegliche Vernetzung, manifestiert sich dieser Zwist ohnehin nur als infantiler Schlagabtausch bezüglich des jeweiligen Claims im Netz. Dem ist aber nicht so, denn auf der einen Seite sehen wir nicht diese normalen Leute die mehr oder weniger just for fun ins Netz schreiben, nein wir schauen dort waschechte Journalisten oder jedenfalls solche, die in den alten Medien ihre Brötchen verdienen — darunter auch ein paar Werber. Und um deren Stellung zu zementieren, als Schnittstelle zwischen Community/Netz zur Welt da draußen in Form diverser Konzerne oder auch der alten Medien, muß da allerlei verkauft werden. Man muß denjenigen Konzepte anbieten können für lukrative Geschäfte, muß aber auch die Community irgendwie im Griff haben bzw. motivieren, die in der Regel doch arg konservativen Vorstöße der alten Medien/Konzerne zu akzeptieren oder gar zu unterstützen. Wie just bei Vodafail gesehen funktioniert dies gemäß dem Motto irgendwer wird sich schon für ein Taschengeld zum Deppen machen und alle Kritiker sind doch eben nur blaß vor Neid.

Dieses Konzept ist Programm, die Liste der Fehlschläge der oben genannten ebenso. Aus diesem Grund aber liest sich dieses ganze Manifest auch wie eine Art von Werbung, wenn nicht gar einer Bewerbung. In Zeiten medialer Engpässe insbesondere beim Print, muß man schon einiges in die Waagschale legen, um auch Morgen noch die Butter aufs Brot zu bekommen. Wäre dem nicht so und wäre die Community tatsächlich jenes hehre Ziel gewesen, so hätte dieses Manifest höchstwahrscheinlich seinen groben Entwurf und die letztendlich qualitative Ausarbeitung in einer Wiki gefeiert. So aber gab man sich elitär und verordnete ganz von Gottes Gnaden ein Manifest, Kommentare erwünscht. Inzwischen gar fand sich ein Wiki ein, ein wenig spät jedoch. Einige werden erst aus Schaden klug, glaubwürdiger jedoch keineswegs.

Hätte also irgendwer ein derartiges Manifest offeriert, man hätte es wohl kaum registriert oder allenfalls lachend abgetan. So aber erwartete man zumindest ein wenig Qualität, sind doch gar einige drunter die mit Journalismus ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ein wenig mehr der Community hätte auch gut getan, nicht nur die Erwähnung derselbigen, sondern auch die tatsächliche Einbeziehung jener. Leider aber gabs einzig ein paar Binsenweisheiten, die ohnehin tagtäglich die Medien — teils prägnanter und nachhaltiger ausformuliert — auf und abschwirren und in diesem Netz beinahe zum täglichen Brot gehören.

Ja selbst bei einem profanen Mißbrauch der Netcitizens für biedere Zwecke hätte man durchaus mehr erwarten können. Oder wer da draußen würde sich mit einem derartigen Pamphlet auf Jobsuche begeben und dann noch in Gefilden der schreibenden Zunft? Cui bono? Weder der Community, noch den Initiatoren selbst gereicht dieses Machwerk zum Nutzen — wieder einmal ein klassischer Rohrkrepierer aus den Reihen der Berliner Netzwerker und Freunde.

Update: Kritik an dem Manifest wird geschönt … Die verhinderten Blog-Verbandsfunktionäre

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7 Antworten zu “ein Manifest, ein Manifest”

  1. lahnix sagt:

    Zugegeben ich schreibe mich so manches mal ein wenig in Rage, so ein klein wenig zumindest.

    Das unterscheidet euch von den Werbern und macht fixmbr immer wieder lesenswert.

    Danke für den oben stehenden Text und auch den von gestern. Manchmal beschleicht einen schon das Gefühl, man wäre der einzige Verrückte auf der Welt, würde gar nichts mehr verstehen, da man sich nicht über derlei Ergüsse wie das Manifest freuen und darauf abfeiern kann.

  2. Carsten sagt:

    Haihai,

    ich würde zustimmen, dass diese neuen Techniken bestimmte Thematiken gut verpacken können, aber dafür müssen die Thematiken verdammt gut dargelegt werden können. Dazu muss das Handwerk verstanden werden, dazu muss man in einem Thema gut sein.

    Der bekannteste der Unterschreiberlinge ist doch Stefan Niggemeier. Ich habe verdammt viele Bekannte, denen dieser Name nichts sagt. Und wenn ich erkläre, dass der sich mit der Bildzeitung und dem Fernsehen beschäftigt, interessiert das auch niemanden. Thematisch ist das keine Speerspitze des deutschen Journalismus’, ebensowenig wie der Rest es bisher vermochte, Sachthemen zu pushen (abgesehen von Netzpolitik). Vielleicht klart die Bloggosphäre etwas auf, wenn diese Blase endlich platzt.

    Gut geehn,

    Carsten

  3. Elias sagt:

    Danke dafür, das hat mir wirklich ein bisschen aus der Seele geschrieben.

  4. Gestern war ich ganz deiner Meinung. Heute lese Steinmeier zum Leistungsschutzrecht und denke, ok, vielleicht bin ich nicht Zielgruppe und den anderen muss man es scheinbar noch ein paar Jahre lang erklären:

    Steinmeier gegen GoogleNews

    Alternativ, vielleicht funktioniert’s als Medienstrategie, weil die argumentative Auseinandersetzung mit den Argumenten von Burda (oder von der Leyen) im Netz halt nunmal kaum in die etablierten Medien durchdringt. Wenn man dagegen auch ein Manifest hat, mit dem man rumwedeln kann …

  5. Oliver sagt:

    >Heute lese Steinmeier zum Leistungsschutzrecht und denke

    Die SPD ist die einzige politische Partei in Deutschland, die große Medienbeteiligungen unterhält. Über ihre Medienholding dd_vg hält sie zu einem großen Teil Minderheitsanteile an über 70 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von über 6 Mio. Exemplaren und 12 Mio Lesern.

    Wikipedia

    Diese Beteiligungen erklären sich ob der Geschichte der ehemaligen Arbeiterpartei, andererseits erklärt dies auch den Habitus der Genossen in gewissen Fragen.

  6. […] Über das Internet Manifest wurde nun schon viel geschrieben, auch ich habe mich dazu geäussert. Doch neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit […]

  7. nicht aufregen, nicrt so viel denken, nicht so viel schreiben. Es wird schon wieder…

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