Ein Euro für die Wikipedia

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Die Wikipedia kommt einfach nicht zur Ruhe – die Diskussion rund um die Relevanz und Nichtrelevanz von Artikeln nimmt mittlerweile groteske Züge an. Die eindrucksvollsten Worte gab es dazu die Tage bei Isotopp zu lesen. Sein Fazit nach seinen mehr als lesenswerten Worten zum Communitygift: Das aktuelle Problem der Wikipedia ist mit Geld nicht zu lösen. Fefe wird indes nicht müde, den täglichen Wikipedia-Wahnsinn zu dokumentieren. Es scheint, als würden manche Wikipedia-Nutzer einen fanatischen Krieg gegen Fefe und auch den Chaos Computer Club führen. Mitten in diese Bombenstimmung hat die Wikipedia Foundation nun ihren jährlichen Spendenaufruf gestartet – und das Netz wäre nicht das Netz, wenn es daraus keinen kreativen Protest machen würde.

Wikipedianer und Netizens nutzen das Spendenformular um einen Euro zu spenden und dabei ihren Protest auf der Spendenseite zu hinterlassen. Der Spendenticker spricht eine mehr als deutliche Sprache. Letztes Jahr waren es noch 40 Euro, heute das was ihr verdient wenn es so weiter geht, so ein anonymer Beitrag, der die Stimmung sehr gut zusammenfasst und dabei noch diplomatisch bleibt. Es geht aber auch direkter: 1€ für die Profilneurotiker bei euch. Oder auch: Löschen macht Laune, nur mir nicht. Der laut einem Nutzer Karnevalsverein reagierte zu Beginn noch sehr dünnhäutig und löschte eifrig solche Ein-Euro-Spenden und die dazugehörigen Kommentare. Die taz und Heise berichteten bereits.

Die Wikimedia Deutschland musste in einem Blogeintrag am Nachmittag reagieren. Wir haben die Online-Spenden und den Spendenticker nun schon seit mehreren Jahren im Einsatz und daher entsprechende Erfahrungen. Leider hat sich gezeigt, dass immer wieder mit Fake-Einträgen (z.B. durch falsche Bankdaten) “gespendet” wird. Zweitens kommt es auch immer wieder vor, dass solche Lastschriften zurückgegeben werden; dies ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet auch viel (Spenden-)Geld. Das kann man akzeptieren oder auch als Ausrede ansehen, der Leser möge sich seine eigene Meinung bilden. Die Kommentare sind auch in diesem Fall eindeutig. In der Haut Pavels, der den Artikel geschrieben hat, möchte der Autor dieser Zeilen jedenfalls nicht stecken. Es ehrt Pavel aber, dass er sich der Diskussion stellt.

In den Kommentaren ist noch eine weitere, durchaus relevante Frage versteckt. Die Wikimedia schreibt: Wikimedia Deutschland ist nicht Betreiber der Wikipedia, wir haben keinen inhaltlichen, technischen oder redaktionellen Einfluss auf das Projekt. Auf der Spendenseite selbst steht aber: Ihre Unterstützung ermöglicht uns in Technik für den Betrieb der Wikipedia, OpenStreetMap und weiterer Projekte zu investieren, verlorene Inhalte online verfügbar zu machen. Das widerspricht sich in meinen Augen dann doch ein wenig. Auf der einen Seite werden Gelder für die Wikipedia gerne genommen, die Verantwortung jedoch, lehnt man auf der anderen Seite ab, man habe halt keinen Einfluss auf die Wikipedia. Die Community ist die Wikipedia, nicht die Wikimedia. Die Frage nach der Verwendung der Gelder, die gespendet werden, wurde mit dem Hinweis auf den Tätigkeitsbericht beantwortet.

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Quelle: Tätigkeitsbericht 2008, Wikimedia Deutschland

Da fragt man sich dann schon, wofür es einen Verein braucht, wenn die Wikipedia von einer Community getragen wird, die sich angeblich selbst reguliert. Wenn man sich die Kosten anschaut, dann wird sich der eine oder andere Spender schon fragen, wofür zwei Vollzeitstellen benötigt werden, enorme Reise– und Werbekosten auflaufen – und wie man als kleiner Verein mit zwei Mitarbeitern fast 11.000 Euro im Jahr für Bürobedarf, Zeitschriften und Bücher ausgeben kann. Das sind alles Gelder, die der Wikipedia selbst nicht zugute kommen – zumindest erst um die eine oder andere Ecke. Es stellt sich meiner Meinung nach schon die Frage, inwieweit die Wikipedia selbst, die Spender einen Verein tragen und nicht umgekehrt. Doch ist das eher eine kleine Frage, die man vernachlässigen kann, wenn man die alles entscheidende Frage stellt:

Wie gehen wir, das Netz und die Wikipedia, mit freiem Wissen um?

Selbstverständlich muss Werbung aus der Wikipedia entfernt werden – ich glaube, in diesem Fall sind sich alle einig. Doch wer will die Frage beantworten, wo Relevanz aufhört und wo Irrelevanz anfängt? Ich denke, diese Frage ist auch mit vermeintlich objektiven Argumenten nicht zu beantworten, die Löschdiskussionen zeugen von einer schier unheimlichen Blockwartmentalität und deutschem Beamtendenken. Artikellöschungen wie der zu MOGiS, auch die zur Cocktail XYZ, laufen meiner Meinung nach dem Grundgedanken, freies Wissen zur Verfügung zu stellen — der Seele Wikipedias — zuwider.

Es hat sich ein elitärer Zirkel gebildet, der entscheidet, was Relevanz bedeutet und was nicht. Damit hat sich die Wikipedia zu den Ursprüngen des Journalismus zurückentwickelt. In früheren Zeiten haben Redakteure und Verlage entschieden, was und warum die Menschen zu lesen bekamen. Das ist heute dank des Internets und seiner weltweiten Verbreitung aufgebrochen worden. Dass das Vorzeigeprojekt des Internets, die Wikipedia, nun mit Siebenmeilenstiefel, ins letzte Jahrhundert galoppiert, ist nicht nur bedenklich – diese Entwicklung muss gestoppt werden. Die Wikipedia ist kein antiquarischer Karnickelzüchterverein, sie ist die Hüterin des freien Wissens – und dazu gehört auch MOGiS, der abendliche Cocktail oder alle Nachbarn der Simpsons. That’s it.

Verwendetes Logo: Wikipedia

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38 Antworten zu “Ein Euro für die Wikipedia”

  1. Anonymous sagt:

    In den Kommentaren behaupten auch Wikipedianer, eine kleine Gruppe angemeldeter Stammbesucher und Admins hätte die ganzen Artikel geschrieben.

    Unsinn:

    Wer schreibt die Wikipedia

    Das Netz wars.

  2. Oliver sagt:

    >Da fragt man sich dann schon, wofür es einen Verein braucht,

    Das sind juristische Eigentümlichkeiten, ein Verein besitzt gewisse Vorzüge und kann als juristische Person auftreten. Aus diesem Grund ging auch damals der CCC vom Club in Vereinsgefilde über, gibt mehr Sicherheit.

  3. @fixmbr: Welche Wikipedia-Admins führen denn einen fanatischen Krieg gegen Fefe und auch den Chaos Computer Club? Richtig ist: Ein Nutzer (kein Admin) hat eine ganze Reihe von Löschanträgen auf CCC-nahe Themen gestellt. Viele davon wurden inzwischen vorzeitig von Admins für abschlägig beschieden.

    @Anonymous: Du solltest fairerweise dazu sagen, dass die Ansichten von Swartz umstritten sind.

  4. Chris sagt:

    @Tim: Erst einmal heiße ich nicht fixmbr, sondern das Blog trägt diesen Namen. Mein Name steht über dem Artikel. 😉

    Zweitens: Damit Du Dich wohler fühlst, und ich jetzt keine Lust habe, unzählige Aussagen aus den Löschdiskussionen hervorzuholen, habe ich aus Admins Nutzer gemacht. :)

  5. @Chris: Das mit dem Namen war mir eigentlich bekannt. Sorry für die unpersönliche Ansprache. Und danke für die Änderung.

  6. Anonymous sagt:

    @Avatar

    Klar sind sie «umstritten» unter denen, die dann plötzlich nicht mehr «die Wikipedia-Community» sind, sondern eher «hilfreiche WP-Stammgäste, die für die eigentlichen, anonymen Autoren und die Leser nützliche Hilfsdienste wie Fehlerkorrektur, Formatierung, Verwaltung leisten, und ansonsten Vandalen jagen, Artikellöschungen beantragen und sich Gummibärenorden verleihen. Alles nett, aber insgesamt weit weniger wichtig als die, die konkret die Texte schreiben». Natürlich ist das «umstritten», es würde ja auch überhaupt nicht zur derzeitigen autoritären IP-Autoren-Verschreck-Kampagne passen, zu gesichteten Seiten und dem ganzen Kinderkram. Das Selbstbild der selbsternannten «Wikipedianer», besser Wikipedanten, Wiki-Hausmeister («Fußballspielen im Hof verboten»), geriete ja ins Wanken. Lieber lügt man sich in die Tasche, 300–600 Leute hätten mal schnell 1 Mio Artikel über sämtliche Wissensgebiete verfasst.

    Aber — es handelt sich um eine naturwissenschaftlich-statistische Untersuchung. Swartz schreibt ja selbst, er war vom Ergebnis «überrascht». Nun kann man höchstens die Methode wissenschaftlich anzweifeln, etwa eine noch bessere vorschlagen, oder die Schlussfolgerungen kritisieren. Aber es ist deshalb nichts «umstritten» — es sind Fakten, Daten, die man untersuchen kann, die untersucht wurden.

  7. Maschinist sagt:

    GENAU SO ISSES!

  8. @Anonymous: Schau mal wann Swartz das geschrieben und ich es übersetzt habe. Es war damals schon umstritten. Fakt ist, dass es keine wirklich gute (mir bekannte) Untersuchung dazu gibt. Es wäre zu hoffen, dass uns in Zukunft hier ein modifiziertes WikiTrust einen besseren Einblick erlaubt.

  9. caschy sagt:

    Tja Chris. Wir denken ähnlich. Früher mehr. Jetzt weniger spenden um kommentieren zu können.

    Es kann nicht zuviel Wissen geben — nur zuwenig.

  10. P. Birken sagt:

    Die Antwort auf die Frage, was die Vereinsausgaben mit der Wikipedia zu tun haben, findest Du hier. Unsere Mitarbeiter drehen zum Glück nicht Däumchen und streichen einfach Geld ein, sondern die arbeiten tatsächlich und unterstützen mit ihrer Arbeit freies Wissen und Wikipedia.

    Was das Jahr 2008 angeht, so hatten wir im Dezember 2007 60.000 Euro für eine Ausrüstung unseres Rechenzentrums in Amsterdam ausgegeben, so dass 2008 einfach keine weitere Ausrüstung notwendig war. Die kommt dieses Jahr, wie auch eine Toolservererweiterung für 30.000 Euro bereits erfolgt ist.

    Ansonsten nur ein Kommentar: Meinst Du, dass das Wort «Blockwartmentalität» mit konstruktiver Kritik einhergehen kann? Ich nicht.

  11. Chris sagt:

    @P. Birken:

    Meinst Du, dass das Wort “Blockwartmentalität” mit konstruktiver Kritik einhergehen kann?

    Wenn ich mir Eure Löschdiskussionen so anschaue, ja.

  12. Robert sagt:

    zum Thema Wikipedia Wikimedia:
    Ich finde es eher positiv, dass der Verein dahinter die Infrastruktur stellt, sich aber aus dem Inhaltlichen/Personellen raus hält. Es ist halt ein Communityprojekt.
    Sollte der Verein jetzt kommen und die Personalien (mit-)bestimmen wollen, würde es doch noch viel härtere Kritik hageln.

  13. Captain sagt:

    Ich glaube hier wird von zwei verschiedenen Bedeutungen des Begriffs des «Freien Wissens» ausgegangen.

    Zum einen ist Wikipedia eine Enzyklopädie, was logischerweise bedeutet, dass eine Relevanzfrage gestellt werden muss. Deswegen läuft die Kritik, dass der «Redakteur und Verleger» bestimmt, was der Rezipient lesen soll, ins Leere. Denn irgendjemand muss diese Entscheidung treffen. Und Wikipedia bietet nun einmal das dort gespeicherte Wissen ohne Zusatzkosten an. Damit ist das Wissen dort frei.

    Im Gegensatz dazu meinen die Kritiker, dass diese Beschränkung aufgelockert werden, denn die Beschränkung beschränkt «freies Wissen» und damit das Wissen an-sich.

    Ich kann verstehen, dass Beschränkungen gemacht werden MÜSSEN, ansonsten wäre Wikipedia keine Enzyklopädie mehr. Vor allem denke ich, dass die Macher ein Seriösitätsverlust befürchten, sollten viele Schranken in der Relevanzdebatte fallen. Versucht mal im Studium die Wikipedia als Referenz anzugeben. Die meisten Dozenten werden euch auseinander nehmen deswegen.

    Allerdings geht es hier um ein Projekt, welches sich durchaus weiterentwickeln kann. Der Anspruch einer Universalenzyklopädie kann durchaus der einer kompletten Wissensansammlung einhergehen. Und das ist genau die Chance, die Wikipedia hat. Der freie Platz. Versucht dies einmal gedruckt hinzubekommen.

    Damit wäre auch das Problem der Konkurrenz ausgeräumt. Gedruckte Enzyklopädien bleiben Wissenschaftsrelevant, die Wikipedia die FREIE Ansammlung des Wissens der Menscheheit. Das wird die Macher, bzw. den Entwickler von Wikipedia nicht schmecken … aber wer ein solches Projekt, von allen für alle aufbaut, muss damit rechnen, dass es sich weiterentwickelt.

  14. Oliver sagt:

    >Versucht mal im Studium die Wikipedia als Referenz anzugeben. Die meisten Dozenten werden euch auseinander nehmen deswegen.

    Aus gutem Grund auch, da oft genug die Kunst des längeren Atems zur Kür gereicht, denn tatsächliche Kompetenz.

    >Ich kann verstehen, dass Beschränkungen gemacht werden MÜSSEN, ansonsten wäre Wikipedia keine Enzyklopädie mehr.

    Mmh, wie sag ichs jetzt recht höflich? Thema verfehlt? Lies dir mal bitte diverse Ansätze durch von maha, isotopp, die Berichterstattung bei fefe, diverse Löschdiskussionen etc. pp. Natürlich verstehen wir Beschränkungen, aber es geht um das _wie_ und das _wieviel_, weniger darum, daß Beschränkungen an sich in Frage gestellt werden.

    >Und Wikipedia bietet nun einmal das dort gespeicherte Wissen ohne Zusatzkosten an. Damit ist das Wissen dort frei.

    Und schon wieder Thema verfehlt: es geht eher sekundär um free as in free beer, sondern mehr um die Freiheit dieses Wissen auch frei nutzen zu können. Auch der Deutsch Ableger des Projekts Gutenberg ist «frei», in der Regel aber nur kostenlos einsehbar — sprich man kann die Texte dort lesen, aber nicht wirklich benutzen.

    >Damit wäre auch das Problem der Konkurrenz ausgeräumt.

    Dieses Problem bestand in der Realität nie wirklich, da die Wikipedia nie eine Konkurrenz zu Fachenzyklopädien darstellen sollte — wäre auch ein Ding der Unmöglichkeit. Und reguläre Enzyklopädien allgemeiner Natur sind zwar per se die Konkurrenz, zumindest in der Theorie. In der Praxis fand und findet man so gut wie keine Enzyklopädien dieser Art in heimischen Gefilden, mehr oder weniger ein Schullexikon, die Schulbibel und den Diercke Atlas.

    Es ist ein Mittel der Propaganda seitens der Wikipedia, um sich einen Marktwert herbeizureden und ein Mittel zum Zweck diverser enzyklopädischer Verlage sinkende Verkaufszahlen — die ursächlich in einem völlig anderen Kontext verhaftet sind — zu erklären.

    Insofern bietet die Wikipedia etwas völlig neues: Wissen für alle, auch für jene Masse welche sich nie wirklich eine Enzyklopädie anschaffen würde. Und diesen Ansatz sollte man fördern, anstatt mittels sinnbefreiter Schrebergärtner-Mentalität im Keim zu ersticken.

  15. kobalt sagt:

    Die eigentliche Frage lautet IMHO, ob Wissen überhaupt irrelevant sein kann.

  16. Captain sagt:

    Zugegebenerweise habe ich mir den Artikel von isotopp vor meinem Kommentar nicht durchgelesen, deswegen ist der mir etwas aggressiv erscheinende Kommentar von dir «Thema verfehlt» wohl gar nicht so deplatziert. Fefes Argumentationen hatte ich aber verfolgt, wobei ich ihm meist recht, aber manchmal auch unrecht gegeben habe. Egal. Fazit, ich sollte mehr lesen :)

  17. Oliver sagt:

    @kobalt: Exakt! Und daher sollte einziges Relevanzkriterium die Qualität sein und nicht Quantität.

  18. phoibos sagt:

    an die wikipedia.de-apologeten hier:

    WP en — Stardock
    WP de — Stardock

    woher wollt ihr denn wissen, was für mich relevant ist?

    mittlerweile erfüllt ihr wikipedia.de-leute für mich nicht mal mehr lexikalische aufgaben, die über das dtv-schullexikon hinausgeht.

  19. Anonymous sagt:

    Eigentlich ist es ganz simpel. Ein gewisses Relevanzkriterium muss es, mathematisch begründet, geben: Wenn ich das Wissen über den Hund meiner Nachbarin Fifi einstelle, dann lauern umd die 10 Millionen weitere Nachbarshund-Artikel. Wenige davon können das Interesse Anderer wecken. Relevanz nicht gegeben, Artikel unerwünscht.

    Wenn ich meinen Modelleisenbahnverein oder meine ehemalige Schule verewige, «drohen» nur zehn– bis maximal vielleicht hunderttausende neuer ähnlicher Artikel (Anzahl Vereine, Schulen). Interesse ist dagegen bei Anderen gegeben. Also sind diese Artikel legitim, relevantes Wissen. Wenn ich ein von einem normalen Verlag gedrucktes Buch eintrage, so hat der Verlag dafür investiert und hält es für relevant genug, dass Leute es sich kaufen. Relevanz gegeben. Erhält jemand ein Bundesverdienstkreuz, so hielt der Staat ihn für relevant genug, um ihn speziell auszuzueichnen: Relevanz offensichtlich gegeben.

    Alle (!) diese Artikel würden aber derzeit gelöscht, bzw. würden die offiziellen «RKs» (Relevanzkriterien) nicht überspringen, die Autoren müssen sich mit Weissbier und Birken und wichtigtuerischen Diskutanten streiten, ihnen wird vorgeworfen, die RKs nicht zu beachten, ihre Artikel werden abfällig abqualifiziert und verhöhnt. Als ob Wikipedia sonst platzen würde und das ganze Wissen rausfliesst und versickert.

    Dazu komme abstruse Löschbegründungen wie «Artikel ist nicht so gut» und «Platz machen für einen Neuanfang» — als ob da irgendwo «Platz» gemacht werden müsste, als ob man den vorhandenen Artikel nicht selbst schnell editieren und notfalls neubeginnen könnte: Pure Wichtigtuerei. Dazu passt, dass Leute ganze Tage in der Löschdiskussion verbringen und da meterweise Text reintippen zur Begründung, warum was zu löschen sei — aber kaum einer von denen hat Lust, die selbe Energie einfach in die Artikel zu stecken, es geht offenbar mehr um Rechthaberei, Profilneurosen, und das pädagogenhafte Durchdrücken eines altbackenen Bildungskanons. Populärkultur, IT, neue Phänomene der jugend = schlecht. Erfolgloser unbekannter Schriftsteller des 17. Jahrhundert = gut.

    Vieles wird auch wegen «Werbung» gelöscht — anstatt den Artikel einfach neutral umzuformulieren und ggf. mit Kritik zu ergänzen. Aber das wäre ja auch zuviel Mühe. Lieber meterweise Text in der Löschdiskussion.

  20. Daniel sagt:

    Gottseidank ist mein Engagement im Usenet, Foren oder auch in der Wikipedia seit Jahren beendet.
    Überall die gleiche Vorgehensweise und Dramatik und immer noch gehts um die gleichen Themen, Titel und Thesen (Farben, Förmchen, Hierachie-Titelchen) — egal auf welcher Seite.

    Nicht alles woran viele Menschen «arbeiten» muss automatisch «gut «sein.

  21. Lago sagt:

    Relevanz in der Wikipedia? MOGOS irrelevant aber das hier relevant: Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern?

    Jeder Euro an die deutsche Wikipedia ist ein verschwendeter Euro…

  22. Wolf-Dieter sagt:

    Im letzten Absatz ein ausgezeichnete Zusammenfassung. Kompliment!

  23. phoibos sagt:

    @Lago:

    klar ist das relevant. und für den einen oder anderen geek sogar wichtig, dass er nicht einfach seinen dödel in den erstbesten rotor stecken sollte… im übrigen eine sehr interessant zu lesende diss 😉

  24. Robert B. sagt:

    @Captain: Ich zitiere (Hervorhebung von mir):

    Das Wort Enzyklopädie […] beschreibt ursprünglich (ca. 5. Jahrhundert v. Chr.) universale Bildung im Sinne eines studium generale oder eine Propädeutik der Wissenschaft.

    Erst in der Neuzeit entstand mit dem Werk der französischen Enzyklopädisten Diderot und d’Alembert der Begriff einer scientia generalis (Allgemeinwissenschaft). Fortan bezeichnete man mit dem Wort Enzyklopädie sowohl eine solche Wissenschaft wie die durch sie erfolgende Darstellung der Gesamtheit des Wissens.

    Und jetzt kommst du.

  25. […] schonmal schrieb, gefällt mir die aktuelle Praxis der Wikipedia-Admins nicht. Also bin ich dem auf f!xmbr vorgestellten Beispiel mal gefolgt, und hab mich selbst im Spendenticker verewigt: Meine Spende an die Wikipedia Von […]

  26. Anonymous sagt:

    Reaktion auf die Eurospender bei Wikipedia:

    Es klingelt in der Kasse

  27. Captain sagt:

    @ Robert B.

    ja, jetzt komm ich. was ist mit mir, dass ich gekommen bin?

  28. […] oder ihre Ausbreitung sogar noch zu fördern. Auch Geld ist eine beschränkte Resource, und selbst ein Euro ist zu viel für die […]

  29. Anonymous sagt:

    Die Hierarchie Admin-normaler User-IP mit all ihren Problemen reicht ihnen bei Wikipedia noch nicht. Wir sind ja in Deutschland, wir brauchen noch einen «Kommissar», der dann Diskussionen zensieren darf. *grusel*

    http://de.wikipedia.org/w.….ommissar

  30. Robert B. sagt:

    @Captain: Och, vergleich doch einfach mal deine Aussage mit der Wikipedia-Definition einer Enzyklopädie.

  31. Chris sagt:

    @P. Birken: Ich habe gerade bei Fefe gelesen, dass Ihr bei Blockwart an einen Nazi-Vergleich denkt. Ganz ehrlich: Ihr solltet mal einen Realitätscheck bei Euch durchführen. Wie wollt Ihr denn glaubhaft ONLINE freies Wissen verwalten, wenn Ihr nicht einmal den Begriff Blockwart in Zusammenhang mit einer Community kennt?

  32. Oliver sagt:

    Egal welche semantische Bedeutung man dem Begriff heute auch irgendwo zuordnet, gemeint ist bei derlei Vergleichen in der Regel die inne wohnende Mentalität, weniger die Ideologie. Es existieren in jedem System immer ein paar gemeinsame Nenner, Menschen beispielsweise, die andere kontrollieren möchten, Macht ausüben wollen bzw. Regelement zur Kür erheben. Im dritten Reich wurden diese nach oben gespült, da man deren Fähigkeiten benötigte, in der Kaiserzeit, in der Weimarer Republik oder auch in der Bundesrepublik fanden diesen jedoch ebenso ihren Platz: als Denunzianten, Spitzel oder die pendantische Stimme der Vernunft am angestammten kissenbewehrten Fenstersitz. Nun eben auch online zu haben …

    Godwin’s law gilt also nur für jene als Argument, die unter ihresgleichen, bar jeder Vernunft, bar jeglichen historischen Grundwissens, diskutieren. Kurzum viele glauben Nazis zu sehen, wissen jedoch gar nicht von was sie da so im einzelnen überhaupt reden.

  33. Cocktail XYZ: Tschunk, es war Tschunk. Und jetzt wo ich das aus naheliegenden Gründen wissen will, ist die Wikipedia zu doof, um das drin zu haben (nicht nachgeschaut).

    Konstruktiv: Das Projekt ‘Leviathan’ (Git + Wikipedia) sollte unbedingt beachtet & beobachtet werden. Nur mal so als Schnellhinweis.

    Closed Wall’: Das lesen der Relevanzkriterien zu diversen Themenbereichen bei Wikipedi (DE) erzeugt Übelkeit in Sachen ditalem Medienverständnis.

    Weissbier: Was der Kollege in Sachen CCC gedreht hat, ist ein mehrfacher Grund zur rückwirkenden fristlosen Kündigung.

    Das Beste in Sachen Wikipedia, Communitygift, Analyse, etc. Unbedingt die letzten Artikel zum Thema lesen. Konstruktiver geht nicht.

  34. aloa5 sagt:

    Kobalt: «Die eigentliche Frage lautet IMHO, ob Wissen überhaupt irrelevant sein kann.«
    Oliver: «Exakt! Und daher sollte einziges Relevanzkriterium die Qualität sein und nicht Quantität.»

    Ich wollte hier dieser Summe der Beiden Aussagen einmal bescheinigen den Finger in der Wunde darzustellen.

    Grüße
    ALOA

  35. TL sagt:

    Fraglich für mich ist immer noch: Warum — wenn es denn «nur» wenige scharze Schafe der Löschadmins sind — werden die dann einfach nicht gelöscht? Löschadmin weg — Problem weg! Das scheint bei Wikipedia aber keiner zu wollen.

    Und: Warum gibt es kein Bewertungssystem für einzelne Artikel, damit würde sich ganz schnell rauskristallisieren welche Artikel nun relevant sind und welche nicht. Aber nein, auch das will man nicht, da könnten ja irrelevante Benutzer eine eigene Meinung haben…

    Bis denne…

    TL

  36. Mario F. sagt:

    Vor drei Jahren begann eine exzessive Stalkinkattacke u.a. gegen meine Person. Ausgetragen wurde dies auch öffentlichkeitswirksam auf Wikipedia. In verschiedenen Artikeln und in noch mehr Diskussionen wurde mein Name in rufmörderischer Absicht in strafwürdige Zusammenhänge gestellt. Mein Versuch, über Wikipedia Deutschland, derartige Machenschaften zu unterbinden, wurden nie beantwortet. Nach intensiver Recherche gelang es mir drei sogenannte Admins und telefonisch das Büro des Vereins zu erreichen. Ergebnis: NULL! Erst zu späterer Zeit wurde der Initiator des Rufmords temporär gesperrt.

    Ich halte es für einen Treppenwitz, wenn die deutsche Wikipedia rechtlich sich als nicht haftbar erklärt, ihre Arbeit aber mit umfassenden Spendengeldern vergolden lassen will.

    Selbstvertändlich gibt es eine Mitstörerhaftung, wenn ein Netzbetreiber die Vorraussetzungen für kriminelle Taten schafft. Es gilt IMMER das Strafgesetzbuch des Landes, in dem man publiziert. Es spricht Hohn, wenn ein gemeinnützig anerkannter Verein weder die Strukturen zur Abwehr kriminellen Mißbrauchs schafft, vor allem aber eine Mitwirkung an der Beseitigung von strafwürdigen Mißständen ablehnt. Selbst die eigenen Regularien wurden nicht eingehalten (Nennung von Klarnamen; Quellenprüfung, haltlose Verdächtigungen, Verleumdungen etc. pp)

    Abschließend möchte ich noch ein Wort über die Qualität von Beiträgen auf Wikipedia verlieren: in Bereichen in denen ich Fachwissen besitze, fallen mir immer wieder PR-lastige Artikel auf. Korrekturen als unangemeldeter Besucher werden überwiegend, vor allem wenn sie kritischer Natur sind, gelöscht.

    Mein Fazit: eine Alternaive zu Wikipedia stünde der Netzwelt gut zu Gesicht. Professionellen Inhalteschleuderern gelingt fast immer die unbezahlte PR, laienhafte Möchtergerne-Admins unterliegen ihrem ganz eigenen Duktus und das Wissen der Mehrheit der interessierten User lässt oftmals zu wünschen übrig. Ich habe kein passables Konzept für eine Alternative — aber die üblen Erfahrungen mit Wikipedia Deutschland lassen bei mir nur folgenden Schluß zu: Vorsicht vor den rechtlich unklaren Gebaren! Die Ertragssteuern des Vereins zeigen zudem: hier wird Vermögen aufgebaut, statt sachgemäß zu investieren. Vereinsmeierei gepaart mit höchsten Ansprüchen — fast schon eine Ideologie. Daher meine Verbitterung …

  37. AC sagt:

    @Mario
    Es stellt sich die Frage, ob eine Alternative zu Wikipedia wirklich die Lösung ist. Vielleicht sollte man fragen, welche Bedeutung so ein Wissensnetzwerk wie Wikipedia hat und welchen Anspruch es erfüllen soll bzw. kann. Kann es es den wissenschaftlichen Ansprüchen genügen? Dies muss man verneinen! Es dient doch vielmehr der Ansammlung von Wissen (oftmals Halbwissen — was aber eigentlich nicht so tragisch ist) Dessen sollte man sich aber bewusst sein.

    Die Relevanz von gewissen Artikeln ist sicherlich gering. Trotzdem denke ich, dass aus jeden Beitrag etwas gewonnen werden kann. Es kann niemand die Welt beschreiben wie sie wirklich ist, sondern nur wie er sie wahrnimmt. Von daher zeigen auch die «irrelevanten» Artikel ein kleinen Ausschnitt aus einer «subjektiven» Welt, die ihre Relevanz nicht unbedingt sofort aufzeigt. Aber wer kann das schon entscheiden?

    Was die Qualität der Artikel betrifft, stimme ich zu das ein gewisses Niveau eingehalten werden sollte. Die Entscheidung wie dieses Niveau aussehen soll, sehe ich aber bei den Nutzern.

    Die entscheidendenden Fragen sind doch folgende: Wie soll Wikipedia in der Zukunft aussehen? Welchen Anforderungen soll es genügen?

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