Ein einfacher Bericht über einen rechtsradikalen Übergriff in Ostdeutschland

Wir waren mit einer Gruppe von 24 Leuten (13 Erwachsene, 11 Kinder) auf einem Campingplatz an der Ostsee um einen Geburtstag mit unseren Kindern, Freunden und Verwandten zu feiern. Am 28. Juni, nach einem ruhigen Nachmittag am Strand, haben wir ca. von 21.00 Uhr bis ca. 23.00 Uhr vor unseren Bungalows gegrillt. Gegen 23.30 Uhr sind wir mit den Kindern Richtung Strand gegangen, um in den Geburtstag reinzufeiern. Dort haben wir dann gemütlich ein kleines Lagerfeuer in unmittelbarer Nähe des Wassers angezündet. Gegen 00.30 Uhr haben wir das Feuer ordnungsgemäß gelöscht, und die Kinder zu Bett gebracht. Um 01.00 Uhr sind wir dann zum Strand zurückgekehrt, und haben das Feuer wieder entzündet.

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Da wir zu dem Zeitpunkt aber noch kaum Holz hatten, glimmte es überwiegend vor sich hin. Ca. um 01.30 Uhr kamen vier junge Leute laut grölend und singend zu uns, und setzten sich zu uns. Von Anfang an provozierten zwei von ihnen immer wieder unsere Gruppe. Nach kurzer Zeit wurden sie handgreiflich. Zuerst setzte sich einer von beiden vor die Freundin eines Freundes, und ließ sich zurück in ihren Schoß fallen. Mein Freund sagte ihm daraufhin ruhig, er möge das doch bitte sein lassen. Dieser stellte sich nun hinter ihm, und traktierte ihn mit Schlägen auf dem Kopf, und versuchte auch verbal eine Schlägerei zu provozieren. Als ihm dies nicht gelang und seine Freunde ihn zurückriefen setzte er sich wieder.

Dann verließen zwei der vier jungen Herren die Gruppe. Fortwährend waren wir weiteren Beleidigungen und Pöbeleien der beiden ausgesetzt. Wir beschlossen daraufhin, nach ordnungsgemäßen Löschen des Feuers, unsere Feier abzubrechen und den Strand zu verlassen. Ich selbst blieb ein Stück zurück, und versuchte Frieden zu stiften. Ich bot den beiden in Ruhe eine Zigarette an, und wir drei rauchten diese dann auch gemütlich auf. Dann wollte auch ich den Strand verlassen und verabschiedete sich von den beiden und folgte meinen Freunden, welche an der Treppe zu den Bungalows auf mich warteten.

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Plötzlich gingen die beiden neuen Freunde schnellen Schrittes an mir vorbei, und bedrohten einen unserer Freunde, welcher sein Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte mit den Worten, er sei doch mit Sicherheit ein scheiß Punkerschwein. Unvorsichtigerweise gingen wir weiter Richtung Bungalow in der Annahme, da wird schon nichts passieren. Plötzlich herrschte heillose Aufregung: Wir standen vor dem Bungalow, und unser Freund kam plötzlich um die Ecke über einen Zaun gesprungen. Die beiden anderen verfolgten ihn. Wir fragten, was los sei, und versuchten zu schlichten.

Dann stellte sich einer der Randalierer vor einen unserer Freunde, und bedrohte ihn massiv. Plötzlich, und ohne Vorwarnung und erkennbaren Grund folgte von ihm eine schwere Kopfnuß in Richtung Auge unseres Freundes, der daraufhin gegen die Bungalowscheibe geschleudert wurde. Es folgte eine zweite Kopfnuß, der er ebenso kaum ausweichen konnte. Daraufhin warf er sich zu Boden, um sich zu schützen, der zweite Randalierer stürmte auf ihn zu, und trat ihn in die Rippen. Ohne weitere Handgreiflichkeiten gelang es uns schließlich, die drei zu trennen.

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Eine Freundin schaffte es schließlich mit eindringlichem Appell, daß die beiden uns verließen. Da wir uns, besonders im Hinblick auf die Kinder, gerade in Kenntnis ähnlicher Vorfälle in dieser Region (Mecklenburg-Vorpommern), auf dem Campingplatz nicht mehr sicher fühlten, alarmierten wir den Sicherheitsdienst. Als wir mit diesem zu den Bungalows zurückgehen wollten, kamen uns die beiden Randalierer entgegen. Nachdem wir sie identifiziert hatten, wurden sie in Gewahrsam genommen, was sich so darstellte, daß sie von uns abgeschirmt wurden. Einer der beiden Sicherheitsleute sprach einen der beiden sofort mit Vornamen an, er sagte ihm, er solle nichts sagen, und man würde sich doch kennen.

Nachdem die Polizei, die dann auf unserer Aufforderung vom Sicherheitsdienst gerufen wurde, eingetroffen war, schilderten wir die Vorfälle. Unterdessen standen die Randalierer beim Sicherheitsdienst. Nachdem die Polizisten mehrmals nachgefragt hatten, ob wir eine Anzeige wegen Körperverletzung erstatten wollen, entschieden wir uns vorerst dagegen. Daraufhin fragte ein Freund, ob eine Anzeige wegen Nötigung Sinn hätte. Mit einer abwertenden Handbewegung wurde dieses abgewiegelt. Auch auf mehrmaligen Nachfragen unsererseits, ob keine Möglichkeit bestehen würde, die Randalierer wenigstens über Nacht in Gewahrsam zu nehmen (z. B. zur Ausnüchterung) bekamen wir nur ein ablehnendes Kopfschütteln zur Antwort. Erst in einer weiteren Provokation sahen die Polizisten eine Möglichkeit einzugreifen.

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Mittlerweile hatten sich zwei weitere Freunde zu den beiden Randalierern gesellt. Einer von ihnen beschimpfte die beiden Polizisten, weiterhin kam von den anderen für mehrere meiner Freunde und mir deutlich sichtbar der Hitlergruß, und deutlich hörbar Sieg-Heil-Rufe. Der Kollege des POM xxxxxx bestätigte uns diese Straftaten zuerst auf Nachfrage, was er aber einige Minuten später als nicht eindeutig abtat. Erst nach mehrmaliger Aufforderungen unsererseits bekamen wir die Nummer des Aufnahmeprotokolls und die Visitenkarte der Polizeiinspektion Bad Doberan.

Spätestens hier empfanden wir ein starkes Gefühl der Ohnmacht, was uns dazu veranlaßte, den Campingplatz sofort unter Polizeischutz zu verlassen. Dies geschah aber ebenfalls erst nach mehrmaliger Aufforderung der gesamten Gruppe mit dem Hinweis der beiden Polizisten, man hätte auch noch anderes zu tun. Bis auf zwei Familien, die abseits von uns wohnten, setzten wir dies gegen 05.00 Uhr morgens in die Tat um, was wegen der Kinder unter sehr erschwerten Bedingungen ablief. Am darauffolgenden Mittag kehrten wir nach einer unruhigen Nacht zu den Bungalows zurück, um diese im ordnungsgemäßen Zustand zu übergeben. Bei der Bezahlung an der Rezeption wurden wir angegriffen, daß wir die — wörtlich — netten Jungs durch unser Lagerfeuer angelockt, ja sogar provoziert hätten. Außerdem wurde uns gesagt, daß wir deswegen vom Sicherheitsdienst um 20.45 Uhr ermahnt worden seien, was nachweislich eine Lüge ist, da wir erst viel später am Strand waren.

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Wir waren froh und glücklich, als wir später wieder zu Hause waren und dass es letztenendes so glimpflich abgelaufen war.

Zur Erklärung: Wir wurden immer wieder darauf angesprochen, warum wir uns die Jungs nicht einfach gegriffen hätten. Ganz einfach: Als mein Freund und ich am Nachmittag über den Campingplatz gingen, sahen wir die Vorbereitung zur am Abend stattfindenen Dorfdisco. Dort fiel uns bereits auf, dass dort 20–30 Jugendliche mit den bekannten Klamotten, Symbolen, etc. über den Platz stiefelten. Man hätte also damit rechnen müssen, hätten wir einen gegriffen, hätten wir seine 30 Freunde vor der Tür stehen gehabt. Hinzu kommt: Wir hatten 11 Kinder dabei, da überlegt man sich 3-mal, was man tut, im Zweifelsfall geht man einfach, auch zum Schutz der Kinder. Das Ende vom Lied: Mehrere Interviews in Zeitungen, Radios, zum Schluß in Kennzeichen D im ZDF. Die beiden Polizisten wurden wegen Strafvereitlung im Amt vom Dienst suspendiert, was aus ihnen wurde, kann ich nicht sagen.

Witzig auch der Bürgermeister des Dorfes: In einem Fernsehinterview sagte er: Wenn 2 Gruppen sich volllaufen lassen, passiert sowas schon mal. Ja ne, is klar, wir haben 11 Kinder dabei, und lassen uns volllaufen — Einstweilige Verfügung, wiederholt er diese Worte jemals wieder, sind 500.000 DM fällig. Der Bericht in Kennzeichen D war sehr interessant, die haben sehr gut recherchiert (richtige Entscheidung, einen TV-Sender auszuchen, Explosiv und wie sie alle hießen eine Absage zu erteilen). Die älteren Leute, die regelmässig den Campingplatz besuchen, bringen teilweise selber Waffen mit, um sich zu schützen, sich im Notfall zu wehren. 2 Wochen später haben Anwohner die Polizei gerufen, weil in einem Jugendzelt rechtsradikale Lieder gesungen wurden. Nach dem Medienauflauf in unserem Fall, hat man diesmal sogar reagiert — mit einer Hundertschaft schwerbewaffneter Polizisten.

Ein Bericht, der wunderbar in unsere Zeit passt, nicht wahr? Gerade erst wieder überschlugen sich die Medien mit ihren Schlagzeilen zum Ermyas-Fall in Potsdam. Egal, ob nun rechtsradikale Hintergründe oder nicht, das Problem des (gewaltätigen) Rechtsradikalismusses (insbesondere) in Ostdeutschland ist gegeben, egal, welche Volksdeppen Politiker dies nun totschweigen wollen. In Halle an der Saale wird ein Mosambikaner erschlagen, in Mecklenburg-Vorpommern ein Algerier, in Wittstock ein Spätaussiedler. In Dresden stirbt bei einem Skinhead-Angriff ein Mosambikaner. Obdachlose, Behinderte, linke Jugendliche werden überfallen (Quelle: Kommentar ARD Hauptstadtstudio).

Die Politik hat (einmal mehr) versagt. Wie ich darauf komme? Nun, obiger Bericht ist von mir und meinem besten Freund verfasst worden — im Sommer des Jahres 1997. Damals sprach man schon vom heißen Sommer an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern. Das Problem ist nicht erst seit Ermyas bekannt, nein, schon über ein Jahrzehnt lang, schon kurz nach der Wende begannen die Rechten auf Stimmen– und Menschenjagd zu gehen.

Erfolg hatten sie mhrfach, jetzt, fast 10 Jahre später frage ich mich, wie unsere Politik, in Form der großen Volksparteien, gegen dieses gesellschaftliche Problem angegangen sind. Gar nicht, so die einfache Antwort. Das Problem wurde totgeschwiegen, bei Wahlerfolgen der Rechten wurde der Finger gehoben, um dann vor der nächsten Wahl die eigenen so genannten Hardliner ans Mikro zu schicken um selbst braune Soße zu verbreiten, die Kochs, Söders, Stoibers und die Schönbohms dieses Landes lassen grüßen.

Die Politik hat versagt — seit Jahrzehnten, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch. Man ist sofort zur Stelle, wenn man sich populistisch in Szene setzen kann — sei es nun ein Ehrenmord, oder ein rechtsradikaler Überfall. Doch im politischen Alltag, dem deutschen Volk dienen, damit sind sie überfordert. Das beste Beispiel sind die beiden Vorturner der großen Volksparteien: Der neue designierte SPD-Vorsitzende Kurt Beck gehört zu der Sorte Politikversagern, denen ausser Steuererhöhung keine andere Lösung zu unseren wirtschaftlichen Problemen einfällt. Sein Gegenüber, unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gehört zu der Sorte Bundeskanzlern, die in der Außenpolitik punkten, um in der Innenpolitik die 3 Affen auf einmal zu spielen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Ich selbst bin jeden Tag wahnsinnig froh, dass die Rechten keinen großen Demagogen und Populisten in den eigenen Reihen haben. Das möchte ich mir auch gar nicht vorstellen. Da müssen wir Wessis auch nicht mit den Fingern auf den Osten zeigen, und mit der Nase rümpfen, dass dort die SED Linke gewählt wird. Es muss nur einer gut reden können, die Unterstützung der Presse geniessen, dann kann er auch bei uns im Westen auf über 20% der Wählerstimmen hoffen, wie hier in Hamburg geschehen mit der Schill-Partei und ihren damaligen Vorsitzenden Richter «Gnadenlos» Schill.

Es wird hier in Deutschland irgendwann zum großen Knall kommen, fragt sich nur wann und in welcher Form — verantwortlich sind die Damen und Herren Politikversager.

Printquellen: BILD, Neue Osnabrücker Zeitung, Hamburger Abendblatt

Disclaimer: Im Fall Ermyas handelte es sich im einen Deutschen, der zufällig schwarzer Hautfarbe ist.

Eine Antwort zu “Ein einfacher Bericht über einen rechtsradikalen Übergriff in Ostdeutschland”

  1. Oli sagt:

    Der Westen hatte ich den 60ern schon starke Rechtstendenzen, langte beinahe bis in den Bundestag. Einzelne Bundesländer im Westen, hatten ebenso schon starke Beteiligungen, zuletzt wohl richtig massiv die Republikaner in Bayern die es auch nach Europa schafften.
    Was wohl eher bestürzend ist, das rechtes Gedankengut wieder in die Köpfe der Berliner Politiker einzieht und das Volk, wieder mal, willig abnickt!

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