ein Bloggerverband als Antwort auf den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag

Zwar meinen manche Juristen, es sei alles halb so schlimm, aber der Vorgang zeigt, wie nötig es wäre, dass sich die Blogger endlich zu einem Verband zusammenschließen.

freischreiber

Obiges Zitat, ist Teil eines Aufrufs an die Blogger, dem neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag mit einem Bloggerverband zu begegnen. Und wenn es sich auch auf den ersten Blick recht genehm ließt, so widerspricht dieses Anliegen doch der Realität. Jene frei publizierenden Journalisten, die sich dort als Freischreiber formieren, werden gemeinhin von ihren festangestellten «Kollegen» als Schreiberlinge zweiter Klasse angesehen. Dementsprechend werden diese auch entlohnt, man drückt die Preise, entwertet die Leistung jener freischaffenden Publizisten. Was jedoch hat der Verband bis dato für seine Mitglieder erreichen können? Nun, wenn ich mich mit diversen Bekannten der freien schreibenden Zunft unterhalte, werden die Honorare mehr gedrückt denn je.

Gemeinhin betrachtet ist ein Verband sicherlich eine gute Sache. Warum sollten Zeitgenossen mit gemeinsamen Interessen nicht für gemeinsame Ziele einstehen und geschlossen diese Ziele vertreten? Gemeinsam ist man stark, zumindest in der Theorie. In der Praxis verselbstständigen sich jedoch viele Verbände im Laufe der Zeit, Mitglieder sind Mitglieder ob Tradition, der Vorstand ist längst nur noch stetiges Politikum. Zu allem Überdruß, ist Deutschland auch ein Land der Verbände. Für jede Kleinigkeit existiert ein Verband und nicht zu vergessen die zahllosen Splittergruppen, die u.a. entstanden, da sich einige nicht mehr von ihrem ursprünglichen Verband angemessen vertreten sahen. Ja, die Verbandsstrukturen in deutschen Gefilden sind gewaltig, die eigentliche Macht jedoch zeichnet sich allenfalls oftmals nur in biederen Absichten ab und weniger in der mit viel Pathos vorgetragenen Interessenvertretung der Mitglieder.

Lassen wir jedoch eine derartige Kritik außen vor, bleibt noch die stetig vorranschreitende Balkanisierung der Verbände. Was also soll ein Bloggerverband richten? Es existieren Publizisten, die ihre Artikel im Rahmen einer Festanstellung an die Frau oder den Mann bringen. Es existieren andere, die freischaffend zu Werke gehen und mit den Widrigkeiten leben müssen, die dieser Status für sie bereithält. Es existieren Publizisten, Hobbyisten oder auch Fachleute, die ihrer Tätigkeit just for fun nachgehen, ehrenamtlich, jedoch nicht minder konsequent als die zuvor genannten Zeitgenossen. Wenn der festangestellte Journalist, jener der ersten Klasse ist und der freischaffende Publizist sich in der zweiten Klasse sieht, was verbleibt dann für diesen oft geschmähten Blogger? Die dritte Klasse? Also auch bitte schön ein eigener Verband?

Warum ist es so schwer für einige einzusehen, daß eine Entlohnung nicht Garant für einen qualitativ hochwertigen Artikel ist? Wieviele bloggende Fachleute, selbst Hobbyisten raufen sich die Haare, wenn sie Artikel in den bekannten Tageszeitungen und Magazinen schauen, die vor inhaltlichen Fehlern nur so strotzen. Hochqualitative Recherche, professionell ob Entlohnung? Es ist an der Zeit sich von dieser Mär zu trennen, die Welt hat sich geändert, die Alleinstellungsmerkmale des Journalismus sind längst Geschichte.

Warum also nicht eine geänderte Satzung bei den Freischreibern, um Blogger ebenso zu vertreten? Was unterscheidet den Blogger vom freien Journalisten? Nun ersterer wird nicht entlohnt und über die Qualität läßt sich streiten bei beiden im Einzelfall streiten, letztendlich aber geht es um den Inhalt und die angemessene Würdigung dessen. Freischreiber möchten primär ebenso angesehen werden wie ihre festangestellten Kollegen. Blogger möchten ebenso die Rechte der schreibenden Zunft genießen, denn den Pflichten jener werden sie schon längst unterworfen. Wäre es also nicht an der Zeit, gemeinsam für die schreibende Zunft einzutreten?

Wer heute immer noch alleinig die Entlohnung als Markstein für die Güte eines Artikels ansieht, muß sich auch nicht wundern, selbst nur gemäß monetären Gesichtspunkten gemessen zu werden. Dabei geht es um mehr, aber solange diese Einsicht fehlt, wird auch ein neuer Verband keine Änderung herbeiführen. Die Freischreiber reduzieren sich primär ebenso auf die Entlohnung, werden somit auch als billige journalistische Hilfskräfte angesehen. Der gemeine Blogger soll nun einen Verband gründen, um jene Ideale zu vertreten, die erstere längst nur noch als verblassende Erinnerung wahrnehmen.

Liebe Freischreiber, ihr seid am Zug. Der Blogger kann euch euren verloren gegangenen Ethos nicht wiederbringen und wenn ihr diesen einst finden solltet, dann klappt es auch sicherlich mit der Vertretung der gemeinsamen Interessen, bei welchen dann ebenso die monetäre Wertschätzung ihren Platz findet. Arroganz und monetäre Gesichtspunkte sind jedenfalls keine guten Ratgeber, wenn es denn um die Würdigung des eigenen Schaffens geht.

Bild: ©F!XMBR/akephalos

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20 Antworten zu “ein Bloggerverband als Antwort auf den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag”

  1. @Heiko die Idee einer Formierung ist nie schlecht, aber warum nicht schon bestehende Organisationen nutzen, die, wie obige Freischreiber, im Prinzip identische Prinzipien vertreten? Ein Bloggerverband selbst ist ein zahnloser Tiger, ein Randrauschen im Netz, ein Splitter der Gesellschaft.

  2. […] Oliver Herold: ein Bloggerverband als Antwort auf den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag […]

  3. vera sagt:

    Ich finde nicht den Gedanken an eine Entlohnung wichtig, sondern die politische und rechtliche Vertretung. Über pekuniäre Interessen brauchen sich die meisten Blogger wohl keine Gedanken zu machen: Bezahlung wird nicht stattfinden.

  4. Heiko sagt:

    Um ehrlich zu sein, finde ich die Idee, das Blogger sich organisieren sollen nicht falsch.
    Nur solange nur die Forderung «organisiert Euch!» im Raum steht, ohne das man sich schon einmal ein paar Gedanken gemacht hat, wie so eine Organisation aussehen könnte und unter welchen Bedingungen man sich dieser Organisation anschließen kann, halte ich das ganze für reinen Populismus. Wer kauft schon gerne die sprichwörtliche «Katze im Sack»? 😉

  5. dimido sagt:

    Die Idee des einen Verbandes für Blogger ist nicht neu! Also diese Idee taucht immer wieder auf, nur umgesetzt wurde es nie, in den letzten Jahren 😉

  6. Warum auch? Erstens macht es in dieser Form wenig Sinn und zweitens braucht man ja Diskussionmaterial für zukünftige re:publica Veranstaltungen 😉

  7. Eric sagt:

    «Warum sollten Zeitgenossen mit gemeinsamen Interessen nicht für gemeinsame Ziele einstehen und geschlossen diese Ziele vertreten?»

    Anders gefragt: Seit wann haben Blogger denn gleiche Interessen?

  8. Seit wann ziehen Journalisten am gleichen Strang in allen Belangen? Ein gemeinsamer Nenner ist dort die Entlohnung, bei Bloggern zumindest die Netzneutraliät und ähnliche Dinge. Mitunter mißverstehst du die Bezeichnung «Blogger». Nicht der Partner fürs Leben ist gemeint, sondern publizierende (Achtung: Gemeinsamkeit I) Menschen, die dies in größtmöglicher Freiheit (Achtung: Gemeinsamkeit II) tun möchten.

  9. Gaston sagt:

    Ich bin in einem Berufsverband, gut und wichtig.
    In dem Verband sind klare politische Aussagen erfolgt, z.B. auch über Radikalismus oder auch Gesellschaftliche Eckpunkte.
    Ich würde mich einem Bloggerverband nicht anschließen.
    Warum?
    Ich mache einen Blog, der meine ganz persönlichen Aussagen beinhalten. Da will ich keinerlei Kompromisse eingehen. Da gibt es für mich auch keine «Eckpunkte», die als Mindesmaß gelten. Für mich zählt bei meinem Blog nur meine ureigenen Eckpunkte oder um es mit (dem leider viel zu früh verstorbenen) Matthias Beltz zu sagen:
    Man muss auch mal von sich ausgehen, denk ich
    und nicht immer nur von der eigenen Befindlichkeit

  10. >Ich bin in einem Berufsverband, gut und wichtig.
    >Da will ich keinerlei Kompromisse eingehen.

    Pauschal paßt weder das eine noch das andere, die Realität schaut halt anders aus. Ich wüßte jetzt beispielsweise auch nicht, welche Kompromisse z.B. BILD oder FAZ eingehen, insbesondere in Relation zueinander? Gemeinsame Nenner? Papiertiger, wie auch bei vielen anderen Verbänden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ansonsten gibt es Kompromisse die jeder eingehen muß, der etwas veröffentlicht, ansonsten sieht man sich früher oder später vor dem Kadi wieder. Ich muß vielleicht noch hinzufügen, daß ich stark Gewerkschafts– u. Verbandsgeschädigt bin. Zumindest in einem «früheren» Leben …

  11. Eric sagt:

    @oliver: Nun, dann muss man «Blogger» wohl etwas enger definieren als «Leute, die in Blogs schreiben». Dann kann ich dir folgen. Aber weder ein Telekom-Blogger oder Uschi, die Autorin ihres Katzenblogs hat etwas mit Netzneutralität am Hut.
    «Publizieren» ist für mich keine Gemeinsamkeit (das haben wir mit auch mit Werbetextern und Forenspammern gemeinsam). Und der Hang zur größtmöglichen Freiheit dies zu tun, haben wir mit allen möglichen Seitenbetreibern gemein, mit denen ich eigentlich keinen runden Tisch teilen möchte.
    Wenn du also meinst, dass Leute, die in Blogs schreiben, dies unentgeltlich tun, die die Netzneutralität irgendwie verstehen und auch wollen und die bei der Veröffentlichung möglichst frei sein wollen — dann ist das ein spannender Verein und ich bin interessiert.

    Aber ich befürchte, das sind nicht soooo viele, dass sich ein Verband lohnt.…

  12. >«Publizieren» ist für mich keine Gemeinsamkeit

    Warum nicht? Es existiert auch ein Autorenverband und ein Journalist muß nicht notwendigerweise auf Politik beschränkt sein, sondern kann sich auch ausschließlich beispielsweise mit Science Fiction beschäftigen. BILD fällt beispielsweise ebenso in diese Kategorie, wie die FAZ oder die sueddeutsche. Andererseits, ich sehe das Problem nicht, wenn jemand von einer Publikation spricht, meint dieser gemeinhin nicht den Chat oder ein Telefonat. Von daher schränke ich schon ein, d.h. die bloße Benutzung der gleichen Software ist wohl auch kein Garant für eine Publikation. Sonst wäre gleichermaßen der Aufdruck auf Toiletten-Papier gleichbedeutend mit der Publikation einer Tageszeitung :-)

  13. […] Jungs von FixMBR haben sich zwar dazu auch schon geäußert, aber ich möchte auch noch ein paar Aspekte nennen, die aus meiner Sicht gegen so einen Verband […]

  14. Okay ich sehe das Problem, ich will ja keinem zu nahe treten, aber zwischen Überschrift und Kommentar steht ein Text! Diesen bitte ich bei Gelegenheit zu bedenken, ich bin kein Befürworter eines Bloggerverbandes, sondern ich schrieb: «Blogger möchten ebenso die Rechte der schreibenden Zunft genießen, denn den Pflichten jener werden sie schon längst unterworfen. Wäre es also nicht an der Zeit, gemeinsam für die schreibende Zunft einzutreten?»

    Kurzum: gleiche Rechte und auch gleiche Pflichten für alle, die publizierend tätig sind.

  15. Gaston sagt:

    »Ich bin in einem Berufsverband, gut und wichtig.
    »Da will ich keinerlei Kompromisse eingehen.
    >
    >Pauschal paßt weder das eine noch das andere, die Realität
    >schaut halt anders aus. Ich wüßte jetzt beispielsweise auch
    >nicht, welche Kompromisse z.B. BILD oder FAZ eingehen,
    >insbesondere in Relation zueinander?

    Um es nicht miss zu verstehen, ich bin in einem Berufsverband in meiner beruflichen Tätigkeit, also der Veranstaltungstechnik.
    Da sieht es eher so aus, das die Gemeinsamkeiten vom Freelancer bis zum Staatstheater geht, aber das Verbindende Glied die VA-Technik ist. Trotzdem sind wird gerade hier über den (Berufs-) Tellerrand geschaut und auch gesellschaftspolitische Aussagen getätigt.
    Dieser Verband ist aber in meinen Augen in dem, was man will nicht so verschieden, wie die Unterschiede zwischen Bild und FAZ, wobei die Menschen in dem Verband sehr unterschiedlich sind (das schafft ja gerade die weit gefächerte Kreativität).
    Und eben, weil ich mich mit meinem Blog nicht mit bestimmten anderen Blogs, sei es aus politischen, gesellschaftlichen oder persönlichen Gründen an einen Tisch setzen will.
    Wenn ich Kompromisse machen will, dann kann ich auch in einem Forum mitmachen. Besser gesagt, nicht alles, was ich im Blog von mir gebe, kann ich ebenso auch in den Foren von mir geben, in denen ich mich einbringe.

  16. Wie schrieb ich gestern bei Facebook:

    Alle Jahre wieder
    kommt das Populistenkind
    auf die Erde nieder,
    wo wir Blogger sind.

    Kehrt mit seinem Segen
    ein in jedes Blog,
    geht auf allen Wegen
    tanzt mit uns den Rock.

    Steht auch mir zur Seite
    still und sehr bekannt,
    daß es uns wohl leite
    in des Verkäufers Hand.

    Sagt den Bloggern allen,
    dass er ein Verkäuferer ist,
    das Blog will wohlgefallen,
    der es nicht vergisst.

    Ich lach mich tot: es gibt tatsächlich wieder Diskussionen, ob ein Bloggerverband gegründet werden soll. Hey, merken manche Leute gar nicht, dass es schon (in)offizielle Bloggersprecher in Deutschland gibt? *g*

    Sollte es irgendwann einmal tatsächlich so eine Veranstaltung geben, kann ich Euch schon jetzt zwei Namen nennen, die ganz oben mit dabei sind. Man bleibt so im Gespräch und kann sich verkaufen… 😉

    Manche Träume sind schon sehr skurril… 😀

  17. Stinson sagt:

    @Christian Sickendieck
    auch wenn ich mich in dem Bereich nicht so wirklich auskenne, aber Sascha Lobo :D? Gestern erst wieder im TV gesehen — Thema war natürlich Wikileaks; ach ja er saß doch auch letzte Woche in einer Talkshow.

  18. […] Witz Alphonso zu den Freischreibern und der Idee eines Bloggerverbands im […]

  19. […] auch: — Spreeblick — F!MBR — Aquarium.Teufel — […]

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