Ein Blick in die Hartz-Zukunft

ASPD Frosch | openclipart.orgIm Jahr 2007 ist klar, dass die Sozialschmarotzer immer noch nicht arbeiten gehen, und die Gesellschaft aussaugen. Das ALG II wird von 345,- Euro auf 50,- Euro gesenkt. BILD feiert die Regierung überschwenglich um 2 Monate später den Ankara-Mohamed auszukramen, der mit Hartz IV seine kpl. Familie inkl. Haus und Swimmingpool in Ankara finanziert. Stimmen in der Union werden laut, Gefängnisstrafen gegen unwillige Sozialschmarotzer auszusprechen. Ein Jahr später geht es auch den Aktivjobbern 1-Euro-Jobbern an den Kragen. Die FDP feiert die Regierungskoalition, diesen Parasiten endlich Einhalt geboten zu haben. Hartz IV-Empfänger haben nun für ihr ALG II-Geld zu arbeiten, und haben laut BILD «Bedankt Euch, Ihr Schmarotzer!» sich bei der Gesellschaft zu bedanken. Wer zumutbare Arbeit ablehnt, wird von einem Schnellgericht zur Gefängnisstrafe verurteilt.

Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln wird 2008 eine neue Form des Niedriglohnsektors geschaffen — der Kompromis mit den Gewerkschaften und karitativen Einrichtungen sieht einen Mindestlohn von 2,- Euro vor. Kurze Zeit später stellt die Opposition fest, dass auch dieses Gesetz voller handwerklicher Fehler ist — die sozialschmarotzenden Arbeitslosen bekommen teilweise immer noch mehr Geld, als die Menschen, die arbeiten. Hartz IV wird auf 25,- Euro gesenkt. Immer öfter treten frustrierte Arbeitslose an die Öffentlichkeit — laut Innenminister Schäuble eine neue Art des Terrorismus. Zur Wahrung der inneren Sicherheit wird ein neues Gesetz erlassen: Der Innenminister darf endlich die Bundeswehr innerhalb Deutschlands einsetzen.

Es gibt immer noch Arbeitslose, die den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen. Mit diesem Ausspruch des Sozialministers Franz Müntefering beginnt die BILD eine neue Dokumentation darüber, was die Arbeitslosen den ganzen Tag schaffen, während der vorbildliche Deutsche arbeiten geht. Sie endet mit einem vom Bundespräsidenten unterschriebenen neuen Ertüchtigungsgesetz: Arbeitslose ohne Aktivjob werden in Arbeitslosencamps geschickt, deren Ziel es ist, dem arbeitsscheuem Pack unter körperlicher Ertüchtigung beizubringen, was der deutsche Arbeiter leistet, während der Arbeitslose in den Urlaub fährt. Für Kanzlerin Angela Merkel und ihren neuen Ertüchtigungsminister Beckstein ist das ein weiterer Schritt zur sozialen Gerechtigkeit. Noch ist aber nicht das Ziel erreicht, so Beckstein in einer umjubelten Rede vor dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Edmund Stoiber und Wolfgang Glos stellen Ende 2008 ein neues Konzept vor, welches vom neoliberalen Kampfblatt SPIEGEL wohlwollend aufgenommen wird: Arbeitslose sollten dazu eingesetzt werden, die Plattenbauten in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik von Asbest zu befreien. Hinterher werden alle Hartz IV-Empfänger der Bundesrepublik in diese Plattenbaus zwangsumgesiedelt. Die Regierung macht sich sofort an die Umsetzung der Pläne. Am 01.03.2009 tauchen die ersten Berichte von glücklichen Arbeitslosen in ihren neuen Wohnungen auf. Nach Äusserungen der Landeschefs aus München und Hamburg, endlich diesen Abschaum los zu sein, häufen sich die rechtsradikalen Übergriffe auf die Arbeitslosen. Innenminister Schäuble dazu: Wenn 2 Gruppen sich volllaufen lassen, passiert sowas schon mal, Deutschland hat kein Problem mit Rechtsradikalen.

Anfang 2009 wird das erste Mal Bilanz auf dem Niedriglohnsektor gezogen. Die Arbeitgeberverbände beklagen die zu hohen Lohn(neben)kosten. In Berlin entscheiden darauf in einer Nachtschicht die Kanzlerin Angela Merkel und der Sozialminister Franz Müntefering, den Arbeitgeberanteil zu den Sozialversicherungen, dem Arbeitern aufzulegen. Schließlich profitieren diese davon, so die Kanzlerin im Konrad-Adenauer-Haus. Im gleichen Zug werden die Unternehmenssteuern abgeschafft. Die Zeitungen jubeln, die Deutschen lieben ihre Kanzlerin. Zur Finanzierung werden den Arbeitslosen alle Leistungen gestrichen — bis auf eine Wohnung in den Plattenbausiedlungen steht den Parasiten nichts mehr zu. Wir müssen überlegen, wie uns die [Anm. die Arbeitslosen] auch die Miete dafür zahlen, so CSU-Mann Söder in München, die zocken uns doch ab.

Am 01. Mai wird eine Demonstration der Sozialschmarotzer von der Bundeswehr blutig niedergeprügelt. Ein trauriger Tag für unsere Gesellschaft, so SPD-Chef Kurt Beck im Gerhard-Schröder-Haus — der SPD-Zentrale — in Berlin. Das Pack bekommt Wohnungen gestellt, und was passiert? «Undankbare Saubande. Schlagt sie nieder!» titelt am nächsten Tag die BILD. Eine Woche später unterschreibt, aber nur mit Bauchschmerzen, wie er versichert, Bundespräsident Köhler das neue Gesetz, das die Bevölkerung ermächtigt, bei Verdacht, körperliche Gewalt gegen die Arbeitslosen einzusetzen. Dieses Gesetz ist der erste Erfolg im Kampf gegen die Arbeitslosen. Ein halbes Jahr später hängen rund 1.500.000 Menschen weniger am Tropf der Gesellschaft. Die Beerdigungskosten werden den Verwandten in Rechnung gestellt. Im Herbst herrscht Vollbeschäftigung, die Wirtschaft brummt, die Große Koalition wird in ihrem Amt bestätigt. In ihrer Regierungserklärung stellt Kanzlerin Merkel unter großem Applaus von Sozialminister Müntefering fest, dass nun Reformen bei den Studenten und Rentnern erfolgen müssen.

13 Antworten zu “Ein Blick in die Hartz-Zukunft”

  1. siggi sagt:

    Die Realität wird deinen Blogg überholen…

  2. freizeitstudent sagt:

    Beeindruckende Dystopie. Was willst Du uns mit diesem Artikel sagen?
    Dass Hartz IV schlecht ist weil sich deshalb die Arbeiterschaft zur Herrenrasse erklärt?

    Das uns in den nächsten Jahren die Endlösung der Arbeitslosenfrage […Ein halbes Jahr später hängen rund 1.500.000 Menschen weniger am Tropf der Gesellschaft] ins Haus steht?!? Ja ne, is klar.

    Sorry, aber ich hab in diesem Blog noch nie so nen dämlichen Beitrag gelesen.

  3. Chris sagt:

    @Freizeitstudent: Mit Deinem lächerlichen Kommentar hier kann ich leben, da hätte ich einfach den einen oder anderen Hinweis gesetzt, und geschaut, wie der Rest lacht. 😉

    Aber bitte keine obskuren Mails übers Kontaktformular, das wird dann peinlich und auch beleidigend.

    Wenn es Dir nicht gefällt, und sei es, weil Du es nicht kapierst — und tschüss…

    Nachtrag: Die angesprochene hannover.de-Seite im zweiten Artikel ist mittlerweile gelöscht, lässt sich aber per Google-Cache wiederfinden.

  4. freizeitstudent sagt:

    Zuerst wollt ich den Text ja auch hier posten, hab mir aber dann gedacht dass bei per eMail vielleicht eher ein offenes Gespräch draus werden würde. Nachdem ich keine Adresse von Dir gefunden habe, hab ich’s halt mit dem Vermerk «@Chris» über’s Kontaktformular geschickt– sozusagen als «workaround».
    Du kannst den Text gerne hier einfügen wenn Du magst.

  5. Oli sagt:

    Das der Text nicht verstanden wird, okay, nicht jedem sind die Mittel der Ironie, Polemik und des Sarkasmus geläufig. Das aber die Mailadresse nicht gefunden wurde, naja, ich denke ich verrate wohl kein Geheimnis wenn ich mal vorsichtig auf die linke Spalte des Blogs verweise.
    Zum Inhalt deines Kommentares sage ich gar nichts, da bin ich schon recht sprachlos.

  6. Grainger sagt:

    Schön geschrieben, auch wenn ich (zumindest teilweise) anderer Meinung bin. Aber das spare ich mir jetzt mal, bin schließlich kein Missionar. 😀

    Allerdings ist Deine Glosse zumindest in einem Punkt absolut unrealistisch:

    ich glaube nicht, das diese große Koalition und somit auch Bundeskanzlerin Merkel bis 2009 durchhalten.

    Das große Aussitzen hat vielleicht noch bei ihrem politischen Ziehvater Kohl geklappt (der hat das immerhin 16 Jahre lang geschafft), aber Frau Merkel schafft das imho nicht.

  7. Sammy sagt:

    Glaub ich schon, aber ich nenne es Ausgrinsen. 😀

    Der Artikel ist wirklich gut geschrieben. Die paar Überspitzungen sind einfach nötig um die Realität realistischer wirken zu lassen. 😉

  8. TheMan sagt:

    Der Artikel paßt wie die «Faust aufs Auge»!
    Ironie ist für mich die letzte Phase der Enttäuschung.
    So wie sich die große Koalition i.A. präsentiert scheint keine Harmonie mehr vorhanden zu sein, so daß man auf ein baldiges Ende der großen Koalition spekulieren könnte … obwohl oft bin ich mir nicht so sicher ob die Kadetten nach öffentlichen Schlammschlachten nicht doch hinter den Kulissen gemütlich beim Bier sitzen.

  9. Chris sagt:

    Btw, so stark übertrieben ist das ganze Szenario auch nicht:

    http://www.freitag.de/200.….0101.php

  10. […] Erschreckend, dieser Text sollte eigentlich mal Satire sein… […]

  11. […] Wir haben heute die Sensation unseres Landes zu vermelden. ASPD-Chef Kurt Beck hat *die* Lösung präsentiert um wieder zur Vollbeschäftigung zurückkehren zu können, um in eine rosige Zukunft blicken zu können, und somit auch unseren Finanzminister zu entlasten. Nie wieder arbeitslos, endlich ist der Grund dafür gefunden, warum so viele Sozialschmarotzer auf der Straße landen, keinen neuen Job finden, anständigen Menschen wie Kurt Beck auf der Tasche liegen, hungern sollen. Die ASPD blickt wieder in eine gute Zukunft. Der Tipp des Tages von ASPD-Chef Kurt Beck: Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. […]

  12. […] bei meinem Blick in die Hartz-Zukunft habe ich CSU-General Söder einen verdienten Platz eingeräumt. Gelacht habe ich, als Uli […]

  13. […] Ein Blick in die Hartz-Zukunft Aktueller denn je — meine Zeilen vom letzten Jahr. […]

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