Ein Anwalt auf Abwegen [2. Update]

Er ist allem Anschein nach, wenn man sich durch die Suchergebnisse bei Google klickt, nicht sonderlich beliebt, der Freiherr aus München. Nun scheint er es übertrieben zu haben — wegen Betrugs ist der nette Herr Anwalt, welcher sich im Abmahnwesen gut auskennt, zu 6 Monaten Haft (ohne Bewährung) verurteilt worden. In den letzten Monaten war der nette Herr Anwalt, welcher sich im Abmahnwesen gut auskennt, insbesondere durch seinen Kreuzzug gegen durch die juristischen Auseinandersetzungen mit dem Heise-Verlag aufgefallen. Ebenso war eine Nähe zu dem gulli:board und der dortigen Führung zu beobachten.

Die taz ließ durch ihren Anwalt Jony Eisenberg Strafanzeige wegen versuchten Betruges erstatten: GvG habe wahrheitswidrig dem Vollstreckungsgericht gegenüber behauptet, dass noch nicht gezahlt worden sei. Eine Durchsuchung der Kanzlei im Januar 2007 förderte ein Telefax-Schreiben der taz an GvG zu Tage, dessen Eingang er bis dahin bestritten hatte. Das Amtsgericht Tiergarten glaubte ihm gestern nicht, dass er wegen «Chaos» in seinem Büro und mangelnder Rechtskenntnis nicht gewusst habe, dass ihm das Geld nicht mehr zustand. […]

Die Freiheitsstrafe setzte es nicht zur Bewährung aus: «Nur weil die taz einen Anwalt hatte, der Ihnen in den Arm gefallen ist, haben Sie die Domain nicht verwertet. Die Allgemeinheit muss vor Ihnen geschützt werden.»

Das ist doch mehr sehr interessant — ich denke, bei fastix & Co. werden heute Abend die Sektkorken geknallt haben. Nichtsdestotrotz dürfte der nette Herr Anwalt, der sich im Abmahnwesen gut auskennt, wohl in Berufung gehen — bis dieses Urteil rechtskräftig ist oder gar widerrufen wird, dürften also noch ein paar Tage ins Land gehen. Sollte das Urteil in nächster Instanz bestätigt werden, dürfte sehr interessant werden, wie die Anwaltskammer in München zu ihrem berühmten Kollegen steht. Es ist nicht die erste Verurteilung des netten Herrn Anwalts, der sich im Abmahnwesen gut auskennt. Eine Stellungnahme wird, so wird in diversen Kreisen vermutet, in den folgenden Tagen innerhalb der gulli:news als News verkauft werden — Dudu Korrupt macht das schon. 😉

taz — Versuchter Betrug — Freiheitsstrafe für Abmahnanwalt

Update 12.09.2007:

Als Laie, so muss ich annehmen, gehen die juristischen Winkelzüge bereits los:

Golem.de schreibt als Update:

Wie GvG gegenüber Golem.de mitteilte, habe er bis zur Aufhebung der einstweiligen Verfügung noch offene Forderungen in Form von Abmahnkosten und Abschlussschreiben gegen die Taz gehabt. Auf Grund der von der Taz gewählten Bezeichnung «RNR.15O436/0623.05.2006″ habe er den Zahlungseingang hierauf verbucht, da bei unklarer Leistungsbestimmung zuerst ungesicherte Forderungen gedeckt werden müssten. Dass er allerdings die Pfändung damit begründet habe, dass er kein Geld erhalten habe — so wie es die Taz in ihrem Artikel schreibt — sei falsch, so GvG. Die Hauptsacheklage gegen die Taz sei darüber hinaus noch anhängig, ein Termin beim Kammergericht in Berlin gibt es laut GvG aber erst im August 2008.

Heise.de schreibt als Update:

In einer ersten Stellungnahme betonte Rechtsanwalt GvG, er habe bis zur Aufhebung der einstweiligen Verfügung noch offene Forderungen gegenüber der taz gehabt, die Abmahnkosten und Abschlussschreiben umfassten. Die Zahlung der taz sei für ihn aufgrund der Bezeichnung «RNR.15O436/0623.05.2006″ ein unklarer Zahlungseingang mit unklarer Leistungsbestimmung gewesen. Die Behauptung, er habe die Pfändung von taz.de damit begründet, dass er kein Geld von der Berliner Tageszeitung erhalten habe, stelle daher eine falsche Behauptung dar. Die Klage in der Hauptsache in diesem Verfahren gegen die taz sei anhängig, einen Termin beim Kammergericht gebe es erst im August nächsten Jahres.

Kann ich als Nicht-Jurist leider nicht beurteilen. Nur der gesunde Menschenverstand sagt mir, wenn es denn so ist, dann hätte die Richtierin davon wohl auch Kenntnis gehabt und den netten Herrn Anwalt, der sich im Abmahnrecht sehr gut auskennt, nicht zu 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Oder etwa nicht? Auch egal, wir werden es weiter verfolgen… 😀

Update 12.07.2007, am Abend:

Die taz reagiert auf die Aussagen, die der nette Herr Anwalt, der sich Abmahnrecht sehr gut auskennt, mit einem neuen Artikel — Verurteilter Abmahnanwalt — Internetszene jubelt. Zur Sprache kommt da auch die berühmt-berüchtigte Zeichenfolge, von der der nette Herr Anwalt, der sich im Abmahnrecht sehr gut auskennt, gegenüber Heise und Golem spricht:

In einer Stellungnahme gegenüber heise.de teilte GvG mit, der Zahlungseingang der taz sei ihm aufgrund der Bezeichnung “RNR.15O436/06 23.05.2006? unklar geblieben. Dass es sich dabei um das Gerichtsaktenzeichen und das Datum handelte will er nicht erkannt haben. Soviel Naivität wollte die Richterin einem Juristen mit 20 Jahren Berufserfahrung dann allerdings nicht abkaufen. Wie taz-Anwalt Jony Eisenberg mitteilte, will GvG gegen das ergangene Urteil Berufung einlegen.

Mehr ist dazu nicht zu sagen. Party on Wayne, Party on Garth. Waynes World. Partytime. Excellent! Ich bin ja nicht sehr oft schadenfroh — aber diesmal kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Auch fällt bei solchen Machenschaften der berühmte Blick auf beide Seiten schwer — wenn man mal bedenkt, womit die Kanzlei da ihr Geld verdient, kann ich nicht wirklich Mitleid empfinden und auf diesen Artikel verweisen. Selbst schuld — nicht nur was das Urteil angeht, auch die Reaktionen der Menschen im Netz. Da hat sich eine Person über Jahrzehnte durch ihr eigenes Verhalten selbst ins Aus gestellt.

27 Antworten zu “Ein Anwalt auf Abwegen [2. Update]”

  1. Super!!!…

    Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat gestern GvG wegen versuchten Betruges zum Nachteil der taz zu sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Kwelle: TAZ

    (via)

  2. Dass ich das noch erleben darf.…..

    Ein gewisser Anwalt aus München (nein, nicht der Bernhard… ich meine den Freiherr) wurde zu sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt. Zwar noch nicht rechtskräftig, aber immerhin. Mal sehen was draus wird. Das Ganze ist wohl für viele von gro…

  3. michfrm sagt:

    > Die Allgemeinheit muss vor Ihnen geschützt werden
    Endlich hat das mal auch ein Außenstehender erkannt 😀

  4. Euro sagt:

    Danke Jungs. Gerade reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt durch, hier in Ostwestfalen. Gerade, als ich das hier gelesen habe. Das wird ein schöner Tag.

  5. […] Hoffentlich nix mehr mit frei, Herr GvG. Schöner Tag, das.   […]

  6. Michael sagt:

    Wenn ihr wüsstet, WER diesen Geist damals beschworen hat, mit und bei wem der Ein– wie Ausgeht, würdet ihr jetzt deutlich hörbar die Luft anhalten und abwarten was passiert…

  7. florian sagt:

    michael, warum so verschwörerisch? namen bidde!

  8. Falk sagt:

    Ich hab grad das Bild eines alten Mannes vor Augen, der aufs Kissen gestützt den ganzen Tag die Nachbarn beobachtet und wegen jedem Kleinscheiss die Polizei ruft. Nur das dieser alte Mann dann vorm Computer sitzen würde…

  9. Chris sagt:

    Michael, halte Dich hier in Zukunft mal ein wenig zurück. Ich hab gestern schon ein Schwachsinns-Kommentar von Dir gelöscht. Dieser hier geht wieder in die Richtung absoluter Blödsinn. Danke.

  10. enterhaken sagt:

    Udo vom lawblog hat dem ganzen einen Daempfer verpasst. So wie es aussieht, wird das Urteil wohl nichts rechtskraeftig, schade.
    Ich haette aber gerne sein Gesicht bei der Urteilsverkuendung gelesen. Dem guten muss doch alles ausm Gesicht gefallen sein? 😉

  11. Chris sagt:

    Selbstverständlich wird der Herr Anwalt in Berufung gehen, klar. Und Udo seine Ausführungen sind auch nur eine Meinung — die muss man nicht als Gott gegeben hinnehmen. Wenn ein Anwalt auf seinem Blog eine Meinung veröffentlicht, die gegenteilig ist zu der offensichtlichen Meinung der Verhandlung führenden Richterin, glaube ich erstmal der Richterin, schaue mir dann die schriftliche Urteilsbegründung an, wenn sie denn veröffentlicht wird, und warte ab.

    Dass der nette Herr Anwalt ab morgen einsitzt hat sowieso niemand erwartet, insbesondere hier nicht.

    Und wenn es der liebe Gott persönlich ist, mal ein wenig differenzieren. Danke.

    Wie mehreren Webseiten mittlerweile zu entnehmen ist, kennt sich der Anwalt wohl im Gerichtsgebäude aus, wäre schlimm, wenn es nicht so ist, nur mittlerweile auch auf der Anklagebank, nicht zum ersten Mal.

  12. enterhaken sagt:

    Schlecht geschlafen Chris? Keine sorge, differenzieren kann ich schon noch ganz gut.

    Wo habe ich geschrieben, dass Udo ein Gott sei?

    In meinem Beitrag steht ledeglich, dass er in seinem Artikel Leute in ihrer freude etwas daempft…

    Also interpretiere hier bitte nichts rein, was ich nicht geschrieben habe und auch nie gemeint habe 😉

    Und nun is wieder gut 😀

  13. Chris sagt:

    Update — der nette Herr Anwalt hat sich mittlerweile geäussert — siehe Artiekl oben.

  14. oldman sagt:

    @Michael,
    von welchem Geist faseln Sie?

    @Falk, Augen schließen und an etwas Schönes denken.

    @enterhaken, daß auch Herr Vetter sich nicht mit einer
    klaren rechtlichen Beurteilung aus eigener Feder zu Wort
    meldet sollte zu Denken geben.

  15. enterhaken sagt:

    Ja, und die aesserung sind … naja…

    // Edit by Chris: Hier ist der Kommentar bereits gelöscht, auf den Du Dich beziehst. Sowas hat hier keinen Platz.

  16. Martina sagt:

    Na, lasst uns doch einfach auf die Veröffentlichung des Urteils warten. Das Berliner Amtsgericht wird es sicherlich auf seinen Heimseiten-Seiten publizieren. 😉

  17. Falk sagt:

    OT: @oldman: Ich bevorzuge dazu dann eher den Gang an die frische Luft und/oder gute Musik. Davon gibts zum Glück mehr, als windige Anwälte.

  18. Chris sagt:

    2. Update — siehe Artikel. Die taz reagiert auf die Aussagen des Herrn Anwalt, der sich im Abmahnrecht sehr gut auskennt.

  19. Chris sagt:

    Ich hatte ja sowas von recht… 😀

    Auf einer gewissen Plattform hat die Korruption Einzug gehalten — ein ursprünglicher Artikel wurde ersatzlos gestrichen, dafür erscheint nun ein neuer. Wie peinlich und was für ein Dreck. 😉

  20. Martina sagt:

    hä? könntest du bitte bitte etwas konkreter werden? Immer diese Anspielungen, also ächt… 😉

  21. Oliver sagt:

    >hä? könntest du bitte bitte etwas konkreter werden?

    Der Satz nennt gar Roß und Reiter.

  22. Martina sagt:

    Oliver, ich habe es inzwischen begriffen.. 😉

  23. […] München ein wenig mit Arbeit überlastet ist. Es gab vor knapp einem Monat ja diesen Fall eines Münchener Anwalts, der sich im Abmahnrecht sehr gut auskennt und der (nocht nicht rechtskräftig) wegen Betrugs […]

  24. […] Vor knapp 2 Monaten wurde ein gewisser Anwalt, der sich im Abmahnrecht sehr gut auskennt, wegen Betruges zu einer Haftstrafe zu 6 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Die Anwaltskammer München scheint seitdem an Überlastung zu leiden. Nun liegt die Urteilsbegründung von Richterin Nissing vor. Dem Angeklagten wird in dem Schriftstück Uneinsichtigkeit vorgeworfen, seine Vorstrafe wurde ihm ebenso negativ ausgelegt — Richterin Nissing führt aus, dass davon auszugehen ist, dass der Angeklagte erneut Straftaten dieser Art begeht. Ein Best-of aus der Urteilsbegründung: […]

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