Dunkle Wolken im Land der Freiheit

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Bild: Spiegelfechter

Über die in Berlin neu gegründete rechtspopulistische Partei «Die Freiheit» hatte ich schon ein paar Zeilen geschrieben. Mittlerweile ist genau das eingetreten, was zu erwarten war — es gab ein wenig Aufmerksamkeit wegen des Auftritts des rechten Muttersöhnchens Geert Wilders in Berlin, aktuell ist ein Hauen und Stechen innerhalb der Parteiführung zu beobachten. Vielleicht sollten sich die Herren Stadtkewitz, Doll und König bei RTL um eine Soap Opera bewerben — es ist wirklich interessant zu sehen, dass bei der Partei «Die Freiheit» in Rekordzeit genau das eingetreten ist, wofür andere rechtspopulistische Parteien Monate oder gar Jahre brauchen. Das beschlossene Grundsatzprogramm bestätigte alle Befürchtungen, dass es sich bei der Partei um ein Auffangbecken für die rechte Szene handelt, Stefan «Aaron» König distanzierte sich erst von seinen neuen Freunden um dann den Medien die Schuld zu geben, er sei doch falsch zitiert worden. Aufmerksame Beobachter sehen das natürlich anders. Und dann war da noch das Intermezzo der rechtsnationalen Rapperin «Dee Ex», die auf den Seiten ihrer Fans bis hin zu DVU sehr schnell mit selbigen ins Gespräch kommt. «Dee Ex» stieg erst ein, dann aus — Comedy vom Feinsten. Ab dem Wochenende wird aus der DVU im Übrigen ein Teil der NPD. F!XMBR liegen drei Rundschreiben vor, die an die Mitglieder des Forums «Die Freiheit» auf Mixxt verschickt wurden — ironischerweise hat man sich dort mittlerweile in «Netzwerk 21″ umbenannt. Man kommt mit dem Lachen gar nicht mehr nach.

Das erste Rundschreiben vom 31. Oktober weist die Gefolgsleute auf das Grundsatzprogramm der Partei hin, es stehe «im Widerspruch zu den wichtigsten Zielen der Gründer und Betreiber dieser Community». Die Mitglieder werden aufgefordert, sich selbst ein Bild zu machen. Das Rundschrieben wurde einen Tag nach der Distanzierung Königs an die Mitglieder verfasst. Am 01. November schwang Stefan «Aaron» König erneut die Feder und wandte sich an seine Freunde. Ganz im Sinne von Politically Incorrect fordert er seine Leute auf, Ortsgruppen zu gründen, sich untereinander zu treffen — das Forum in die reale Welt zu tragen. Als Vorbild nennt er die Düsseldorfer Gruppe «108». Ebenso werden die Mitglieder aufgefordert, ihre Anonymität abzulegen, Fotos von sich hochzuladen — man soll dazu stehen, was man tue.

So weit, so gut. Viel interessanter ist das dritte Rundschreiben, verfasst von Andreas Pokladek, welches einen wunderbaren Einblick in die Grabenkämpfe innerhalb der Partei bietet. Pokladek bestätigt, dass gerade die Partei, die für direkte Demokratie und Transparenz in der Politik eintreten will, ihr 72-seitiges Grundsatzprogramm schnell und heimlich im Hinterzimmer gestrickt hat. Der Buhmann ist auch schnell ausgemacht: «Es waren plötzlich pro Teammitglied drei weitere stimmberechtigte Gründungsmitglieder zugelassen, so dass der national-konservative Flügel um Mark Doll leichtes Spiel hatte, das Programm abnicken zu lassen, und in einer Kampfabstimmung einen Vertrauten von Mark Doll statt Aaron in den Vorstand zu wählen.»

Pokladek fasst das Ergebnis als «national, bibeltreu, esoterisch, völkisch, ultrakonservativ sowie versteckt schwulenfeindlich zusammen». Man hätte es auch kürzer ausdrücken können: rechtspopulistisch und islamfeindlich. Rückgrat jedoch haben auch König, Pokladek und ihre Mitstreiter nicht. Der ersten Empörung folgte der pure Pragmatismus. Aufgrund der großen Zustimmung auf Facebook und insbesondere Politically Incorrect wurde die Arbeit fortgesetzt, es gab geringe kosmetische Korrekturen am Grundsatzprogramm. Und es geht natürlich weiter.

Pokladek spricht davon, dass er und König blauäugig waren — und das angeblich auch Stadtkewitz von dem Ergebnis überrascht war. Was hier versucht wird, ist klar: Stadtkewitz, König und ihre Mitstreiter werden gegen Doll und seine Anhängerschaft in Stellung gebracht, Doll der schwarze Peter zugewiesen und angegriffen. Wohin der Hase jedoch programmatisch laufen wird, ist auch klar, Pokladek spricht mehrfach von «Islamkritik» und «Migration».

Die Partei «Die Freiheit» ist und bleibt eine rechtspopulistische Partei — siehe auch Telepolis zu dem Thema. Die Rundschreiben zeigen, dass es in erster Linie nicht um kleinere inhaltliche Differenzen geht, sondern um die Macht innerhalb der Partei. Marc Doll hat die Gunst der Stunde genutzt und während der Abwesenheit Königs Getreue von sich im Parteivorstand durchgesetzt und damit praktisch die Führung der Partei übernommen. Genau dieser Punkt ist Stefan «Aaron» König und seinen Gefolgsleuten sauer aufgestoßen. Was die Islamfeindlichkeit angeht, bleiben die Herrschaften voll und ganz auf einer gemeinsamen Linie.

Mit dem Namen Sarrazin sollen am rechten Rand die Wählerstimmen aufgesogen werden. Es ist aber heute schon absehbar, dass die Partei nur ein Treppenwitz der Geschichte bleiben wird. Die Rundschreiben offenbaren einen Politdilettantismus, der seinesgleichen sucht. Es ist wie in allen rechten Partien: die Ausländerfeindlichkeit verbindet, ansonsten trennen die Mitglieder Welten und man kämpft um die Macht. Fortsetzung garantiert: Marc Doll wird sich diese Vorwürfe sicher nicht gefallen lassen.

Fehlt nur noch Sex, dann könnte RTL wirklich interessiert sein…

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9 Antworten zu “Dunkle Wolken im Land der Freiheit”

  1. vera sagt:

    Hey, da lässt sich doch was finden, die können das :]

  2. Warum hat sich diese Partei überhaupt gegründet? Es gibt doch schon die PBC und die NPD, da braucht es nicht noch eine Partei…

  3. Thaniell sagt:

    @der Nachdenker: Weil die ganzen freiheitsliebenden konservativen «man muss das doch mal sagen dürfen»-Heiner doch nicht ‘rechts’ sind, oh nein, die treten doch nicht bei Faschos ein… nein nein zum Großteil regiert da eine hübsche kognitive Dissonanz: wir wollen zwar lauter rechte fascho-Sachen, verdrehen uns aber die Welt so dass wir ja gar keine rechten **** sind, sondern ehrenwerte Freiheitskämpfer. Und die wählen dann so eine Partei, die ihren inneren Kampf hier ja auch noch aufs genauste als Theaterle vorspielt…

  4. @Thaniell
    Wo bleibt dann der Verfassugsschutz?

  5. markus sagt:

    @ nachdenker … hat vermutlich bereits an der satzung mitgeschrieben …

  6. @markus
    warscheinlich… Wer weiß, vielleicht hat er auch was mit dem Streit in der Partei zu tun — damit sie sich selbst zerfleischen…

  7. Unwissender sagt:

    In Deutschland wird es keine rechte einflussreiche Partei mehr geben, selbst die CDU steht ja mittlerweile fast schon in der Mitte.

    Und das ist auch gut so !

  8. Chat Atkins sagt:

    Immer die gleiche Intellektferne bei den Rechten: Sie riefen die Geister — aber es kam keiner, auch nicht über sie. Niemand kann nämlich zugleich denken und ‘rechts’ sein, das wäre gewissermaßen die ideologische Quadratur des Kreises …

  9. canuck sagt:

    Ich seh das Problem auch genau so, wie Thaniell es gut beschrieben hat: Da draußen ist ne gehörige Menge tiefbraunes Gedankengut unterwegs; nur beschwören die Träger jedes Mal hoch und heilig, dass sie ja immer gleich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt würden, nur weil sie mal die Wahrheit bzw. «Volkes Meinung» kundtun würden. Auf derselben Welle schwimmen ja dann auch gleich immer die ganzen Möchtegern-Tabubruch-Bücher und –Medien mit. Namen brauch man da mittlerweile sicherlich keine mehr zu nennen…

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