Distro-DJs

Was ich mich manchmal frage, wenn ich da durch diverse Foren, Newsgroups etc. stolpere — was bringts? Was bringt es mal zwei Monate bei dem einen System zu verweilen, mal zwei Monate bei dem anderen oder gar mehrmals im Monat das Distro-Karussell anzuwerfen? Ich nutze nun seit 95 Linux, diese magische Zahl hatte mit der Ausbildung zu tun, es waren also glückliche Umstände dabei, nebenher fröhnte ich vor allem ob Photoshop (nach meinem seligen Performa) diversen NT System von 4 bis letztlich XP. Da begann ich mit Slack, das auf den berühmten Walnut Creek CDRömern (war halt hübsch billisch ;)) daherkam, da gabs die ersten RedHats und auch gar mal Suse, Debian war lange der Partner (Potato) usw. Debian war letztendlich für knapp 7 Jahre die hauptsächliche Distro.

Als ich einen ehemaligen Schulfreund sah, der da bei FreeBSD Entwickler ist, schaute ich mir auch diese System mal etwas genauer an — weniger die Installation, erst einmal die umfangreiche Doku, eine besondere Sache im Opensource Bereich. Das rundum stimmige System, das seine Ursprünge Mitte der 70er hat, hatte es mir da angetan und begleitet mich nun seit knapp zwei Jahren. Nebenher schaue ich beispielsweise mal in Linux herein, z.B. dem hier desöfteren erwähnten ArchLinux. Einfach so der Blick über den Tellerrand, ohne jetzt wirklich dazwischen hin– u. herzuwechseln. Warum? Nun ich halte diese Distro-DJs, das Gros der Linux Anwender, auf gewisse Art und Weise für schädlich, schädlich für eben dieses gewählte System. Denn wo entwickelt sich das System weiter, wer meldet Fehler, wer hilft mit? Richtig, die anderen. Nur welche anderen? Viele Systeme haben Probleme mit fehlenden Helfern, beitragen kann jeder etwas, ob mit Spenden, Doku, als Developer etc. Stattdessen aber springt man beim kleinsten Problem, weiter zu nächsten Distro.

Und nein man braucht nicht wirklich drüber zu diskutieren. Ach, man muß sich erst ein Bild machen, da gabs halt schon arge Mängel, alles keine Sache, nur viele bemerken nicht mehr das da schon oft 1–2 Jahre verstrichen sind. Und man wird sie nie finden, wenn man denn nicht einmal mal stop sagt und sich wirklich einer einzigen Distro widmet. Darüber hinaus ist es ein Trugschluß, wenn man denn vermeint etwas zu lernen, zu verschieden sind zum Gros die Linux Distros untereinander und wer da nicht schon eine vernünftige Basis mit sich bringt, wird auch den gemeinsamen Nenner zw. diesen Systemen nie erkennen. Im Gegenteil, man wird sich massivst an Oberflächlichkeiten aufhalten, in Form von Distro-spezifischen Eigenheiten. Man hat dann zwar irgendwie Erfahrung, aber die ist ähnlich der Nutzung von Word und diversen Windows-Versionen. En detail ist da nichts …

Man kann etwas besseres finden, bricht man aus dem Linux-Karussell aus. Möchte man jedoch drin verbleiben, egal aus welchen Gründen, so sollte man irgendwann stoppen und sich voll und ganz einem System widmen. Opensource lebt nun mal von der Mitarbeit und nicht vom andauernden Wechsel. Teils ist das Problem schon hausgemacht, denn anstatt das ein Entwickler dem System der Wahl zu Hilfe kommt, bastelt er lieber ein eigenes — so entstand auch das Distro-Babel. Ego-Trip, mangelnde Team-Fähigkeit, Kleinkind-Mentalität — das sind die Merkmale, die sich durch Opensource hindurchziehen.

Warum nun jemand den DJ mimt, sei diesem überlassen. Allerdings sollte man einmal in einem wachen Moment überlegen, was man denn da tut, auf was Opensource basiert, wie ein freies Betriebssystem entsteht — die reine Verbrauchermentalität sollte man schnellstens ablegen. Diese ist etwas für Produkte, die man mit Geld entlohnt, nicht aber für den Bereich Opensource. Hier ist aktive Mithilfe angesagt und man hilft keinem, jongliert man denn fortwährend mit diversen Distros. Es ist ähnlich wie mit dem Auto fahren, man kann zwar beinahe jedes Auto fahren, aber keines davon wirklich gut. Man lernt nicht Linux, man lernt Distro XYZ — erst wenn man sich viele Jahre intensiv mit einem System beschäftigt, lernt man auch auf Dauer diverse Kleinigkeiten kennen, die wiederum gemeinsamer Nenner in puncto der anderen System sind. Zudem kann man dem System aktiv helfen, die endlosen Postings in Foren mögen zwar nett sein, da kann man kräftig jammern und es wird einem auch oft geholfen, aber es hilft nicht dem System. Denn bei tatsächlichen Bugs, müssen diese auch gemeldet werden, die Entwickler lesen in der Regel nicht in Foren, man findet sie auf Mailinglisten, das ist eben der Informationsextrakt, der bequemer zu handhaben ist als im Vergleich ressourcenhungrige und unübersichtliche Foren/Weblogs. Man kann also zetern, demonstrativ die Distro wechseln, man erreicht damit nichts, weder hilft man, noch erfahren die Verantwortlichen überhaupt etwas davon — ebenso gut hätte man seinen Schreikrampf auch auf dem Klo ausleben können.

Drum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch ne bessere findet, ist in vielerlei Hinsicht ein fehlgeleiteter Ratschlag. Man findet immer etwas anderes, sucht man denn nur lange genug danach, es wird immer neu und somit besser sein. Letzteres kann man aber kaum ob oft gewechselter System en detail beurteilen, da fehlt dann halt die tatsächlich tiefschürfende Erfahrung. Mitunter sieht man ein ähnliches Verhalten bei diversen Junggesellen, man ist bei beidem quasi auf einer Gralssuche. Wo findet man Seelenheil? Im Prinzip nie, denn das Problem liegt wie sooft weniger im System begründet, sondern dem eigenen Mangel an Fähigkeit und der Bereitschaft diese Mängel auszubügeln — die Lernkurve kann steil sein, aber zukünftige lassen sich in der Regel schneller meistern, gerade eben wegen dieser gemachten Erfahrung. Wenn man sie aber nie macht und Erfahrung == Distro-DJ setzt, dann wird da nichts draus … man kennt alles und irgendwie kennt man doch überhaupt nichts.

Die Gemeinschaft bei Opensource-Systemen ist heute nur noch selten zu finden, man steht mit einer Erwartungshaltung davor, Hype etc. sind da auch als Gründe zu nennen, aber auch massive Faulheit, die eigene Konsumhaltung zu überwinden und aktiv für lau mitzuhelfen — einfach so, just for fun, damit das System der Wahl besser wird, damit Opensource gesamt nach vorne kommt. Stattdessen warten man und hofft insgeheim auf das Windows-Pendant, das System das für lau daher kommt, automatisierend Sicherheit verschafft, alle Probleme abfängt egal wie dum man sich auch anstellt, stabil bla bla usw. ist. Das gibts eben nicht, die freien Systeme liefern eine gute sichere und stabile Basis, man muß viel lernen, man muß Erfahrungen sammeln, man muß mithelfen — damit Ansprüche daran auch Wirklichkeit werden. Die sichere und stabile Basis bieten Systeme abseits von Opensource-Gefilden im Prinzip keine, in diesem Umfang — dort muß man glauben, vertrauen, was der Hersteller vollmundig verkündet, lernen aber muß man auch dort — lernen muß man überall. Auch Windows könnte man ein Teil der Problematik nehmen, wären die Leute bereit endlich einmal zu lernen, anstatt von in Faulheit geborenem crap a la einschalten und nutzen zu fabulieren. Das gibt es weder beim Mac, noch bei Windows … das ist PR-Bullshit für Debile, verbreitet von Leuten, die mal ausgiebig lernten, viele Jahre Erfahrung mit sich bringen, aber zu willigen Evangelisten verkommen sind. Engagement ist klasse, nur sollte man sich nicht Hype aka Lügen ergeben.

Nutzen, mitmachen, anderen helfen etc. — das ist Community, das ist Opensource. Konsumhaltung zerstört Opensource und freie Betriebsysteme! Man wird nicht gezwungen diese zu nutzen, tut man dies jedoch, sollte man auch etwas zurückgeben.

2 Antworten zu “Distro-DJs”

  1. Grainger sagt:

    Einschalten und Nutzen gab es imho noch bei keinem System, die Werbung (egal für welches OS) versucht aber den Kunden genau das zu suggerieren.

    Und das bei Kunden, die schon mit der Programmierung eines Videorekorders überfordert sind. 😉

    Ich persönlich finde die Vielzahl der Linux-Distributionen auch eher kontraproduktiv, ich trage mich ja jetzt schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken eines erneuten Einstiegsversuches in Linux (auch wenn ich momentan berufsbedingt mal wieder zu wenig Zeit und somit auch Lust dazu habe), aber allein die Suche nach einer geeigneten Distribution kann einen umstiegswillen Windowsjünger schon zur Verzweifelung treiben. 😀

    Ich habe meine diesbezüglichen Pläne aber ohnehin erst mal zurückstellen müssen, vielleicht habe ich ab Herbst wieder etwas mehr Zeit und Muse dazu.

  2. Filzo sagt:

    Die Vielfalt der Distris machte es mir auch schwer einen Einstieg zu finden. Man kann den Ein– und Umsteigern im Allgemeinen dazu raten sie die Distri zu besorgen die auch ein Freund/Bekannter/Wieauchimmer hat und mit dessen Hilfe seine ersten Schritte wagen. Stellt man fest, dass einem die Distribution nicht zusagt kann man immer noch wechseln…

    Ich habe ‘damals’ mit Fedora Core 2 angefangen, habe Debian, Ubuntu, Gentoo und Co. durchprobiert und benutze momentan ArchLinux — meiner Meinung nach stellt es die perfekte Mischung aus einem komfortablen Paketmanagement und der Aktualität der Pakete dar.

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