Direkte Folgen der Vorratsdatenspeicherung

Dass die Vorratsdatenspeicherung nun auch für den Mainstream direkte Folgen hat, wird immer mehr offenbar. Wenn ich mal meine persönliche Kommunikation beobachte, so ist die Verschlüsselung der eMails, der Kommunikation per Jabber, aber auch der Festplatte usus geworden. Was vor dem 01. Januar 2008 noch vereinzelnd, manchmal auch aus dem einfachen technischen Interesse heraus angewandt wurde, wird immer mehr zum Standard. Die typische Frage, erkläre doch mal bitte. Und das ist auch gut so. Verschlüsselung wird nicht mehr per se als Nerdtum angesehen, man zeigt Interesse, wenn auch noch an manchen Stellen oberflächlich. Das Interesse zeigt sich auch dadurch, über welche Suchbegriffe die Leute zu F!XMBR finden. Unsere TrueCrypt-Anleitungen gehören zu den meist gelesenen Artikeln hier auf F!XMBR. Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung hat eine Umfrage unter 8.000 Personen durchgeführt, ob die Vorratsdatenspeicherung Auswirkungen auf die eigene Kommunikation gezeigt hat. Die interessantesten Reaktionen hat Rechtsanwalt Starostik nun zusammengefasst und als Ergänzung zur Klage gegen die Vorratsdatenspeicherung an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe geschickt.

Politische Themen werden im Internet nicht mehr angesprochen, man hält sich aus Foren mit dieser Thematik zurück. Handys werden nicht mehr angeschaltet, damit kein Bewegungsprofil erstellt werden kann. Rechtsanwälte und Steuerberater berichten davon, dass jede noch so kleine Angelegenheit nun vom Klienten persönlich besprochen werden will, es wird dem Telefon und der eMail nicht mehr vertraut. Der Kontakt mit der Familie in arabischen Ländern wird auf ein Minimum runtergeschraubt, um nicht aufzufallen. Opfer von Gewalt, Missbrauch kommunizieren mit anderen Opfern nicht mehr um sich gegenseitig zu helfen, weil die große Angst da ist, dass die Anonymität nicht mehr vorhanden ist. Journalisten haben Probleme, mit Informanten in Kontakt zu treten — das persönliche Gespräch wird verlangt, Telefonate, Kontakt per eMail abgelehnt. Unternehmen schicken sensible Dinge, wie Konstruktionszeichnungen nicht mehr per Mail oder Fax, sondern fordern, dass der Kunde diese abholt. Für kleinere Firmen nicht zu bewältigen, es gehen Aufträge verloren, Arbeitsplätze müssen abgebaut werden. Die Kommunikation mit den Kunden wird erheblich erschwert. Kunden weigern sich, per eMail oder Fax Dinge zu besprechen. Wegen jeder Kleinigkeit müssen Termine gemacht werden. Ärzte berichten ebenso Erschreckendes. Patienten trauen sich nicht mehr, überhaupt Kontakt aufzunehmen. Seelsorger beschreiben ähnliche Erfahrungen. Rechtsanwalt Starostik schreibt an das Gericht:

Die Zahl der befragten Personen entspricht nur einem geringen Teil der Bevölkerung. Rechnet man den Anteil derjenigen Befragten, die von Nachteilen berichtet haben, aber auf die Bevölkerung der Bundesrepublik hoch, so führte die Vorratsdatenspeicherung bei  Millionen von Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu Störungen oder Einschränkungen ihrer Kommunikation. Neben der statistischen Betrachtung darf nicht vergessen werden, dass schon ein einzelner Fall, in dem etwa ein Patient auf ein Telefonat verzichtet, dessen Leben kosten kann.

Das Schreiben kann hier heruntergeladen werden (PDF, 144 KB).

10 Antworten zu “Direkte Folgen der Vorratsdatenspeicherung”

  1. Stefan sagt:

    Da haben wir dem Herrn Schäuble doch durchaus Positives zu verdanken.
    Wo in der Vergangenheit Geheimdiensten Tür und Tor offenstand, weil sich keiner über Verschlüsselung gedanken gemacht hat und schon damals im Zweifelsfall überwacht werden durfte, fängt nun sogar schon die breite Masse an zu verschlüsseln.
    Herr Schäuble hat damit eher das Gegenteil von dem erreicht, worum es ihm anfangs ging, das Gros der Leute hat damit aber eine Menge mehr Sicherheit unter der Haube…

  2. Chris sagt:

    Genau das ist der völlig falsche Ansatz. Ich will in keinem Land leben, indem der Bürger dem Pfarrer, dem Steuerberater, dem Journalisten, dem Arzt, dem Seelsorger, uswusf. nicht mehr vertrauen kann.

    Wenn das nun als Kollateralschaden angesehen wird, damit die Leute endlich verschlüsseln, fände ich das ziemlich perifde argumentiert… 😉

  3. Stefan sagt:

    Fakt ist, dass die Politik früher oder später merken wird, dass sie da Mist gebaut hat. Und wenn solche Gesetze eben erst in Karlsruhe gestoppt werden…
    Dass die breite Masse für dieses Thema sensibilisiert wurde, wird, auch wenn entsprechende Gesetze wieder moderater werden, nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was da einmal da war, verschwindet nicht wieder.
    In einem Land leben, in dem ich Vertrauenspersonen keine Geheimnisse mehr mitteilen kann, will ich auch nicht. Ich sehe den momentanen Zustand aber wie oben beschrieben als Übergangs– / Ausnahmezustand, der eines Tages auch wieder sein Ende finden wird.
    Was dann aber NICHT sein Ende finden wird, sind Geheimdienste, Kriminelle und Google ;), die aus welchen Gründen auch immer ein Bedürfnis haben an unsere Daten zu kommen. Damit werden sie aber in Zukunft, dank der von Schäuble angeschobenen «Umdenke», ein Problem haben.

  4. kobalt sagt:

    «Ich will in keinem Land leben, indem der Bürger dem Pfarrer, …»

    Ich frage mich gerade, wieviele moslemische (oder heißt es muslimische?) Extremisten zu einem evangelischen oder katholischen Pfarrer in die Beichte gehen um dem von ihren Attentatsplänen zu erzählen und wieviele Terroristen ihrem Steuerberater von ihren Absichten erzählen, oder ihrem Seelsorger. Gibt es Seelsorger für Muslime?

  5. Stefan sagt:

    Oh, diese Diskussion würde ich lieber nicht lostreten, die bekommen wir in unserem jetzigen Leben nicht mehr fertig.
    – Wie viele Terroristen laufen am Flughafen mit ner Bombe in der Hand vor der Überwachungskamera rum?
    – Wie viele Terroristen versenden ihre Mails über Goggle/GMX/Yahoo ohne irgendeine Sicherung?
    – Wie viele Terroristen nehmen ihr Handy und rufen bei ihrem Terrorchef an?
    – Wie viele Leute können in einem Flugzeug aus den dort verbotenen Gegenständen gefährliche Dinge bauen? Und wie hoch ist die Gefahr, dass sie es selbst ohne Gegenstände die Teil dieses Verbots sind trotzdem schaffen?



    Aber am wichtigsten finde ich noch immer die Frage:
    – Warum trauen sich normale Menschen ob dieser extremen Gefahren überhaupt noch aus dem Bunker?!?

    «Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.» — Benjamin Franklin

  6. kobalt sagt:

    Stefan:
    Eben. Die Sache ist absurd. Deshalb muß man fragen, wer der Nutznießer der Überwachung ist.

  7. Grainger sagt:

    Deshalb muß man fragen, wer der Nutznießer der Überwachung ist.

    Zumindest die Hersteller der Überwachungsgeräte werden da schon ganz gut dran verdienen, dann müssen die Daten ja auch erhoben, gesichtet, ausgewertet, gespeichert und sicher verwahrt werden.

    Selbst wenn die Daten letztendlich nutzlos sein sollten, da kann sich ein ganzer Wirtschaftszweig drumherum aufbauen und etablieren.

    Und wo sich ein neuer Wirtschaftszweig entwickelt, da winken auch Aufsichtsrats– und Vorstandsposten, Beraterhonorare, Vorträge, usw. Also alles, was unsere Politiker sich so als Nebenjob erträumen.

    Und wenn die politische Karriere sich ihrem Ende nähert kann man in solchen Jobs immer noch ein paar Jahre überwintern.

  8. […] Das kann ich nur bestätigen der Beitrag TrueCrypt wird bei mir sehr oft aufgerufen und auch Vorratsdatenspeicherung Dass die Vorratsdatenspeicherung nun auch für den Mainstream direkte Folgen hat, wird immer mehr offenbar. Wenn ich mal meine persönliche Kommunikation beobachte, so ist die Verschlüsselung der eMails, der Kommunikation per Jabber, aber auch der Festplatte usus geworden. Was vor dem 01. Januar 2008 noch vereinzelnd, manchmal auch aus dem einfachen technischen Interesse heraus angewandt wurde, wird immer mehr zum Standard. Die typische Frage, erkläre doch mal bitte. Und das ist auch gut so. Verschlüsselung wird nicht mehr per se als Nerdtum angesehen, man zeigt Interesse, wenn auch noch an manchen Stellen oberflächlich….weiter lesen […]

  9. […] des Kommunikationsverhaltens? Gefunden auf der grauen Zone, weitergeleitet auf den Ursprung fixMBR. Dort gibt es auch eine TrueCrypt Anleitung. Politische Themen werden im Internet nicht mehr […]

  10. […] ein wenig dauern, bis der Trümmerhaufen SPD beiseite gefegt wurde. Aber — wat kütt dat kütt. Direkte Folgen der Vorratsdatenspeicherung: Politische Themen werden im Internet nicht mehr angesprochen, man hält sich aus Foren mit dieser […]

RSS-Feed abonnieren