Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr

Einer meiner Arbeitskollegen plant, auszuwandern. Als wir neulich im kleinen Kreis darüber sprachen, fiel der Satz: Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr. Es gab Niemanden, der widersprochen hat. Man muss nur einmal in die Hamburger U-Bahn steigen und in die Gesichter der Menschen schauen. Es wird nicht gelacht, Fremde beäugen Fremde und wenn man es wagt, sich hinzusetzen, erntet man böse Blicke und der Nachbar rutscht so weit weg, wie möglich. Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel haben dieses Land verändert – die Politik hat den Menschen die Luft zum Atmen genommen, jegliche Lebenslust wird erstickt. Die da oben machen, was sie wollen, ist zum Standardsatz einer ganzen Generation geworden. Sieht man die Menschen, sieht man ihre Hoffnungslosigkeit. Spricht man mit ihnen, hört man ihre Wut. Redet man mit ihnen, spürt man in jedem Satz ihre Fassungslosigkeit. Unsere Gesellschaft taumelt am Abgrund entlang – und es scheint, als gäbe es kein Zurück mehr.

Nach 16 Jahre Helmut Kohl herrschte 1998 in diesem Land eine große Aufbruchstimmung, Rot-Grün wurde gefeiert, die Menschen hatten wieder Hoffnung. Diese Hoffnung wurde schnell begraben, Lafontaine trat zurück, politisch änderte sich in den Folgejahren praktisch gar nichts, bevor 2002 Gerhard Schröder seine Agenda 2010 verkündete. Seitdem ist Nichts mehr so, wie es einmal war. Die Schwächsten dieser Gesellschaft werden diffamiert, in ein unwürdiges Leben gezwungen und selbst die Mittelschicht erodiert, steht selbst kurz vor Hartz IV. Auf der anderen Seite explodieren die Großvermögen, Banken verzocken Milliarden, die aktuell Bundesregierung betreibt Klientelpolitik und hat sich scheinbar kaufen lassen – jegliches Handeln und jegliche Äußerung von Merkel und Westerwelle ist aktuell darauf ausgelegt, sich bis zur NRW-Wahl im Mai durchzuwurschteln. Wolfgang Schäuble kündigt bereits harte Sparmaßnahmen des Sozialstaats an – natürlich ohne konkrete Aussage, Mitte des Jahres werde man sich zusammensetzen.

Die SPD existiert nur noch auf dem Papier – sie ist zu einer kleinen Mischung aus Union und FDP verkümmert. Eine funktionierende Demokratie lebt insbesondere davon, dass die Opposition den Menschen eine Alternative zur Regierungspolitik anbietet – davon ist bei der SPD nichts zu sehen. Selbst die Grünen sind im so genannten Establishment angekommen – Glaubwürdigkeit ist unter Schröder und aktuell in Hessen meistbietend verkauft worden. Die Opposition ist kopflos, unglaubwürdig und im derzeitigen Zustand mit dem aktuellen Personal überflüssig.

Das sind alles Punkte, die bekannt sind und schon oft dargelegt wurden. Nicht nur, dass viele Beobachter der politischen Kaste darauf immer wieder hinweisen – auch die Menschen wissen und spüren es. Viele Bürgerinnen und Bürger mögen blind sein – doch sie können im Dunkeln sehen. Gestern Abend habe ich zwei ältere Männer beobachten können, sie kamen wohl gerade von der Arbeit, saßen im Blaumann und mit einem Fläschchen Bier in der U-Bahn und ließen sich über die da oben aus. Man würde die beiden nicht wirklich in einer politischen Diskussion sehen – und doch, mit einfachen Worten gaben sie das wieder, worauf F!XMBR und andere Publikationen seit Jahren hinweisen. Die Diskussion endete mit den Worten: Wir haben wenigstens noch einen Job.

Die Betonung lag dabei auf noch und man spürte in dem Moment nicht nur das Wissen darum, dass der Job nächste Woche schon wieder obsolet sein kann, sondern auch die Unzufriedenheit, die ganze Hilflosigkeit, an dieser Situation etwas ändern zu können. In diesen beiden Menschen manifestierte sich für mich der Satz meines Arbeitskollegen: Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr. Die Menschen haben aufgegeben, sie glauben nicht mehr daran, dass sich etwas verbessern wird. Das Gegenteil ist der Fall, sie erwarten, dass es noch viel schlimmer kommen wird. Unsere Gesellschaft ist ernsthaft krank, die Menschen haben kaum noch Hoffnung, diese Gesellschaft hat keine Ziele mehr. Die Menschen leben von einem Tag in den anderen, in der Erwartung, es werde alles noch viel schlimmer. Jegliche Zukunftsvision — die Hoffnung auf bessere Zeiten – wird von der Politik bereits im Keim erstickt.

Wird sich vielleicht unsere nachfolgende Generation aus diesem Klammergriff befreien? Ein Sechser im Lotto ist wohl wahrscheinlicher – noch viel mehr als den Alten, ist den Jungen das Engagement für einen Aufbruch, für positives Denken, die Hoffnung auf bessere Zeiten abhanden gekommen. Hier liegt die größte Sünde der so genannten Elite – viele Kinder wissen bereits, dass sie nichts vom Leben zu erwarten haben, sie einfach nur funktionieren müssen. Funktionieren sie nicht, werden sie vom Staat und der Gesellschaft hart bestraft. Und sie können darauf zählen, dass es ja genau richtig sei, was mit denen da unten gemacht wird. Genauso, wie es richtig ist, über Studenten, Beamte und Rentner herzuziehen, diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Die deutsche Politik hat sich eine wunderbare Generation herangezogen – es herrscht ein Gegeneinander und so kann die Politik handeln, wie sie es für richtig hält ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Wenigstens eine Linie, die klar erkennbar ist…

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68 Antworten zu “Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr”

  1. wo bleibt eigentlich die revolution? sagt:

    zeit aufzustehen„,

  2. Chat Atkins sagt:

    Schöner Text — deckt sich mit meinen Beobachtungen. Das ist eben die Kehrseite eines falsch verstandenen ‘Individualismus’, der uns von oben fürs große Rattenrennen unentwegt gepredigt wird: Hauptsache, ICH wurschtele mich ‘individualistisch’ irgendwie durch. Alle anderen nenne ICH dann Loser, schon bin ICH was Besseres. Auch wenn ICH ein Willi Würstel bleibe, das keinerlei Fußspuren hinterlassen wird. Wobei ich in jedem Assessment-Center zeige, wie angepasst ich als Pseudo-Person bei allem individualistischen (falschen) Bewusstsein doch bin: Ich hoppele mit all den anderen brav über jede hingehaltene Benchmark …

    Die früheren ‘kollektiven Zeiten’ boten sehr viel mehr Individualismus, auch wenn du Teil einer durch Lebenstil und wesentlich gleichförmigere Werte geeinten Gruppe warst. Nichts war beispielsweise so ‘bunt’ und individualistisch wie die Hippie-Zeit …

  3. Wo soll ich jetzt anfangen? Und wie soll ich dem Geschriebenen gerecht werden und doch ansprechen, was mich stört. Ich fange einfach mal an. Ich finde ..

    .. dass Du den Ist-Zustand einerseits richtig beschreibst. Auch mir begegnen diese beiden älteren Männer tagtäglich (im übertragenen Sinne), auch ich führe nicht selten Gespräche und nehme eine große Niedergeschlagenheit wahr und dennoch komme ich an manchen Stellen zu anderen Schlussfolgerungen.

    .. dass wir nicht wieder davon sprechen sollten, dass »die Jungen« (wer ist das eigentlich?) die Sache richten sollten oder »die Alten« oder »die Karierten« oder »die Gestreiften«. Einmal mehr werden da Gräben zwischen geöffnet, die es eigentlich in so großem Ausmaß gar nicht gibt. Schließlich werden wir alle schlecht regiert und alle zusammen machen wir dagegen herzlich wenig.

    Nach meinem Eindruck bringt es uns nicht weiter, wenn wir immer wieder analysieren, dass uns Kohl, Schröder, Merkel, Westerwelle & Co. Schlecht regieren und das Land in eine Krise geführt haben. Bei allem Respekt: das wissen wir doch schon seit Jahren.

    Was ich vermisse

    Zuforderst eine Art Disclaimer: Alles, was ich nachfolgend sage und schreibe, gilt für mich persönlich (ich bin nicht mehr wirklich jung aber eben auch noch nicht alt) genauso wie für »die Anderen« ;).

    Ich vermisse die Bereitschaft, für Veränderungen zu arbeiten. Ich vermisse es, dass arme Rentner (die es trotz großer Vermögen ja zeitgleich ebenfalls gibt), kranke Menschen, die nicht die Versorgung bekommen, die ihnen zusteht, dass Studenten, Lehrlinge, Arbeiter, Angestellte, Freiberufler etc. gemeinsam auf die Straße gehen und zunächst mal durch wirklich große Demonstrationen »denen da oben« eindeutig klarmachen, dass es so nicht geht. Erst dann sollte man sich wieder aufteilen und einfordern, was man jeweils braucht. Das würde auch verhindern, dass einzelne Gruppen aufeinander einkloppen (die Jungen auf die Alten, die Gesunden auf die Kranken, die Dünnen auf die Dicken, die Arbeit-Habenden auf die Arbeitslosen, die Arbeitslosen auf die Ausländer etc.).

    Ich vermisse Rückgrat im tagtäglichen Leben. Nicht nur die aus der Politik sind oder wirken rückgratlos. Jeden Tag kannst Du da draußen im Leben sehen, wie sich Menschen unterbuttern lassen, obwohl sie im Recht sind. Sie könnten dies oft auch durchsetzen, aber das ist ja so unbequem. Da muss man ja manchmal den Mund aufmachen. Ach, in wie vielen Situationen war ich beinahe alleine derjenige, der unangenehmes angesprochen hat, der Konsequenzen gezogen hat. Wo haben all die Menschen da draußen ihr Rückgrat gelassen? Die Bedingungen sind nicht danach? Im jedem Fall? Wer soll das glauben! Das richtige zu tun war noch niemals bequem. Aktuell scheinen wir in einer Zeit zu leben, in der jeder jeden kritisiert. Man zeigt auf den anderen und lenkt dabei vor allem von sich selbst ab.

    Politik ist wie der kleine Mann. Oder umgekehrt

    Oskar Lafontaine hat sich für mich persönlich als Alternative erledigt. Dennoch kann ich mich an einen Kalzlerkandidaten Lafontaine erinnern, der gegen Helmut Kohl antrat und damals dem Bild der bald blühenden Landschaften im Osten widersprochen hat. Wir können auch heute noch nachlesen, dass die Wähler den Kandidaten, auch er war damals für manche Kreise ein Hoffnungsträger, in die Wüste geschickt haben. Die Menschen haben den Oggersheimer Märchenonkel gewählt.

    Im letzten Jahr erschien eine Studie über das Bewusstsein und das richtige Handeln in Bezug auf Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Verbraucherverhalten. Es konnte kaum überraschen, dass nicht die üblichen Verdächtigen (Lehrer, Ökos, den Gruenen nahestehenden Menschen) sich am Besten und Nachhaltigsten verhalten haben, sondern stattdessen überraschenderweise ältere Menschen, die aufs Geld gucken müssen. Sie nutzen Produkte richtig, sie kaufen, wenn irgend möglich heimische Ware, sie trennen den Müll korrekt und fliegen auch nicht ständig durch die Gegend (die Zusammenfassung ist zugegebenerweise sehr plakativ, aber der Kommentar ist ja ohnehin schon lang genug, dachte ich 😉 ). Die Menschen, die am meisten von Umwelt sprechen, tun dies sonntags und steigen am Montag danach wieder in den nächsten Flieger, um für ein Zwei-Stunden-Meeting von Frankfurt nach Berlin zu fliegen.

    Fazit

    Wir müssen aufhören, immer zuerst andere verantwortlich zu machen für beklagenswerte Zustände. Kurz gesagt: Wir müssen aufhören zu jammern und stattdessen ausdauernd handeln, wenn wir eine andere Gesellschaft wollen. Und zwar müssen wir alle miteinander handeln. Klientelpolitik, wenn sie betrieben wird, ist natürlich falsch. Klientelverhalten im Privaten ist aber nicht weniger falsch. Wir sollten uns also meiner Meinung nach alle erstmal an die eigene Nase packen und anschließend nicht sofort wieder aufs Sofas eilen, weil das so anstrengend war, sondern danach erst Recht anfangen »zu machen«.

  4. Anonymous sagt:

    … lost in a lost world .…

  5. horst sagt:

    wow. toller text. ich hätte allerdings das «scheinbar» vor «kaufen lassen» weggelassen, da das schon sehr offensichtlich ist.

    gruß

  6. Axel sagt:

    Ein guter Beitrag, aber wie kommst Du hierauf:

    «die aktuelle Bundesregierung betreibt Klientelpolitik und hat sich scheinbar kaufen lassen»

    Wie um Gottes Willen kommst Du auf SCHEINBAR ?

  7. Anonymous sagt:

    Unterschreibe ich ohne wenn und aber.
    Nur was macht man dagegen, damit es besser wird?! Das ist das Problem — es fehlt den Kleinen ein Hebel, wo sie ansetzen können und so macht sich Hilflosigkeit, Verzweiflung und Ohnmacht weiter breit. Und man spürt auch, daß die Wut täglich größer wird…Wo soll das enden?

  8. Oliver sagt:

    @Anonymous: es sind viele kleine Hebel, die u.U. große Dinge bewirken können. Allerdings bedarf es da dem Zusammenhalt, eine Gesellschaft wird nicht diktiert, dennoch erwartet dies wohl das Gros hierzulande.

    Markus bemerkte da recht treffend:

    Wir müssen aufhören, immer zuerst andere verantwortlich zu machen für beklagenswerte Zustände. Kurz gesagt: Wir müssen aufhören zu jammern und stattdessen ausdauernd handeln, wenn wir eine andere Gesellschaft wollen.

    Tempus fugit — die Zeit verrinnt und auf die nächste Generation zu warten oder die Hoffnung in diese zu setzen ist vertane Müh. Wir leben im Jetzt und solange wir derlei Umstände beklagen können, können wir auch handeln — sofern wir denn überhaupt dazu bereit sind. Ich kann selbst mit gutem Beispiel vorran gehen, anderen helfen und damit ändere _ich_ etwas — hier und heute! Meine Tat wird nicht die Welt verändern, aber zusammen mit anderen werden Dinge bewegt. Diese Dinge geschehen tagtäglich und diese Dinge sind auch jedem aktivem Menschen gewahr.

    Ein anderer Kontext, ein anderes Land, all diese Dinge machen Situationen nicht besser, aber mitunter sind diese veränderten Umstände für den Einzelnen motivierender. Aktivität ist dennoch die Vorraussetzung. Jammern auf hohem Niveau, wie heute vermehrt usus, verpufft von Generation zu Generation zu dem Zeitgeist unterworfenen Klageliedern.

  9. Cynetics sagt:

    Ich als Bayer klammere mich ja daran, dass in der HypoAlpeAdria-Geschichte noch der Staatsanwalt endlich jemanden zur Rechenschaft zieht. Weil in dem Fall ist es eben nicht «nur» Klientelpolitik, sondern meiner Meinung nach kriminelles Verhalten. Wenn bei solchen Sachen nichts passiert, ist das Selberanpacken Sisyphusarbeit, weil die Steuergelder die ich erarbeite einfach zum Fenster hinaus geworfen werden.

    P.S. Wohin will er denn auswandern? Viele Länder kommen da ja nicht in Frage, außer man verzichtet auf Komfort.

  10. mephisto789 sagt:

    Dieser Artikel ist beklemmend und leider nehme ich immer öfter genau dasselbe wahr– immer wieder mit verschiedenen Akteuren.

    Was dagegen tun?

    Ich denke auch, dass der Individualismus hier eine große Verantwortung trägt. So viele kleine und winzige Gruppen hat es wohl noch nie gegeben. Am meisten enttäuscht mich selbst als Grünenmitglied die eigene Partei. Das schielen auf evtl. schwarz-grüne Koalitionen , zieht anscheinend die Zähne in der Opposition. Die Linke ist jetzt erstmal mit sich selbst beschäftigt und die SPD ist tot und weiß es nur noch nicht.

    Wie bekommt man diesen Gruppen also vermittelt, dass sie gemeinsame Interessen haben? Mit schwarz-gelb gibt es ein langsames Sterben dieser Gesellschaft…

  11. Tobias sagt:

    Sehr poetisch: «Viele Bürgerinnen und Bürger mögen blind sein – doch sie können im Dunkeln sehen»

    Für mich symbolisiert dieser schöne Satz die einzige Hoffnung — das aus dem Inneren der heutigen Gesellschaft der Antrieb entstehen wird, sich von dieser scheinbaren Hoffnungslosigkeit zu befreien.

  12. Anonymous sagt:

    @Markus Sowada

    Deinen Kommentar kann ich zum größten Teil unterschreiben.
    Ich erlebe oft diese «Bringt doch eh nix»-Mentalität, wenn man versucht das Thema des «Aktiv werdens» anzusprechen. Wir Deutsche (Ausnahmen gibt es natürlich immer) sind diesbezüglich schon sehr bequem.
    Nicht umsonst ist Deutschland eine Service-Wüste.

    Eine Sache hat mich an dem Kommentar aber doch gestört:

    Die Menschen, die am meisten von Umwelt sprechen, tun dies sonntags und steigen am Montag danach wieder in den nächsten Flieger, um für ein Zwei-Stunden-Meeting von Frankfurt nach Berlin zu fliegen.

    Ich kann daran nichts verwerfliches finden. Wenn es für den Beruf notwendig ist für Meetings eben in eine andere Stadt zu fliegen/fahren, dann soll man dies doch bitte tun bevor man versetzt oder gegangen wird.

  13. Tarantoga sagt:

    Die Moral der Individuen zu bemühen ist immer ungefährlich. Da muss sich dann nämlich nichts ändern. Aus der Perspektive des Individuums macht diese Haltung dabei sogar Sinn, denn es ist allemal besser nach individuellen Lösungen zu suchen als auf eine Änderung des Systems zu hoffen.

    Aber auf der Ebene gesellschaftlicher Analyse kann man durchaus nach wirklichen Antworten suchen. Ich glaube nicht, dass es sich um ein vom Himmel gefallenes moralisches oder emotionales Problem handelt. Ich glaube stattdessen, dass solche (sehr bewegend geschilderte) Symptome eine im Grunde erwartbare Folge einer wirtschaftlichen Situation sind, wo es seid mindestens 20 Jahren (mehr als eine Generation!) für die Masse der Bevölkerung keine Reallohnsteigerungen mehr gegeben hat und eher sogar echte Wohlstandsverluste eingetreten sind. Wie soll unter solchen Bedingungen eine neue Generation optimistisch sein? Wer will Kinder in eine solche Welt zeugen, die aus Strampeln unter immer höheren Druck bei gleichzeitig immer geringerem persönlichen Fortschritt zu bestehen scheint?

    Diese wirtschaftliche Situation ist nicht vom Himmel gefallen. Es gibt auch keinen Sachzwang hierzu, mit dem man nicht fertig werden könnte. Diese Situation der deutschen Bevölkerung ist politisch erwünscht, weil sie für Teile der deutschen Wirtschaft vorteilhaft ist. Die eigentliche Frage ist für mich nur, warum sich jemand (insbesondere auch die Politik) über die Folgen wundert?

  14. Oliver sagt:

    @Cynetics: warum verzichtet man auf Komfort? Welchen z.B.? Jeder lebt anders, die Annehmlichkeiten die ich beispielsweise benötige finde ich in vielen Ländern, die ich auch schon besuchte und zwar nicht als Urlauber. Mehr Lebensgefühl kann auch seitens einer neuen Umgebung gefördert werden, auch da unterscheiden sich die Menschen — die einen füllen ihren biedermeierschen Mikrokosmos aus, die anderen fühlen sich als eine Art Kosmopolit. Ein Ortswechsel kann Wunder wirken, im kleinen mehr regional/national oder auch ganz groß im internationalen Stil. Natürlich gönnen viele Zeitgenossen derlei Ausreißen nicht ihr etwaiges Glück und erhoffen sich schon im Ansatz das Scheitern derjenigen. Auch das ist Wirklichkeit in diesem Land, in anderen Ländern ist man nicht derart immobil — physisch, als auch psychisch. Dies wiederum kann die Art von Komfort sein, die so mancher hierzulande vermißt, sprich abseits von monetären Gesichtspunkten etc. pp.

  15. Oliver sagt:

    @Anonymous:

    >Ich kann daran nichts verwerfliches finden. Wenn es für den Beruf notwendig ist für Meetings eben in eine andere Stadt zu fliegen/fahren, dann soll man dies doch bitte tun bevor man versetzt oder gegangen wird.

    Ich übersetze mal: wenn ich des Sonntags die Klimaapokalypse predige, diesen und jenen anprangere und des Montags in den bis zur Unendlichkeit subventionierten Flieger steige, der abgefüllt mit hochgiftigem Kerosin den Rest besorgt, dann mime ich doch mehr den Pharisäer, denn den führsorglichen Advokat der Umwelt. Das ganze hat in vielerlei Situationen etwas mit _Glaubwürdigkeit_ zu tun. Und das ist auch kein Extrem, sondern ein Beispiel für die gesamte Bandbreite an Heuchlereien, auf die man tagtäglich so trifft.

    Es existieren auch Zeitgenossen, die meiden derlei Betätigungsfelder, wie diese von dir angesprochenen, vermeiden somit indirekt oder gar direkt gewirkte Kolateralschäden usw. In unserem Fall hier wäre dies z.B. der Fall, würden wir plötzlich irgendwo massiv werben — Money talks — und ansonsten hier weiterhin Werbung massiv kritisieren. Wer macht sich schon gerne zur Blogwurst? Es dreht sich bei diesem Beispiel auch nicht um eine fundamentale Haltung, sondern mehr um gesunden Menschenverstand, um vernünftige Grenzen oder besser einer stetigen Annäherung an eben diese Vernunft. Aber beim Gros dominiert das Ego immer und überall, die Folge sind Heuchlereien am laufenden Band.

  16. dissident sagt:

    Danke Chris für diesen Artikel.
    Gruß

  17. wer war ich noch gleich? sagt:

    @Cynetics:

    ich als nicht bayer kann dir da leider nur sagen, solange in diesem land staatsanwälte weisungsgebunden sind wird da nix passieren, da so ein ermittlungsverfahren für den staatsanwalt bei edeka endet. ende der karriere.

  18. Micxs sagt:

    Hallo Chris
    Was du schreibst kann ich so auch bestätigen. Ich beobachte die Zunahme von Gegeneinander statt Miteinander auch seit Jahren. Mittlerweile bin ich auch der Meinung das dieses Gegeneinander politisch gewollt ist. Dies kann man besonders stark bei Erwerbslosen und Menschen mit Arbeit betrachten. Das was Koch, Kauder, Sinn, Pofalla usw. treiben ist nichts anderes als Keile in die Gesellschaft zu treiben. Sie erzeugen Neid und Hass durch ihre Propagandaorgane und versuchen beide Seiten gegeneinander auszuspielen. Jeder protestiert für sich und seine Gruppierung aber die verschiedenen Gruppierungen zusammen unter einen Hut zu kriegen scheint so gut wie unmöglich. Dort protestieren die Studenten alleine, woanders protestieren die Erwerbslosen, wiederum woanders die Rentner usw. Das aber die Studenten mit den Erwerbslosen protestieren oder die Rentner mit den Studenten findet so gut wie nicht statt. Sah man die Opelmitarbeiter auf einer Erwerbslosendemo? Sah man die Erwerbslosen bei den Quelledemos? Nein jeder für sich und dadurch vernachlässigbarer Erfolg.

    Ich, damals Grünen Wähler, war froh als Kohl abgewählt wurde um dann etwas später feststellen zu müssen das die Grünen ihre Grundsätze über den Haufen geworfen haben und dieses Verbrechergesetz Hartz4 geschaffen wurde. Damit sind die Grünen für mich erledigt gewesen.

    Und wenn der Westerwelle von geistiger Wende spricht wird mir schon anders. Sicherlich brauchen wir eine geistige Wende. Wir brauchen eine grundlegende Reform unseres Staates. Ich bin mittlerweile auch der Meinung das es eine Neuinstallation braucht und es nicht mit Reparatur oder Patches getan ist.

    Aber wer soll das in Angriff nehmen? Wie soll man als Bürger seine Regierung überzeugen das dieser Schritt notwendig ist und wie bekommt man die Parteien dazu dies umzusetzen? Der Einzug der sozialen Kälte in diesem Land muss verhindert bzw. abgeschafft werden. Ich hab das mal so umschrieben: Man kann in einem Druckkochtopf jede Menge Druck erzeugen, doch irgendwann fliegt einem die ganze Sache um die Ohren und den Knall werden dann alle vernehmen. (Der Grund warum Schäuble von der BW im Inneren redet, ist das sie Angst haben das ihnen der Druckkochtopf um die Ohren fliegt)

    Ich halte die jetzige Situation für gefährlich. SPD/CDU/CSU/FDP sind ein Einheitsbrei und die Grünen und die Linken sind zu schwach um wirklich etwas umsetzen zu können. Die neue Mitte oder sollte man sie neue Rechte nennen ist komplett durch Lobbyisten unterwandert und wie man an der Hotel-FDP sieht vollkommen käuflich. Was soll denn der Bürger denken wenn er solche eindeutige Klientelpolitik sieht? Und während bei Banken die Verstrickungen der Politiker verschleiert und versteckt werden und es keine Konsequenzen für die Banker und Politik gibt, fragt sich der Bürger ob das alles mit rechten Dingen zugeht und was er denn tun soll, damit der Unsinn aufhört. Wir werden von Laien und käuflichen Politikern regiert und ich selbst seh auch kein Licht am Horizont.

    Dann kommen, wie du selbst weißt, die Qualitätsmedien ins Spiel. Diese sind ebenfalls lobbygesteuert und gekauft. Aus dieser Richtung ist also auch keine Aufklärung oder Gegenwind zu erwarten. Was wir also tun können ist versuchen die Menschen aufzuklären und hier liegt auch die Chance des Internets. Stichwort: Gegenöffentlichkeit. Meine Hoffnung liegt darin das es irgendwann zu einer informierten, die Lügen erkennenden, kritischen Masse kommt und es breiten Protest auf der Straße gibt, der so lange nicht aufhört bis die Politik einlenkt. Daher halte ich den Generalstreik, auch wenn er in Deutschland verboten ist, für ein geeignetes Mittel Forderungen der Bevölkerung durchzusetzen und die Politik wieder zu dem zu machen was sie sein sollte, ein dem Bürger verpflichteter und dem Wohl des Bürgers orientierter sozialdemokratischer Staat. Aber ich träume schon wieder 😉

  19. RIO sagt:

    terve! Was ein wunderbarer Text… und leider zu voll der Wahrheit, als man ihn gerne lesen würde… Ich bin ja momentan in Finnland und verstehe von daher sehr gut den Wunsch, «auswandern» zu wollen (wobei ich den Begriff möglichst vermeide, ich denke innerhalb Europas geht sowas locker noch als normaler Umzug durch), aber auch das ist nicht immer die perfekte Lösung. Ich hatte immer vorgehabt, mich auf längerfristiger Basis hier niederzulassen, aber inzwischen halte ich das für keine gute Idee mehr.
    Wenn man wirklich auswandern will, sollte man im Vorfeld das Land wenigstens ungefähr kennen und möglichst gute Freunde an Ort und Stelle haben. Die habe ich hier in Finnland natürlich, aber nicht gerade in dieser Stadt. Achtet darauf, dass es euch mit eurem Vorhaben besser ergeht als mir.… Glücklicherweise habe ich noch eine Alternative in der Hinterhand, von der ich mir möglicherweise etwas mehr versprechen kann.

    Aber auch das kleine Wörtchen «noch» in Bezug auf die Arbeitsplatzsituation ist ja kein spezifisch deutsches Problem. Da sieht es z.B. hier in Finnland auch nicht besser aus. Andererseits halte ich auch die sogenannte «Krise» nur für ein Hilfskonstrukt von Staat und Wirtschaft, um das eigene Versagen zu rechtfertigen, oder vielmehr geschickt zu verbergen, frei nach dem Motto: «Es ist ja höhere Gewalt, da können wir nix dafür!». Ich denke den Satz über die Papier-SPD hänge ich mir im Goldrahmen übers Bett, besser kann man es nicht beschreiben. Wegen des grandiosen Versagens von Pappkameraden wie Münte, dat Ulla aus Aachen (zeitweilen auch gerne mal mit Dienstwagen in Alicante, man erinnere sich) und insebsondere Andrea Y. (die Unperson schlechthin…) weiss ich nicht mehr, was ich wählen soll.
    Ich stimme da einem der Vorredner zu: was wir in Deutschland brauchen, ist Concorde und ¡REVOLUCIÓN!

    ich bin alles andere als begeistern vom Referendum in Katalonien (im Dezember war’s), aber ich glaune, an meinen geliebten Katalanen sollten wir uns ein Beispiel nehmen…

    ¡hasta la victoria siempre! fins a la victòria! sempre!

  20. viosz sagt:

    @wer war ich noch gleich?

    Tja, die Einführung der Gewaltenteilung wäre wirklich etwas, wo man in Deutschland ansetzen könnte. Besser spät als nie.

  21. Helena sagt:

    […Und wo wir grad beim Thema ‘In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?’ sind noch ein Hinweis zum Artikel auf F!XMBR ‘Dieses Land hat keine Lebensfreude mehr’.…] Danke schön!

  22. Aletheia sagt:

    Danke Chris …
    Bestünde auch diese/Deine Wortmeldung nicht, so würdest Du vermutl. nicht erahnen können, wie — sehr — wir Beide empfinden. — Deine Worte sind zwar traurig — aber WAHR.
    Viele liebe Grüße
    Aletheia

    Und trotz alledem: mach weiter so! — Du bist [gemeinsam mit Oliver] eine große Bereicherung!

  23. Robert B. sagt:

    @Chat Atkins: Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum die Neoliberalen und die Neocons die 68er nicht mögen:

    Nichts war beispielsweise so ‘bunt’ und individualistisch wie die Hippie-Zeit …

    Und trotzdem hat sich diese Freiheit gegen den Menschen gerichtet … Ich muss darüber noch tiefer nachdenken und erst einmal die restlichen Kommentare lesen — hätte nicht gedacht, dass dieser sehr gute ein solches Echo hervorruft.

  24. Solarix sagt:

    In weiten Teilen stimme ich dem Text zu.
    Das was Ihr wahrnehmt nehme ich so ebenfalls war.

    Jetzt aber zum aber.…..
    Wir sind größten Weltmeister im jammern. Darin sind wir absolut ungeschlagene Schwergewichtsweltmeister.

    Ich habe selbst im Ausland gewohnt bis Juli 2009 fast drei Jahre in UK , wenn ich die Lebensumstände und Lebenswirklichkeiten vergleiche ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.

    Die Gesetze am Arbeitsmarkt sind in UK wesentlich liberaler und werden oftmals zum Vorteil der Betriebe ausgelegt. Die sozialen Absicherungen sind lang nicht so ausgeprägt wie bei uns. Die Einkommen sind in weiten Regionen sehr viel niedriger als unsere durchschnittlichen Einkommen und die Gesellschaft finanziert sich dort fast ausschliesslich auf Pump. Die Bankenkrise hat UK mit einer Wucht getroffen die hierzulande nicht mal annähernd wahr zu nehmen ist.

    Aber die Menschen dort sind lang nicht so missmutig wie hier und das obwohl es die Leute dort eigentlich sehr viel schwerer haben als wir und das ist kein Gerücht.

    Wir sind Weltmeister darin uns und das Leben schlecht zu reden.

    Wie auch immer es man dreht und wendet, vielleicht haben wir einfach die Obrigkeit die wir verdient haben.

  25. Oliver sagt:

    >Wir sind größten Weltmeister im jammern. Darin sind wir absolut ungeschlagene Schwergewichtsweltmeister.

    Stimmt! Aber wieviel Folgen hat dieses Jammern denn? Ist man unzufrieden mit der Arbeit, wird schlecht behandelt an der Arbeitsstelle etc. jammert man zwar, jedoch im Vergleich zum europ. Durchschnitt bleibt es ohne Folgen. Im Wegstecken sind wir ebenso Weltmeister, ebenso in der Passivität per se.

    >Aber die Menschen dort sind lang nicht so missmutig wie hier und das obwohl es die Leute dort eigentlich sehr viel schwerer haben als wir und das ist kein Gerücht.

    Mehr Lebensfreunde kenne ich im Ausland ebenso, zumindest in einigen Ländern. Ob die Leute es schwerer haben, kann ich nicht sagen. Denn vielerorts kennt man die Probleme des kleinen Mannes hierzulande gar nicht mehr, glaubt an irgendwelche Arbeitsgesetze usw., ohne zu wissen, daß diese in der Praxis mehr getreten denn befolgt werden. Ich habe es desöfteren mit diversen Berufsgruppen in diesem Land zu tun, insbesondere auch Handwerkern, Bauarbeiten et. al. — jenen geht es gut? In der Theorie ja, in der Praxis definitiv nein. Man schluckt, man schluckt mehr, man befürchtet den Arbeitsplatzverlust, man läßt sich massiv mißbrauchen, man muß mit anschauen, wie «abgehobene» Herrschaften im Netz Dinge kleinreden ob Unkenntnis der Sachlage.

    Ich will jetzt nicht derart arg Kontra geben Solaris, aber als Administrator und dergleichen lebt es sich in diesem Land noch saumäßig gut im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, auch wenn ich aus eigener Erfahrung weiß, daß dieses Metier auch nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Wünschen würde ich mir hierzulande eine britische Arbeiterschaft, die streikt wenn es drauf ankommt.

  26. Gideon sagt:

    schwarzmalerei?
    ist ja nett und man sollte nicht alles schön reden. Aber wenn man hier so die Beiträge liest, kommt man nicht darum herum an die typische deutsche Mentalität zu denken: Trübsall blasen, meckern, die Schuld der Politik «zuschieben», Verdrossenheit, Unzufriedenheit…

    man könnte fast meinen wir brauchen das. Geht es uns allen im Schnitt wirklich schlechter? Man kann auch ganz dreist das Gegenteil behaupten. Wobei die «Deutschen» auch immer viel ertragen bis wir merken, dass es zu weit geht. Die Franzosen zum Beispiel sind da anders.…

  27. Solarix sagt:

    Vielleicht hab ich mich missverständlich ausgedrückt. 😉

    BTW. Contra ist nie verkehrt. :)

    Das ich ein Schweineglück habe das würde ich nie in Frage stellen und dafür bin ich ehrlich dankbar, was mit meiner persönlichen Geschichte zusammen hängt. Außerdem sehe ich es immer noch in meinem direkten familiären Umfeld.

    Natürlich habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, würde mir auch nie einfallen, das zu behaupten.

    Ich würde nie bestreiten das es genug Firmen gibt, die ihre Mitarbeiter behandeln wie Vieh, je größer die Firma desto schlimmer.

    Aber wenn ich vergleiche wie der Creditcrunch seinerzeit in UK zugeschlagen hat, besonders im privaten Bereich, dann haben wir tendenziell mehr als nur Glück gehabt.

    Als das ganze Chaos angefangen hat, haben innerhalb von ein paar Wochen fast jeder zweite Nachbar sein Haus zum Verkauf angeboten. Das muss man sich mal vorstellen.

    Das dortige Ausbildungssystem kann man mit unserem nicht vergleichen, entweder du packst es auf die Uni oder Du gehst von der Schule ab, bewirbst Dich und bekommst einen Drei bis vier Wochen Crashkurs als Elektriker, Verkäufer, whatever.

    Allerdings muss man sagen das die Menschen dort wirklich anders miteinander umgehen. Auch wenn die meisten Berufstätigen außerhalb Londos nur ein Jahreseinkommen von 15000 Pfund haben und das Pfund massiv an Wert verloren hat, dementsprechend ist auch die Teuerung gestiegen. Lohnerhöhungen gibts höchstens als Goodwill. Die Gewerkschaften haben es nicht leicht, bzw. sind eigentlich entmachtet.
    Die Banken in UK sind die meist verklagten Banken der Welt weil ihr Geschäftsmodell noch viel exzessiver darauf ausgerichtet ist die Kunden zu bescheissen als hier, ich hätte das nie für möglich gehalten. Überzieh und du wirst gecharged. Überweiss Geld zu einem Konto einer anderen Bank, kostet 20 Pfund und so weiter und so fort. 😉
    Das Krankensystem ist ein Witz, wenn Du nicht privat versichert bist, musst Du ein halbes Jahr auf einen Termin warten wenn Du über die staatliche NHS versichert bist. Als Privatkunde kannst Du dich im Gegensatz dazu nicht vor Ärzten und Sofortmaßnahmen retten. 😀

    Trotz allem haben die Leute trotz dieser Dinge eine positivere Einstellung zum Leben und jammern weniger.

    Die «gefühlte Freiheit» (abgesehen vom Überwachungswahn und restriktiver Polizei) ist schon wesentlich ausgeprägter, was meiner Meinung nach unter anderem an transparenterer Gesetzgebung liegt. Wir können uns da gern mal länger unterhalten. Besonders das Steuersystem finde ich hervorragend.

    Aber grundsätzlich … finde ich das es auch in unserem Land immer noch schönes gibt und man sollte sich nicht noch schlechter reden als es schon ist. Wir brauchen eine gesunde Portion Optimismus und wie es der Kollege Markus Sowada so schön im Fazit seines Beitrags formuliert hat… das würde ich sofort unterschreiben.

    Ansonsten..

    Das Gras ist überall grün, nur anders. 😉

    Was das jammern angeht, ich hab auch schon gejammert und bin absolut keine Ausnahme» 😉

  28. Aletheia sagt:

    Schade und [für mich als regelmäßige F!ixmbr-Besucherin schon] erstaunlich, dass Du, Oliver, «Solarix» mit «Wir sind die größten Weltmeister im jammern» zugestimmt hast — wo doch auch dieses Neusprech, mit dem jegliche Kritik an der Zerstörung sozialstaatl. Erungenschaften abgewürgt werden konnte, zum Siegeszug der neoliberalen Menschenverächter beigetragen hat.

  29. Oliver sagt:

    @Aletheia: ich kenne Solarix recht gut und nebenbei sollte man doch hinter dem «stimmt» weiterlesen, anstatt wutschnaubend irgendwelche Vermutungen anzustellen. Solarix selbst beispielsweise las auch mein Kontra zu seinem Beitrag. Und apropos «jammern», nicht alles was man nicht kennt, respektive nicht versteht ist «Neusprech». Die inflationäre Nutzung dieses Begriffs ist ebenso dem Zeitgeist geschuldet.

    Ich bin es manchmal wirklich leid auf F!XMBR das «1×1″ erklären zu müssen.

  30. Aletheia sagt:

    «Jammern» ist kein Neusprech wie «Reform«[en], «Akivierung», «Anreize», «Flexibelität» usw. usf. — das ist schon klar, doch unterstelle ich Dir [bzw. gehe ich davon aus], dass Du sehr wohl verstehst, was ich zum Audruck bringen wollte.
    Dass Du dann aber noch persönlich wirst [«wutschnaubend» und Du bist es «wirklich leid»] erstaunt mich ein weiteres Mal.

  31. M.Gor sagt:

    «Geschlagen ziehen wir nach Haus, die Enkel fechten’s besser aus»? Hoffentlich nicht, denn das Problem ist keineswegs ein aktuelles, sondern es stellt sich nur der Zeit angepasst dar vgl. zB. hier:

    Wir sind des Geyers schwarze Haufen

    Du hast aber recht, dass aktuelle Politik keineswegs mehr versucht, unterschiedliche Visionen zu debattierung und zu verwirklichen, sondern nur noch «Rahmenbedingungen schafft»; wenn also die politische Kaste sich selbst nicht mehr traut (und zutraut), wie soll es dann der Souverän? Dieses Gefühl hast du sehr anschaulich beschrieben.

  32. Oliver sagt:

    @Aletheia: nein das verstehe ich nicht, da ich einerseits jammern und andererseits der Realität vor Ort klipp und klar getrennt habe. Solarix hat es verstanden, sonst wäre er nicht auf meine _Kritik_ an seiner Aussage eingestiegen. Es hat schon einen guten Grund warum derartige Themen meinerseits der Vergangenheit angehören, ich bin es müde ab einem gewissen Level fortwährend den Erklärbären zu spielen. Unter diesem Level gilt Vogel friß oder stirb, andere decken ebenso dieses Spektrum ab, beispielsweise Spreeblick oder auch irgendwelche Blogwürste.

  33. Oliver sagt:

    @Solarix:

    >Das Gras ist überall grün, nur anders.

    Sehe ich auch so und manchmal würde ich beispielsweise die grüne Pracht Irlands mehr schätzen, trotz ander Unbill dort 😉

  34. Hans sagt:

    Zeig deinen Mitmenschen ab und zu ein ernst gemeinstes, freudiges Lächeln und du hebst die Stimmung deiner ganzen Umwelt. Der Weg zur Veränderung fängt bei einem selbst an…

  35. Ein Bürger sagt:

    «Dieses Land hat keine Lebensfreude» wohl nicht für alle Bürger in diesem Land. Ich finde diese Aussage durchaus zutreffend.

    Es mag sein das wir Deutschen, Weltmeister im jammern sind, möglicherweise gehört das zu unserer Mentalität. Der eine oder andere jammert sicher auf hohem Niveau.

    Aber eines steht für mich vollkommen außer Frage: Die Stimmung in unserem Land hat sich verändert. Ich kann mich auch des Eindruckes nicht erwehren, daß hier Stimmung von «OBEN» gemacht wird. Es werden Bevölkerungsgruppen gegeneinander «aufgehetzt» oder stigmatisiert. Womöglich um eine Solidarität zu verhindern! Und um von den wirklich ernsthaften Problemen abzulenken, oder einschneidende Änderungen im «Hintergrund» durchzusetzen.

    An dieser Stelle möchte ich Markus, in einem Punkt, meine Zustimmung zum Ausdruck bringen. Wir brauchen wieder Menschen mit Rückgrat in unserem Land. Die nicht alles mitmachen, weil es gerade opportun ist. Die eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten. Die nicht bereit sind für einen «Hungerlohn» zu arbeiten, u.v.m..
    Ich möchte das auch gar nicht so genau wissen, wie weit sich unsere sogenannten Volksvertreter und Leistungsträger angepasst und verbogen haben, um dahin zu kommen wo sie jetzt sind.

    In diesem Sinne…

  36. Otto Normalverbraucher sagt:

    Wie wahr!

    Unser Volk wird mehrheitlich von Juristen, Lehrern und anderen Akademikern geführt — das erklärt unter anderem, warum unsere Gesetze wohl niemals reformiert werden. Schon die öffentlich propagierten Kausalketten, die uns Besserung suggerieren sollen, führen letztendlich zum Blockversagen einer ehemals erfolgreichen Volkswirtschaft. Sind die Ökonomen eigentlich eingeschläfert worden oder warum meldet sich niemand lautstark zu Wort?

    Fragt sich, wer von dieser Entwicklung Vorteile hat? In der Nähe der EU-Parlamente tümmeln sich ca. 4.500 Lobbyisten. In Berlin sollen es allein 1.500 sein — einige davon regieren sogar mit. Schamlos und frech.

    Dass der Euro die bürgerlichen Renditen frisst, wird offen niemals zugegeben, obwohl es jeder selbst spürt. Kleiner Tipp: googelt mal nach DM-Preislisten — ja, die gibt’s noch.

    Wenn man’s nachrechnet, hat fast jeder von uns nur noch 25% seiner ursprünglichen Kaufkraft: Einkommen DM zu Euro = 50%; Preise Euro zu DM = 200%; 50% : 200% = 25% — da kann einfach keine Freude aufkommen.

    Aber solange es Fernbedienungen gibt, werden Deutsche nicht auf die Straße gehen. Vielleicht sollte man für 30 Tage die Sender abstellen. Wir sehen uns.

  37. SZenso sagt:

    Ich kann nur zustimmend resignieren. Es ist einfach nur noch abstrus, wie wir lieber unsere Hamsterräder polstern und mit allem möglichen Krimskrams ausstaffieren, anstatt mal anzuhalten — und sei es nur mal für 3 Sekunden. Nein, es muss weiter-so gehen, Runde für Runde. Dabei kündigt sich der Wandel an allen Ecken und Enden an. Die Politik ist längst demaskiert, der Medienkleister klebt nicht mehr und die Krise hat uns das letzte Trostpflaster, den immer währenden Wachstumswohlstand für alle, ganz brutal geraubt. Und es ist doch echt der Wahnsinn, was uns mit dem Internet geschenkt wurde! Ein völlig neues Medium, um sich zu informieren, organisieren und artikulieren! Der Katalysator für eine Veränderung ist längst da, er muss nur noch richtig genutzt werden!
    Aber das sollen mal lieber die anderen machen, denn mich ruft mein freudloses Hamsterrad 😉

  38. Jens sagt:

    Ich sehe auch viel wahres in Deinem Beitrag, empfinde jedoch nicht diese Hoffnungslosigkeit, die er ausstrahlt, sondern einfach eine Unlust und eine Faulheit, seinen Hintern aus dem warmen Sofa, vor der Flachbildglotze mit der aktuellen Soap und dem gut gefüllten Kühlschrank zu bekommen um nach Berlin zu reisen und dieser Bande mal zu zeigen, wer der Souverän hier ist.

    Man schaue sich die damaligen Montagsdemos an, die schon dafür sorgten, dass sich die Politikerstirn in Sorge gekräuselt hat. Nur leider, vermutlich aus o. g. Gründen, gaben die Demonstranten viel zu schnell auf. Man könnte meinen, der Überwachungsstaat wird nicht wegen der vermeintlichen Terroristen aufgebaut, sondern weil die Mächtigen Angst vor dem Volk haben. Ein wenig mehr Franzosenblut würde uns gut tun. Wir können uns ja denken, warum man in diesem Land als Bürger, außer bei Wahlen, sonst keine großen Mitbestimmungsrechte bei wichtigen Entscheidungen besitzt. Wir schimpfen noch über die Schweiz und ihre Minaretten, aber wie wäre das bei uns gelaufen? Euro? Osterweiterung? Afghanistan?

    Nein, so lange hier bequem geschimpft wird und man in Kneipen, Foren und Blogs sich Luft verschafft und Bild liest, wird sich bei uns nicht viel ändern. Erst wenn es uns richtig schlecht gehen sollte, sehe ich eine Chance, dass das Volk endlich wach wird und die aus dem Tempel wirft, die ihnen das eingebrockt haben. Wollen wir hoffe, dass es dann nicht bereits zu spät ist.

  39. Anonymous sagt:

    Dies ist mir schon vor Jahren bei einem Gang durch Wandsbek zum Monatswechsel aufgefallen. Damals war ich mir allerdings noch nicht sicher ob es am knappen Kontostand um diese Zeit läge. Wie auch immer, ich bin nur durchschnittlich groß, gehe aber aufrecht. Von wenigen Ausnahmen bzgl. der Körpergröße abgesehen gingen alle gebeugt und ich konnte über sie hinweg sehen. Abgesehen von einigen ebenfalls nur durchschnittlich großen Personen mit kurzen, oder gar keinen Haaren, und Bomberjacken. Diese «überragten» die gebeugte Menge ebenfalls. Ich dachte damals schon: «Na dann gute Nacht!»

  40. Yuggoth sagt:

    hab ich da oben irgendwo GENERALSTREIK gehört?? =)

  41. […] die Hoffnung fehlt, ist alles verloren. Und so wie auch unser wunderschönes Deutschland keine Hoffnung mehr hat, so hat sicher auch ein Teil der Netzgemeinde keine Hoffnung mehr, jener Teil denke ich, […]

  42. Cynetics sagt:

    Entschuldigung, das mit dem Komfort ist falsch herum ausgedrückt. Was ich z.B. mit Komfort gemeint hab ist die Sprache, wenn ich mit den Menschen dort nicht kommunizieren kann fehlt es mir deutlich an Komfort, bzw. finde ich keine Arbeit. Also kommen für mich momentan nur deutsch– oder englischsprachige Länder in Frage. Auch meine ich, dass es natürlich sehr viele Länder auf der Welt gibt, denen es genauso gut geht wie uns. Aber die haben auch evtl. politische Leichen im Keller. Zum Beispiel Australien, ein wunderschönes Land wo ich den gleichen Komfort hätte, die haben aber die Internetzensur und nachweislich falsche Seiten auf ihren Sperrlisten. Ähnliche Fälle sind für mich die USA, England und die Schweiz, alles mal Länder wo ich gedacht habe es könnte passen, aber wenn ich genauer hinschaue, muss ich mich fragen ob es mir da langfristig gefällt.

    Ich mache jedenfalls momentan einen Spanischkurs und hoffe damit irgendwie weiter zu kommen 😉

  43. Chat Atkins sagt:

    @ Robert B.: «Die 68er» ist selbst schon ein verlogener Kampfbegriff — sie gab es in dem Sinne als homogene Gruppe gar nicht, bzw. machten sich die Hippies von Anfang an über die rauschebärtigen Theoretiker lustig, und diese wiederum über jene (s. zum Exempel Franz-Josef Degenhardt: ‘Auf Wallfahrt zum Big Zeppelin’). Und selbst diese Rauschebärte waren endlos zerstritten.

    Trotzdem haben die Hippies kulturell mehr auf die Beine gestellt als alle «68er» zusammen, sie haben nämlich einfach frei nach Hagebau ‘ihr Ding gemacht’, fern aller späteren Rentenansprüche und Bausparverträge. Eine neue Kultur entstand, u. a. eine neue Art des Umgangs, eine neue Literatur, eine neue Filmsprache und auch eine neue Musik, an der nicht zuletzt die Bizziniss-Vultures dann kräftig mitverdienten.

    Wenn also die NeoCons unter dem Sammelbegriff ‘Gutmenschen’ alles zusammen auf nur einen ‘Misthaufen der Geschichte’ schmeißen, dann zeigen sie damit nur mal wieder, dass sie in historischer Hinsicht keine Ahnung haben — ebensowenig wie von der Wirtschaft — und dass sie nur jenen Knüppel erdichten, mit dem sie per Akklamation der Ahnungslosen die große, angeblich alternativlose Anpassung forcieren können. Resultat: Immer mehr Schlips-und-Kragen-Zombies, die meinen, sie wären erfolgreich, nur weil das Konto stimmt …

    Stylische, teure Klamotten und iMac haben wollen und zugleich eine neue Kultur entwickeln — das allerdings geht schlecht zusammen. Auf Neuland muss man zunächst mit ‘Bordmitteln’ operieren bzw. improvisieren …

  44. aloa5 sagt:

    Dem Deutschen fehlt die Perspektive und damit auch der Wille.

    Der Unterschied zu 68ern oder zur DDR-Bevölkerung ist auch am Zustand des typisch revolutionären Klientels sehen. Nichts von aufmüpfigem «wir wollen mehr Wohlstand und Arbeit für alle». Die Hobby-revoluzzer von heute rufen ergeben und am Boden liegend mit aller Machtlosigkeit ein mattes «lasst uns wenigstens in Ruhe in unserem Elend».

    Es ist ganz offensichtlich noch nicht schlimm genug, die Talfahrt noch nicht am Tiefpunkt. Noch ist der Deutsche Michel nicht bereit anzupacken, ja sieht nicht mal das es etwas zu tun gibt. Kollektives Selbstmitleid einer dekandenten Gesellschaft. Wenn man nicht täglich selbst die Beobachtungen machen müsste, würde man als außenstehender möglicherweise auf den Gedanken kommen: recht so.… vielleicht wird es hinterher wieder was.

    Vielleicht haben wir irgendwann wieder ein Ziel welches anders aussieht als in Ruhe gelassen zu werden. Dann schauen wir auch etwas positiver in die Zukunft. Hoffen wir das wir nicht zu tief und zu hart fallen müssen bevor der Michel aus dem Delirium der Selbstgefälligkeit aufwacht. Es ist manchesmal wirklich widerlich dem ganzen zuzuschauen.

    Grüße
    ALOA

  45. Anonymous sagt:

    Zitat: «Ich sehe auch viel wahres in Deinem Beitrag, empfinde jedoch nicht diese Hoffnungslosigkeit, die er ausstrahlt, sondern einfach eine Unlust und eine Faulheit, seinen Hintern aus dem warmen Sofa, vor der Flachbildglotze mit der aktuellen Soap und dem gut gefüllten Kühlschrank zu bekommen um nach Berlin zu reisen und dieser Bande mal zu zeigen, wer der Souverän hier ist.»

    @ Hallo Jens, hallo zusammen,
    Irgendwie verstehe ich deine Formulierung nicht richtig, was willst Du mir/uns damit sagen?
    Entweder man ist davon ÜBERZEUGT, daß es politisch und gesellschaftlich so nicht mehr weitergeht, dann kriegt man seinen Arsch aus dem Sofa und setzt sich persönlich durch Protest/Demos für eine Änderung der herrschenden Bedingungen ein.
    Oder man drückt weiterhin die Großbild-LCD-Fernbedienung und zappt durch die Meinungsmache-Kanäle und Dokusoups, liest Bild und Prominews.

    Wer sich nicht einmischt, stimmt zu.
    Es gibt kein «mal ein bißchen dafür oder dagegen sein», keinen goldenen Mittelweg, sondern nur die persönliche Entscheidung, für die eine oder andere Seite der Medaille.

    Es geht darum, sich zu entscheiden.
    Für die jetzige Ideologie des marktradikalen Neoliberalismus, oder für eine gerechtere, offene demokratische Gesellschaft, in welcher sich nicht nur der Narziß, der Brutale, Rücksichtslose, Obrigkeitshörige durchsetzt.
    Einer Gesellschaft, in welcher Leistungsschwächere, Behinderte, Kranke, Unangepaßte, Migranten mitgenommen werden, in welcher der Mensch im Mittelpunkt aller Staatsinteressen steht (zum Wohle des deutschen Volkes!), anstatt nur dem Machterhalt, der Geldgier, Rendite, Produktivität weniger dient.

    Also entscheidet wir uns, wie wir zukünftig leben wollen?
    Lieber in einem braunen neoliberalen «RECHTS»- und Überwachungsstaat ala Roland Koch/Wolfgang Schäuble weiter eingeschläfert dahinvegetieren, oder durch unsere Einflußnahme, an einer lebenswerteren Zukunft gestalterisch mitzuarbeiten?
    Also entscheiden wir uns jetzt.
    Noch haben wir die Wahl, wohin die zukünftige Reise geht.

    Ciao Stefan

  46. wenke sagt:

    @gideon
    dein beitrag zeigt, dass du etwas nicht verstanden hast. es geht nicht darum, dass und ob es uns gut oder besser geht. es sind die ‘rahmenbedingungen’. es stinkt in deutschland. und zwar von oben nach unten. und stinkt unaufhaltsam immer mehr. und niemand ist da, der den stinkenden teil abschneidet und ein fenster zum lüften öffnet.

    der artikel beschreibt hervorragend die grundstimmung in deutschland
    der einzelne hebt sich nur noch durch sein äußeres von der masse ab. die mehrheit ist im kopf jedoch gleichgeschaltet und sieht nur ihr eigenes wohl. erst wenn diese mehrheit nichts mehr zu verlieren hat, wird deutschland brennen. (an alle staatschützer: dieses ist kein aufruf zu revolution. das ist nur meine meinung)

    wir haben die chance verpasst. wir haben es zugelassen, dass wir in schubladen gepresst wurden. das unsere kinder und arbeitslosen chancenlos sind und bleiben, weil wir uns manipulieren lassen. wir lassen es zu, dass rechte sprücheklopfer aus hessen ihre propaganda in die welt kotzen und hartz4 empfänger zu zwangsarbeit verpflichten wollen. obwohl es gesetze gibt, die dieses schon regeln. die manipulative aussage von koch lautet : alle hartz4 empfänger sind faul. was hindert euch daran dem koch eine email zu schreiben? angst? wovor? ich habe ihm geschrieben.
    lasst euch nicht manipulieren. das gros der hartz4 empfänger sind nicht die prolos, die uns die privaten sender immer wieder gerne vorführen. hartz4 ist nur eine arge entfernt.

    nachgedacht:
    ist es nicht komisch, dass die spende aus dem jahr 2008 für die fdp gerade jetzt, nach der mehrwersteuersenkung, an die öffentlichkeit kommt.?
    ist es nicht komisch, dass die stasivorwürfe gegen gisy erst laut wurden als die linke so richtig in die öffentlichkeit rückte.
    diese liste ließe sich fortführen.

    aber genug jetzt. so viel wollte ich nicht schreiben.
    @chris danke für diesen artikel

    gruß wenke

  47. Anonymous sagt:

    Wenn die Politik Respekt vor dem Volke hätte würde anderes regiert werden.

    Nur wenn wir aufstehen und zeigen dass uns das nicht passt können wir etwas ändern.
    Gewaltfrei aber bestimmt.

  48. Markus sagt:

    Ja, innerhalb der letzten 28 Jahre wurde gezeilt das Bild einer «Jeder ist sich selbst der nächste»-Ellenbogengesellschaft in die Bevölkerung und immer stärker auch in der Bildung eingetrichtert. Jeder soll «Leistung» bringen, und wer das nicht tut, ist für diese Gesellschaft, wie sie sich die Neoliberalen erschaffen haben, nichts wert. Angst um die Zukunft und ein immer währender Konkurrenzkampf jeder gegen jeden gehören zu dieser untrennbar dazu …

    «die aktuell Bundesregierung betreibt Klientelpolitik und hat sich scheinbar kaufen lassen«
    scheinbar? Oder nicht eher anscheinend? 😉

  49. aloa5 sagt:

    Das Volk muss sich Respekt verdienen. Es ist nicht besser als die Politik. Man kann sich auch etwas darin spiegeln. Insofern ist es in mehrfacher Hinsicht richtig das man letztenendes auch als als Volk nur selbst etwas verändern kann. Wenn man darauf wartet das jemand einen Kniefall vor einem macht und gewissermaßen die grandiosesten Verbesserungen als Zuckerstückchen vom Himmel fallen muss man sich nicht wundern wenn sich diese Denkstruktur des aussitzens auch in der Politik durchsetzt.

    Am Besten ein BGE — auch für Politiker. Dann haben wenigstens offiziell alle etwas davon das keiner etwas macht.

  50. Dissident sagt:

    Kaum kommt der Brandstifter Roland Koch mit seinem Hartz IV Gehetze aus der Deckung , springt das braune Gesocks der Republikaner auf den fahrenden Zug mit auf und verteilt rechtsextremes Werbe-Propagandageschmiere in meinem Briefkästen.
    Was hier passiert, ist aus meiner Sicht brandgefährlich.
    Erst exportieren wir die Arbeitsplätze von geringer Qualifizierten nach Osteuropa und nach China und jetzt haben wir keine mehr.
    Die gleichen Dreckschweine streuen jetzt ihr verbal Erbrochenes Gehetze medial unter’s dummgläubige Wählervieh und diskreditieren damit die «faulen» Arbeitslosen, deren Arbeitsplätze sie innerhalb der letzten 10 Jahre exportiert oder ganz abgebaut haben.
    Industrie und Politik wollten diese Entwicklung und haben sie in den letzten Jahren massiv vorangetrieben und durchgesetzt.

    Wenn schon, dann richtig Tacheles reden und raus mit der Wahrheit:
    Wir erkaufen uns durch die Hartz IV Gesetzgebung den sozialen Frieden im Land. Ansonsten hätten wir Unruhen auf den Straßen.
    Das Ziel muss es sein, wieder vernünftige auskömmliche Arbeitsplätze für diese Menschen in D zu schaffen.
    Ich meine damit aber keine Kombilohnmodelle, 1-Euro-Jobs oder
    Dauer-Zeitarbeitsbeschäftigungsverhältnisse.

  51. Dissident sagt:

    Übrigens, wen es interessiert, die hier sind die Verantwortlichen für Hartz 4 und die Deregulierung des Arbeitsmarktes:

    Vorbereitet von:
    Bertelsmann Stiftung, INSM, BDI, Parteien, Bundesanstalt, usw.
    Gedacht von:
    Norbert Bensel, Mitglied des Vorstandes der DaimlerChrysler Services AG
    Jobst Fiedler, Roland Berger Strategy Consultants
    Heinz Fischer, Abteilungsleiter Personal Deutsche Bank AG
    Peter Gasse, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen
    Peter Hartz, Mitglied des Vorstandes der Volkswagen AG
    Werner Jann, Universität Potsdam
    Peter Kraljic, Direktor der McKinsey & Company Düsseldorf
    Isolde Kunkel-Weber, Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
    Klaus Luft, Geschäftsführer der Market Access for Technology Services GmbH
    Harald Schartau, Minister für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen
    Wilhelm Schickler, Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen
    Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks
    Günther Schmid, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
    Wolfgang Tiefensee, damaliger Oberbürgermeister der Stadt Leipzig
    Eggert Voscherau, Mitglied des Vorstandes der BASF AG

    Modifiziert von
    SPD, Grüne, CDU/CSU, FDP, Vermittlungsausschuss Bundesrat /
    Verabschiedet vom Bundesrat
    Unterzeichnet von Bundespräsident Horst Köhler
    Umgesetzt von der BA

  52. Anonymous sagt:

    Ich denke, das Problem liegt darin, dass kaum mehr einer eine Perspektive hat, „Wofür leb ich eigentlich“. Um es mir gut gehen zu lassen? Um anderen zu helfen(aber wozu?)?.

  53. ArthurDent sagt:

    Vor elfeinhalb Jahren entschied ich mich aus einer unbefristeten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung heraus dazu, mich selbstständig zu machen. Das ging schief. Seither ist meine Erwerbsbiographie gebrochen (Zeitarbeit, Ein Euro Job, 400Euro..).
    Hartz4 ist eine Sackgasse für mich; es gibt kein Entkommen aus eigener Kraft.

    Was kann der Einzelne tun?
    Ich schlage vor:
    Keine amerikanischen Produkte jeglicher Art (McD, Filme!, Apple…) mehr kaufen, weil das aktuelle Gesellschaftsbild von dort kommt (und wir wollen doch ein anderes, oder?).
    Keine Zeitungen, Zeitschriften mehr (lest das Buch Meinungsmache von Albrecht Müller, Herausgeber der Nachdenkseiten).
    Sagt euren Mitbürgern, was WIRKLICH vorgeht, dafür gibt es Blogs genug.
    Kauft nur noch, was ihr WIRKLICH braucht, das tut den Renditegeilen wirklich weh.
    Holt euer Geld jeden Monat komplett von der Bank, wenn alle Lastschriften erledigt sind, und laßt den Banxtern kein Geld.
    Nur wer aktiv Links wählt (wenn auch nicht immer aus 100% Überzeugung) kann auf diese Weise Änderungen am ehesten erwarten.

    Nehmen wir mal an: Hr. R. Koch redet in meiner Stadt (ich bin Hesse) zwecks Wahlkampf. Jemand stört nachhaltig mit Megafon die Rede. Was wird wohl passieren? Der Redner wird wohl in die Psychatrie verfrachtet und die Umstehenden schütteln ob der Störung den Kopf. Buisiness as usual.

    Denn: solange die Erpressung funktioniert (so nach dem Motto, ja ich finde es auch nicht gut wie es läuft, aber ich habe Haus, Schulden, Kinder, Frau…) wird sich NIX ändern.
    PS: der Wg zur Hölle ist breit,eben, geteert und beleuchtet

  54. Oliver sagt:

    >Keine amerikanischen Produkte jeglicher Art (McD, Filme!, Apple…) mehr kaufen, weil das aktuelle Gesellschaftsbild von dort kommt (und wir wollen doch ein anderes, oder?).

    Unser ureigenes Gesellschaftsbild wurde Gott-sei-Dank mit Kaiserreich, Drittem Reich, DDR etc. pp. beerdigt. Wenn wir halt nichts besseres hinbekommen, müssen wir uns eben wie üblich ansonsten auf der Welt, mit kulturellem Import begnügen. Man hört in den USA auch viele Stimmen, die da behaupten dieses heutige Gesellschaft wäre seitens des japanischen Einflusses zu begründen. Welches Feinbild man auch beschwört, von der Eigenverantwortung als Individuum bzw. Gesellschaft per se kann man sich nur schwerlich lossagen. Die Konzerne arbeiten unlängst global, nur in den Köpfen der einzelnen tanzt noch der nationale Gedanke. Den Stempel bekommt man von diesen aufgedrückt — international, global. National gibts nur die Denksperre, die zu derlei Feindbildern führt.

  55. uschy sagt:

    Ach wie wahr…

    Die Menschen in diesem Land haben nichts mehr worauf sie Stolz sein können und niemanden mehr dem man sein Vertrauen schenkt. Ein Großteil denkt nur noch an sich, das allgemeine Niveau (ob nun an Bildung, Kultur und Sprache singt). Ich hoffe, dass es nur eine kurze Ära einer Zivilisation ist indem man diese Beobachtungen macht. Das es in einem Jahrzehnt wieder besser wird, aber die Zukunft wird noch düsterer aussehen. Ich habe oft das Gefühl, die Menschen in dieser Republik haben resigniert und niemand hat mehr Lust ein Staatsbürger zu sein. Niemand hört dem anderen mehr richtig zu, nur noch wenige versuchen sich aus dieser misslichen Lage zu befreien und versuchen zueinander zu finden, zu wenige. Der Rest kauft sich irgendwann die Bild und schaut RTL2 news, warum auch nicht? Das Bild vom kritischen (und besonders selbstkritischen) Staatsbürger ist verblasst. Der Staat hat versagt, auch WIR, denn WIR gehören dazu. Wir sind stärker als das, was UNS zwingt gegeneinander zu kämpfen. WIR müssen zuerst bei UNS anfangen, jeder einzelne kann für ein besseres soziales Klima sorgen!

  56. Dissident sagt:

    Hallo zusammen,

    hiermit möchte ich Euch noch auf einen Text ans Herz legen, den ich persönlich inhaltlich für ganz hervorragend erachte, und der das politisch verschuldete Desaster für deutsche, europäische und amerikanische Arbeitnehmer/Arbeitsplätze anschaulich und nachvollziehbar beschreibt und Lösungsvorschläge aufzeigt:

    Bitte auf der Seite «Erklärung zur Freihandelszone anklicken»:

    Cashkurs

    Gruß

  57. lupe sagt:

    Brot und Spiele — das ist das Rezept, das seit mindestens 2000 Jahren funktioniert.
    Nur wenn es zu lange für zu viele Leute an Brot und Spielen oder an einem davon mangelt, wird Widerstand organisiert werden, Leute werden sich zusammentun — und das Spiel beginnt von vorn, das mit der Vereinzelung der Gesellschaft.
    Also macht das Beste daraus und wehrt euch, wo ihr nur könnt, vor allem gegen Volksverblödung! Sie ist das Grundübel.

  58. Mike sagt:

    Unser ureigenes Gesellschaftsbild wurde Gott-sei-Dank mit Kaiserreich, Drittem Reich, DDR etc. pp. beerdigt.

    Findest Du? Ich habe eher den Eindruck, daß man die „alten Werte“ vor kurzem exhumiert und in neuer Uniform dem Volk feilbietet. Aber ich kann mich täuschen. Vielleicht ist der Optimismus zurückzuerobern, indem sich der Blick auf die kleinen, scheinbar unbedeutenden Dinge des Lebens konzentriert. Dann mag das Große nicht mehr so gewaltig und unbezwingbar auftreten, wie man es uns gerne vorgaukelt.

  59. willi sagt:

    Sehr gut getroffen Chris. Man muss aber wegen der Beschreibung nicht zwangsläufig Trübsal blasen, schließlich steckt in der Traurigkeit die Erinnerung an das Glück und wenn die Leute es gründlich satt haben kann es, wie der Zusammenbruch der ehemaligen DDR gezeigt hat, auch sehr schnell gehen.
    Das Wort vom steten Tropfen, der den Stein höhlt gilt immer noch. Ich denke, dass immer mehr Menschen abfangen zu begreifen, dass man ihnen mit dem TINA — Gefasel (there is no alternative) die Hucke voll lügt, auch wenn bei vielen noch einige Ent — Täuschungen nötig sind, bis sie verstehen was hier vor sich geht. Der Weg in die 80/20 Gesellschaft wird trotz aller PR nicht reibungslos von statten gehen, weil dass Offensichtliche irgendwann nicht mehr zu leugnen sein wird.

    «Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen.» Licoln

  60. Gunnar sagt:

    Und wo wollt ihr alle hin, bitteschön?
    Macht das Land doch nicht schlechter. Ich möchte nicht flüchten.

  61. Oliver sagt:

    /offtopic

    Liebe Rechtsaußenläufer, die hier nur meine Antwort vorfinden, nicht aber die äußerst infantilen Kommentare: nein ich finde es keineswegs plump, Deutschland anhand einiger 100 Jahre zu charakterisieren. Darüber hinaus existieren in «Deutschen Landen» noch andere radikale Charakteristika in puncto 30-jährigem Krieg, der Hexenverfolgung ( -> malleus maleficarum) etc. pp., als denn nur die letzten «paar hundert Jahre». Man könnte gar von einem zur Radikalisierung neigenden Zentrum innerhalb Europas sprechen und damit würde ich gar nicht mal derart pauschal zu Werke gehen. Aber damit beschreite ich Gefilde, die jene Kommentatoren in ihrem Wahn nicht einmal erahnen können. Es ist jedoch schon bemerkenswert wie sehr sich einige auf diese relative kurze Zeit der «Dichter und Denker» stützen und nur allzu gerne dieses vielseitigen, durch und durch radikalisierten Epochen bis hin zum Land der «Richter und Henker» vergessen sehen möchten. Und bitte erspart mir weitere Wikipedia-gestählte Eso-Links bezüglich tollkühnen Germanen und Kelten, sowie anderem Crap. Ich lasse allenfalls Asterix zur Belustigung gelten.

    offtopic/

  62. Schluckimpfung: Unkultur, Deutschnet, Zensur, Lebensfreude, Rüttgers…

    Die Schluckimpfung ist süß, die Wahrheit bitter. 01 — «Das Behagen an der Unkultur», perlentaucher. 02 — «German Publishers Go After Google; Apparently Very Confused About How The Internet Works», techdirt. 03 — «Sennett: Über Daten und Macht», k…

  63. […] schreibt auf F!XMBR darüber, wie trostlos Deutschland geworden ist. In vielen Punkten gebe ich ihm Recht und ich habe seltsamerweise einen Tag vor seinem Beitrag mit […]

  64. Alexandra sagt:

    Wie bringt man eine Gesellschaft zur Lethagie?
    Durch Massenimpfungen gegen erfundene Krankheiten.

    Was passiert mit der Gesellschaft, wenn nur ein kleiner (blinder) Teil davon mitmacht?
    Sie wird kleingehalten, geschröpft und bürokratisch beschäftigt, damit sich kein Widerstand regen kann.

    Was gewinnt man durch eine Gesellschaft in Lethagie?
    Macht, Geld und Abhängigkeit.

    Was fängt man mit einer abhängigen Gesellschaft an?
    Sie versklaven. (Beispiel: Hartz IV, 1,- Euro Jobs)

    Die Angst ißt die Seele auf,
    sie sitzt täglich in den öffentlichen Verkehrsmitteln neben uns und versucht alle anzustecken.
    Wir brauchen dagegen einen Massenimpfstoff,
    am besten eine kräftige Finanzspritze!

  65. Oliver sagt:

    Ein aktuelles Addendum:

    Im vergangenen Jahr sind weniger Menschen nach Deutschland eingewandert als fortgezogen. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden geht ersten Schätzungen zufolge von einem Minus von 20.000 bis 70.000 Personen aus. Die ungewöhnlich große Spanne erklärt sich durch eine hohe Unsicherheit, sagte Behördenmitarbeiter Reinhold Zahn der F.A.Z.

    FAZ

  66. Jan sagt:

    Ich stimme Dir zwar in der Analyse zu, dass man schon lange suchen muss, um Lebensfreude in Deutschland zu finden. Auch ich selbst fühle mich oft hoffnungslos, was meine berufliche zukunft angeht und stecke schon seit längerem den Kopf in den Sand und bekomme mein Studium nicht zuende.
    Aber willst Du das wirklich alles der Politik anlasten? Damit machst Du es Dir sehr einfach. Man kann doch argumentieren, dass Angie und Steinmeier uns ordentlich durch die Finanzkrise gebracht haben und dass die Arbeitslosigkeit heute geringer ist als noch vor ein paar Jahren. Schau Dir mal die Zeltlager der Amerikaner an, die ihr Haus verloren haben. Such Dir mal die spanische Arbeitslosenstatistik raus. Nur zwei Beispiele.

    Du darfst die etwas langweilige und dröge Art der meisten Politiker bei uns nicht mit Inkompetenz verwechseln. Mal von der FDP abgeshen, machen die Meisten einen soliden Job, auch wenn oft Visionen fehlen. Mit solchen Fundamentalkritiken untegräbst Du nur die Legitimation des bisher erfolgreichsten, solidesten, reichsten und gerechtesten Staats, den Deutschland in seiner Geschichte bislang hatte.

  67. Pedda sagt:

    Danke, Chris für diese — auch aus meiner Sicht realistischen — Skizze unserer Gesellschaft.

    Doch bin ich der Meinung, dass der Grund unserer Probleme nicht lokal zu suchen oder zu diagnostizieren ist:

    Ich nehme eher an, dass die Zwänge und Ideale der globalen Wirtschaft zunehmend die nationale Politik «beeinflussen» (diktieren?) und diese nach deren Maximen handeln läßt.

    Mittlerweile ist die Globalisierung des Kapitals so weit fortgeschritten, dass es erforderlich ist, gegen diese Missstände international geschlossen aufzutreten. Aber wie erreichen wir das? Das ist eine bei weitem viel anspruchsvollere Aufgabe!

    Nach den Wirren der Finanzkrise hatte ich gehofft, dass bei den Verursachern und «Heilern» der Finanzkrise so etwas aufkommt wie:
    «Wir sitzen alle in einem Boot, lasst uns das Schiff mit neuen globalen Navigationsregeln das rettende Ufer erreichen und somit ein Zeichen für die zukünftig anzuwendenden Regeln setzen «.

    Was folgte ist: «Rette sich wer kann, jeder auf seine Art und Möglichkeiten».

    Fazit:
    Nein, das war falsch, mein Gerede von globaler Verantwortung! Das hat sich als weltfremd herausgestellt ! Jeder ist in seinem sozialen Umfeld aufgefordert, in der kleinsten Zelle seines Einflussbereiches zu handeln um Änderungen herbeizuführen!

    Nur so können wir uns der allgemeinen Resignation entziehen!

  68. Der kleine Mann sagt:

    Als ich die Zeilen hier auf der Seite las, konnte ich die derzeitige Situation nur bestätigen. Erst danach blickte ich auf das Erstellungsdatum. Tja, es hat sich nicht viel getan, das Geschriebene ist nach wie vor brandaktuell. Ich selber lebe seit zweieinhalb Jahren in einer Geschäftsinsolvenz, deren Auswirkungen bei mir gleichzusetzen ist mit einer Privatinsolvenz, dank Kleinunternehmer. Mittlerweile ist meine Lebensfreude auf einen gefährlichen Tiefststand gesunken. Eigentlich bin ich gelernter Berufskraftfahrer im Personenverkehr (Busfahrer), nur, mit Beendigung der Ausbildung damals, wurde in meiner Stadt der öffentliche Dienst bei den Stadtwerken im Bereich ÖPNV privatisiert, infolge dessen war es nicht mehr relevant, ob man eine Ausbildung als Berufskraftfahrer hat oder eben nur den Führerschein. So erhöhten sich direkt die Arbeitszeiten und im Gegenzug wurden die Gehälter sehr stark gekürzt. In dreiwöchigen Kursen erhielten Arbeitssuchende damals den Busführerschein und der Markt war gesättigt mit Fahrern an jeder Ecke. Seitdem ist meine Berufsausbildung nichtmal mehr das Papier wert, auf dem das Zertifikat gedruckt wurde. Daraufhin kam ich auf die Schiene des Taxifahrers, anfangs noch als Nebenjob, dann hauptberuflich. Dort blieb ich auch zehn Jahre hängen. Bis auf die zwölfstündige Nachtschicht und immer nur an schwachen Tagen frei (während der Woche) und der daraus resultierenden Änderung des Freundeskreises, der sich nun in Gastronomiekreisen bewegte, hatte wenigstens das Geld gestimmt. Leichter Rückgang war nur mit Einführung des Euros einhergegangen. Allerdings war der Verdienst auch nur ausreichend, weil es im Taxigewerbe nicht so genau mit der Anmeldung einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit genommen wurde. Nachdem mir vom Taxiunternehmen gekündigt wurde, wollte ich mich in diesem Gewerbe selbstständig machen. Um aber die notwendige Förderung des Arbeitsamtes (Überbrückungsgeld) zu erhalten, mußte ich mindestens 6 Monate arbeitslos sein. Nach dieser Zeit stieg ich nun in die Selbstständigkeit ein. Es gab keinerlei Beratung, kein Hinweis auf eine mögliche freiwillige Arbeitslosenversicherung, keine Prüfung, ob man auch kaufmännisch für die Tätigkeit gewappnet ist. Schlussendlich war dies dann auch der Grund für meine ungewollte Beendung der Selbstständigkeit. Mit 5 Fahrzeugen und 4 Festangestellten mußte ich nach vier Jahren in die Insolvenz gehen. Ich habe das Geschäft «richtig» führen wollen, nicht so, wie ich es selber als Fahrer erlebt hatte, die Angestellten waren mit vollem Gehalt angemeldet, nicht nur zum Mindestsatz einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit. Der Lohn entsprach auch für einen akzeptablen Lebensstandard. Leider hatte ich einen Steuerberater, der in diesem Gewerbe nicht so fit war und die Beratung zu wünschen übrig ließ, was mir einen Verlust von mehreren tausend Euro einbrachte. Ich will die Schuld des Scheiterns nicht von mir abwenden, ich war es schließlich, der blauäugig dachte, es wurde laufen, wenn man sich korrekt an alles hält. Leider kommt einem im Nachhinein die Erkenntnis, weshalb es gerade in diesem Gewerbe mit den Richtlinien bezüglich der tatsächlichen Entlohnung und der angegebenen Anmeldung so weit auseinanderklafft. Nun, jetzt war ich in der Situation der Insolvenz. Ich nahm daraufhin eine Stelle als Busfahrer an. Die Schichtzeiten gingen von 4:00 Uhr morgens bis 19:30 abends. Selbstverständlich gab es vormittags zwischendurch unbezahlte Pausen, in denen man allerdings nur apathisch daheim herum saß und schauen mußte, dass man nicht einschlief. Nach 4 Wochen kam dann auch die fristlose Kündigung wegen Verschlafens. Der Gang zum Arbeitsgericht blieb nicht aus, er war auch mit Erfolg gekrönt, nur der Kommentar der Richterin zum Arbeitgeber machte mich stutzig: «Suchen Sie sich doch einfach mal Fahrer, die nicht Verschlafen!» Also ein Umstand, weswegen des öfteren geklagt wurde, nur den Lösungsvorschlag hielt ich für den falschen Ansatz…! Klar, arbeitslos, da bleibt nur der Weg zur «Arbeitsagentur», bei der man ja inzwischen als «Kunde» betitelt wird. Erste Ernüchterung: Ich hatte keinen Anspruch auf ALG 1, sondern wurde an die Stelle für ALG 2 verwiesen. Selbstverständlich nicht, ohne mich gefragt zu haben, weshalb, ich nicht in die freiwillige Arbeitslosenversicherung eingezahlt hätte. Aha, sowas gibt es also auch… An anderer Stelle bei Hartz 4 wird man dann so richtig schön gestrippt. Ich sollte Fragebögen ausfüllen, bei denen ich mir Gedanken machte, ob diese überhaupt mit den moralischen Ausführungen des Grundgesetzes übereinstimmen können. Dann sollte ich auch noch den Fahrzeugbrief mitbringen. Da ich mit der Insolvenz alle Wertgegenstände verlor, dazu gehörten natürlich auch die Fahrzeuge, hatte ich mir für 300 Euro einen alten Wagen besorgt, der seinen Zweck erfüllt. Dennoch verlangte man die «Besitzurkunde» dafür. Schlussendlich verzichtete ich auf die Sozialhilfe, da ich mit derart pikanten Fragen nicht umzugehen wußte und versorgte mich 6 Wochen lang selbst mit Unterstützunbg von Freunden, bis ich dann einen neuen Job als Kassierer an einer Tankstelle bekam. Die Insolvenzverwalterin forderte übrigens von dem Busfahrer-Lohn noch ca. 300 Euro ein, da nutze meine Einwand, ich hätte schließlich 6 Wochen ohne Einkommen bewältigen müßen, leider auch nichts. Wiedermal wurde mir bewußt, aus Scham auf Geld vom Staat zu verzichten, wird nicht belohnt. Der Tankstellenjob war mit 7,50 Euro/Std brutto vergütet, so ließ es sich nicht umgehen, dass ich nun wieder Schulden anhäufte, da die Rückwirkende Zahlung an die Insolvenzverwalterin ausstand, mein Gehalt bei knapp 1000,- Euro netto lag und ich ja noch irgendwie (über)leben mußte. Die Miete meiner Dachgeschosswohnung beträgt 360,- Euro kalt, die Nebenkosten für Strom und Heizung belaufen sich auf 150,- Euro, also verbleiben danach noch 490,- Euro für den Rest. Der Rest, dies wären dann 72,- Euro Kfz-Versicherung, 20,- Euro Kfz-Steuer, 100,- Euro tanken, 150,- Euro Essen, 55 Euro Hundefutter, 10 Euro Hundesteuer, 30,- Euro Telefon … und leider Gottes bin ich auch noch Raucher. Der schnelle Kopfrechner wird merken, dass diese Rechnung einfach nicht aufgehen kann! Inzwischen bin ich arbeitslos (seit Dez 2012, Termin für die Leistungsstelle beim Arbeitsamt habe ich erst für 22.01.2013 bekommen, soll heißen, ich habe inkl. Dezember noch keine Leistungen erhalten!!) und auf Wohnungssuche, da ich die Wohnung (rechtens) gekündigt bekam. Nun muss ich mir die richtige Stelle bei der Stadt suchen, wo ich nachfragen kann, wie es weitergeht, da ich bisher noch keine Wohnung gefunden habe. Die Referenzen sind schließlich nicht die Besten. Arbeitslos und insolvent, nun, da will Dich kein Vermieter haben… Inzwischen geht es mit diversen Gerichtsterminen weiter, da mitlerweile Geld eingefordert wird, dass ich vorangegangen nicht zahlen konnte.

    Mein Geschriebenes ist natürlich nur mein eigenes Fallbeispiel. Dennoch habe ich inzwischen sehr viele Menschen kennengelernt, denen es, auch wenn die Ursachen andere sind, ähnlich bescheiden geht. Wie soll man jetzt auf Lebensfreude kommen? Ich bin ein Mensch, der gerne hilfsbereit ist und gerne lacht, eigentlich eine Frohnatur. Nur schwindet selbst bei den optimistischsten Gemütern irgendwann so ein wenig die Hoffnung auf Besserung. Und es ist umso bedenklicher, als das die Lebenfreude noch ein gutes Stück über dem Hoffnungsverlust aufhört.

    Mit meiner Geschichte will ich nicht mein momentanes Leben beklagen, vielmehr bin ich eben auch der Meinung vieler vorangegangener Schreiber, dass sich einige Sachen in Deutschland ändern müßten, um die allgemeine Lebensfreude wieder herzustellen.

    Meiner Meinung nach sollte es einen adäquaten Mindestlohn in Deutschland geben. Mit meinen genannten 7,50,- brutto als Stundenlohn, der in meinen Augen viel zu niedrig ist, liege ich ja noch nicht am unteren Limit… der reicht ja bei manchen Ausbeuterfirmen bis 4,- Euro brutto. Wenn ich überlege, dass ich bei einem Getränkehändler 1995 1900,- DM netto verdient hatte, und nach 17 Jahren den gleichen Betrag in EURO raus habe, kann doch was nicht stimmen.

    Auch die Einführung der Zeitarbeitsfirmen haben nur zur Schönung der Arbeitslosenquote beigeführt, aber nicht für mehr Einstellungen bei Firmen. Auf Kosten schlecht bezahlter (Zeit)Arbeitnehmer wird der Profit gesteigert. Für mich unverständlich, dass dies weiter so hingenommen wird.

    Auch, dass man die Auslagerung von Produktionsstätten ins Ausland duldet, obwohl der Stammsitz in Deutschland verbleibt. Da sollte die Politik doch bitte mal E… in der Hose haben und sagen: » Bitteschön, Du produzierst im Ausland, also nimm Deinen Stammsitz und zieh damit auch um!» Dann wäre nämlich nix mehr «Made in Germany», was es ja heute auch bei vielen nur noch auf dem Papier ist. Aber ist ja klar, die großen Firmen haben eine ebenso große Lobby in der Politik. Die bekommen noch Subventionen dazu.

    Ich denke, es ist einfach ein sehr trauriges Problem, wenn die Oberen Etagen ihren privaten Gewinn immer weiter ausbauen wollen, immer noch mehr haben wollen, obwohl das Geld schon für mehrere Generationen ausreichen würde. Oben wird immer mehr angescheffelt, was unten weggenommen wird. Und wenn es mal eng wird, springt der Staat mit Millionen von Geldern ein.

    Mir hat der Vorschlag eines Schreibers hier gut gefallen, dass man mal für 3 Monate die Sender abschalten sollte… dieses tägliche Fernsehprogramm, was ja anscheinend gezielt für Berufsuntätige gesendet wird, trägt ja auch nur zum Stillschweigen der absoluten Mehrheit bei! Ich kann mir den Verdacht nicht verwehren, dass dies von der Politik so gewollt, wenn nicht sogar von ihr initiiert. Da laufen Sendungen, wo sich der ein oder andere vielleicht mit identifiziert oder sich denkt, siehste, denen geht es noch schlechter als uns… und schon sind sie wieder beruhigt und begnügen sich mit ihrer so künstlich suggerierten Lebensfreude…

    Vielleicht sollte man einfach mal damit anfangen, die Sender an Wahltagen abzuschalten …

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