Die Zukunft des Internets: Geschlossene Ökosysteme

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Foto: F!XMBR

Die Zukunft des Internets sieht nicht gerade rosig aus. Während wir politisch die Freiheit des Netzes verteidigen (Netzsperren, Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrecht u.a.), entstehen um uns herum einzelne Ökosysteme der sogenannten Big Player, die die Freiheit des Netzes ad absurdum führen.

Facebook war schon immer ein geschlossenes System, darum hat es mich kaum interessiert. Sicher, ich bin vertreten, lasse aber nur Kontakte zu, die ich persönlich kenne oder die mir seit Jahren im Netz namentlich bekannt sind. Ob Facebook, es soll bei der Jugend mittlerweile als uncool gelten, den Weg von AOL oder anderen Anbietern geht — who cares.

Twitter schließt gerade die Pforten, die neue API hat bereits für Kopfschütteln geführt. Es läuft Alles darauf hinaus, dass man zukünftig Twitter nur noch via dem originalen Twitter-Client nutzen kann oder per Webseite.

Mich persönlich trifft das in diesem Punkt jetzt schon ganz empfindlich. Twitter hat angekündigt, die Adobe-Air-Version von Tweetdeck abzuschalten. Ich nutze immer noch die ganz alte Version 0.38.2. Diese hat mehrere Vorteile: Ich kann Identi.ca damit bedienen, habe meinen eigenen URL-Shortener implementiert, zudem hat man sich natürlich über Jahre daran gewöhnt. Ich habe keine Idee, welchen Client ich zukünftig nutzen soll, der die gleichen Funktionen wie die Adobe-Air-Version erfüllt.

Ähnlich sieht es mit dem Google Reader aus. Ich habe schon etliche Alternativen im Einsatz gehabt, Tiny Tiny RSS oder RSSOwl, um nur zwei zu nennen. Der Google Reader ist schlicht die beste Lösung. Durch die dauerhafte Synchronisation, bin ich immer aktuell auf dem Laufenden. Sobald ein Artikel auf F!XMBR veröffentlicht wird, ist der im Reader zu finden, das gilt natürlich auch für andere Webseiten.

Und es sind die Kleinigkeiten. Ich nutze das Userscript Google Bar Enhancer, heißt: Egal welche Google-Seite ich aufrufe, mir wird immer in der schwarzen Leiste angezeigt, wenn es Neuigkeiten im Reader gibt. Zudem mag ich schlicht und ergreifend das schlichte Design. Gibt es 200 neue Artikel, muss ich diese schnell überfliegen können. Feedly hat für mich persönlich was von Augenkrebs, ich werde NewsBlur und TheOldReader im Auge behalten, wir werden sehen, wir es mit der permanenten Synchronisation ausschaut und ob ich mich im Firefox benachrichtigen lassen kann.

Der Beginn des Jahres 2013 hat den Herbst des freien Internets eingeläutet. Dementsprechend auch die harschen Reaktionen, beispielsweise vom ORF oder der EFF. Facebook war Vorreiter für ein geschlossenes, aber sehr erfolgreiches Ökosystem, Twitter zieht nach, Google scheint sich nun auch dazu entschlossen zu haben. Ende des Jahres wird sich Google einen ähnlichen Ruf wie Facebook erarbeitet haben.

Natürlich gibt es Alternativen. Doch die beiden Zauberworte heißen Kommunikation und Information. Was nützen mir hehre Ansätze wie App.net, Identi.ca oder Diaspora, wenn ich mich dort fast alleine unterhalte und die Informationen schlicht und ergreifend nicht ankommen?

Hoffnung habe ich ehrlich gesagt keine, die Chancen sind nicht wirklich als groß einzuschätzen, dass wir in ein paar Jahren über einen der heutigen Big Player wie über AOL oder MySpace lachen werden. Allerdings mögen sich bitte Google und Twitter zukünftig nicht darüber beschweren, wenn man sie zur dunklen Seite der Macht zählt — wenn man das nicht bereits getan hat.

Das Internet muss neu gedacht werden. Politisch werden wir Nutzer bei allen Unterschieden und sonstigen Diskussionen weiter an einen Strang ziehen, das hoffe ich zumindest. Beim nächsten Gesetzesvorhaben à la Leistungsschutzrecht müssen sich Google oder Twitter aber auch nicht wundern, wenn gesagt wird, lass die doch zahlen, von der FAZ bekomme ich immerhin meine Informationen, während die mich immer weiter einschränken.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass sowohl Google als auch Twitter mit ihren Plänen scheitern, dies rechtzeitig erkennen und dann die Notbremse ziehen und zurück rudern.

tl;tr

Der «Kampf» gegen ein geschlossenes und überwachtes Internet wird in diesem Jahr nicht nur gegen die Politik geführt, sondern auch gegen Google und Twitter.

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10 Antworten zu “Die Zukunft des Internets: Geschlossene Ökosysteme”

  1. Sie beginnen immer mit einer sanften Pull-Strategie, orientieren sich am Erfolg und richten sich zunächst ganz nach den Wünschen des Verbrauchers. Dann gewinnen die Marketing-Dackel auf den Teppich-Etagen an Einfluss, die prompt immer mehr Push-Elemente in ihr erfolgreiches Geschäftsmodell ‘implementieren’ möchten — und schon geht alles den Trampelpfad des AOL hinab. Warum sich dieser Mechanismus fast schon vorhersagen lässt — ich weiß es auch nicht, das muss wohl menschlich sein …

  2. Jochen Hoff sagt:

    Du hast vollständig recht. Ich habe gerade App.net, Identi.ca oder Diaspora in die todo liste gesetzt. Du müsstest mich auf eigentlich noch auf Identica haben. Ich weiß nicht mal mehr meinen Benutzernamen. Ja ich schäme mich. Aber seit tweetdeck bei mir nicht mehr läuft, habe ich Identica leider ausgeklammert.

  3. Alex sagt:

    Ein kleiner Tipp von mir zu Feedly. Dort kannst du die Ansicht auf Titles stellen und schon sieht das fast wie der Google Reader aus. ;)

    Zum Rest des Artikels kann ich nur sagen: JA!

  4. Was für ein sensationeller Tipp. Der ist ja mal ganz neu…

  5. Arthur sagt:

    An Deiner These ist was dran. Ein Großkonzern hat halt seine eigenen Interessen, und die gehen nicht in Richtung freier Diskussion, sondern Gewinnmaximierung. Was dem schadet oder zumindest nicht förderlich ist, wird abgeschaltet. Die weitere Entwicklung des freien Internets hängt natürlich von den Usern selber ab, und diese wiederum von der Presse, denn ohne breite Aufklärung wird die breite Masse nicht entsprechend handeln. Soweit die Zeitungsverlage in Opposition zu Google & Co stehen, macht Zuversicht also noch Sinn.

  6. Michaela sagt:

    Ich finde es nicht schön und eine Fehlentwicklung, wenn sich die ganzen Dienste immer mehr und mehr von der Idee eines offenen Internets verabschieden und versuchen ihr eigenes Süppchen zu kochen. Ich hoffe auch, daß dies die Pläne der einzelnen Akteure scheitern und sie dies auch bald möglichst einsehen.

  7. Mac sagt:

    Ich hoffe und denke, dass es mit den geschlossenen Systemen nicht funktionieren wird. Wenn es zuviele Nachteile hat werden andere kommen bzw. bereits existierende mehr User kriegen. Selbstveständlich bin ich auf dafür, das die grossen Plattformen nicht oder nicht noch mehr zu geschlossenen Systemen werden.

  8. […] Die Zukunft des Internets: Geschlossene Ökosysteme | fixmbr.de Warum Facebook ein geschlossenes System ist und wie es mit dem Internet weitergeht […]

  9. Michael sagt:

    Ich denke, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es solche geschlossenen Systeme gibt, denn schließlich haben die großen Geschäftsleute ja schon entdeckt, dass man auf diese Weise Geld verdienen kann. Und das ist leider, für die meisten Menschen das wichtigste. Als Nutzer kann man diesem nur entgegenwirken, wenn man solche Systeme boykottiert.

  10. Anton sagt:

    Da kann man ja nur hoffen, dass diese Pläne nicht in die Tat umgesetzt werden. Die UAswirkungen für die Normalverbraucher wären meiner Meinung fatal. Nur die Großen Unternehmen würden dann wieder einmal profitieren. Auf der Strecke bleibt wie immer der «kleine Mann».


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