Die Würde des Amtes

White Star Line

In den letzten Wochen der Präsidentschaft Christian Wulffs wurde oft über die Würde des Amtes gesprochen und wie Wulff diese beschädigen würde. Am Ende war ein Rücktritt unausweichlich, nicht nur wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen, auch ohne diese hätte sich Wulff nicht mehr lange im Amt halten können. Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat der SPD, spielt derzeit ähnlich mit der Würde des Amtes, dem des Bundeskanzlers.

Ein Bundeskanzler sollte gewisse Moral– und Wertevorstellungen mitbringen, diese glaubwürdig vorleben. Peer Steinbrück füllt keines dieser Attribute aus. Weder vertritt er Moral– und Wertevorstellungen, noch zählt Glaubwürdigkeit zu seinen Eigenschaften. Schon in der Debatte um seine Vortragshonorare ließ er zu Beginn verlauten, diese gingen niemanden etwas an — erst nach lauter, öffentlicher Kritik lenkte er ein.

Bei allem politischen Streit, unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen hat die deutsche Bevölkerung eines nie verloren: Ihr Gespür für Selbstdarsteller, maßlose Egoisten und Politiker, die — das kann durchaus legal sein, jedoch jeglicher Moral und Wertevorstellungen widersprechen — die Hand aufhalten. Zuletzt haben dies Christian Wulff und, trotz massiver Kampagne des Axel-Springer-Konzerns, Karl-Theodor zu Guttenberg erfahren.

Peer Steinbrück gehört in diese Sorte Politiker. Er hält sich den Menschen für haushoch überlegen — bisher hat er es hervorragend verstanden, seine Arroganz als klare Kante zu verkaufen. Nun steht ein Kanzlerkandidat unter anderer Beobachtung als ein Finanzminister oder ein einfacher Abgeordneter. Das muss Peer Steinbrück gerade lernen. Die Selbstreinigung unserer Gesellschaft funktioniert noch. Menschen wie Steinbrück entlarven sich zum Schluss immer selbst.

Ein Bundeskanzler, oder der, der es werden möchte, hat sich nicht mit einem Sparkassendirektor zu vergleichen. Das verbietet die Würde des Amtes. Er hat über Moral und Werte zu sprechen, über Ungleichheiten in unserer Gesellschaft und hat dafür zu werben, wie seiner Meinung nach, die nächsten Jahre unseres gemeinsamen Miteinanders aussehen sollen. Dabei sollte Demut ebenso zu erkennen sein, wie Seriosität.

Man mag Angela Merkel politisch bekämpfen, doch in ihr erkennen die Menschen eine gewisse Demut, Würde und eben Seriosität.. Wenn nach einer durcharbeiteten Nacht im Kanzleramt, ob gemeinsam mit der Opposition zur Euro-Rettung oder nach einem Koalitionsgipfel, die Augenringe zu sehen sind, die Mundwinkel noch tiefer hängen, dann spürt man ganz einfach eine gewisse Aura, die Würde und auch die Last des Amtes, etwas, was ein Peer Steinbrück niemals erreichen wird.

Man mag den politischen Weg der Angela Merkel für verkehrt halten, doch vertritt sie glaubwürdig ihre Überzeugung, sie würde im Interesse dieses Landes handeln. Peer Steinbrück handelt einzig und allein im eigenen Interesse. Ein Kanzlerkandidat, der das Amt des Bundeskanzler mit dem eines Sparkassendirektors, im Übrigen ein ehrbarerer Beruf, vergleicht, disqualifiziert sich selbst — zumal es um den schnöden Mammon ging. Bundeskanzler zu sein, ist kein Beruf, es ist eine Berufung, eine Ehre. Die SPD ist aufgefordert, hier die Notbremse zu ziehen. Zum Wohle unseres Landes. Und der Würde des Amtes.

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4 Antworten zu “Die Würde des Amtes”

  1. Hmmm, stimme Dir in vielen Punkten zu, trefflich formuliert:
    «Peer Steinbrück … Er hält sich den Menschen für haushoch überlegen — bisher hat er es hervorragend verstanden, seine Arroganz als klare Kante zu verkaufen.»

    Allerdings kann ich Deiner fast schon kritisch-«jubelnden» Einschätzung der Aussitz-S21-Merkel nicht zustimmen!
    Sie hängt ihr Fähnchen nach dem Macht-Erhalt-Wind, nicht dem «Interesse des Landes» (was auch immer das übrigens sein soll) … und Aura ist das nicht, sondern Gewöhnung, was einen beschleicht, beim Sauerdrops-Merkel-Anblick;)))

    Nicht zum Wohle des abstrakten Konstruktes «Landes» und der «Würde des Amtes» hmmmmmmm sorry, wenn, dann geht es um das Wohl der Menschen in diesem Lande kraft des Amtes … (denke mal, das war auch das, was Du meintest)

  2. Uli sagt:

    Ne Du, ich stimme Christian auch in dieser Hinsicht zu und nehme der Merkel ab, das Wohl des Volkes im Auge zu haben. Ob es richtig ist was sie tut — und ob das Wohl des Einen auch das Wohl des Anderen ist muss man auch genauer hinterfragen. Ebenso ob ich dieses «Wohl» das sie für mich möchte, SO überhaupt haben will.
    Ich kaufe ihr aber eine gewisse Integrität ab.
    Die Sache mit dem «Fähnchen nach Machterhalt-Wind» ist doch nichts anrüchtiges in einer Demokratie. Natürlich muss sie eine Auge auf Mehrheiten haben. Alles Andere wäre dumm, verbohrt und Lernresistent.
    Auch der Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt in Sachen AKWs hat gezeigt, dass sie eben doch nicht nur Marionette der Industrie ist. Ein Politiker der so offen zugibt, falsch gelegen zu haben, ist selten und sympathisch.

  3. Gaston sagt:

    Ich kann der Kritik zwar Grundsätzlich zustimmen, aber nur Bedingt als Haltbar ansehen.
    Steinbrück ist für mich kein Kandidat, den ich von der SPD erwarte (gut da steht er mit seinen Vorgängern, die es ja teilweise geschafft haben nicht allein). Aber ist es nicht sein Recht, wie jeder Andere auch, seine Privatsphäre gewahrt zu halten. Nichts anderes ist die Weigerung Nebenverdienste (die er rechtlich nicht sowieso veröffentlichen wollte) eben für sich zu behalten. Witzigerweise blenden viele aus, das die heftigsten Kritiker in der Politikerriege selbst nicht die Anti-Korruptionsvereinbahrung unterschreiben wollen und auch Ihre Einkünfte für sich behalten.

    Merkel hat keine Aura, sondern ist meiner Meinung nach eine gute Schauspielerin. Sie hat, angefangen in Ihrer Politkarriere der ehemaligen DDR immer so agiert, wie es Ihre nützt und wie sie mehr Macht erhält. Einmal in Ihrer Jugend hat Sie einen Fehler gemacht und gesehen, wie die Macht von Pappi alles wieder richtete in diesem totalitären Staat. Das prägte Sie wohl am meisten. Nicht anecken und wie ein Gummiball bei Widerstand einfach in die andere Richtung zu springen.
    Gerade das angebliche Eingestehen eines Fehlers sehe ich nicht. Sie hat immer von dem «Undenkbaren» gesprochen und inzwischen zeichnen sich schon die Wirkungen der geschickten Politik aus, das die Angst vor nicht mehr bezahlbaren Strom die Rufe der «Geiz ist Geil»-Leute nach Atomstrom kommt.

    Ich persönlich sehe es eher so, das es zur Zeit keinen wirklichen (und «würdigen») Kandidaten für das Amt gibt. So wird, bei dem Wahlsystem die unwürdigen weiter Ihre Pöstchen behalten. Vielleicht mit der Ausnahme der FDP-Schergen (wobei da ja schon die ersten verzweifelt zu den Piraten wechseln ;-) )

  4. Andreas sagt:

    Wir reden hier schon von der gleichen Frau Merkel? Ich kann ja nur für mich sprechen, aber gerade ihre aktuelle «Neujahrsansprache» zeigt wohl deutlich, dass ihr die genannten Attribute Demut, Würde und Seriosität deutlich abgehen.

    Der einzige Grund, warum die Menschen diesem Ziehkind des Aussitzerkönigs Helmut Kohl zujubeln ist wohl der Wunsch, nach einem starken Führer jetzt von einer übermächtigten Bundesmutti geleitet zu werden. Die andere Möglichkeit, nämlich geschönte Umfragewerte, sind bei ihrer Person ja per Definition «alternativlos».

    Aber mal im Ernst: Angela Merkel hat in ihrer bisherigen, viel zu langen Amtszeit, nur eines eindrucksvoll bewiesen: wie man sich konsequent vor jeder klaren Position, jeder Vision, jeder Zusage und jedem Versprechen drückt. Das Fähnlein im Winde. Dadurch, dass sie alle im unklaren lässt, kann man ihr nicht vorwerfen, sie würde falsche Versprechungen machen — weil sie eben nichts tut. Noch kann man ihr vorwerfen, Fehler zu machen — weil sie nichts macht.

    Angesichts einer solchen Bundeskanzlerin frage ich mich allerdings ernsthaft, ob dieser Posten nicht ein wenig überbezahlt ist. Und wenn man durch eine Herabstufung der Amtsbezüge Leute wie Herrn Steinbrück von einer Kandidatur abschrecken könnte, wäre das imho umso besser.


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