Die Web 2.0-Blase

Hab eigentlich nur ich das Gefühl, dass zur Zeit die Nachfolgerin der New Economy — eine gigantische Web 2.0-Blase — entsteht? Sie wird meiner Meinung nach genauso platzen, wie ihre berühmte Vorgängerin. 😉 User generated content — wenn ich den Begriff schon höre, stellen sich bei mir die Nackenhaare hoch. Seien wir doch mal ganz ehrlich und realistisch: Die Dienste, die laufen , laufen nur, weil illegaler Content massig angeboten wird. Beispiel YouTube: Glaubt wirklich einer, die ganzen Spielfilmausschnitte, die Simpsons, irgendwelche Nachrichten liegen da legal? Und auch wenn Kooperationen mit den Filmstudios abgeschlossen werden, dann wird massiv Werbung folgen oder sogar Pay per Click. Glaubt wirklich jemand an einen Erfolg, wenn ich den Content woanders für lau bekomme? Und über One-Click-Hoster wie Rapidshare muss man wohl nicht reden. Wenn ich dann hochtrabend höre, dass Sevenload.de (das deutsche Gegenstück zu YouTube) den User an die Hand zu nehmen will und ihm die Möglichkeit geben will, automatisiert eigene Inhalte einzustellen, zu verändern oder gar personalisiertes User-TV zu gestalten. Natürlich, alles wird gut. 😀

16 Antworten zu “Die Web 2.0-Blase”

  1. Oliver sagt:

    Grob gesagt entstand das Internet aus dem militärischen Netz (Arpanet) und es wurde mehr private, denn militärische Projekte gefördert — eben eine Art Wissensnetz. Da wurde auch bis vor ein paar Jahren nicht dran gerüttelt, bis halt der Web Boom aufkam und die erste Blase dot com platzte. Kann man schön sehen in der Doku «Leben nach Microsoft».
    Seitdem betrachtet man das Internet nur als Chance irgendwie Geld zu verdienen, leider blieb/bleibt die Information da größtenteils auf der Strecke. Wirklich nutzvolle Dinge finde ich da meist ohnehin nur bei Privat.
    Das Netz ist hilflos dem Kommerz ausgeliefert, Betrügern und staatlichen Stellen, die mangels Kompetenz Dinge kaputtregulieren.

    Die ganzen Plattformen existieren

    a)wegen dem Inhalt
    b)weil sie kostenlos sind

    «Geldmachinen» kippen sehr leicht, warten wir als auf das Platzen der Web2.x Blase.

  2. kobalt sagt:

    Web 2.0 ist entweder eine Blase oder ich bin unfähig zu erkennen, was an Web 2.0 neu sein soll, welche vorher noch nie dagewesenen Technologien es hervorbringt.
    Die In-People reden übrigens schon von Web 3.0.

  3. Falk sagt:

    Paar Nasen kriegen halt jetzt einen Haufen Kohle für eine clever umgesetzte Technik, die Börse jubelt und sonst? Der Rest verpennt die Entwicklung und der Dumme ist der Kunde. War doch schon immer so oder?

    Btw. was Oli sagt — *Wissensnetz* — genau das sollte es sein. Wegen mir auch noch ein *Kulturnetz* (was auch immer man darunter versteht), aber die einzige Branche, die dauerhaft mit dem Internetz Kohle macht, sind doch die Sexanbieter. Verkauft sich eben immer gut.

    Und btw. wegen mir solls auch 5 Trilliarden Plattformen mit User generated content geben, solang sie mit dem Kindergarten den Rest vom Netz in Ruhe lassen und ihren industry controlled content versuchen zu verkaufen.

  4. Oliver sagt:

    Die In-People reden übrigens schon von Web 3.0.

    Für die Firmen ist es der heilsbringende Gral, das omnipotente Geschäftsmodell — und das wird ebenso Platzen wie die dot com Blase anno 2000.

    Für O’Reilly war der Begriff Web 2.0 einfach eine Zusammenfassung der jetzigen Dinge, z.B. Wikipedia etc. Da bekommt man nicht mehr Inhalt statisch vorgesetzt, sondern arbeitet aktiv mit — sprich der Inhalt wird dynamisch. Alles andere ist Hype — siehe Wunschtraum der Konzerne.

  5. kobalt sagt:

    Ein Kulturnetz sollte es sein, ein Wissensnetz, gut und edel und den Menschen Nutzen bringend. Wenn ich auf deutschsprachigen Seiten unterwegs bin (auf anderen als den üblichen Paranoiaseiten) sieht das Angebot eher nach RTL aus oder 9Live. Alles schreit «KAUF MICH !1Elf!».

    Die Codepoeten sollten ein anderes I-net basteln, eines das Informationen bietet und so ist, wie das I-net in seinen Anfängen war: ein freundlicher, kommunikativer Bereich des Lebens. Der Kommerz hat das I-net versaut, die Überwachung hat das I-net versaut. Wohin sind die einfach gestalteten Seiten verschwunden, die ohne Pop-ups und Java-dingsbums auskommen, ohne schrille Multimediainhalte?

  6. Oliver sagt:

    Die Codepoeten sollten ein anderes I-net basteln, eines das Informationen bietet und so ist, wie das I-net in seinen Anfängen war: ein freundlicher, kommunikativer Bereich des Lebens.

    Das ist ja eher ein zweischneidiges Schwert, zwar gibts da massiv den Kommerz, aber ich sehe da weder RTL, Bild, whatever. Warum? Nun anders als in TV, Radio etc. brauche ich hier nicht draufzuklicken, bekomme es als in der Regel nie zu Gesicht.
    Das lethargische Konsumverhalten der Leute gibt auch den Ton an, keiner wird doch dran gehindert am Internet zu partizipieren und eigene Inhalte reinzustellen. Oder wer das nicht mag, Wikipedia & Co bieten genügend Möglichkeiten.

  7. kobalt sagt:

    Ja, stimmt, man muß da nicht draufklicken, man kann Pop-up-Blocker benutzen und sich von allem zurückziehen, daß einen nervt.
    Eben dieses Zurückweichenmüssen empfinde ich als Entweihung des I-nets. Es gibt immer mehr Inhalt den ich blockieren muß, damit er mich nicht nervt. Das mag eine Macke von mir sein. In meinen Augen verkommt das I-net, ehemals Medium der Bildung, der Information, des (mehr oder weniger) ernsthaften Austausches zu einem Lifestyleprodukt und verliert dadurch an Wert und verliert die Chance, gesellschaftlich Aufklärerisch zu wirken.

    Bislang verstand ich das I-net als Möglichkeit, die Idee der Demokratie und der Meinungsfreiheit, der Bildung voranzutreiben. Mit einem Lifestyleprodukt, in welchem das von Dir genannte «lethargische Konsumverhalten» eine stetig gewichtigere ROlle spielt, fürchte ich, wird das nicht funktionieren.

  8. Oliver sagt:

    Ja, stimmt, man muß da nicht draufklicken, man kann Pop-up-Blocker benutzen und sich von allem zurückziehen, daß einen nervt.

    Ich weiß zwar nicht welche Seiten du ansurfst, aber bei denen die ich ansurfe hält sich das massiv in Grenzen und es sind mitunter nicht wenige. Man frißt ja auch nicht alles was einem unter kommt und beschwert sich später weil man so richtig aus allen Nähten platzt, ne? 😉

    Es liegt letztendlich in den Händen der Leute, mich juckt z.B. kein Flash also meide ich diese Seiten — haben für mich null Informationsgehalt.
    Ja 1996 fühlte ich mich im Web auch noch wohler und nun, nun kommt viel Müll dabei, aber auch einige neue Dinge. Das Problem das viele Dinge zum negativen verkehrt werden, liegt in der Natur des Menschen.
    Ebenso in der Natur des Menschen liegt die Denkfähigkeit, nutzt man diese kann das Internet auch nett sein — da muß man seinen Informationsgehalt gar nicht derart kastrieren. Auch eine große Bibliothek bietet dir auf den ersten Blick eine geballte Ladung Information, aber erst wenn du dich wirklich damit beschäftigst, kannst du die Spreu vom Weizen trennen. Last not least bleibt vielleicht nur eine Handvoll essentieller Informationen über, dazu viele belanglose Werke, bis hin zu einer großen Menge Schund.
    Und schwupps wären wir wieder bei der Quellenkritik, der Fähigkeit selbst zu entscheiden, anhand von Vergleichen, von Basiswissen, was einem da unterkommen darf. Das funktioniert auf dem bedruckten Holz, in der Glotze, als auch im Internet.

  9. kobalt sagt:

    Ich störe mich übrigens auch an im Wald herumliegenden Joghurtbechern, obwohl ich in andere Waldgebiete ausweichen könnte, um Pilze zu suchen.

  10. Oliver sagt:

    Stör ich mich auch dran, nur brauchen wir nicht drüber zu diskutieren ob das gut oder schlecht ist.

  11. Earnup sagt:

    Sicherlich sollte das Internet auf die alten Wurzeln zurück gehen und als Wissensdatenbank dienen. Aber wir sind uns auch einig das es kostenlos sein soll oder? Wer soll die ganze Technik, KnowHow und ja auch teilweise den Content bringen, wenn es keine Möglichkeit gibt dafür eine angemessene Belohnung zu bekommen.

    Ich denke die Qualität wird sich durchsetzen, ich finde es einfach schwer in dem ganzen Müll wirklich wertvolle Seiten zu finden. Wenn die Informationen dann stimmen, dann bin ich auch bereit diese Person oder die Firma zu unterstützen, d.h. vielleicht seine Werbung einmal zu beachten.

    Viele Seiten übertreiben natürlich hoffnungslos, ich denke einfach die Werbung muss zum Content passen und so implementiert sein, dass diese garnicht als solche auffällt. Dann ist es einfach eine Informationsergänzung. Leben und leben lassen… aber bitte kein Paid Content. No…

  12. Oliver sagt:

    Wer soll die ganze Technik, KnowHow und ja auch teilweise den Content bringen, wenn es keine Möglichkeit gibt dafür eine angemessene Belohnung zu bekommen.

    Wir bringen auch unseren bescheidenen Beitrag zum *kostenlosen* Inhalt. Ich hab nichts dagegen, *wenn* jemand Geld mit etwas verdient, nur sollte das nicht permanent der tragende Gedanke sein, sonst kommt nur Müll bei rum.

  13. Chris sagt:

    Natürlich soll und muss das Internet kostenlos bleiben, das ist nicht die Frage, die Frage ist, inwieweit ich als User dazu bereit bin, Werbung auszuhalten — und da sage ich ganz einfach mal: Ich bin aufgrund der letzten Jahre nicht mehr dazu bereit, irgendwelche Werbung zu akzeptieren. Selbst Google Ads werden von meinem Ad-Filter ausgesiebt. Nun kann man argumentieren, dass ich so die Seiten, die ich besuche evtl. schade, zu deren Untergang beitrage. Dann hätten sie die Seite nicht aufmachen sollen. Es gibt unzählige Beispiele, wo es ohne Werbung läuft und finazierbar ist. Als kleine Ausnahme würde ich evtl. noch Werbeeinnahmen, ausschließlich um die Technik zu finanzieren, annehmen.

    Qualität wird sich durchsetzen, das ist der Punkt, nur zur Qualität zählt nicht nur das geschriebene Wort, sondern auch die Präsentation — Werbung hat nicht viel mit Qualität zu tun.

    Wer Geld verdienen will, soll sich aus den Seiten, die ich besuche raushalten, sonst bin ich schnell weg oder filtere alles.

  14. Falk sagt:

    Es gibt unzählige Beispiele, wo es ohne Werbung läuft und finanzierbar ist.

    Hatte ich letzten auch schon — wenn ich mir als Betreiber darüber einen Kopf machen muss, wie es um die Bezahlbarkeit meines Dienstes geht, muss ich eben Finanzierungsquellen auftun oder es sein lassen. Werbung, nervige Ad-Layer etc. ist da die schlechteste aller Wahlen. Blend ich ja ebenso konsequent aus, aber meist haben diese Seiten dann auch kaum noch wirklichen Informationsgehalt 😉

  15. Earnup sagt:

    Ja die Werbung muss mit Verstand eingesetzt werden. Viele übertreiben es masslos, denke auch das die Online-Werbung es deutlich zu spüren bekommt. Die Werbung sollte nicht im Vordergrund stehen. Sehe ich auch so. Aber ohne wird es auch schwer oder? Wie soll das aussehen?

  16. Chris sagt:

    Siehe F!XMBR. 😉

    Oder mal ein Beispiel dezenter Werbung: Spreeblick.com — ein selten langweiliges Blog, aber die Werbung würde ich mir noch gefallen lassen.

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