Die Verkommenheit der SPD

SPD-FahnenRudolf Dreßler galt jahrelang als der führende Sozialpolitiker der SPD. Heute ist er einer der letzten großen, verbliebenden Sozialdemokraten. Und wie schon seine Kollegen Albrecht Müller und Wolfgang Lieb sieht er mit Schrecken, was mit der SPD geschieht. Rudolf Dreßler erwägt sogar einen Übertritt in die Linkspartei, die heute lt. dem ehemaligen Botschafter in Israel, gesellschaftspolitisch die früheren pragmatischen Inhalte der SPD vertritt und übernommen hat. Rudolf Dreßler stellt der heutigen SPD ein vernichtendes und entlarvendes Zeugnis aus.

Wir haben hier auf F!XMBR in mehreren Artikeln den selbstverschuldeten Untergang der SPD dokumentiert. Wer eine sehr gute Zusammenfassung lesen möchte, der lese das Interview Dreßlers mit der Tageszeitung Neues Deutschland. 5 Jahre war Dreßler in Israel — in dieser Zeit hat sich in unserer Gesellschaft und Politik ein unübersehbarer Wechsel vollzogen. Ganz dem alten Manager-Motto Sachkenntnis stört das Urteilsvermögen hat sich in allen Gesellschaftsteilen, insbesondere in der Politik, eine unübersehbare Öberflächlichkeit etabliert.

In dem Bereich der Arbeitsmarktpolitik prangert Rudolf Dreßler an, dass wir das paritätische Prinzip verlassen haben. Wir sind auf dem Weg, dass unsere Sozialsysteme nicht mehr von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu gleichen Teilen finanziert werden — der Weg führt zu alleinigen Finanzierung der Arbeitnehmer. Diese Tür wurde durch Rot-Grün aufgeschlagen, sie jetzt wieder zu schließen ist so gut wie unmöglich — es ist fast unglaublich, dass man allein in diesem Fall die SPD als Kronzeuge für den Sozialabbau benennen kann.

Wenn wir hier auf F!XMBR über die Verkommenheit der SPD schreiben, dann meinen wir nicht mehr einzelne Personen, sondern die Partei als Ganzes, schließlich werden die handelnden Personen von den Mitgliedern gewählt. Rudolf Dreßler differenziert da noch, so greift er direkt den SPD-General Hubertus Heil an, der aus dem Satz Die SPD ist die Partei der sozialen Gerechtigkeit das Wort sozialen streichen möchte, weil dann die Gerechtigkeit weiter gefächert sei. Dreßler weist süffisant darauf hin, dass man dann auch das S aus dem Parteinamen streichen kann, schließlich sei der Begriff demokratisch auch weiter gefächert.

Im Nachfolgenden merkt Dreßler an, dass es innerhalb der Partei durchaus Diskussionen gibt, die eigentlich den Funktionären bekannt sein müssten. Die Stimmung sei katastrophal, wohin man blickt — Dreßler ist zudem der Meinung, dass man mit 26% Umfragewert nicht wirklich mehr eine Volkspartei ist.

Wenn man sich den Schluß des Interviews durchliest, merkt man, wie sehr Rudolf Dreßler mit sich selber, seiner SPD hadert. Im Prinzip hat er schon mit der Partei abgeschlossen und ist bereit zur Linken überzutreten. Doch irgendetwas hält ihn auf. Wenn das Interview auch einen sehr guten Blick in die Seele der SPD zeigt, setzt hier die Kritik an. Dreßler ist in seinem eigenen Handeln nicht konsequent und seine Worte in Richtung Basis geben dieser ein einfaches Alibi. Eigentlich sind ja alle dagegen, die Stimmung ist verheerend — und doch ist die Lage wie sie ist. Da muss man dann nicht über Müntefering, Beck & Co. philosophieren — die Basis hat auf jedem Parteitag das Heft in der Hand. Das letzte Mal eindrucksvoll bewiesen, hat das — der derzeitige Vorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine — 1995 in Mannheim als er in einer Kampfkandidatur Rudolf Scharping vom Thron stürzte.

Der Untergang der SPD auf F!XMBR:

Die SPD und die Trennung von der großen Liebe des Lebens

SPD — die Bedeutungslosigkeit

Die SPD am Ende

Die SPD und Kurt Beck — nur noch ein Trauerspiel

SPD — lasst uns das Grab zuschütten

Die ASozialdemokraten vor dem Aus

Bild: Jan Beckendorf unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Verfremdung: F!XMBR

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4 Antworten zu “Die Verkommenheit der SPD”

  1. Jochen Hoff sagt:

    Mein Problem mit Dressler ist, das er all das schon seit Jahren kommen sehen musste. Der Weg den die Schröder-SPD einschlug war klar zu erkennen und dagegen hätte es Widerstand gebraucht. Aber die Mahner wurden an den Rand gedrängt, während Herr Dressler seinen Posten genoss und schwieg.

    Von diesen Sozialdemokraten die nur an die eigene Versorgung denken gibt es leider zu viele.

    Heute ist sein Gedanke oder ein Übertritt wertlos. Genau wie Lafontaine hat Dressler seine Chance die SPD zu retten und zu kämpfen nicht wahr genommen. Aus solchen Leuten kann nichts haltbares neues entstehen.

  2. Chris sagt:

    Dass Herr Dreßler selbst kritisiert werden muss, ist richtig — ich habe es angedeutet. Er hat schließlich auch im Rot-Grünen Bundestag gesessen.

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