Die Uni am Rand der Demokratie

Zum Schutz vor unseriösem Journalismus muß das Lehrpersonal in der Uni Hamburg etwaige Interviews etc. mit der Pressestelle abgleichen. Zuwiderhandlung kann die Entlassung herausfordern …

SPON

Die Hamburger Uni wird zur Heimat der Sprachlosen: Eine Dozentin spricht zu viel und verliert ihren Lehrauftrag. Die Präsidentin will Professoren kollektiv knebeln. Und die Pressesprecherin ist vollends verstummt — Protokoll eines norddeutschen Schweige-Experiments.

SPON: Bestrafe einen, erziehe hundert

Kann man alles gar nicht glauben was da in letzter Zeit in Deutschland vor sich geht man fühlt sich da massivst an Politoffiziere entsprechender Staaten erinnert.

7 Antworten zu “Die Uni am Rand der Demokratie”

  1. Grainger sagt:

    Ist es nicht üblich, das man vor Interviews die Erlaubnis seines Arbeitgebers einholt?

    Zumindest in der Wirtschaft ist so etwas in Positionen ab einer gewissen Ebene Gang und Gäbe, das ist das oft sogar im Arbeitsvertrag so geregelt.

    Möglicherweise ist der Uni ja nicht unbedingt soviel daran gelegen das jeder Lehrstuhlinhaber in Interviews zu jedem nur möglichen Thema seinen Senf dazu gibt, zumal die Damen und Herren Hochschullehrer ja in der Öffentlichkeit gerne so auftreten als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen (selbst oder auch vielleicht gerade dann wenn sie sich zu Themen äußern von denen sie gar keine Ahnung haben).

    Die meisten Professoren dürften Beamte sein und für Beamte gelten nun mal besondere Regeln, mit der Ernennung zum Beamten verzichtet man auf gewisse Rechte im Austausch für Unkündbarkeit, soziale Absicherung und lebenslanges rundum gepampert werden.

    Das weiß man aber vorher und wenn man das nicht in Kauf nehmen will sollte man eben kein Beamter werden, so einfach ist das.

    Hochschullehrer mögen besonders privilegierte Beamte sein (auch diejenigen, die Wert darauf legen ihre Berufsbezeichnung immer und überall wie einen Titel vor sich her zu tragen, aber ob es ihnen gefällt oder nicht: Professor ist kein Titel sondern nur eine Berufsbezeichnung wie Bäcker, Müller oder Fliesenleger), aber grundsätzlich haben Beamte sich vor Interviews die Genehmigung ihres Dienstherren einzuholen.

    Das war auch schon immer so, vermutlich haben die Damen und Herren Professoren dies nur vergessen und regen sich jetzt fürchterlich darüber aus daran erinnert worden zu sein.

  2. Oliver sagt:

    >Die meisten Professoren dürften Beamte sein und für Beamte

    Immer weniger, Job auf Zeit, sowie Angestelltenstatus ist die Regel — das Gros derer die noch Beamten sind entfleuchen ohnehin bald in die Pension und gaben sich in dieser Generation ohnehin selten weltlichen Dingen hin.

    >Professor ist kein Titel

    Außerhalb Deutschland ja, in Deutschland muß man diesen Titel durch eine entsprechende Arbeit belegen, in dem man eine neue wissenschaftliche These aufstellt etc.

    >Ist es nicht üblich, das man vor Interviews die Erlaubnis seines Arbeitgebers einholt?

    Nein da die Uni andere Ordnungen hat als irgendeine Firma. Und diese Ordnungen sind mitunter sehr freiheitlich ausgelegt. Ein Prof. der die Hoheit(!) in seinem Fachbereich hat und zu diesem Zustand Stellung bezieht kann dies auch weitaus besser als jede zensurbehaftete Pressestelle usw. Der Professor in einem Fachbereich ist auch für diesen verantwortlich und vertritt diesen nach außen.

    Der Vergleich Arbeitgeber Vs Arbeitnehmer hinkt in diesem Fall gewaltig, da hier die reguläre Denkarmut eines preußischen Beamtentums keine Anwendung findet.

    >Möglicherweise ist der Uni ja nicht unbedingt soviel daran gelegen das jeder Lehrstuhlinhaber in Interviews zu jedem nur möglichen Thema seinen Senf dazu gibt,

    Das es an vielen Unis arg unsauber zugeht ist bekannt, die Vertuschungsmentalität aus diesem Blickwinkel also verständlich.

  3. apollon sagt:

    anders sieht es bei hamburger schulen ja auch nicht aus. schulleitungsgruppenmitglieder (sic!) dürfen auch nicht mehr mit der presse reden. hier werden grundrechte beschnitten. vor allem die der schwächsten unter uns, die der kinder. es ist zum beispiel nicht möglich, zu sagen, kollege xyz ist alki und betatscht gerne mal schülerinnen, deswegen muss der weg. nein, so jemand wird im schlimmsten falle in die schulbehörde selbst versetzt, im allgemeinen wird das von allen gedeckelt oder wenn doch mal was rauskommt, wird derjenige dann einen stadtteil weiterversetzt (sog. wanderpokale, davon geistern einige in hamburg rum. diese zeichnen sich durch grobe inkompetenz, unpädagogischem verhalten, drogensucht oder belästigungen auf). auch darf unter keinen umständen bekannt werden, dass die schule yza höchstgradig schimmelpilzverseucht ist (und man grad die schulkantine in den belastetsten raum verlegt hat). oder dass die turnhalle seit ca. 3 jahren dioxinverseucht ist (zwang zum billigsten anbieter führte zur kauf von dioxinemittierenden leuchtkörpern). oder das stadtweit die referendare derart ausgenutzt werden, dass die den höchsten krankheitsstand seit beginn der zählung haben. dass die fluktuation in den kollegien jenseits jeder pädagogischen konstanz ist. dass die vergleichsarbeiten nicht das papier wert sind, auf dem sie ausgewertet werden (pisa, lau, lust, … haben alle methodische und inhaltliche schwächen, von den der auswertenden politikern mal ganz zu schweigen). lange rede, kurzer sinn: in hamburg ist die bildungspolitik im arsch. sowohl frau dingsbums als auch der wissenschaftsheini haben keinen plan, wie sie ihre behörden in den griff bekommen können. und sind zudem durch die bürgerschaft gezwungen, das bißchen, dass noch da ist, kaputtzusparen. dass hierüber kein wort verloren werden darf, ist doch klar. lieber gibt man den pisaversagern (interessanterweise war deutschland schon immer ein land, dass in internationalen vergleichstest versagt hat, so auch diejenigen, die jetzt so lautstark lamentieren) und faulen studenten die schuld. die kommen hinten und vorne nicht klar mit den ba/ma-bedingungen, können sie auch nicht, weil diese einen zustand der forschung und lehre und eine ausstattung vorausetzen, der nicht erreicht wird und wohl auch niemals werden kann. so recht mag ich hier aber gar nicht opfer und täter benennen. ist die unipräsidentin überhaupt in der lage, so etwas ohne politischen druck zu entscheiden? naja, was soll’s, ich versteh die amokläufer ja ein stück weit. in diesem system will ich eigentlich auch nicht dahinvegetieren (nur sollte ich bei der terminierung des problemfeldes «phoibos» nicht noch andere potentielle problemfelder (dh. mitmenschen, doch aus sicht der politiker sind wir alle eh nur noch eine billige verfügungsmasse) terminieren). das muss jeder für sich ausmachen.

    ciao
    phoibos

  4. Grainger sagt:

    Ist ja nun schon ein paar Jahre her das ich an der Uni gearbeitet habe und die Dinge ändern sich, aber zu meiner Zeit hatten ein paar Professoren geklagt weil die Meldebehörden sich weigerten den Professor in den Personalausweis einzutragen (ein Doktortitel hingegen wird gegen Nachweis eingetragen).

    Auf jeden Fall wurde dann in letzter Instanz entschieden das Professor eben kein Titel sei sondern nur ein Synonym für die Berufsbezeichnung Hochschullehrer.

    Macht ja auch Sinn, denn obwohl die meisten Universitäten bestimmte Einstellungsvoraussetzungen für die Erlangung einer Professur haben ist das nicht immer der Fall.

    Man muss sich nur mal ansehen was an den ganzen Kunsthochschulen so alles als Professor herum rennt. 😉

    Natürlich liegen zwischen echter wissenschaftlicher Arbeit an einer Universität und ein bißchen herumgehampele an einer Hochschule für Gestaltung Welten, aber Professor nennen sich die Lehrstuhlinhaber bei beiden Bildungseinrichtungen.

    Aber das Meldewesen soll ja EU-weit ebenfalls vereinheitlicht werden (im EU-Entwurf sind Professuren ausdrücklich keine Titel).

    Aber zurück zum Thema:

    Seinen Beschäftigten einen Maulkorb zu verpassen ist immer eine unschöne Angelegenheit und zweifelsohne auch undemokratisch.

    Andererseits ist es natürlich auch nicht besonders klug seinen Arbeitgeber öffentlich anzuprangern, besonders wenn an noch keine Festanstellung hat und auf Übernahme hofft.

    Dass das nicht nur in der universitären Welt so ist muss einem mit ein bißchen Nachdenken doch schon der gesunde Menschenverstand bzw. die allgemeine Lebenserfahrung sagen.

    Wir leben nun mal nicht in einer rosaroten idealen Welt.

    Ist aber sicher hart wenn man plötzlich in seinem universitären Elfenbeinturm von der eiskalten Realität eingeholt wird.

  5. Oliver sagt:

    >st aber sicher hart wenn man plötzlich in seinem universitären Elfenbeinturm von der eiskalten Realität eingeholt wird.

    Man kann es den Leuten aber auch nicht recht machen, da wird der Elfenbeinturm oft genug zitiert, konservativer Prof. etc. — sagt aber mal jemand etwas, spricht Probleme an, heißt es plötzlich «selbst schuld». Irgendetwas läuft hier falsch und es wundert kaum das wenige bereit sind etwas zu wagen, das Echo in der Bevölkerung wäre halt noch schlimmer als das des initial Kritisierten.

  6. Grainger sagt:

    Man kann es den Leuten aber auch nicht recht machen, …

    Das ist sicher oft und in vielen Lebenslagen so, aber wie das Sprichwort schon sagt

    Allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die keiner kann.

    Und weil ich Klischees eigentlich nicht mag, aber mit dem Elfenbeinturm dann doch selbst eins benutzt habe, entschuldige ich mich auf dafür. 😉

    Trotzdem bleibt es eine einfache Lebenserfahrung das Arbeitgeber öffentliche Kritik nun mal nicht mögen (das ist an Universitäten nicht anders als in der freien Wirtschaft).

    Und wenn man freier Mitarbeiter ist bzw. nur einen Zeitvertrag hat muss man dann eben damit rechnen das der Arbeitgeber die freie Miatarbeit beendet oder einfach einen Vertrag nicht verlängert.

    Etwas anderes zu glauben ist mindestens genau so naiv wie alle seine persönlichen Daten einschließlich aller intimer Details in seinem Profil bei StudiVZ zu hinterlegen.

RSS-Feed abonnieren