Die Umwelt FDP

Oder wie die Grünen heranwuchsen. Lange schon ist es her als man nebst Petra Kelly eine urbane Politik feierte, die so erdgebunden war und den Staat zwar nicht in seinen Grundfesten, jedoch aber zumindest leicht erschüttern sollte. Steil war der Weg und zudem mit allerlei Hürden bestückt, sie füllten zu Beginn eine ökologische Nische, umgaben sich mit einer Prise Revoluzzertum und waren voller Ideale, für mehr Frieden, eine nettere Umwelt und den passenden Menschen in diesem Konzept. In den 80ern zog man in den Bundestag ein, irgendwie war man gegen alles, wurzelte jedoch immer noch zu Teilen in sozialen Gruppierungen, allen voran der Friedensbewegung. Man war jung, man war kühn, man wollte die Welt bewegen, insbesondere das konservative Deutschland.

1998 kam die Wende, nicht jene berühmt, berüchtige eines Pfälzers, nein die Wende im Habitus der einstmals ach so grünen Partei. Sie war herangewachsen, herangewachsen zu einem ernstzunehmenden politischen Partner, den zumindest eine große Volkspartei ernst nahm — die SPD. Vielleicht war auch nur die Not am Mann, wer weiß. Jedenfalls kam hier die grüne Partei in Amt und Würden und bekam auch sogleich auf dem politischen Parkett die Blümchen ausgetrieben. Poltern durfte man zwar noch und auch das eine oder andere Schmankerl einbringen1 , die einstigen Revoluzzer sahen sich jedoch zunehmend ihrer Revolution beraubt. Der Rest des Dilemmas ist eben jüngste Geschichte. Gasgerds Mannen übten nicht nur einen ernstzunehmenden Schaden auf die Sozialdemokratie aus, respektive die SPD per se, sondern auf ihrer mitte-rechten Überholspur nahm auch die grüne Partei einiges am Hochgeschwindigkeitsfuhrwasser auf, welches das Grün arg verblassen ließ.

Gasgerds Ära verblaßte ebenso, auch wenn er sich zu guter letzt noch aufbäumte und partout nicht das Feld räumen wollte. Die grüne Partei hingegen hatte einen Wendepunkt hinter sich, weg von der Friedenspartei hin zum professionellen Partner, der auch einem Krieg zustimmt. In der Opposition angelangt vergaß man jedoch sogleich wieder die zuvor begangenen Fehler und wollte an die pre-Gasgerd-Ära anknüpfen, man schwang sich auf die Seite der Filesharer, der Demokratie, der Privatssphäre etc., man versuchte es wirklich mit allen Mitteln — aber die Glaubwürdigkeit war eben raus. Die Zukunft ist grün gilt für diese Partei schon lange nicht mehr. Und heute? Heute ist man gar in Hessen soweit ein Bündnis eventuell mit der CDU zu wagen, jener Partei eben die für alles das stand was die Grünen einstmals bekämpften. Natürlich kämpft die Bundespartei noch dagegen an, aber wie man schon bei Ypsilanti und Beck sah, noch ist nicht aller Tage Abend. Auf jeden Fall schätzt die Union den Habitus der Grünen wohl korrekt ein, Hürde ist wohl noch das letzte Quentchen Glaubwürdigkeit — aber das wird schon, es sind eh nur noch Worte.

Guidos Spaßpartei mauserte sich vom politischen Wendehals zum Gaudi in Reinkultur, ein Vakuum entstand, wer nun war professionell genug dieses zu füllen und sich willig jedwedem Regierungsbündnis hinzugeben? Die Grünen, sie gingen den Weg, sie bereiteten sich mit der SPD darauf vor … auf die ultimative Professionalität. Sie sind die neuen Wendehälse der Republik, füllen jede Lücke professionell aus und mit der Zeit, wohl der übliche Weg einer solchen Partei, wird man auch dem Gaudi sein Tribut zollen …

  1. die Gott-sei-dank stark reduzierte Öko-Steuer, ein wenig Atomausstieg und ja die unrühmliche Beteiligung am Krieg zusammen mit der SPD []

Eine Antwort zu “Die Umwelt FDP”

  1. […] dazu einen kräftigen Schuß Beck und Ypsilanti, um den Geschmack zu retten, dazu noch ein wenig Grün zum abrunden, nicht zu vergessen ein wenig Gelb für die Optik, denn der Gaudi darf auch beim Essen nicht zu […]

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