Die Todessehnsucht der SPD

LotseFranz Müntefering wird als Retter der SPD gefeiert — von der SPD selbst, deren rechten Flügel rund um Frank-Walter Steinmeier und natürlich der Basis. Und selbstverständlich auch von den etablierten Medien, die dieses Land, diese Gesellschaft weiter an den rechten Rand drücken wollen. An manchen Stellen wird die NPD schon von der CDU umarmt. Die Linke und die Schwachen dieser Gesellschaft werden verfolgt, diskreditiert und diskriminiert — ganz vorne weg der heutige Stürmer, der immer wieder willige sogenannte Wissenschaftler findet. Alles schon mal dagewesen. Dieser Franz Müntefering soll nun wieder die SPD ins richtige Fahrwasser lenken — es ist bezeichnend, dass sich die aufrechte Union ebenfalls über seine Rückkehr freut. Vielleicht sollte man mal die Leute daran erinnern, was die Lebensleistung dieses Mannes ist: Die Zerstörung der SPD, der Verrat an den Wählern — Franz Müntefering steht neben Gerhard Schröder und Frank-Walter Steinmeier für ein unmenschliches, asoziales, tief gespaltenes Deutschland. Er hat diese Gesellschaft an den Rand des Abgrunds geführt. Nun soll er also die Menschen in diesem Land in Gänze runterstoßen.

Franz Müntefering war nach dem glücklichen Hochwasser und dem wunderbaren Irakkrieg von 2002 bis 2005 Fraktionsvorsitzender der SPD im deutschen Bundestag. Zudem war er in den Jahren 2004 und 2005 ebenso Bundesvorsitzender der SPD. Das ist schon sehr beeindruckend. Der Höhepunkt der Amtszeit Müntefering war der Machtverlust der SPD im Bund. Gerhard Schröder rief Neuwahlen aus, weil die SPD keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung hatte — um es mal diplomatisch auszudrücken. Anders: Unter dem SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering ist die SPD von der deutschen Bevölkerung aus der Regierungsverantwortung geprügelt worden. Bei den Neuwahlen haben viele Wähler nicht ihr Kreuz aus Überzeugung bei der SPD gesetzt — sondern weil sie die CDU abgelehnt haben. Unter der SPD wurde das Wort neoliberal zum Synonym für zynische und menschenverachtende Politik — initiiert von Gerhard Schröder, Franz Müntefering und im Hintergrund Frank-Walter Steinmeier.

Und auch auf Landesebene ist die Erfolgsserie des Franz Müntefering beeindruckend. In alphabetischer Reihenfolge: Die Länder Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen gingen in den Jahren 2002 bis 2005 für die SPD verloren. Die SPD verlor sagenhafte 12 von 16 Landtagswahlen. Der Höhepunkt war das tiefrote NRW — ein Land der Arbeiter mit seinen Zechen wo nun Arbeiterführer CDU-Chefdemagoge Rüttgers sein Unwesen treiben darf. Die Folgen sind bekannt: Neuwahlen, die SPD als Juniorpartner in einer Großen Koalition. Die endgültige Abkehr der Menschen von der SPD ist nachhaltig, die Parteigründung der Linken als sozialdemokratische Alternative — all das hat Franz Müntefering in großen Teilen mitzuverantworten. Wenn Willy Brandt als letzter großer Sozialdemokrat gilt, dann ist Franz Müntefering einer der entscheidenden Sargnägel für die ehemals stolzen Sozialdemokraten.

Vergessen wollen wir auch nicht die Mitgliederzahlen der SPD. 2002 hatte die SPD noch knapp 700.000 Mitglieder — heute sind es etwas mehr als 500.000. Gut 150.000 Mitglieder haben ihr Parteibuch abgegeben, das sind knapp ein Viertel aller damaligen SPD-Mitglieder. Mittlerweile ist die CDU mitgliederstärkste Partei — die Partei der Besserverdienenden hat die Arbeiterpartei, die Partei der kleinen Leute überholt. Auch diese Entwicklung, die zugegeben schon in den Neunzigern begann, aber erst unter Franz Müntefering dramatische Auswirkungen annahm, hat eben dieser zu verantworten. Franz Müntefering trägt nicht nur die Mitverantwortung für 12 verlorene Landtagswahlen, die Mitverantwortung dafür, dass eine SPD-geführte Bundesregierung aus dem Amt gejagt wurde und dass die SPD bald nur noch die politische Heimat von alten Rentnern und karrieregeilen Netzwerkern und Seeheimern ist — all das und noch viel mehr ist das Lebenswerk eines Franz Müntefering. Liebe SPD, wenn Du diesem Mann nun zurückholen willst, ich frag ja nur:

Wie groß ist Deine Todessehnsucht?

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4 Antworten zu “Die Todessehnsucht der SPD”

  1. Der Seher sagt:

    Macht doch nichts. In 2013 leben wir entweder in einer Diktatur oder die Linke ist zur grossen Volks– und Regierungspartei avanciert. Nachdem sich die SPD in 2011 aufgelöst hatte und der Seeheimer Kreis in der CDU aufging, gibt sich die Linkspartei nach einigen parteiinternen Querelen schliesslich 2014 einen neuen Namen: SPD. Alles ist gut.

  2. corax sagt:

    Man müsste das „Herzlich willkommen.“ von Beck dazu noch als Videosequenz irgendwie posten, der Tonfall und die Mimik waren einfach zu schön. :–)

    Glück auf! :–)

  3. Robin sagt:

    Du weißt zurecht auf die «Erfolglosigkeit» von Münte hin. Auch als Parteichef (mal die Themen nicht beachtend) hat er ja versagt, denn er hat die Fliege gemacht.

    Aber du vergisst einen Punkt:
    Warum gibt es diese Sehnsucht? (Und das ist eine der wenigen Umfragen der letzten Zeit, die ich zumindest zu großen Teilen glauben kann)

    Beck hat ja gemerkt: So gehts nicht weiter und zumindest ein paar Korrekturen im Kurs vorgenommen. Mal ganz neutral gesprochen.
    Aber er hat das nie «verkörpern»/«verkaufen» können. Dann kam der große Fehler…

    Münte dagegen verkörpert für viele Genossen, auch wenn sie nicht seiner Meinung sind, eine gewisse Identität. Er dampft geradezu…
    und ganz wichtig: Münte kann Wahlkampf.

    Egal wie man zu den politischen Positionen eines Münteferings steht. Er schafft es in seinen Reden einen gewissen Punkt der Genossen zu treffen. Manchmal kann die Sehnsucht nach einem guten Redner trügerisch sein… aber sie existiert!

    (Ich denke bei sowas einfach an meinen Ortsvereins-Stammtisch)

  4. giesie sagt:

    Ich weiß nicht, was die SPD hier für ein Spielchen spielt. Eins weiß ich aber sicher, das Spiel wird die SPD verlieren.
    Vorschlag zur Güte: Der Linksflügel wechselt zur Linken und der Rechtsflügel zur CDU. Dann hätte die Linkspartei die Kompetenz, die sie brauch um Politik zu machen.

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