Die testenden Experten

Der Jens vom Pottblog wirft beim Don hier eine interessante Frage in den Raum, die wahrscheinlich dort untergehen wird, das wäre aber viel zu schade, weil ich mir diese Frage — auch oft genug schon mit Oli im Jabber zusammen — ebenso gestellt habe. Jens schreibt:

Es ist jedoch wirklich so, daß ich das Grundvertrauen in einige Medien verloren habe. Sobald die nämlich über Themen berichten, bei denen ich mich einigermaßen gut auskenne, ärgert es mich, wenn ich da peinliche Fehler (sachlicher Art) entdecke, die bei einer vernünftigen Recherche hätten vermieden werden können.

Denn dann frage ich mich jedesmal ?informieren die auch bei Themen, wo ich mich nicht auskenne, so schlecht?? und befürchte, daß es eine rhetorische Frage ist.

Das erste mal so richtig wahrgenommen habe ich genau dieses Problem, als die (ehemals) hochgelobte c’t einen Test über Forensoftware durchführte. Oli und ich hatten das Desert Inn und waren vorher schon auf mehreren Boards mit unterschiedlicher Software administrativ tätig. Der Test war einfach nur grottig, so dass z. B. der Redakteur zum Schluß im Forum von vBulletin Germany Stellung beziehen musste, bzw. er sah sich genötigt es zu tun er tat es freiwillig. 😉

In diesem Test war es offensichtlich, dass das gute, alte phpBB siegen sollte — gegen den Platzhirschen, die kommerzielle Variante vBulletin. Ich hatte damals bereits beide kennengelernt und bin durchaus nicht als einziger der Meinung, das vBulletin die Nase weit vor phpBB voraus hat. phpBB hat halt nur den Vorteil, dass es kostenlos ist — so wurde meiner Meinung nach damals dem Hype nachgegangen, wir küren mal die Opensource-Variante gegenüber dem kommerziellen Produkt zum Sieger.

Damals (noch im ICQ *g*) hatte ich Oli gefragt: Das ist nun ein Thema, wo wir uns auskennen. Was ist mit Themen, wo wir uns nicht auskennen? Sind die Tests, Berichte genauso grottig recherchiert, einem Hype entsprechend geschrieben, evtl. um einen Kunden nicht zu ärgern, sogar gekauft?

Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, selbstverständlich ist das der Fall. In den letzten Jahren ist es wirklich immer wieder erheiternd zu sehen, wenn die (klassischen) Medien ein Sache, ein Produkt testen, welches ich kenne, wovon ich Ahnung habe, whatever. Es ist teilweise hanebüchender Unsinn — bestenfalls sagt man dann salopp im Jabber, naja, sie haben sich wenigstens bemüht.

Als Konsequenz daraus habe ich schon lange für mich gezogen, niemals aufgrund eines Testes ein Produkt kaufen — es kann nur ein Hinweis sein, die angesprochenen Produkte genauer unter die Lupe zu nehmen, sei es per Google oder Technorati. Die Herren und Damen Redakteure sind Menschen, wie Du und ich. Schreiben die von Dingen, wovon sie keine Ahnung haben, kommt da einfach nur dummes Zeuch bei raus, egal, welcher Experten-Status auf der Visitenkarte steht.

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8 Antworten zu “Die testenden Experten”

  1. Jens sagt:

    Das aus einem Kommentar so schnell ein Beitrag entstehen kann… aber witzig, daß ich eigentlich gerade auch einen entsprechenden Beitrag bei mir schreiben wollte. Nur: Ich kann mich leider nicht mehr genau dran erinnern, was genau damals geschrieben wurde (von einem gewissen Nachrichtenmagazin).

    Beim c’t-Test ist mir das mit dem Sieger phpBB auch aufgefallen — vor allem weil ich auch einige Foren nutze.

    Aber jetzt weiß man wenigstens, warum man über jeden phpBB-Exploit im Heise Newsticker informiert wird. 😉

  2. Chris sagt:

    Ich meine mich zu erinnern, dass das Problem damals war, dass sie das alte vBulletin 2.x gegen das neue phpBB haben antreten lassen, weil vBulletin 3 noch nicht den Gold-Status erreicht hatte — er RC aber schon phpBB weit voraus war.

    Entweder man hätte mit dem Test warten sollen, oder eben den RC nehmen sollen, so wurde der ganze Test verpfuscht… 😉

  3. Oliver sagt:

    Der Test war auch mehr als oberflächlich, so gemäß dem Motto da zuckt noch was im Netz. Zuvor hatte z.B. den Begriff Foren geflissentlich ignoriert .. war wohl dann der mißglückte Auftakt.

  4. Grainger sagt:

    Bevor ich mir was neues anschaffe mache ich mich nach besten Kräften schlau, lese Testberichte, stöbere in Fachforen nach Erfahrungsberichten von UserInnen (die meistens sehr viel informativer sind als offizielle Tests), usw.

    Und je teuerer eine geplante Neuanschaffung kommt desto mehr Zeit investiere ich in die Recherche, ich brauche manchmal ziemlich lange bis zur Entscheidungsfindung. 😀

    In manchen Dingen vertraue ich da durchaus auch auf die Testberichte der Stiftung Warentest, z.B. bei Kühlschränken, Waschmaschinen, Staubsaugern (eben ganz allgemein Haushaltsgeräten).

    Im Bereich Unterhaltungselektronik und EDV suche ich mir dann aber wieder andere Quellen, da erscheint mir die Stiftung Warentest subjektiv weniger kompetent.

    Den ganzen Fachzeitschriften stehe ich aber wiederum auch skeptisch gegenüber, egal ob es sich um den Bereich HiFi, EDV, Auto, usw. handelt, die treten ihren besten Anzeigenkunden schon nicht all zu sehr auf die Füße, da kann man mir erzählen was man will.

    Ganz schlimm wird es dann vielfach wenn eine Zeitschrift abseits ihrer eigentlichen Themengebiete auch mal «ein paar Tests» oder Kaufempfehlungen zum Besten geben will, ich stelle mir das immer so wie in der Fokus-Werbung vor:

    in der Redaktionssitzung werden mögliche Themenschwerpunkte für die nächste Ausgabe durchgegangen und der Kultur-Redakteur sagt dann «Wir könnten ja auch mal was über Computer bringen!»

    Und weil er diesen Vorschlag gemacht hat bekommt er das dann auch aufs Auge gedrückt, Ahnung hat er aber keine vom Thema, sagt sich aber

    «Kann ja so schwer nicht sein, schließlich spielt ja sogar mein achtjähriger Neffe den ganzen Tag mit den Dingern, dann kann ich dann auch was drüber schreiben!»

    Und kommt dann auch noch so eine Lifestyle-Schei*e dabei heraus.

  5. kobalt sagt:

    Vermutlich sagt der Chef den Schreiberlingen: «Ich brauche einen Bericht, 5.000 Zeichen, bis morgen. Üb er die FIrma XY habe ich übrigens viel Gutes gehört.» Und dann schreiben die Schreiberlinge weil sie das Geld brauchen und nicht etwa, weil sie aufklärerisch tätig sein wollen.
    Die Schreiberlinge haben zu wenig Zeit, gründliche Recherchen durchzuführen und greifen deshalb auf das Werbematerial der Firma zurück, der Chef ist ein enger Freund nämlicher Firma, und die schaltet die teuersten Anzeigen in der Zeitung und so wäscht eine Hand die andere.

  6. Erik Möller hat aber scheinbar seit dem zitierten BBS-Test in der c’t entweder viel gelernt, oder lebt mit weniger externen Einschränkungen seiner intellektuellen Fähigkeiten.

    Zumindest halte ich eine Berufung in das Board Of Trustees der Wikipedia Foundation und damit eine Anerkennung seitens der Wikipedia für positiv bemerkenswert.

  7. Oliver sagt:

    Kommt drauf an was man von der Wikipedia hält und deren Qualität und Ausnahmen — sprich einzelne — Artikel bestätigen die Regel. Aber das würde auch zu weit führen, sollen sich die Leute ihre eigenen Gedanken machen und mittels Quellenkritik an die Sache rangehen. Glauben jedenfalls ist fahrlässig, wird jedoch leider vom Gros der Lesenden praktiziert, Glauben dazu noch ohne jeglichen Anhaltspunkt. Welche Authorität hat die Wikipedia inne, das Leute glauben deren Urteil hat Aussagekraft? Ich sehe keine …

  8. […] Aushöhlung unserer Grundrechte oder die Vorratsdatenspeicherung, um nur 2 Beispiele zu nennen. Hier schrieb ich von testenden Experten — wobei Experten natürlich ironisch gemeint war. Ähnlich ergeht es mir bei vielen Themen, […]

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