Die SPD und die Pressefreiheit

SPD-FahnenMan stelle sich mal vor, eine Partei hält über eine eigene Holding eine (renomierte) Tageszeitung — zumindest 90%. In dieser Zeitung werden — ganz dem politischen Tagesgeschehen — mehrere Artikel über den politischen Gegner unserer Partei verfasst. Der Chefredakteur der Zeitung bekommt nun offizielle Post der Partei, mit Briefkopf, von der Schatzmeisterin, mit allem, was dazu gehört. Dem politischen Gegner wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, gefordert wird der Abdruck eines Artikels einer Parteisoldatin, die immer einspringt, wenn Not am Mann ist. Der Chefredakteur lehnt diesen Eingriff in die Pressefreiheit natürlich ab. Kurze Zeit später wird er entlassen, sein eMail-Konto wird mit Aussprache der Kündigung gesperrt, er hat 2 Stunden, um seinem Schreibtisch zu räumen und das Gebäude zu verlassen. Was wie eine typische Posse aus einer Bananenrepublik anmutet, geschah mitten in unserem Land — die Partei ist die SPD, Dr. Wolfgang Storz war Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, als er Post von SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier bekam.

Über die Linke war 2006 selbstverständlich viel geschrieben worden, Lafontaine, die bevorstehende Gründung, das politische Wirken der Genossen in Berlin. Dies muss offensichtlich derart der SPD missfallen haben, dass man anfing Briefe zu schreiben:

In der Frankfurter Rundschau ist in den letzten Wochen so mancherlei zum Thema »Linkspartei« erschienen. Manches davon zutreffend, manches sehr einseitig, gelegentlich auch provozierend, einiges davon auch uninformiert.

[…]

Ich würde mich freuen, wenn dieser Beitrag über die Frankfurter Rundschau bald einem größeren Leserkreis zugänglich gemacht werden könnte.

[…]

Den Grebing-Text können Sie per e-mail von meinem Büro abrufen.

Dr. Wolfgang Storz antwortete mit klaren Worten, die man heutzutage leider nicht mehr häufig findet:

Sie haben mir diesen Brief offiziell als Schatzmeisterin der SPD und damit als Mehrheitseigentümerin geschrieben. Sie werden verstehen, daß ich allein deshalb Ihrer sehr eindeutig vorgetragenen Empfehlung, den Text von Helga Grebing in der FR abzudrucken, nicht nachkommen kann. Ich bin der festen Überzeugung, daß dies die redaktionelle Unabhängigkeit berührte.

Das typische SPD-Niveau kommt dann in der Antwort der SPD-Schatzmeisterin Wettig-Danielmeier zum Tragen. Mehr als, das ist ja gar nicht so, fiel ihr dann nicht ein. Und wir sprechen hier von der Schatzmeisterin der (noch) größten Partei unseres Landes.

Ich habe mich als Leserin der Frankfurter Rundschau an Sie gewandt, weil ich fand und nach wie vor finde, daß die Auswahl der FR bei Fremdautorinnen und –autoren dem überregionalen Anspruch nicht genügt. Da tummeln sich immer wieder Beiträge, die einem höheren Anspruch, ich werde Ihnen dafür Beispiele nennen, nicht genügen können.

Kurze Zeit später wurde dann der Chefredakteur Dr. Wolfgang Storz gefeuert. Der Mehrheitseigentümer von 90% hatte offensichtlich gerichtet.

Dieses Beispiel zeigt mal wieder wunderbar das Selbstverständnis der SPD zur heutigen Zeit. Auf die Menschen in unserem Land wird seit Jahren — entschuldigt — geschissen. Auf die Pressefreiheit wird ein Dreck gegeben — alles um die asoziale Politik abzusichern, zu rechtfertigen, zu beschönigen, den Menschen die Wahrheit über das eigene Wirken vorzuenthalten. Immer daran denken, wenn über die eine oder andere Bananenrepublik berichtet wird: Politische Korruption ist näher, als man denkt.

Der Untergang der SPD auf F!XMBR:

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7 Antworten zu “Die SPD und die Pressefreiheit”

  1. derhans sagt:

    Will man das noch kommentieren…? Mhhh, wenig verwunderlich, dürfte in der Art und Weise bei den meisten anderen Zeitungen, TV Sendern, Radiostationen… ablaufen, nur dass die Hauptanteilseigner da nicht SPD, sondern sonst wie heißen. Nur leider dürften da dann in den meisten Fällen weniger «rebellische» Verantwortliche die Drähte ziehen. Desewegen fällts dann nicht so auf, zumindestens nicht auf den ersten Blick

  2. soeren onez sagt:

    Wo sind die roten Kotztüten? Nix mit Popcorn heute.

  3. Oliver sagt:

    >Mhhh, wenig verwunderlich, dürfte in der Art und Weise bei den meisten anderen Zeitungen, TV Sendern, Radiostationen… ablaufen, nur dass die Hauptanteilseigner da nicht SPD

    Die SPD hat traditionsgemäß stärkeren Einfluß bei den Medien als andere und das nicht erst heute. *Keine* andere Partei kann ihr in dem *Umfang* das Wasser reichen!

    SPD und die Medien

  4. […] aber ich konnte sie gerade noch halten, wie ich schon sagte, fast kaputt 😉 Der Eintrag “Die SPD und die Pressefreiheit” sollte/muss man sich mal zu Gemüte führen. Langsam gehen die Burschen in Berlin mir echt […]

  5. derhans sagt:

    @Oliver: Immerhin eine Disziplin in der die SPD Spitze ist :) Ich meinte das jetzt nicht speziell auf Parteien bezogen, bei einer Partei ist das ganze natürlich nochmal besonders wiederlich.

    Aber nette Serie über den Zerfall einer ehemaligen Volkspartei btw.

  6. Oliver sagt:

    >Partei ist das ganze natürlich nochmal besonders wiederlich.

    Es wurde widerlich, ursprünglich erklärt sich diese starke Medienpräsenz der SPD mittels ihrer ureigenen Geschichte. Und diese Präsenz war damals, vor vielen Monden, auch immens notwendig, um überhaupt eine soziale Stimme zu formen.

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