Die SPD, der Selbstbetrug und die eigene Inkonsequenz

SPD-FahnenEs gibt mal wieder eine Umfrage der FORSA im Auftrag des Stern. Und natürlich geht es wieder um die SPD — und natürlich wieder mit interessanten Ergebnissen. Im aktuellen Fall wurde die Basis der SPD über die SPD selbst befragt — der Stern schlußfolgert, dass sich die Basis nach der Opposition sehnt. Das sehe ich nicht so. Der Selbstbetrug, das Verschaffen eines eigenen Alibis, die Inkonsequenz, das Anlügen der Öffentlichkeit hat mittlerweile Tradition bei der heutigen neoliberalen Kampfpartei. Die Basis ist frustriert, schreibt der Stern. Da frage ich mich, ist es nicht die Basis, die den Vorstand wählt? Werden nicht von der Basis die Genossinnen und Genossen entsendet und gewählt, die auf den Parteitagen die Jubelperser spielen und dort die Führungskräfte absegnen?

Mehr als zwei Drittel der Befragten, so der Stern, sind der Meinung, dass Oppositionsarbeit der Partei gut tun würde. Über die Hälfte gibt an, dass in der Großen Koalition sozialdemokratische Prinzipien verraten wurden. Mehr als die Hälfte glaubt nicht an den anständigen Herrn Beck. Mehr als zwei Drittel sind gegen die Rente mit 67. Immerhin noch knapp zwei Drittel lehnen die Unternehmenssteuerreform ab. Gut die Hälfte der Befragten sind für einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Dementsprechend sehen auch die persönlichen Werte aus.

Selbst schuld liebe SPD. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Ihr habt diesen Weg beschritten, nicht erst unter der Großen Koalition. Ihr seid 1998 an die Macht gekommen und habt mit der Agenda 2010 die neoliberale Eiseskälte in unser Land gebracht. Eine Agenda 2010, mit all ihren Folgeerscheinungen, die auf einem Eurer Parteitage abgesegnet wurde — von Euch der Basis. Jetzt jammert nicht rum, steht dazu, dass Ihr Euch nicht mehr von Union und FDP unterscheidet. Eure derzeitige Verfassung ist eine direkte Folge des eigenen Handelns.

Mit dieser Umfrage verschafft Ihr Euch wieder mal ein Alibi. Nach dem Motto: Ja, wir sind dagegen, aber die da oben, die machen ja was sie wollen. Wo bleibt da die eigene Konsequenz? Warum setzt Ihr immer noch innerparteilich bei denen, denen Ihr nicht mehr traut, Euer Kreuz? Warum seid Ihr überhaupt noch Mitglied in der SPD? Das ist alles so lächerlich und so leicht durchschaubar.

Es ist Eure ureigenste Verantwortung. Von jedem von Euch, der da bei der Umfrage bitterlich weint, oder sich einfach mal innerlich freut, wenn er diese Zahlen liest. Ihr, die Basis, habt auf jedem Parteitag das Heft in der Hand. Muss ich wieder an Mannheim 1995 erinnern, wo Lafontaine den Scharping gestürzt hat? Es funktioniert — doch man muss es wollen, und das, das ist bei Euch nicht mehr der Fall. Ihr macht Euch selbst was vor, Ihr lügt Euch selbst und der Öffentlichkeit etwas vor. Ihr seid die neue neoliberale Kampfpartei Deutschlands. Steht einfach dazu — Ihr Pfeifen.

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Bild: Jan Beckendorf unter dieser Creative Commons-Lizenz stehend. Verfremdung: F!XMBR

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4 Antworten zu “Die SPD, der Selbstbetrug und die eigene Inkonsequenz”

  1. Chris sagt:

    Das ist schon richtig. Schon vor 1998 — durch die Mehrheit im Bundesrat, ging ohne sie nichts. Heißt, schon die letzten Entscheidungen unter Kohl waren alle sozialdemokratisch geprägt…

    Nur irgendwo muss ich als Schreiber ja auch nen Cut machen, und dem Leser begreiflich machen, was ich sagen will — wenn ich 1914 anfange, vielleicht die ganze Geschichte der SPD aufgreife, wirds ein eigenes Buch… 😉

  2. Streifzug sagt:

    Seid nicht so hart. Die SPD zeigt ein typisches Krankheitsbild.

    Es gab dieses Wochenende zur Agenda 2010. Da wandelten die Politiker der SPD und der Grünen durch den Garten und hatten einen verklärten Blick. Müntefering wurde erleuchtet und fand zur Agenda. Seit dem Moment ist das einzig Linke an ihm sein Schal. Was war passiert?

    Es war ein typisches Wochenendenseminar einer Sekte. In der Falle steckt sie immer noch. Helfen wir ihnen zurück in die Realität.
    Als Anregung eine Sekten-Checkliste: http://www.ebi-sachsen.de.….ste.html

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