Die sozialdemokratischen Chaostage finden ihre Fortsetzung

In Nürnberg findet am 31. Mai der Zukunftskongress der SPD statt. Nun hätte die Öffentlichkeit bis zu dem Zeitpunkt, wo er nun wirklich stattfindet, nicht wirklich davon erfahren — aber wir reden hier ja von der SPD und einer Organisation innerhalb der SPD, die nun ganz offen diese altehrwürdige Partei zerstören will. Das Ziel ist klar: Man hat keine Antworten auf die gesellschaftlichen Probleme dieses Landes, keine Vision für die Zukunft — und so will man sich in eine zweite Große Koalition retten. Von wem ich rede? Selbstverständlich vom rechten Flügel, den Netzwerkern und den Seeheimern. Diese Parteiauswüchse also, die schon maßgeblich für den Untergang dieser Partei und den Ruin dieser Gesellschaft, unseres Miteinanders stehen. Für Parteichef Beck rächt sich nun, dass er neben der loyalen Andrea Nahles ebenso die Rechtsaußen Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück zu seinen Stellvertretern gemacht hat, Hubertus Heil zu seinem General und Barbara Hendricks zur Schatzmeisterin.

Sie alle gelten den Seeheimern und den Netzwerkern nah. Und so verwundert es nicht, dass diese versucht haben, Frank Walter Steinmeier beim Zukunftskongress als zweiten Hauptredner auf den Bühne zu bekommen. Federführend gegen hier seinen eigenen Parteichef offensichtlich tätig: Hubertus Heil. Wie die Rheinische Post berichtet, musste bei dieser kleinen Personalie sogar Kurt Beck persönlich eingreifen. In der SPD tobt ein offener Machtkampf — bei dem sich sogar die Person, die am loyalsten aller Mitglieder zum Parteichef stehen müsste, gegen Kurt Beck gestellt hat — der Generalsekretär. Die SPD ist so gut wie zerstört — wenn die Mannen um Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück diesen Kampf gewinnen. Hoffen wir also für die SPD selbst, für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie, dass Andrea Nahles ihr Talent, Mehrheiten zu organisieren, noch einmal voll ausschöpfen kann. Sonst sieht es düster aus — für die Zukunft der SPD, die Zukunft dieses Landes.

10 Antworten zu “Die sozialdemokratischen Chaostage finden ihre Fortsetzung”

  1. palindrom sagt:

    Einige Ziele der Seeheimer kann man ja tatsächlich nachlesen, u.a.«fordert der Seeheimer Kreis Reformen, die weit über die von Bundeskanzler Schröder in der Agenda 2010 formulierten hinausgehen» (http://www.seeheimer-krei.….taendnis) Das der Kurt ein eher unglückliches Händchen mit seinen «Mitstreitern» hatte und hat ist ja tatsächlich ein Gemeinplatz … Tja, und die Zukunft, die war früher tatsächlich auch noch besser.

  2. blodder sagt:

    Wenn die Seeheimer schreiben «… sozial gerechtes Deutschland, in dem jede Bürgerin und jeder Bürger die gleichen Lebenschancen hat.», klingt das in etwa so, wie wenn LIDL schreibt «Lidl geht fair mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um».

  3. Pierrot sagt:

    Hallo Chris,

    einverstanden mit Deinem Artikel zur SPD, allerdings bis auf den Hinweis Andrea Nahles = grosses Talent…
    Die xyz hat ja auch die Werbetrommel für «Ampel» in Hessen gerührt und ist Frau XY in den Rücken gefallen. Dampfplauderin, wenn die mal aufsteigt wird sie auch so reden wie Schröder und Konsorten.

    Schönen Abend,
    Pierrot

  4. Chris sagt:

    Das weiß ich alles und wurde hier schon mehrfach thematisiert. Ich sprach davon, dass die gute Frau Nahles das Talent hat, Mehrheiten zu organisieren. Mehr nicht. Sollte das unklar rübergekommen sein, sorry.

    P.S. Überdenke mal Deine Wortwahl…

    //Nachtrag: Ich habe den Satz mal umgestellt…

  5. Stefan sagt:

    Heil war schon vor Beck Generalsekretär der SPD.
    Ich mag Steinmeier und Steinbrück auch nicht sehr. Steinmeier wegen seinem Verhalten im Fall Kurnaz, Steinbrück weil er für mich für nichts steht (möglicherweise auch schwierig als Finanzminister). Außerdem soll er ziemlich cholerisch sein…

    SPD bräuchte ein unverbrauchtes Gesicht, zumindest jemand, der ein wenig außerhalb Deutschlands gesehen hat, und soetwas wie Visionen hat. Schmidt lag falsch mit seinem Urteil: «Wer Visionen sollte zum Arzt gehen». Die Politik in Deutschland ist seit Brandt zum pragmatischen Ausbesserungsarbeiter verkommen.

    Letzte Frage: Was ist eigentlich mit der CDU? Warum hackt niemand mehr auf ihr rum? Wirklich viel zu bieten hat auch sie nicht.

  6. Chris sagt:

    Beck hat Heil auf dem Parteitag als seinen General bestätigen lassen. Und jemand Unverbrauchtes hat die SPD nicht, da ist nicht ein Nachwuchspolitiker in Sicht. Und wen interessiert schon der Interessenverband der Arbeitgeber und der Großindustrie, die Anwältin der Reichen…

  7. Oliver sagt:

    >SPD bräuchte ein unverbrauchtes Gesicht, zumindest jemand, der ein wenig außerhalb Deutschlands gesehen hat, und soetwas wie Visionen hat. Schmidt lag falsch mit seinem Urteil

    Ich hielt das für Schmidts einzige Glanzleistung und auch immer noch bewahrheitet. Exilexporte wie Köhler braucht D definitiv nicht, Bodenständigkeit ist Trumpf und das Auslandsaufenthalte keinen sonderlichen Vorteil bringen hat sich inzwischen auch im universitären Bereich bewahrheitet. Last not least haben wir zu genüge Politiker die von fragwürdigen Errungenschaften des Auslands schwärmen und dabei gekonnt die Risiken und Nebenwirkungen verheimlichen. Wenn hingegen der Kosmopolit gemeint ist, nun diesen findet man nicht im Ausland, das ist eine seltene Gattung Mensch der recht aufgeschlossen daherkommt und einen derartigen Habitus eignet man sich nicht ob des Aufenthalts in fremden Gefilden an.

    Was es braucht ist ein Volk, eine Gesellschaft, die einigermaßen zusammenhält und sich nicht gegenseitig angiftet. Ohne diese bekommt die Majorität der Bürger auch die Führer die es verdient.

    >Letzte Frage: Was ist eigentlich mit der CDU? Warum hackt niemand mehr auf ihr rum?

    Weil es bei der Union der Habitus leicht ersichtlich ist. Wäre also ähnlich sinnfrei wie die tagtägliche Beschäftigung mit der BILD um zu belegen das diese Schmarrn von sich gibt. Kann man machen, aber damit belegt man nur die offensichtliche Grenzdebilität des Gros der Bevölkerung. Ist das sinnvoll? Nein, außer man möchte sich ebenso anschließen.

  8. Chris sagt:

    Letzen Kommentar gelöscht — ich hatte bereits im ersten Kommentar eine Beleidigung gelöscht. Mit viel Nachdenken hat das nichtg zu tun, im Folgekommentar noch einmal die Bezeichnung zu wiederholen. Um es mal ganz diplomatisch auszudrücken…

  9. Chris sagt:

    Volker Pispers — Bis neulich. Eines der besten Kabarett-Programme der letzten Jahrzehnte, wenn nicht sogar das beste. Aber altbekannt. Ich habs auf den NachDenkSeiten auch gesehen…

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