Die schweigende Mehrheit und Frank-Walter Steinmeier

Nach Volker Kauder setzt nun auch die SPD — zuerst einmal in Form von Christian S. auf die sogenannte schweigende Mehrheit. Es verwundert nicht, dass Typen wie Roland Koch auf die schweigende Mehrheit setzen — die Menschen, die sich äussern, politisch denken, eine eigene Meinung haben, die wählen schon lange nicht mehr Union oder gar die SPD. Die Menschen haben sich mittlerweile angewidert von der SPD abgewandt. Menschen, die sich klar artikulieren können, die in der Hektik unserer Zeit Mensch geblieben sind, den Menschen sehen, mit Menschen reden, auf ein menschliches Miteinander setzen, können und werden allein schon aus moralischen Gründen nicht die SPD wählen. Das wäre schon beim Kanzlerkandidaten Kurt Beck der Fall gewesen. Dass dieser nun nicht mit Angela Merkel in den Ring steigt, sondern der aufrechte Hartz IV-Macher Frank-Walter Steinmeier verschärft dies natürlich noch um ein Vielfaches.

Ich mag heute auch nicht mehr groß etwas zu dem Blödsinn der SPD schreiben — was hier über Franz Müntefering geschrieben wurde, gilt ebenso für Frank-Walter Steinmeier. Die SPD scheint eine große Todessehnsucht zu treiben. Dramatisch an der Sache bleibt die Unwählbarkeit der Linken, die Grünen werden aller Voraussicht nach mit der CDU 2009 ins Koaltionsbett steigen wollen — was also tun? Nicht viel bis gar nichts. Die SPD hat dieses Land ruiniert, verraten und verkauft. Mittendrin statt nur dabei: Frank-Walter Steinmeier. Wenn das die Eignung sein soll, um Kanzlerkandidat zu sein, dann steht es um unser Land schlechter als jemals gedacht. Aber halt — ich vergaß. Er ist ja so beliebt, weil er als Außenminister die Staatschefs der andern Länder trifft und stets von den Medien gut ins Bild gesetzt wird. Das hat ja auch noch kein Außenminister vor ihm geschafft. Und über den deutschen Staatsbürger Murat Kurnaz, den er in der Hölle Guantanamo verrecken lassen wollte, legen wir dann den Mantel des Schweigens.

Ja, der Herr Steinmeier ist schon ein wahrer Sozialdemokrat der heutigen Zeit. Aufrecht bis zum bitteren Ende. Angela Merkel hat — zumindest in der Außendarstellung — aus dem Desaster 2005 gelernt. Sie gibt sich heute an der einen oder anderen Stelle volksnah, fast schon sozial. Die SPD hat aus den letzten 3 Jahrzehnten rein gar nichts gelernt. Es wird eine tragische Fußnote der Geschichte sein, dass der Kanzlerkandidat der SPD viel weiter rechts steht, wie die Kandidatin der CDU. Dass ich dies mal schreiben würde, hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht ausmalen können. Würde Angela Merkel bei einer Schwarz-Gelben Koalition nicht sofort wieder in Leipziger Tage verfallen und die Menschen in diesem Land meistbietend verkaufen — sie wäre eine Alternative.

So haben wir 2009 nicht mal die berühmt-berüchtigte Wahl zwischen Pest und Cholera. Die SPD unter Frank-Walter Steinmeier setzt schon heute auf die Niederlage, Ziel soll eine erneute Große Koalition sein. Das hat es in der deutschen Geschichte nie gegeben und wird es wohl auch nie geben: Dass einer der beiden Kandidaten mit dem Ziel Niederlage in den Wahlkampf zieht.1 Die Bombe, die uns Gerhard Schröder hinterlassen hat, tickt — wenn man die Alternativen steht, dann kann man vielleicht wirklich auf eine Große Koalition hoffen. Da wurschteln sie sich dann bis 2013 gegenseitig zu Tode. Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat ist ein weiterer Sargnagel für die SPD — was er und Gerhard Schröder zusammen nicht geschafft haben, versucht der Außenminister nun im Alleingang. Die Zerstörung der SPD, des gesellschaftlichen Miteinanders. Da muss man schon mal fragen, was die SPD und dieses Land diesem aufrechten Politiker angetan hat. Ich vermute ja gar nichts — aber solche Menschen wie Frank-Walter Steinmeier brauchen für ihr zutiefst unmenschliches Handeln auch keine Gründe. Sei tun es einfach — aus vorgeblich pragmatischen Gründen. Nur: Pragmatisch kann ich mit Dingen sein, nicht aber mit Menschen.

Und für den in freudiger Erwartung auf den Wahlkampf mit den Hufen scharrender Christian S. hier noch einmal die Worte Volker Pispers zur schweigenden Mehrheit:

Die schweigende Mehrheit schweigt, egal was passiert. Ob in der Nachbarwohnung ein Kind misshandelt und totgeschlagen wird oder ob auf der Straße organisierte Verbrecherbanden jagt machen auf alle, die in ihren Augen anders oder abartig sind oder ob in der Straßenbahn eine wehrlose Oma von einer skrupellosen nachwuchskriminellen Bande bedroht und ausgeraubt wird. Ihr Lebensmotto: Weggucken, abducken und ja nicht aufmucken. Die einzigen Lebenszeichen, die es von dieser Spezies gibt, sind anonyme Anrufe zwecks Denunziation missliebiger Mitmenschen oder Strafanzeige von Unbekannt. Die schweigende Mehrheit besteht also vor allem aus Feiglingen, Duckmäusern und Mitläufern.

Wisst Ihr, was mir gerade beim Schreiben aufgefallen ist? Es ist genau das rechte Wählerklientel. Passt schon. Q.e.d. :)

  1. Link gerade nicht zur Hand. []

, , ,

15 Antworten zu “Die schweigende Mehrheit und Frank-Walter Steinmeier”

  1. Oliver sagt:

    Da hat man ja voll die Auswahl, selbst die althergebrachte Aussage zwischen Pest und Cholera wählen zieht nicht mehr wirklich, denn soviele Möglichkeiten zu Versagen hatte man nie zuvor 😀

    >Die Bombe, die uns Gerhard Schröder hinterlassen hat, tickt

    Hat was von den strahlenden Ökokraftwerken, da können sich auch noch Generation dran erfreuen.

    Ein Trauerspiel, wat wählen wir denn nur? Ich wähle die Flucht …

    Ach ja und Mutter Merkel, die Reisekanzlerin — fällt mir nichts zu ein, außer … nein, so tief sinke ich nun auch nicht. Das ganze ist eine durch und durch verfahrene Situation, Großbaustelle Deutschland.

  2. Carlos sagt:

    Hm… du hörst dich ja fast schon so resigniert an wie ich. Gebe dir ja recht — bis auf die «Unwählbarkeit» der Linken. Klar, die sind mit Sicherheit nicht das Gelbe vom Ei, aber ich befürchte mal, das die Linke so ziemlich die allerletzte Bastion vor einer endgültig Neoliberal-faschistoiden BRD sind. Bin aber für (fast) jeden anderen Vorschlag auch offen.
    Aber ich habe es bei mir schon geschrieben, ich fange so langsam an meine Koffer zu packen, man kann sich ja denken, was noch so kommt… :-(

  3. Grainger sagt:

    Nach dem (noch andauernden) Trauerspiel von Frau Ypsilanti in Hessen, dem scheinbar dauerhaft ziel– und orientungslos herum irrenden Parteivorsitzenden Kurt Beck, der Rückkehr von Franz Müntefering (hört sich wie der Titel eines miesen B-Movies an: Die Rückkehr von Müntefering 😀 ) nun noch die Kanzelkandidatur von Frank-Walter Steinmeier.

    Die SPD schlägt den letzten Nagel in ihren eigenen Sargdeckel.

  4. Christian S. sagt:

    Grandios sinnentstellend zitiert. Ich schrieb: «Ich bin gespannt, wie Klein Bloggersdorf auf diese Nachricht reagiert. Die üblichen Verdächtigen werden wieder davon faseln, dass das der Anfang vom Ende der SPD ist, das ist mir klar — aber wie sieht es die schweigende Mehrheit?»

    Wie man da den Bogen zu Volker Kauder schlagen kann, ist mir schleierhaft. Schade.

  5. […] Hier noch etwas passendes bei FIXMBR dazu. Könnte man kaum besser schreiben. Die Neoliberale Gesinnungspresse lobt diesen erneuten Fehltritt der Asozenführung ja wieder nach Kräften. Komisch, früher gab es mal sowas wie einen breiten kritischen Journalismus. Wo der wohl geblieben ist? […]

  6. Chris sagt:

    Ganz einfach — der hat auch von der schweigenden Mehrheit gefaselt. Wenn man schon keine Argumente hat, wie die cDU im Hessen-Wahlkampf, jetzt die SPD diesen Steinmeier aufzustellen, sucht man solche Ausflüchte… 😉

  7. Christian S. sagt:

    Es ging mir aber um Meinungen und Kommentare von Bloggern, die sich normalerweise nicht zu politischen Themen äußern — «Klein Bloggersdorf» eben. Mich interessiert, ob hier die Entscheidung eher auf Ablehnung oder eher auf Zustimmung stößt. Eine Prognose habe ich überhaupt nicht abgegeben, insofern ist der Vergleich sehr seltsam.

  8. Chris sagt:

    Btw — fast alles, was auf F!XMBR und anderne Blogs in den vergangenen Monaten geschrieben wurde, ist heute von der SPD bestätigt worden. Sie wollen einen Wirtschaftswahlkampf führen.

    Wo bleibt der Mensch, frage ich bei der SPD schon gar nicht mehr. Den haben sie eh verraten und verkauft. Wieso aber sollen die Leute die SPD wählen, wenn das Original in Wirtschaftsfragen, Schwarz-Gelb daneben steht?

    Da ist alles so lächerlich, führt die SPD direkt in die Opposition und dieses Land zu Schwarz-Gelb.

    Wenn sie es überhaupt schafft, wovon nicht auszugehen ist, wird sie jahrzehnte brauchen, um sich von solchen Typen wie Schröder, Müntefering und Steinmeier zu erholen.

    Einen Wirtschaftswahlkampf — wtf?

    Da steht ja die FTP weiter links, als die heutige SPD. Zumal diese im Moment mit den alten Granden der Partei glaubhaft gegen den Überwachungsstaat kämpft…

    Das glaubt alles kein Mensch…

  9. Chris sagt:

    Es ging mir aber um Meinungen und Kommentare von Bloggern, die sich normalerweise nicht zu politischen Themen äußern

    Das werden sie auch weiterhin nicht tun. Dann kann man IMHO auch nicht von schweigender Mehrheit sprechen. Das eigene Blog wird rein subjektiv mit Inhalten gefüllt (mal von monetären Gesichspunkten abgesehen), da kann man nun wirklich nicht von schweigender Mehrheit sprechen — eher von Interesse/Desinteresse. Mich stört dieser Begriff «schweigende Mehrheit» — auf diese wollte die CDU damals mit ihrem ausländerfeindlichen Wahlkampf setzen. Volker Pispers hat die richtige Antwort gegeben. Ebenso passte es jetzt meiner Meinung nach bei Dir.

  10. Christian S. sagt:

    In Ordnung: der Begriff ist negativ aufgeladen und leicht missverständlich. Aber Du hast Dir auch viel Mühe gegeben, ihn falsch zu verstehen. Denn ich denke nicht, dass man mich auch nur in irgendeinem Punkt in der Nähe von Volker Kauder oder Roland Koch verorten kann.

    Es ist ärgerlich, wenn der Diskurs direkt mit dem Holzhammer begonnen wird, so kommt man zu keinem sinnvollen Ergebnis. Mal abgesehen von der persönlichen Befriedigung, den anderen ordentlich zur Sau gemacht zu haben.

    Zum «Wirtschaftswahlkampf»: Noch steht das Programm ja nicht. Wie ich in meinem Blog-Artikel schrieb, ist die Diskussion in Ortsvereinen, Kreisverbänden und Landesverbänden sehr aktiv. Noch besteht die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzubringen — das endgültige Wahlprogramm bestimmt noch immer ein Bundesparteitag.

  11. Chris sagt:

    Noch steht das Programm ja nicht. Wie ich in meinem Blog-Artikel schrieb, ist die Diskussion in Ortsvereinen, Kreisverbänden und Landesverbänden sehr aktiv.

    Ich bewundere Deinen Idealismus, ganz ehrlich. :)

    Aber mal im Ernst: Ihr habt doch wenig bis gar nichts zu melden. Schon bevor Steinmeier gekürt wurde, hat er Bedingungen gestellt. Das Progamm bestimmt der Kandidat — allenfalls bleiben, um die Basis zu beruhigen, kleine Bröckchen in einem Nebensatz.

    Und auch der Kandidat ist und wird interessengeleitet. Ein neuer Genosse der Bosse, so einfach ist das.

    Ihr könnt so viel beschliessen, diskutieren, die «Schläge» der Menschen auf der Straße abbekommen, wie Ihr wollt. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Steinmeier bestimmt, was «Sache sein wird». Er bestimmt den Weg — Ihr habt zu folgen. Ganz einfach.

    Alles andere ist fernab der Realität — Parteipolitik, gerade unter Schröder, Steinmeier und Müntefering hat soviel mit (Basis-) Demokratie zu tun wie der gute Herr Kim Jong-il.

  12. Christian S. sagt:

    Wenn das Programm wirklich top-down verabschiedet werden sollte, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass sich viele im Wahlkampf engagieren werden. Und ganz ohne Basis kann man keinen Wahlkampf machen.

    Warten wir es mal ab. Schon im Vorfeld die Waffen zu strecken ist relativ witzlos. 😉

  13. Chris sagt:

    Hier gehts weiter.

    Kurt Beck tritt zurück.

    Gleich PK von der Tagungsklausur.

  14. Franktireur sagt:

    Immerhin gibt jetzt keine Ausreden mehr, kein Wenn und Aber, keinen Schlingerkurs: jetzt endlich hat sich die ASPD deutlich positioniert — gegen die Menschen, gegen die Menschlichkeit, gegen ein soziales Deutschland.

RSS-Feed abonnieren