Die schwarz-weiße Welt von Qype

Das Millionen-Unternehmen Qype hat auf die erhobenen Vorwürfe reagiert. Stephan, Gründer und Geschäftsführer persönlich, antwortet auf dem hauseigenen Blog in einer offiziellen Stellungnahme. Nachdem ich dieses Pamphlet diesen Text gelesen habe, wundert mich gar nichts mehr — es ist nicht wirklich verwunderlich, warum Qype eben genau das Bild abgibt, welches zur Zeit zu beobachten ist. Schon die Einleitung lässt mich innerlich auflachen, Qype gibt Nutzern die Möglichkeit, die eigene Meinung zu veröffentlichen, ähnlich, wie das zum Beispiel auch im eigenen Blog geht — das ist schon mal fast reif für den deutschen Comedy-Preis.

Qype will sich hier wieder bewusst den Blogs anbiedern, sorry Jungs, 6, setzen! Kein Blog bekommt 7-stellige VC-Beträge, kein Blog scheffelt ausschließlich mit den Beiträgen (Kommentaren) der Gäste Geld — auf Blogs sind immer Artikel der Blogger die Initialzündung für Content, auf Artikel folgen Kommentare. Qype macht alleine durch Beiträge der Nutzer Geld, liefert nur die Infrastruktur, sorry, aber Ihr wollt Euch mit Bloggern vergleichen? Keine Chance…

Es folgt belangloser Kleinkram, Selbstverständliches, Sätze, die ich schon vor zig Jahren als Forenregeln verfasst habe — ich verweise nochmal darauf, dass dies eine offizielle Stellungnahme von Qype, vom Gründer und Geschäftsführer ist — die Qualität gleicht denen der Forenregeln dieser Welt. Ich fass das nicht.

Und selbst Stephan scheint nicht wirklich wahrgenommen zu haben, was wirklich im Beitrag von Jan schief gelaufen ist, der abgemahnt wurde. Nachdem Jan mittlerweile mehrmals darauf hingewiesen wurde, dass er eine Telefonnummer vertauscht hatte, macht Stephan daraus, dass Jan zwei Unternehmen (komplett) vertauscht hat — schon klasse. Es kann natürlich sein, dass Jan sich da unglücklich ausgedrückt hat — es scheint mir aber nicht so. Jan, war es eine kpl. Verwechslung oder nur die Telefonnummer?

Was gar nicht zur Sprache kommt, sind die Kosten der Abmahnung. Eine eindeutige Stellungnahme hierzu, hey wir übernehmen, vermisst man in dem Geschreibsel von Stephan. Ich schrieb gestern von Moral, Anstand, Ethik, scheint bei Qype nicht angekommen zu sein. Lässt auch sehr interessante Schlüsse zu.

Kommen wir zum letzten Absatz:

Es gibt nur entweder ?Zensur? durch einen verantwortlichen Redakteur, der seine Mannen unter Kontrolle hat. Genau das wollen wir bei Qype nicht. Oder es gibt Freiheit des Einzelnen, zu sagen was er denkt. Und dafür stehen wir.

Ihr steht also für Abmahnungen Eurer User, gut das zu wissen. Und natürlich gibt es zwischen diesem Schwarz-Weiß-Denken noch Möglichkeiten… 😉

Liebe Leute, Ihr macht da eine verdammt unglückliche Figur. Ich hab da nichts bei, so hab ich was zu schreiben, was zu lachen, doch so langsam müsste bei Euch doch auch mal ein Licht aufgehen, oder? 😀

Ich hab mich ja schon gestern Abend gewundert. So ein Hype-Qype-Web 2.0-Unternehmen schafft es nicht, bei so einem akuten Fall, auch abends zu kommentieren, die Blogs im Auge zu behalten. Das war sehr lustig zu sehen. Man gibt sich nach aussen hippig, flippig, man hängt sich an die käuflichen Blogger an — im Prinzip zählt aber auch nur der schnöde Mammon, okay, es ist ein Unternehmen, das muss so sein, aber bitte, spielt den Leuten dann nichts vor.

Eine Sache noch. Eure nette Kollegin Ute schrieb:

Ps: In vielen Blogs wird dieser Vorfall ?instrumentalisiert?.

Sorry, da muss ich Euch enttäuschen — ich hatte bisher mit Euch nichts am Hut, habe mit Euch nichts anfangen können. Ihr wart mir bisher schlichtweg egal, werdet es auch weiterhin sein, nur dieser spezielle Fall, darüber ist zu reden, über die Verantwortung gegenüber den eigenen Usern, Anstand, Moral und Ethik. Nicht mehr und nicht weniger.

10 Antworten zu “Die schwarz-weiße Welt von Qype”

  1. tom sagt:

    zitat jan (der betroffene autor) auf blogbar.de

    «den Vorwurf, qype würde sich ?geschwind vom Acker machen, wenn es ernst wird?, finde ich nicht gerechtfertigt, ich erlebe gerade das Gegenteil.»

  2. Christian sagt:

    Das Schlimme ist, diese Start-Upper glauben tatsächlich den Mist, den Sie verzapfen. Ich denke auch eher, dass hier Geld gemacht werden soll und nicht den armen Internetnutzern endlich die Möglichkeit gegeben werden soll, sich zu äußern. Das kann ich auch sehr gut ohne Qype!

  3. Chris sagt:

    Leute, bevor Ihr hier besserwisserisch und unbeholfen in die Artikel stolpert, solltet Ihr dieselbigen vielleicht mal lesen.

    Danke.

    Ich hatte genau den Satz von Jan bereits im gestrigen Artikel zitert.

    Demnächst lesen wir dann auch die Verlinkungen, dann gibbet alle Infos, nicht wahr Tom, dann fällt man nicht so hart auf die Schnauze und wird abgewatscht. 😉

    @Christian: Es drängt sich wirklich der Eindruck auf, ja…

  4. tom sagt:

    sie es versuch den verbissenen nebel vor deinen augen ein wenig zu lichten.

    wenn der betroffene meint, die betreffende website/unternehmen unterstuetze ihn gut und er hat nicht das gefuehlt, er wird im stich gelassen, dann versteh ich nicht welches haar in der suppe du hier zu finden versuchst. ich hab das gefuehl qype haette reagieren koennen wie es will,du haettest immer einen kritikpunkt in der vorgehensweise gefunden.

  5. Oliver sagt:

    >ich hab das gefuehl qype haette reagieren koennen wie es will,du haettest immer einen kritikpunkt in der vorgehensweise gefunden.

    Und mir deucht, egal was man schreibt irgendwer schlägt immer hier auf ders nicht versteht. Tja c’est la vie :)

  6. Kai sagt:

    Hi,
    ich bin kein Qype-Nutzer und werde auch keiner werden, aber ich sehe das ein bissel anders als Chris.

    Wenn Qype einfach sagt, OK wir uebernehmen die Rechnung, wo faengt dann sowas an und wo hoert sowas auf? Wenn Du willst, koenntest Du ja dann mit ein paar Leuten und einem Anwalt ne Menge Kohle in kuerzester Zeit machen.

    Ich finde die Einstellung «Die wollen ja eh nur Kohle machen» auch ziemlich sinnlos. Es gibt im Internet 100000 Ideen, die fuer den User Spass machen sollen (es MUSS keiner Youtube nutzen), die aber fuer den Betreiber Geld einbringen sollen. Wieso auch nicht? Wer die Idee hat und weiss sie umzusetzen, wie gesagt, es wird ja keiner gezwungen diese Services zu nutzen. Ich bin aber dankbar, dass es Seiten wie Youtube, Hitflip, Flickr usw. gibt.

    Dies klaert nicht die Frage, wie man sich vor solchen Abmahnung schuetzen kann. Und damit meine ich von Seiten des Betreibers als auch des Users.

    Ich betreibe ebenfalls eine Community mit Foren und wenn ich mir ueberlege, dass sowas auch auf mich zukommen kann, dann frage ich mich, ob es sich ueberhaupt noch lohnt.

    Wollen wir wirklich ein Internet ohne freie Meinung in Foren? Wollen wir wirklich einfach alles auf die Betreiber schieben? Wo wuerde das hinfuehren?

    Die laecherlichen Gesetze und diese ***** sind das Problem!

  7. Chris sagt:

    Ich betreibe ebenfalls eine Community mit Foren und wenn ich mir ueberlege, dass sowas auch auf mich zukommen kann, dann frage ich mich, ob es sich ueberhaupt noch lohnt.

    Sag mal Kai, in welcher Traumwelt hast Du bisher gelebt?

    Klick

    @Tom: Verbissen? Ich liege ich teilweise vor Lachen auf dem Boden.

    Ach, die Chinesen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren… 😉

  8. Oliver sagt:

    >Die laecherlichen Gesetze und diese ***** sind das Problem!

    Mangelnde Vernunft ebenso, genauso wie der Irrglaube als als Meinung zu definieren. Ist halt eine Gratwanderung, wobei wir wieder bei der Vernunft wären.
    Der Betreiber, je nach Größe, sollte ein wenig schützen — aber wenn ich schon sehe wie schnell Google/Youtube bereitwillig alles hergibt, was soll man dann noch erwarten? Unabhängig von diesem speziellen Fall hier, den ich nicht en detail kenne, würde ich sagen Vernunft bei dem Gros der Inet-Nutzer und es würde auch mit dem Schutz der Rechte aufwärts gehen.
    Das Beispiel DRM und Emi zeigen das es geht, jedenfalls mal so um guten Willen zu signalisieren.

  9. […] Chris und Don Alphonso (in gewohnter Manier und Sprache) haben eigentlich schon alles dazu gesagt was den Text angeht. Von einer Firma, die ihre Dienstleistung vertreten muss, nicht anders zu erwarten: durch die Blume wird jede Verantwortung an die User abgetreten. Kann ich auch irgendwie aus unternehmerischer Sicht verstehen. Ich würde auch nicht die Hand für den Inhalt von Usern, die ich nicht kenne, ins Feuer legen. Und da liegt genau das Problem von den ganzen AAL Web 2.0-Portalen mit User generated content: Inhaltskontrolle. […]

  10. Jan Schmidt sagt:

    Ich habe in meinem Ursprungsbeitrag (http://www.bamberg-gewinn.….ives/714) inzwischen ein längeres Update eingefügt, in dem ich den Vorgang aus meiner Sicht umschreibe (in den Kommentaren hatte sich ja schon der Rechtsanwalt des Abmahnenden zu Wort gemeldet).

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