Die Rentner am Tropf des Staates

Manche Medien zeigen sich perfekt darin, diverse gesellschaftliche Gruppen als Schmarotzer unseres Landes hinzustellen. Besonders gut klappt das natürlich bei Hartz IV-Empfängern oder auch bei den Studenten. Oft genug wird aber auch gegen die Rentner geschossen, also die Menschen, die dieses Land aufgebaut haben und Zeit ihres Lebens gearbeitet haben. Über die Financial Times muss man nicht viel Worte verlieren. Welche Interessen dort vertreten werden, sollte jedem unserer Leser klar sein. Monika Dunkel — Nomen est Omen — hat dort einen Text verfasst, der mich dann doch sprachlos zurücklässt. Ist das mittlerweile eine neue Stufe einer Eiseskälte oder einfach nur Dummheit? Sie schreibt unter anderem:

Ökonomen sind sich längst einig: Wir brauchen einen Arbeitsmarkt für Ältere. Zum einen, damit der Wirtschaft die qualifizierten Kräfte nicht ausgehen, und zum anderen, damit rüstige Rentner nicht nur am Tropf des Staats hängen.

Das altbekannte Spiel. Sobald Gelder vom Staat überwiesen werden, hängen die Leute am Tropf desselbigen. Merkt die Frau eigentlich noch irgendetwas. Wenn man Rente bezieht, hängt man am Tropf des Staates? Was ist dass denn für eine Unverfrorenheit, eine Unverschämtheit? Was für ein Niveau pflegt man in den Redaktionsräumen der Financial Times mittlerweile?

So ist die Zahl der über 65-jährigen Minijobber Ende September 2006 auf rund 690.000 gestiegen.

Der Rest des Artikels ist eine Ansammlung von Statistikdaten — wie manche sie halt lieben. Danach aber (Lebens-) Situationen zu beurteilen, das klappt nicht wirklich. Die gute Frau Dunkel hat sich in ihrem Pamphlet nicht einmal Gedanken darum gemacht, warum die Menschen im Alter noch arbeiten gehen müssen. Stichwort Altersarmut. Sie können einfach von den paar Euro Rente nicht mehr leben — so einfach wie grausam. Natürlich gibt es Ausnahmen, Menschen, die ohne Arbeit nicht leben können, aber wie gesagt, das sind Ausnahmen.

So sind sie mittlerweile, die Ökonomen unseres Landes — die Menschen werden bis ins hohe Alter — Mit 80 noch auf Jobsuche — als einfaches Schlachtvieh angesehen. Die gesellschaftliche Problematik, warum Menschen keine andere Wahl haben und sich so verhalten, wie sie es tun, wird ausgeklammert, es interessiert nicht. Wir brauchen wirklich flexible Übergänge in die Rente — das hat kein Vertreter der Industrie gesagt, dem Menschenleben egal sind, Klaus Brandner, sozialpolitischer Sprecher der SPD hat diese Worte gewählt. Obwohl, was von der SPD zu halten ist, wissen wir mittlerweile auch alle. Wenn also die Parteien von Flexibilität im Alter sprechen, ist auch das perfide Ausnutzen der Altersarmut gemeint. Gefordert über die Medien durch Industrie und deren bezahlten Ökonomen, willig umgesetzt durch die Politiker. Und wo sich billig Renter als Minijobber einsetzen lassen, da werden normale, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gespart. Auch eine simple Rechnung. Was für ein Pack.

23 Antworten zu “Die Rentner am Tropf des Staates”

  1. Martina sagt:

    Wenn ich jetzt wüsste, wie ich hier «quoten» kann, dann würde ich doch glatt einige Absätze aus einem alten Artikel von mir zitieren.

    Das Thema «Normal»-Renten vs. «sonstige» Renten habe ich schon seit längerem im Programm.

    Das Problem mit dem Hinzuverdienst bei Rentnern ist nämlich ziemlich heftig. Mal angenommen, ein Mensch hat 40 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt. Je nach dem, wie hoch bzw. niedrig das Einkommen war, gestaltet sich auch die Rente. Nun aber kommt der Hammer:

    *Zitat aus der Süddeutsche Zeitung*:
    Nur Rentner über 65 Jahre dürfen unbegrenzt zu ihrem Altersruhegeld hinzuverdienen, ohne dass dies Auswirkungen auf ihre Rentenbezüge hat. Ob es sich um einen Mini-Job oder um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis handelt, spielt dabei keine Rolle.

    Die Einkünfte müssen allerdings versteuert werden, soweit es sich nicht um Jobs bis zu 400 Euro handelt. So fallen für die erwerbstätigen Rentner auch ermäßigte Beiträge zur Kranken– und Pflegeversicherung an.

    Beträgt der Zuverdienst aber mehr als 400 Euro

    Dann wird die Rente nicht nur um ein paar Euro, sondern gleich um mindestens ein Drittel zusammengestrichen und das so lange, wie die Rentner den Job ausüben.

    Das gilt schon dann, wenn die 345-Euro-Grenze mehr als zweimal im Jahr nur um einen Cent überschritten wird. Die Betroffenen haben dann nämlich nur Anspruch auf eine Teilrente in Höhe von zwei Dritteln ihrer Vollrente.
    Link der Quelle: http://www.sueddeutsche.d.….1/52079/

  2. Oliver sagt:

    >Wenn ich jetzt wüsste, wie ich hier «quoten» kann, dann würde ich doch glatt einige Absätze aus einem alten Artikel von mir zitieren.

    Profan wie in Mails usus, siehe mein Beispiel oder mittels blockquote.

  3. Marnem sagt:

    Was an der Problematik am meisten nervt ist doch, dass ein Großteil der Transfers aus dem Bundeshaushalt in die Rentenkasse (Ergo hängen die Rentner durchaus am «Tropf des Staates») dem Herrn Kohl anzulasten, der Anfang der 90er jeden Aus– und Umsiedler ganz normal in die Sozialkassen integriert hat, statt wie eigentlich angebracht, die Ausgaben aus dem Bundeshaushalt zu bezahlen. Somit finanzieren wieder nur die Arbeiter und Angestellten diesen Teil der Wiedervereinigung, während die Freiberufler und Mehrverdiener nicht damit belastet werden.

    Die Rente, die zB meine Oma bekommt, ist ein schlechter Witz. Ohne die monatlichen Überweisungen meiner Eltern wäre sie schon lange ein wirklicher «Sozialfall».

  4. Jens sagt:

    @Martina:
    Was ist denn jetzt daran so der «Hammer»?

    Das Rentensystem ist so aufgebaut, dass man mit 65 Jahren die Regelaltersrente bekommt. Das ist das normale Renteneintrittsalter. Ab dann darf man auch soviel hinzuverdienen wie man will.

    Wenn man vorzeitig die Rente in Anspruch nimmt, dann wird das ganze teurer, in dem Sinne, als dass es versicherungsmathematisch nicht mehr so richtig klappt. Deswegen gibt es ja auch oft sogenannte Abschläge bei den Renten.

    Es ist jedoch nicht umsonst so, dass man bei einer vorzeitig in Anspruch genommenen Rente gewisse Hinzuverdienstregeln einhalten muss, denn sonst könnte man ja sagen «Ich bekomme jetzt Rente und mache meinen normalen Job weiter!»

    Ich finde daher die Idee der Hinzuverdienstgrenzen vor der Regelaltersgrenze nicht für falsch.

    Das das ganze unter Umständen manchmal merkwürdige Auswirkungen hat: Das stimmt. Ich finde es auch ungerecht, dass man bei einem Cent Hinzuverdienst zuviel plötzlich die Rente um 1/3 oder gar ganz (das verschweigt die SZ…) gekürzt bekommen kann.

    Das Problem hier ist jedoch auch, dass es viele Rentner gibt, die sich nicht wirklich informieren. In ihren Rentenbescheiden steht meines Wissens das schon ausführlich drin und zur Not fragt man auch mal nach. Abgesehen davon, dass die Arbeitsaufnahme vor der Regelaltersrente mitgeteilt werden muss, was aber kaum einer macht.

  5. Oliver sagt:

    Blümchenwiesen tun sich hier auf …

    >Es ist jedoch nicht umsonst so, dass man bei einer vorzeitig in Anspruch genommenen Rente gewisse Hinzuverdienstregeln einhalten muss, denn sonst könnte man ja sagen ?Ich bekomme jetzt Rente und mache meinen normalen Job weiter!?

    Die wenigsten machen es aus Spaß, sondern werden ob des debilen Jungendwahns geradezu dazu genötigt.

    Da gibts nichts zu beschönigen, das Rentensystem stinkt.

  6. Danke für deinen Artikel, Du sprichst mir aus dem Herzen!
    Also machen wir den Gashahn im Keller auf und das Problem ist für beide Seiten gelöst …

  7. Chris sagt:

    @Oliver: Der Jens verdient sich gerade seine Rente mit adical-Werbung. Du hast es die neue Konservative genannt, jemand anderes hat die adicalianer die neuen Neoliberalen genannt. So ist das halt. Da wird nicht drüber nachgedacht, warum Menschen im Alter arbeiten müssen, denen *muss* die Rente gekürzt werden. Der aufrechte Deutsche Michel muss schließlich seine Ordnung haben — sonst geht das nicht…

  8. Jens sagt:

    @Marnem:
    Der Gag ist, dass übrigens die Summe der Bundeszuweisungen an die Rentenversicherung ungefähr der Summe der sogenannten «versicherungsfremden Leistungen» entspricht.

    @Chris:
    Wenn eine Rente zu gering ist, kann ich es natürlich nachvollziehen, wenn sich jemand was dazu verdienen möchte. Die jetzige Hinzuverdienstregelung ist meiner Meinung nach deutlich verbesserungsfähig ist. Wenn ich da was regeln könnte, würde ich sagen, dass der berühmte «1 ct»-Fall so zu behandeln ist, dass dann halt eine Überzahlung in Höhe von 1 ct zurückzuzahlen ist — und das sollte aus Geringfügigkeitsgründen erst gar nicht verfolgt werden.
    Auch sollte man die Hinzuverdienstgrenze dann gleich an die Minijob-Grenze angepasst werden, denn dann kommen Rentner mit ‘nem voll gezahlten Minijob erst gar nicht in irgendeine Bredouille.

    Ich bleibe jedoch dabei, dass eine Rente vor der Regelaltersgrenze (die für die Leser hier wohl bei 67 oder höher liegen wird…) gewisse Hinzuverdienstregeln haben sollte.

    Oder anders anhand eines Beispiels gefragt: Fändest Du es als Beitragszahler fair, wenn von Deinen Beiträgen jemand z.B. aus gesundheitlichen Gründen eine Rente in deutlich vierstelliger Höhe bekommt, weil er eben nicht mehr arbeiten kann, dann aber noch nebenbei dasselbe oder gar mehr verdient?

  9. Chris sagt:

    Jens, wenn jemand Rente bekommt, hat er jede Menge dafür geleistet — und wenn dann jemand ne Million dazu verdient, interessiert es mich nicht. Soll er gerne machen. Du hast einfach nur monetäre Interessen, bist neidisch, ich gönne anderen Menschen das, was sie haben und bekommen. Das ist der Unterschied. Wir können uns aber gerne über Beitragszahlungen unterhalten. Was meinst, sind bei allen adicalianern die Einkünfte korrekt angemeldet? 😉

  10. Chris sagt:

    Beitragszahler sind wir auf vielerlei Weise, nicht wahr. 😉

    Ansonsten muss und werde ich Dir nichts erklären.

    //Oh, da hat wohl der Löschknopf zugeschlagen. So spielt das Leben.

  11. Martina sagt:

    Chris, das Löschen von Kommentaren bringt nix, wenn diese vorher per RSS-Reader verschickt werden. Warum du nun den einen wirklich harmlosen Kommentar von Jens gelöscht hattest, mag sich mir nicht erschließen, aber du wirst sicherlich deine Gründe dafür haben.

    (nur weil er Addi*al einsetzt?)

    Jens ist nun absolut nicht neoliberal, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.

    @Jens: Zum Hinzuverdienst von Rentnern: Ich wurde eben von einem Frührentner über meinen Denkfehler aufgeklärt. Und ich sehe MEINEN Irrtum ein. Klar, wenn es sich um einen aus gesundheitlichen Gründen eingestuften Frührentner handelt, dann mag es eindeutig und klar wie auch verständlich sein.

    Wie sieht es aber bei denen aus, die aus betrieblichen Gründen Frührentner wurden (zwechs Bilanzoptimierung zur Kurssteigerung an der Börse)? Gilt für sie die selbe Regelung?

    Ich glaube, das (und auch mein) Verständnisproblem liegt darin, dass mache Frührentner aufgrund ihres Alters kaum noch einen Job finden werden. Wenn sie nun eine Tätigkeit finden, die bei weitem nicht das Rentenniveau erreicht, aber um 1ct. das Mindestmaß überschreitet, über alle Maßen bestraft werden.

    Eine Frührente kann und wird in den meisten Fälen nur einen Bruchteil dessen sein, was man zu einem vernünftigen Leben braucht. Und Menschen, die durch ihre Arbeit krank und arbeitsunfähig wurden (oder durch eine schwere Krankheit), mit einer Rente zu «bestrafen», die gerade mal das Existenzminimum sicher stellt, dürfte nicht unbedingt sozial ausgewogen sein.

  12. Chris sagt:

    Martina: Ich sage sowas nur einmal: Wie wir hier mit Kommentaren umgehen, ist unsere Sache.

    Wie ich persönlich über Yahoo-Werber denke, habe ich schon mehrfach dargelegt. Die Denkweise bei den neoliberalen Volltrotteln und den adicalianern ist ähnlich — monetär. Schlicht und einfach. Auf Kosten der Leben anderer wird Geld verdient.

  13. Oliver sagt:

    @Martina, du mußt nicht automatisch alles auf Chris schieben — ich genieße hier ebenso alle Rechte und Pflichten und hab den Comment entsorgt in der Modschleife und Chris schaltete ihn frei. Zeitgleich, ich hatte halt schneller gezogen. High Noon bei derlei Themen.

  14. Martina sagt:

    @Chris und Oliver: warum sternt (*) Ihr nicht einfach die BUH-Wörter aus? Hausrecht hin oder her, lasst doch bitte einfach die Diskussion sich in Frieden entwickeln.

    Ich blogge auch schon seit einigen Jahren, aber bei mir hat bislang nur eine einzige Person Hausverbot erhalten. Alle anderen Kommentare lasse ich, solange sie sich auf einen vorher von einer anderen abgesetzten Person beziehen, online.

    Und Jens traue ich zu, sich dann alleine aus einer Diskussion zurückzuziehen, wenn er sie als unsachlich empfindet. 😉

    Nur mal so am Rande.

    Nochmal zur Rente:
    Es kann nicht sein, dass unsere Rentner, also die Menschen, die am Aufbau unseres Staates aktiv mitgewirkt haben, eine Rentenerhöhung von 0,56% erhalten. Einer Steigerung, die noch nicht einmal die Inflationsrate abfedert!

    Im Alter steigen die Kosten wieder immens! Unsere Senioren sind in vielen Fällen Ärzten ausgeliefert, die diese übermedikamentieren. Bedingt durch eine anerzogene Obrigkeitshörigkeit (Stichwort: Engel in Weiß) und auch Gutgläubigkeit vertrauen viele der Senioren den Weißkitteln. Da aber aufgrund der Gesundheitsreform viele Medikamente nun höher vom Bezieher «bezuschusst» werden müssen, die Mieten nicht unbedingt gesunken sind, die Pflegesätze in Altenheimen hingegen kontinuierlich steigen, stehen manche Rentner vor einem Armutsloch!

    Ich will mich jetzt nicht noch dazu über die GEZ auslassen, und wie sie sich gegenüber tauben und blinden Senioren verhält.…

  15. Oliver sagt:

    Wir «publizieren» schon viele, viele Jahre im Netz und haben schon eine Menge Leute vor die Tür gesetzt. Hat halt jeder so seine Erfahrungswerte gesammelt. Ich fands z.B. 95 lustig im Netz, so leer und trollen war da noch ne teure Sache :)

    >Es kann nicht sein, dass unsere Rentner, also die Menschen, die am Aufbau unseres Staates aktiv mitgewirkt haben,

    Es kann alles sein — das Problem sind die Mitmenschen, der Staat formuliert quasi nur den vorherrschenden asozialen Gedanken aus.

    Warum sich auch in irgendwelche Argumentationsketten verrennen? Mich stören weder Arbeitslose, noch Rentner — sprich wieviel Geld diese bekommen. Es muß genug sein, um als *Mensch* zu leben, nicht um dahinzuvegetieren.

    Da laufen die Leute quasi mastrubierend ob Werbung durch die Welt, jeder möchte mal — ein Schuß, ah wie geil, das schnelle Geld. Da wird massiv schmarotzt, auf Kosten der gesamten Allgemeinheit wird verdient, ohne Gegenleistung, nur den Nervfaktor bekommt man von denen gratis. Die gleichen jedoch drehen jeden Pfennig anderer dreimal um und sprechen jenen Sozialleistungen ab, ob «Schmarotzertum». Wie scheiße ist das denn? Wir arm im Geiste muß man denn sein, wenn man sich eine derartig asoziale Welt zusammenbastelt? Und ich rede von jeglicher Werbung, ob als Papiermüll oder virtueller Dreck dargereicht.

    homo homini lupus

  16. Grainger sagt:

    Es kann nicht sein, dass unsere Rentner, also die Menschen, die am Aufbau unseres Staates aktiv mitgewirkt haben, eine Rentenerhöhung von 0,56% erhalten. Einer Steigerung, die noch nicht einmal die Inflationsrate abfedert!

    Die Entwicklung der Renten ist in Deutschland gesetzlich an die Entwicklung der Reallöhne gekoppelt und nicht an die Inflationsrate!

    Dazu mag man stehen wie man will, aber als in den Wirtschaftswunderjahren die Renten quasi mit den jeweiligen Tariferhöhungen miterhöht wurden (zeitweise weit über das Maß der Inflationsrate hinaus) habe ich keine Klagen gehört.

    Nun sind die Reallöhne in Deutschland seit einiger Zeit eigentlich rückläufig, bei korrekter Anwendung der vorgegebenen Rahmenbedingungen hätten die Renten seit einigen Jahren sogar gesenkt werden müssen.

    Es hat zwar einige Nullrunden bzw. nur äußerst moderate Erhöhungen gegeben, aber die haben die noch beruflich aktiven Beitragszahler ja auch gehabt.

    Die Hinzuverdienstgrenzen bei den Rentnern haben aber auch noch einen anderen (und imho schwerwiegenderen) Grund:

    wenn es diese gar nicht gäbe würden sehr viele Arbeitgeber ihre Beschäftigten dazu drängen möglichst früh in Rente zu gehen.

    Die Arbeitnehmer müssten dafür Rentenminderungen von bis zu 18% in Kauf nehmen, außerdem würden ihnen natürlich die letzten Beitragsjahre fehlen.

    Insgesamt dürfte die tatsächliche Rentenminderung dann deutlich über 20% liegen.

    Anschließend würde man den Arbeitnehmern eine Weiterbeschäftigung zu geänderten Konditionen (sprich: für deutlich niedrigeres Entgelt) anbieten.

    Viele Arbeitnehmer (die u.U. ja gar keine Alternative haben) würden das sogar mit sich machen lassen müssen, sie bekämen also eine Rente aus der Rentenkasse + einen Hinzuverdienst aus ihrer Berufstätigkeit (die vermutlich bis auf das niedrigere Entgelt weitestgehend unverändert wäre, d.h. sie leisten die gleiche Arbeit für weniger Geld).

    Und die Arbeitgeber würden massiv Lohnkosten sparen und die Einnahmen der verschiedenen Zweige der Sozialversicherungen würden dann natürlich ebenfalls entsprechend niedriger ausfallen.

    Und wer glaubt, das die Arbeitgeber(verbände) eine solche Möglichkeit nicht gnadenlos ausnutzen würden, ist einfach naiv.

  17. Oliver sagt:

    >habe ich keine Klagen gehört.

    Dürfte selbst dir in der Zeit schwer gefallen sein, oder? 😀 😉

    >wenn es diese gar nicht gäbe würden sehr viele Arbeitgeber ihre Beschäftigten dazu drängen möglichst früh in Rente zu gehen.

    Nun ich kann dir berichten, von ganz großen Firmen in Deutschland — das gibts so oder so. Mitunter wird die Problematik nur verniedlicht.

  18. Grainger sagt:

    Ich gebe zu, die Wirtschaftswunderjahre habe selbst ich trotz meines fortgeschrittenen Alters 😉 als Kind erlebt.

    Nun ich kann dir berichten, von ganz großen Firmen in Deutschland — das gibts so oder so. Mitunter wird die Problematik nur verniedlicht.

    Bei vielen Firmen ist das in den letzten paar Jahren durch das Altersteilzeitgesetz etwas abgefedert worden, etliche Branchen haben darüber hinaus Altersteilzeit-Tarifverträge.

    Ich kann aus meiner beruflichen Praxis sagen das die Nachfrage nach einem Altersteilzeitvertrag schon relativ hoch war und ist, bei unserem Tarifvertrag wird das Netto-Entgelt während der Altersteilzeit auf 83% des bisherigen Netto-Entgeltes aufgestockt, die Rentenversicherungsbeiträge auf 90% des bisherigen RV-pflichtigen Bruttos.

    Tatsächlich in Anspruch genommen wird aber nur das sog. Blockmodell, man hat also bei einem Blockmodell von z.B. 6 Jahren Laufzeit 3 Jahre Arbeitsphase, anschließend 3 Jahre Freizeitphase und geht dann planmäßig in Rente.

    Nach dem sog. Gleichverteilungsmodell hat sich bei mir noch niemand erkundigt, bundesweit soll dessen Anteil unter 2% an den insgesamt abgeschlossenen Altersteilzeitvereinbarungen liegen.

    Viele unser Beschäftigten (zumindest die, die sich wegen eines Altersteilzeitvertrages bei mir erkundigt haben bzw. sich von mir beraten ließen) haben durchaus nicht unerhebliche Fahrkosten für die Fahrten zur Arbeitsstelle.

    Die 17% Netto-Einkommensverlust während der Altersteilzeit werden so bei einigen durch den Wegfall der Fahrkosten während der Freizeitphase mehr als kompensiert (vermutlich ein weiterer Grund warum niemand das Gleichverteilungsmodell will).

    Das Altersteilzeitgesetz läuft aber am 31.12.2009 aus, wer bis zum Stichtag das 60. Lebensjahr vollendet hat kann das noch in Anspruch nehmen, alle jüngeren müssen abwarten was dann kommt.

    Ich habe zwar gerüchteweise gehört das eine Verlängerung um weitere 10 Jahre diskutiert wird (dann könnte und würde ich das auch noch in Anspruch nehmen :D), aber was Genaues weiß man nicht.

  19. Jan sagt:

    Ich kann an der Aussage, dass wir als Rentner irgendwann «am Tropf des Staates» hängen leider nur beipflichten. Und weil das leider so ist und weil dieser Staat aus unterschiedlichen Gründen nur sehr unzureichende «Tröpfe» im Angebot hat, ist die Situation so wie sie ist. Für mich ist diese Aussage eher eine Analyse, als Brandmarkung verstehe ich sie jedenfalls nicht.
    Mein Vater ist selber Rentner und bessert sich sein Einkommen als solcher durch zwei «Nebenjobs» auf und ich denke bereits jetzt mit einigem Grausen daran, dass den Rentnern von heute ja vergleichsweise gut geht und ich mir für meinen eigenen Lebensabend wohl selbst auch irgendwas einfallen lassen muss.

  20. Oliver sagt:

    >Ich kann an der Aussage, dass wir als Rentner irgendwann ?am Tropf des Staates? hängen leider nur beipflichten.

    Wir wohl nicht mehr, die Aussage gilt wohl mehr aktuell. In ein paar Jahrzehnten kann man sich das alles in die Haare schmieren.

  21. Chris sagt:

    @Jan: Artikel gelesen? Ich glaube nicht. Am Tropf der Gesellschaft spielte im FTD-Artikel darauf an, dass Rentner zu den Schmarotzern unserer Gesellschaft gehören. Es war nicht die einfache Aussage, sie bekommen (verdientes) Geld vom Staat. Der gesamte Artikel hatte nichts anderes im Sinn, als die Rentner zu diskreditieren. Rhetorisch nahezu perfekt, nur leicht zu durchschauen.

  22. Klaus sagt:

    Bei der ganzen Rentendiskussion («Riester-Rente») ist zudem noch folgendes zu beachten:

    Letztlich ist es IMMER die nachfolgende Generation, die für die Rentner mitarbeiten und die Güter herstellen muss, die die Rentner verbrauchen. Ganz unabhängig davon, wo für die Rentner das Geld herkommt, um diese Güter zu bezahlen.

    Insofern ist der Bismarcksche Generationenvertrag die einzig menschengemäße Lösung. Wenn man aber das Gehirn hinreichend durch die globalistisch-neoliberale Propaganda vernebelt hat, dann fangen unsere Politiker mehrheitlich an zu glauben, dass eine Kapitaldeckung sinnvoll sein könnte. Ist sie nicht. Die «Kapitaldeckung» führt lediglich dazu, dass JETZT die Versicherungswirtschaft zusätzliche Einnahmen hat und damit im internationalen Renditeroulett spielen kann, dieses Geld der Binnenwirtschaft entzogen wird und dadurch noch mehr Arbeitslosigkeit «produziert».

    Ob wir dann jemals einen fairen Gegenwert für diese Zahlungen zurück bekommen, weiß keiner, weil: Die nächste Währungsreform kommt bestimmt und dann sind üblicherweise Geldvermögen und Versicherungsverträge allerhöchstens noch 1/10tel wert.

  23. Jan sagt:

    >@Jan: Artikel gelesen?

    Nein hatte ich nicht und wenn er tatsächlich langjährige Beitragszahler zu Schmarotzern machen will, dann spare ich mir das glaube ich auch.

    @Klaus:
    Währungsreform? Hab ich was verpasst?

    Ich könnte Prima mit Bismarcks System leben, wenn ich mich wenigstens frei entscheiden könnte mitzumachen oder nicht. Wenn kapitalgedeckte Lösungen wirklich so schlecht sind, dann würde kein Mensch sie nutzen und die staatliche Lösung wäre dann DIE Alternative. Da ich jedoch gezwungenermaßen in dieses System einzahlen muss, habe ich ehrlichgesagt so meine Zweifel, ob das System wie es ist wirklich so toll ist. Und einige der oberen Kommentare und auch der Artikel selbst deuten darauf hin, dass es eben nicht unbedingt die Ideallösung ist, einen staatlichen Tropf zu erschaffen, auf den man als Rentner dann wohl oder übel angewiesen ist — was wenn man sich drauf verlässt ziemlich ins Auge gehen kann.

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