Die Rehabilitation des Kurt Beck

Projekt 18Wenn man sich die aktuellen Zahlen rund um die SPD anschaut, muss man davon sprechen, dass sie eine Rehabilitation Kurt Becks bedeuten — bei allen politischen Differenzen. Auch wenn es zu erwarten war, offenbart sich nun: Unter Franz Müntefering zerbricht die SPD endgültig in zwei Lager. Wo Kurt Beck noch irgendwo versuchte, als Vermittler aufzutreten, ist von Franz Müntefering nichts zu sehen. In Hessen zerfleischt sich ein ganzer Landesverband. Eine SPD-Ministerpräsidentin hätte das Land in eine gute politische und gesellschaftliche Zukunft führen können, stattdessen wird Roland Koch bald für fünf weitere Jahre gewählt werden. Nicht, weil Roland Koch so viel Erfolge vorweisen kann oder gar beim Volk beliebt ist, sondern weil der größte Feind eines jeden SPD-Mitgliedes der eigene Parteifreund ist. In Hamburg wurde der international und über die Parteigrenzen hinweg geachtete Niels Annen von der Gefolgschaft Johannes Kahrs’ geschasst. Ein tiefroter Stadtteil Hamburg-Eimsbüttel wird bei der nächsten Wahl pechschwarz wählen. Selbst wenn eine Einigung erzielt wird: Die SPD-Rechten haben angekündigt, nicht für die SPD-Linken Wahlkampf zu machen. Umgekehrt gab es selbstverständlich die gleiche Ankündigung.

Beck VoldiWenn man sich die SPD heute anschaut, dann reicht es fast schon aus, auf die etablierten Medien zu verweisen. Während man früher die Partei inhaltlich auseinandergenommen hat, kann man sich heute entspannt zurücklehnen und den Herrschaften genüsslich bei der Selbstmontage zuschauen. Als Franz Müntefering zurückkehrte, sprach man vom Münte-Effekt. Es sollte ein Start in eine neue, gemeinsame Zukunft werden. Nicht wenige haben damals davor gewarnt, wer arbeitet, soll auch nicht essen, wieder aus der Versenkung zu holen. Es scheint, als würden die Kritiker Franz Münteferings und der Agenda-Politik mal wieder Recht behalten. Gerhard Schröder, Franz Müntefering & Co haben sich 2002 auf einen ideologischen Irrweg begeben — und damit Wählerinnen und Wähler vergräzt, verraten und verkauft. Dieser Irrweg hat sich, gerade heute in Zeiten der Weltwirtschaftskrise, als ideologisch verblendet erwiesen. Die Neoliberalen jedoch verhalten sich wie ein verwundetes Tier. Sie verteidigen ihr Revier bis zum bitteren Ende. Dass dabei die Menschen leiden und die Zukunft dieses Landes auf dem Spiel steht, wollen sie einfach nicht wahrhaben.

Chris maltAuch wenn ich in vielen Punkten anderer Meinung wie der gute Herr Beck war, er war beileibe kein Linker, wie es immer wieder von der Presse kolportiert wurde: Unter Kurt Beck war die SPD geschlossener, Linke wie Rechte haben sich, manchmal mehr, manchmal weniger, am Riemen gerissen. Den aufrechten Franz Müntefering wieder zum SPD-Chef zu machen, den aufrechten Frank-Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten, wird sich als Kardinalfehler für die Bundestagswahl erweisen. Wenn Peter Struck eine neue Große Koalition herbeisehnt, dass tut er dies nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern weil es der letzte Option in einer für die SPD ausweglosen Situation ist. Dass er dabei Spott und Häme von der Union kassiert, macht es umso schlimmer. Die SPD ist unter Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier nicht regierungsfähig. Zumindest nicht in sozialdemokratischer Tradition, dem Willen der Wähler entsprechend. Die Alternative heißt Schwarz-Gelb. Sollte Angela Merkel 2009 mit Guido Westerwelle um die Wette strahlen, dann nicht, weil die Menschen diese Koalition gewollt haben, sondern weil sie die SPD mittlerweile aus tiefsten Herzen ablehnen. Kurt Beck indes, kann sich entspannt zurücklehnen. Das Scheitern des Franz Müntefering und des Frank-Walter Steinmeier bedeutet seine Rehabilitation. Er kann es nicht, so wurde aus dem Umfeld der SPD-Rechten kolportiert. Sie können es noch viel weniger.

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8 Antworten zu “Die Rehabilitation des Kurt Beck”

  1. Franz sagt:

    «Sollte Angela Merkel 2009 mit Guido Westerwelle um die Wette strahlen, dann nicht, weil die Menschen diese Koalition gewollt haben, sondern weil sie die SPD mittlerweile aus tiefsten Herzen ablehnen.»

    Wenn das so sein sollte, muss ich einen weiteren ehemaligen SPD-Vorsitzenden frei zitieren: Warum wählen die Leute denn immer noch und immer wieder diese *** Parteien, die ihnen Hartz IV und Rentenkürzung, Leiharbeit und Wirtschaftskrise, Schnüffelstaat und Friedenssicherung am Hindukusch einbrocken? — Als wäre der Schlamassel nicht schon groß genug, kann man doch nicht auch noch freiwillig diese Regierung gegen eine Merkel-Westerwelle-Koalition eintauschen! Ich kann das nicht mehr nachvollziehen. :-(

  2. Thomas sagt:

    Gibt es eigentlich noch Linke in der Hamburger SPD? Bin jetzt seit ein paar Monaten hier und habe noch keine getroffen.

  3. Kleine Randbemerkung: Fünf Jahre wären es, statt der vier genannten, fünf weitere Jahre Roland Koch sind aber längst nicht entschieden. Ansonsten aber muss ich Dir Recht geben.

  4. Chris sagt:

    Danke, korrigiert. :)

  5. My 0,02 Euro sagt:

    Roland Koch darf dann übrigens FÜNF weitere Jahre lang in unsere Kameras und Gesichter lachen, nicht nur vier Jahre!

  6. Simon sagt:

    Sollen die SPD-Linken halt eine eigene Partei gruenden… (duck&renn)

  7. […] Die Rehabilitation des Kurt Beck […]

  8. Flying Circus sagt:

    @Udo: hoffen darf man ja. Wer allerdings in Hessen jetzt noch SPD wählt, hat den Schuß nicht gehört. Die LINKE wird nach diesem Trommelfeuer wohl froh sein, wenn sie über 5% kommt. Die GRÜNEN haben ja bereits angekündigt, daß sie Schnittmengen mit der CDU sehen. Sieht ganz so aus, als ob der brutalstmögliche Aufklärer wieder an die Macht kommt.
    Als Familienvater bin ich gekniffen. Einfach auswandern kann ich meiner Familie ja nu nicht zumuten …

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