Die Privatsphäre

Reden wir nicht um den heißen Brei herum, es dreht sich darum, weniger um die beteiligten Personen, mehr um die Art und Weise wie auch in der nachfolgenden Diskussion kommentiert wird. Worauf basiert Privatsphäre? Die erste Antwort die einem entgegenschallt und usus in der Politik, auf dem gesetzlichen Rahmen. Okay, wie wir alle wissen ist dieser gesetzliche Rahmen recht schwammig in seiner Anwendung und wird auch fortwährend von der Politik zurechtgebogen. Der gesetzliche Rahmen hat also nichts mit dem gesunden Menschenverstand zu tun und der tatsächlichen Privatsphäre es Einzelnen zu tun.

In einer Demokratie sollte der Einzelne selbst über seine Privatsphäre entscheiden können, genau das ist Freiheit. Man begibt sich beispielsweise auf einem Blog freiwillig in die Öffentlichkeit. Einige jedoch deuten diese freiwillige Öffnung aber quasi als Vogelfreiheit. Sprich die Daten liegen nun einmal da, mißbraucht wird ohnehin von Google, xyz usw. Ergo können auch wir für einen lauteren Zweck drauf zugreifen. Okay betrachtet man es von diesem Standpunkt aus, so ist die Vorgehensweise nur allzu logisch. Schütz doch deine Daten oder halt die Klappe, nun dann wären wir aber schon wieder bei dem Punkt Respekt. Wo bleibt dieser, baut man denn auf lauteren Absichten? Die Antwort beim Ruf nach Privatsphäre lautet selbst schuld im Netz, imo korrespondiert dies jedoch nicht mit der initial verlautbarten lauteren Absicht.

Korrekt wäre, auch gerade z.B. bei Google, die Vorgehensweise willst du archiviert werden, hisse eine Flagge und wir schauen bei dir nach. Wie wird vorgegangen, tatsächlich usus im Netz, hey Daten, greifen wir sie ab und wenns dich stört dann sag doch was. Das ist mangelnder Respekt. Nun natürlich kann man sich mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen rechtfertigen, die da eine gewisse Vorgehensweise deckeln etc., aber wir reden doch hier von einer Community?

Ich sehe was Microsoft macht, ich sehe was Google macht und Firma xyz. Muß diese Respektlosigkeit auch in der Community vollzogen werden? Kann man dort nicht zuvor fragen, anstatt sich ähnlicher Mittel zu bedienen?

Privatsphäre ist untrennbar verbunden mit Freiheit. Und der Einzelne hat eben die Freiheit zu sagen, wo diese Daten veröffentlicht werden oder wo diese zur Anwendung kommen, sonst keiner. Die Politik tritt dieses Recht tagtäglich mit Füßen. Müssen wir uns als Community ebenso respektlos über diese Freiheit des Einzelnen mit identischen Argumentationsketten hinwegsetzen?

Nein, unsere Daten stehen auf dem Blog weil sie dort stehen müssen oder weil wir es so möchten. Wir haben uns so entschieden, das ist unsere Freiheit. Auch ist es unsere Freiheit zu sagen wo mir bestimmte Daten nicht sehen möchten.

Selbstredend, mal abgesehen von Impressum und damit verbundenen persönlichen Daten, arbeiten viele Blogs mit der CC. Da kann man sich fein rausreden, gar gereicht sogar u.U. das Zitatrecht im begrenzten Umfang, aber mal ehrlich, welche Werke von Lizenzen muß man generieren, um eine Zweckentfremdung auszuschließen?

Man gibt der Community die Hand, indem man Informationen kostenlos und ohne Zwänge bereitstellt, man sieht sich des Armes entrissen und muß zugleich feststellen das man das Recht abgesprochen bekommt eben diesen Umstand zu vermerken. Man kann sich natürlich schützen, mit robots.txt usw. Nur wären wir da wiederum bei diesem verdammten Respekt. Der weitere Punkt, wie schützen sich Leute die auf einem Blog tickern jedoch keine Ahnung davon haben bzw. sich nicht einmal bewußt irgendwelcher Bots sind die da tagtäglich ihrer Daten habhaft werden und diese archivieren, gar analysieren?

Tja von derartigen gigantischen Maschinerien wie Google kann ich leider nicht viel erwarten, da müßte der Gesetzgeber einschreiten, aber ich kann doch von meinen Mitmenschen wenigstens ein wenig Respekt erwarten, oder? Mehr verlangt kein Mensch. Keine stupiden Automatismen, die Behrlichkeiten wecken, sondern der umgekehrte, vorbildhafte Weg — den Weg, den eine freiheitlich gesinnte Community beschreiten würde. Die Blogszene eben, die da doch so sehr erhaben scheint gegenüber den alten Medien und althergebrachten konservativen Seilschaften, wo ist diese? Ich weiß es nicht. o tempora, o mores

In der Zeit der massiven staatlichen Begehrlichkeiten wo ein jeder Blog sich mit Stasi 2.0 Buttons schmückt und die Politik für eben diese Auskunftsbegehren tadelt, sollte gerade die Community mit vorbildhaftem Charakter vorgehen. Es kann wohl nicht angehen das ich dem persönliche Anliegen des Einzelnen mit eben dieser Argumentationsrethorik die in der Politik usus ist begegne und zu guter letzt auch auf Vertrauen baue. Da fehlt der Respekt anbei, das ist der Dreh– u. Angelpunkt. Hier wird die letzte freiheitliche Bastion des Einzelnen angegriffen — die Umstände sind belanglos, eine anderer darf nicht das Recht haben seinem gegenüber Dinge in Abrede zu stellen die dessen Persönlichkeit betreffen.

Wer übrigens in diesem Text einen persönlichen Angriff versteht, hat den Inhalt nicht verstanden und kann gerne kommentarlos weitergehen. Dieser Text bezieht sich lose auf ein Beispiel, primär auf Eckdaten einiger Kommentare und spricht im weiteren jedoch eine allgemeine Problematik in dieser neuen Netz-Gesellschaft an.

So und jetzt versuchen wir es mal alle gemeinsam,

F-R-E-I-H-E-I-T
D-E-M-O-K-R-A-T-I-E
C-O-M-M-U-N-I-T-Y

Na, klappt doch? :)

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