Die Presse: Erwartungshaltung und Anspruch

Die Presse ist professionell.

Was ist Professionalität? Die Ausübung einer Profession eben und die Erwartungshaltung zum anderen gegenüber einer Person die man eben für einen Profi hält. Die Presse selbst gibt jedoch diese Professionalität vor, mit im Prinzip einer Menge professioneller Laien. Denn selbst wenn man studiert hat ist man dennoch ein Laie in einem fremden Bereich. In der Praxis ist Professionalität mehr oder wenig in Deutschland der Verkauf der eigenen Leistungen, drum möchten sich auch gerne diverse Blogger verkaufen, um diesen Status zu erlangen. Ist aber der gute Verkauf ein Indiz für Qualität? Mitnichten, wie man an Bild und Co sehen kann. Es bleibt also letztendlich eine Behauptung, die von denjenigen selbst in Umlauf gesetzt wird und die ein Teil des Volks als Erwartungshaltung äußert ob des Kaufpreises.

Die Presse ist die vierte Gewalt.

Wir haben die Gewaltenteilung im Staat, um Mißbrauch zu vereiteln. Gerne bezeichnet man positiv die Presse als vierte Gewalt, da diese Presse eben unbequeme Fragen stellen könnte. Tatsächlich aber besitzt der unbequeme Journalist Seltenheitswert, eine Gewalt ist jedoch dennoch vorhanden. Denn die Presse besitzt ob ihrer Verbreitung natürlich Macht, kann Zünglein an der demokratischen Waage spielen. Es wäre aber ein Trugschluß anzunehmen, das angebliche Konkurrenz untereinander zu einem Plus an Demokratie führen würde. Ein anderes Beispiel wäre die tatsächliche vierte Gewalt im Staat, die Konzerne. Trotz der Konkurrenz untereinander besitzt man einen Konsens und nimmt gewaltigen Einfluß auf Staat und Gesellschaft. Wiederum bleibt also die Erwartungshaltung des Konsumenten über, sowie die Macht der Presse eben diesen Mythos einer vierten Gewalt mittels ihres omnipotenten Organs zu postulieren. Es herrscht Konkurrenz, aber man besitzt einen Konsens.

Die Presse ist objektiv, neutral, überparteilich ..

Wiederum sind dies Dinge die man von einem Berichterstatter erwartet. Die altbekannte Erwartungshaltung eben, das da jemand ist der völlig losgelöst von profanen Dingen an die Sache herangeht und weil man einen Preis dafür bezahlt steigt natürlich diese Erwartungshaltung. Denn was nichts kostet taugt nichts, folglich sind die Kosten der Schlüssel zur Objektivität. Die Presse wiederum postuliert auch diese Definition ihrer selbst mittels ihrem Organ, der Konsens untereinander ist vorhanden, es existiert keine Gegenpresse welche kritisieren könnte. Tatsächliche Objektivität existiert jedoch nicht, denn die Subjektivität beginnt mit der Auswahl nennenswerter News, sie geht weiter über das notwendige abstrahieren der News, bis hin zur Wahl des Titels und Wahl der Worte. Behält man sich dabei noch im Hinterkopf das in der Regel ein Laie diese letztendliche Auswahl trifft, auch wenn er Experten zu Rate zieht, so ist die vorherrschende Subjektivität offenbar. Und selbst der eventuell zu einem Thema herangezogene Experte ist subjektiv, er beurteilt eine Sache aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrung, ist jedoch z.B. auch nicht frei von Ego, wenn es darum geht eine Arbeit eines Mitstreiters seiner Disziplin zu beurteilen. Wie man sieht existiert ausschließlich Subjektivität, einzig die eigene Erwartungshaltung versucht mehr hineinzudeuten.

Die Presse ist schlecht.

Jein, die Presse ist per se nicht besser oder schlechter als jeder andere in der Gesellschaft. Die Presse natürlich versucht etwas zu verkaufen und bildet Sichtweisen in ihren Organen ab. Sichtweisen die eben subjektiv sind, die jedoch an Wert gewinnen können, je mehr kontroverse Quellen sie aufgreifen und je unbequemer diese daherkommen. Dadurch können sich diese einer Art Objektivität annähern, ohne diese jedoch jemals zu erreichen. Als profaner Konsument kann man diesem Dilemma entgegenwirken, indem man sich nicht wissenstechnisch kastriert, sondern ebenso eine höhere Qualität des Wissens anstrebt. Mittels eines vernünftigen Basiswissens und der oft erwähnten Quellenkritik. Die oft geforderte Dezentralisierung von Informationsquellen ist nur die eine Seite der Medallie, die eigentliche Dezentralisierung beginnt bei der Aufnahme des Wissens. Was nützen vielfältige, unabhängige Quellen, wenn man jedoch nur an den Lippen einer einzigen hängt? Nichts, man zentralisiert aus Bequemlichkeit heraus und ergibt sich der Erwartungshaltung, das da schon jemand diese nötige Arbeit erledigen werde. Denn schließlich bezahlt man Geld für die professionelle Arbeit, die fortwährend von dem Verkäufer beworben wird 😉

Fazit: Zuviel Pauschalität, zu wenig Objektivität? Gewiß, denn ich stehe zu meiner Subjektivität und formuliere nicht Gesetze, sondern postuliere nur meine Gedanken. Die Pauschalität paßt, auch wenn mir Ausnahmen bewußt sind, z.B. Fachblätter die mit Quereinsteigern arbeiten, sprich Wissenschaftlern welche sich des Journalismus in ihrer Disziplin befleißigten (Spektrum der Wissenschaft, u.a.). Aber es bleiben eben Ausnahmen, ebenso wie jene tatsächlich unbequemen Journalisten die in der heutigen Zeit auch mal gerne von Vater Staat eingeschüchtert werden oder andere die sich redlich um Objektivität bemühen. Die Presse ist nicht der alleinige Buhmann, auch der Konsument gehört dazu. Beide beeinflussen sich gegenseitig und diesen Umstand sollte man als mündiger Bürger auch ausnutzen.

Bild: WikiCommons

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Eine Antwort zu “Die Presse: Erwartungshaltung und Anspruch”

  1. […] muß sich gewiß jetzt nicht wieder der Diskussion hingeben, das jene Blogs in der Regel gar nicht den Anspruch besitzen professionell zu sein und das alleine ei…, allenfalls mag man da von Trugschluß zu berichten. Nein es ist eher interessant mit […]

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