Die peinlichste Partei aller Zeiten formerly known as SPD

White Star Line

Es gibt durchaus eine Menge Menschen, die den durch Zufall zum SPD-Vorsitzenden hochgespülten Sigmar Gabriel nicht ernst nehmen. Ich habe den Eindruck gewonnen, als würde Gabriel auch nicht viel dafür tun, als solle sich die Situation ändern. Heute hat er wieder den Beweis angetreten. Rund 1,5 Jahre vor der eigentlichen Bundestagswahl 2013 gratuliert er bereits der Union und Angela Merkel zum Wahlgewinn. Verklausuliert hat er der SZ gesagt: «Für mich ist es ausgeschlossen, dass die Sozialdemokraten auf Bundesebene diesen Weg gehen.». Gemeint hat er eine Koalition mit der Linkspartei, die einzige Machtoption der SPD. Das politische Chaos der letzten Jahre ist in den meisten Fällen der sogenannten Ausschließeritis geschuldet. Ich kann ehrlich gesagt nur noch über die SPD lachen. Die SPD hat aus den letzten 20 Jahren nichts gelernt. Im Gegenteil. Wie ein Junkie erhöht sie ihre Drogen Tag für Tag mehr.

Gestern gab es fast einen einhelligen Aufschrei im politischen Berlin als bekannt wurde, dass die Linkspartei systematisch vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Heute wurde bekannt, dass es sogar geheimdienstliche Aktivitäten gegen die Linken gibt. Selbst die FDP hat sich dagegen ausgesprochen, an vorderster Front Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die die Überwachung der Linkspartei «unerträglich» nannte. Und die SPD? Thomas Oppermann meinte lapidar, dass es für die Überwachung der Linken durchaus Anlass gäbe. Man muss die Linkspartei für viel Unsinn kritisieren, aber überwacht durch Verfassungsschutz und Geheimdienste? Einen Gregor Gysi? Abgeordnete, die dem sogenannten Realo-Flügel zugerechnet werden? Die Geheimdienste und der Verfassungsschutz sind mittlerweile außer Rand und Band in unserem Land — und die SPD verteidigt dies. Die gesamte Größe des Internets reicht nicht aus, um diesen großen Facepalm-Smilie zu zeichnen.

Derzeit werden Kübel von Häme über die FDP gekippt. Sicherlich zurecht. Doch wird dabei die schier unfassbare Peinlichkeit der SPD übersehen. Die aktuelle Bundesregierung wird von allen Medien als schlechteste Bundesregierung bezeichnet, die wir jemals hatten. Eigentlich, so war es in der Geschichte immer, sollte die große Oppositionspartei von Umfragehoch zu Umfragehoch schweben, der Parteivorsitzende der heimliche Nebenkanzler sein. Eigentlich.

Die Realität sieht wahrlich anders aus. Die Umfragewerte sind nur ein klein wenig höher als das letzte desaströse Bundestagswahlergebnis. Es liegt zum einen in den politischen Witzfiguren der SPD-Führung und denen, die es sein wollen, begründet, von Gabriel über Nahles und Steinmeier bis zu Steinbrück — aber auch in der Politik der Partei selbst: Die SPD unterscheidet sich in keinem relevanten Politfeld mehr von der Union. Die Argumentation ist dabei gleich: Angela Merkel schwafelt von Alternativlosigkeit, Gabriel und sein Gefolge von staatlicher Verantwortung. Das ist so lachhaft in einer Gesellschaft, wie der unseren, in der viele Wege und Lösungen möglich wären. Unser gesellschaftliches Gebilde ist so komplex, es gibt unzählige Möglichkeiten, Chancen und Wege. Der SPD fehlt jegliche intellektuelle Tiefe und Vorstellungskraft. Die SPD ist ein intellektueller Trümmerhaufen.

Wer diese Worte als zu hart empfindet, der sollte sich die Worte von Gabriel und Oppermann der letzten 36 Stunden vergegenwärtigen. Gabriel und Oppermann sind zwei der treibenden Kräfte der SPD 2012. Was soll man noch dazu schreiben, wenn der Parteivorsitzende der SPD die Bundestagswahl 2013 verloren gibt und der Union signalisiert, es werde zu einer Großen Koalition kommen? Was soll man von Thomas Oppermann halten, der noch tiefer fällt, als es die FDP jemals könnte? Es reicht auch ein einfacher Blick zur Piratenpartei: Während die Grünen versuchen, den Kampf aufzunehmen, die Union versucht — sehr spannend zu beobachten — durch Umarmung den Piraten die Luft zu nehmen, hört man von der SPD nur Beleidigungen, im besten Fall Häme. Auch diese Peinlichkeiten machen die SPD für eine ganze junge Generation unwählbar.

Man neigt ja immer dazu, vergangene Zeiten zu glorifizieren — doch so schlimm, wie aktuell, war es noch nie. Wäre das Willy-Brandt-Haus ein Atomkraftwerk, würden wir einer nuklearen Katastrophe beiwohnen und ein China-Syndrom beobachten. So tief ist die SPD gesunken.

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16 Antworten zu “Die peinlichste Partei aller Zeiten formerly known as SPD”

  1. Heiko sagt:

    Heißt die SPD-Parteizentrale nicht Willy Brand-Haus?

  2. Paul sagt:

    Das ist doch Quatsch.
    Dass die Überwachung der Linken überzogen ist ist richtig. Aber einen Ausschluss von rot rot grün einer Kapitulation gleichzusetzten, ist überzogen.

  3. @Heiko: Jein. 😀 Das Kurt-Schumacher-Haus steht hier in Hamburg. Habs geändert…

  4. hans sagt:

    «Wer diese Worte als zu hart empfindet…«
    Nein. Nicht zu hart. Nicht hart genug.

  5. Kurt sagt:

    Man muß diese Partei einfach als U-Boot der Neoliberalen betrachten, sozusagen ein Oppositions-Dummy. Dann versteht man auch, warum die sich so verhalten. Die sind nicht dumm, die sind nur völlig durchtrieben.
    Mitleid, Bedauern oder Häme ist hier völlig fehl am Platz.

  6. Tobi-Wan sagt:

    Mir sind die Artikel von Christian oft zu polemisch und hysterisch. Angesichts der Tatsache, dass sich die SPD der Union derzeit geradezu vor die Füße wirft, kann auch ich nicht anders, als jedes Wort von Christians Text zu unterschreiben.

  7. Hackwar sagt:

    Das die Linke vom Verfassungs«schutz» beobachtet wird, ist in der Tat absolut unmöglich und ein Armutszeugnis für eben jenen. Nur eine Partei muss nicht verfassungsfeindlich sein, damit ihre Mitglieder nicht regierungsfähig sind. Gysi, Wagenknecht, Bartsch und Lötzsch sind voll auf damit beschäftigt, die Vollidioten in ihrer Partei in Schach zu halten. Wenn man die Jungs und Mädels wirklich in die Regierung ziehen würde, würden die Hitzköpfe und Vollpfosten aus der 2. und 3. Reihe nach oben blubbern und die Partei wäre schneller weg als Köhler nach seinem spannenden Interview. Gerade auf kommunaler Ebene kenne ich keine Linke-Gruppierung, welche nicht einer bekifften Lagerfeuer-WG gleicht.

  8. Wolle sagt:

    Sigmar «Rettet die Robbenbabies!» Gabriel wirft die SPD nicht der CDU vor die Füße, die SPD macht die Beine breit(bestimmt mit Bauchschmerzen), das selbst die Hamburger GAL neidisch wird. Nun ist die SPD wirklich die Seeheimer Partei der Dummen!

  9. rusti sagt:

    sehe ich genau so — 100%ig. So vergrault man Wähler.

  10. Stimmvieh sagt:

    So schön es wäre, wenn die SPD sich von der Schröder-Agenda-Politik abwenden und sich einer genuin linken Politik öffnen würde, halte ich das für reines Wunschdenken. All jene, die dafür offen sind, sind der SPD doch schon lange von Bord gegangen, entweder Richtung WASG/PDS/Linke oder in Richtung Politikverdrossenheit.

    Und für die Seeheimer und Schröderianer ist eine Juniorpartnerschaft in einer Koalition mit der Union doch das höchste der Gefühle. Man hat genug Posten, die man verteilen kann, und was sich noch an innerparteilichem Widerstand gegen Koalitionsbeschlüsse regen sollte, kann man dann mit einem Verweis auf die Notwendigkeit von Kompromissen ruhig stellen.

    Und Frau Merkel wird wahrscheinlich auch ganz anders zumute, wenn sie an die Zeit des reibungslosen Regierens in der Großen Koalition zurück denkt. Nachdem jetzt auch der Rest der Union begriffen haben dürfte, dass mit der FDP nach zehn Jahren Westerwelle keine ernsthafte Regierung mehr zu machen ist, werden Union und SPD sich nach der nächsten Bundestagswahl vermutlich unter Freudentränen in die Arme fallen und sich ewige Treue schwören.

    Dass wir uns nicht falsch verstehen — wünschenswert wäre etwas anderes, nämlich dass die SPD das Schröder-Erbe inhaltlich wie personell abschüttelt und sich einem linken Regierungsbündnis öffnet, nur sehe ich das im Moment auch nicht kommen. Die SPD muss entweder noch viel tiefer sinken, bevor sie wieder wählbar wird, oder sie geht unter und wird von der Linken im Parteienspektrum ersetzt.
    Wie sagen die Chinesen? Mögest Du in interessanten Zeiten leben…

  11. Anonymous sagt:

    Ich kann mich nicht entscheiden, ob die SPD oder die BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die peinlichste Partei ist.

    http://www.freitag.de/com.….e-krampf

  12. ul sagt:

    passend: http://www.heise.de/tp/ar.….0/1.html

    Zitat: «Die Führungsmitglieder der Parteien verhalten sich ihren Parteien gegenüber nicht mehr loyal — geschweige denn dem Volk gegenüber. Sie sehen sich als Manager und sind fixiert auf ihre Karriere und Selbstbereicherung. Wer es zum Bundeskanzler, Ministerpräsidenten, Minister, Staatssekretär oder einflussreichen Parlamentarier gebracht hat, weiß diese Macht bis in die Millionenhöhe zu verwerten — während und nach der politisch aktiven Zeit. Der politischen Klasse ist das Gemeinwohl und die Partei relativ egal. Sie verhalten sich wie die Banker: maximale persönliche kurzfristige Bereicherung und nach mir die Sintflut. »

    So sehr ich dem Artikel hier zustimme, so sehr befürchte ich, dass sich diese Analyse nicht auf die SPD beschränkt.

  13. Hans-Peter Broschart sagt:

    Oha, lange nicht mehr so viel Mist gelsen, wie hier in den Kommentaren: hat sich mal jemand das Godesberger Programm (der SPD) angetan und selbiges gelesen? Wahrscheinlich nicht. Schon in diesem Teil wendet sich die SPD von ihrer sozialrevolutionären Vergangenheit, sofern die jemals ernsthaft bestanden hat, ab.
    Die SPD wollte damit staatstragend werden, und eine ‘Alternative zum Adenauer-Regime etablieren. Doch die SPD mußte dann fast zwanzig Jahre in der Opposition darben, bis sie ‘den Alten’ beerben konnten. Und die noch verbliebenen Revolutionäre, bzw. deren Schatten, hat Brandts ‘Radikalenerlaß’ dahingeraft, trotz ‘mehr Demokratie wagen’.
    Das ‘nicht ändern wollen’ der SPD geht also schon auf viel früher gefasste Beschlüße und den damit verbundenen Willen der Mitglieder zurück, als nur bis zur Nach-Schröder-Zeit.

    Diese Partei ist ‘in Haupt und Gliedern’ nichts anderes, als ein Produkt der wie auch immer gearteten kapitalistischen Grundausrichtung der Bundesrepublik Deutschland. Auch in der Opposition staatstragend. Und erst recht in der Regierung.

  14. FF sagt:

    Die «S«PD sollte sich ehrlich machen, geschlossen der CDU/CSU-Fraktion beitreten und dort fortan den rechten Flügel bilden.

    Dann würde alles wieder passen. Steinmeierbrückgabrielnahlesheil wären in der richtigen Partei — und wir wüßten genau, woran wir bei den ehemaligen «Sozialdemokraten» sind.

    PS.: Ach was ereifere ich mich. Soll mir doch alles wumpe sein.

    PPS.: Zumal meine Posts hier sowieso nicht auftauchen. Warum auch immer… :)

  15. Gerd Christophersen sagt:

    Ja ja — unsere Lieben Spezialdemokraten.

    «Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem August 1914 Reformistische Partei oder Partei des kleineren Übels oder „Hier können Familien Kaffee kochen“ oder so etwas, vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine schlechten Geschäfte unter einem ehemals guten Namen.«
    – Kurt Tucholsky -

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