Die nackte Angst

Man muss die Frage einfach stellen: Pfeift Holtzbrinck aus dem letzten (finanziellen) Loch? Wie steht es um die Zukunft des ehemals ehrwürdigen Verlages? Regiert dort schon die pure nackte Angst ums Überleben? Ich kann es mir nicht anders vorstellen, wenn ich die Pamphlete lese, die dort mittlerweile wöchentlich das Haus verlassen — natürlich geht es um das abgrundtief böse Internet. Den ersten so genannten Artikel von Adam Soboczynski hatte ich noch unkommentiert gelassen — er beklagt den Hass im Internet auf Intellektuelle. Ich habe selten Dümmeres gelesen. Der Autor hat offensichtlich vor dem Spiegel gestanden und seinen eigenen Hass auf den Internet projiziert und dann seine Zeilen geschrieben. Nicht der Rede wert. Heinrich Wefing war dann der nächste, der einmal so richtig draufhauen durfte. Oliver und meine Wenigkeit haben das entsprechend gewürdigt. Ich dachte zuerst die gehen jetzt bei der Zeit mit diesen Tiraden in Serie, so Oliver noch lachend in den Kommentaren. Wenn er da gewusst hätte, wie recht er damit haben sollte. Gestern durfte dann Kulturchef Jens Jessen in die Tasten hauen — und spricht dem Internet die Demokratie ab.

Wer je nach Argumenten gegen die direkte Demokratie suchen wollte, im Netz würde er fündig — so Jens Jessen. Soll man auf so einen unsachlichen Blödsinn noch antworten oder soll man den Journalismus in Ruhe sterben lassen? Wer nach der ZEIT sucht, im Netz würde er fündig — ein Satz ähnlich inhaltsleer wie der Jessens. Natürlich wird auch wieder die Mär vom rechtsfreien Internet bemüht: Den spontanen Aufwallungen des Volkszornes, der Bereitschaft zur Diffamierung und Verfolgung Andersdenkender steht keine zivilisierende Bremse entgegen. Ein Satz so falsch, wie die Behauptung, dass die ZEIT noch eine seriöse Tageszeitung sei. Die Aufwallungen des Neoliberalismus, die Bereitschaft zur Diffamierung und Verfolgung sozial Schwacher stand in den letzten Jahren auch die ZEIT nicht entgegen. Im Gegenteil, die ZEIT war als Zeitung des neoliberalen Klientels immer vorne mit dabei, wenn es darum ging, einschlägige Thesen zu verbreiten und auf die Schwachen einzuprügeln. Dass das Netz auch in diesen Punkten für ein wenig Aufklärung in den letzten Jahren gesorgt hat, scheint man dem Internet nicht verzeihen zu wollen.

Leider hat er mit folgendem Satz — gerade bei diversen Berliner Bloggern mit Anhang — nicht ganz unrecht: In der Theoriebildung der Netzenthusiasten scheint sich das Ideal der Ladenkasse festgesetzt zu haben: Die Güte eines Produktes erkennt man nicht an seinen Eigenschaften, sondern an der Zahl der Käufer. Dieses aber auf das ganze Netz zu übertragen, ist schlicht und ergreifend dumm. Ich werfe nur mal die Begriffe OpenSource und Wikipedia in den Raum, Dinge von denen der Kulturchef der ZEIT offensichtlich noch nichts gehört hat. Die Unendlichkeit des Webs an dem Verhalten eines kleinen Blogkartells zu messen, ist unredlich, falsch und eines Journalisten nicht würdig. Jessen eschauffiert sich weiter darüber, dass der Unwissende mit dem Wissenden auf gleicher Augenhöhe diskutieren möchte. Empööörend! Dass alle Menschen gleich sind, das geht nur wirklich nicht.. Bei dieser Passage kann man sich ungefähr denken, in was für Regimen sich Jens Jessen pudelwohl fühlen würde. Man bleibt nur sprachlos zurück.

Die Pisa-Katastrophe, überall sonst beklagt, ist im Netz zur Norm erhoben worden — und unser aller Vorbild ist die ZEIT. Allein die Tatsache, die PISA-Studie als Argument auf den Tisch zu packen, spricht Bände. Über deren Aussagekraft, die politischen Hampeleien rund um die Bildungspolitik, darüber könnte man reden, muss man sprechen. Diesen Treppenwitz aber argumentativ zu nutzen, zeigt das ganze Niveau eines Kulturchefs. Boulevardesker Blödsinn — vielleicht sollte die ZEIT ihre Redaktionsräume mit der BILD zusammenlegen. Spart Kosten, vom Niveau her gibt es noch kaum einen Unterschied. Aber die gegenwärtigen sozialen Umgangsformen verraten keine Tendenz zur E-Democracy, sondern eher zum E-Bolschewismus, so schließt Jens Jessen seinen Artikel. Es ist eine Heuchelei sondergleichen, einen derartigen Satz in einer Zeitung zu lesen, die wöchentlich eine Kriegserklärung nach der anderen an das Internet veröffentlicht. Für solche Artikel kann man sich nur fremdschämen. Es ist nur noch peinlich.

Eva Schweitzer hätte vielleicht die Artikel von Adam Soboczynski und Jens Jessen lesen sollen. Dann hätte sie die Antwort auf ihre Frage erhalten: Und, wer bezahlt Journalismus? Den der ZEIT keiner mehr — zumindest nicht die junge Generation. Wer wöchentlich Hasstiraden veröffentlicht, muss doch nun wirklich nicht fragen und jammern, dass Journalismus kein Mensch mehr bezahlen möchte. Die Verlage verlieren zur Zeit eine ganze Generation und fragen nach dem Warum? Das ist Schizophrenie pur. Wer mich und meine Leidenschaft angreift, und wir sprechen jetzt nicht von einem Pamphlet über das man durchaus mal diskutieren kann, wir sprechen über ein systematisches und wiederkehrendes System, der muss sich doch nicht wirklich wundern, wenn ich seine Zeitung am Kiosk links liegen lasse. Ich trete doch auch nicht meiner Herzdame permanent in den Hintern und erwarte, dass sie mich dann fragt, ob ich sie heiraten möchte. Wie tief kann man eigentlich noch sinken?

Wahrscheinlich müssen wir uns von der Idee verabschieden, dass es absolut verlässliche Quellen für journalistische Wahrheiten gibt, so leitet Eva Schweitzer den Schluss ihres Artikels ein. Quellen bleiben Quellen und Informationen bleiben Informationen. Unsere Gesellschaft muss sich darauf vorbereiten, dass es bald keine verlässlichen Journalisten mehr gibt. Der Journalist, so wie er von vielen Menschen in diesem Land noch angesehen wird, ist eine aussterbende Rasse. Die Gesellschaft, auch die Netzindianer, müssen in Zukunft eine Antwort darauf finden, wie diese Lücke zu schließen ist. Denn nur eine informierte Gesellschaft ist eine aufgeklärte Gesellschaft. Bei der ZEIT kann man davon nicht mehr sprechen. Die Aufklärung der Gesellschaft wird nicht mehr über die ZEIT gehen.

Holtzbrinck hat ein Problem. Der eine Bruder will im Internet spielen und verzockt sich mit StudiVZ, Zoomer und wie sie alle heißen. Der andere Bruder scheint das Internet abgrundtief zu hassen und lässt nun wöchentlich seine Meute auf die gehasste, von anderen Menschen gelebte, Demokratie los. Leidtragende sind die jungen Menschen, die so gar nicht mehr lernen, was es wirklich heißt, eine wundervolle Zeitung in Händen zu halten. Unsere Jugend wird bald nur noch aus Erzählungen der Alten erfahren können, was es heißt, in einer Zeitung zu blättern, die Zeit zu vergessen und in einzigartigen Artikeln zu versinken. Und wer glaubt, dass diese Art von Journalismus bei Holtzbrinck nur im Printbereich zu finden ist, der möge sich folgendes Video anschauen. Thomas Leif war zum Zoomer-Start zu Gast in der dortigen Redaktion. Und ja, die Dame, die sich dort dermaßen blamiert, ist Mercedes Bunz — die bekannte Berliner Starbloggerin.1 😉

Die gute Andrea hat das auch in schöne Worte verpackt. :)

  1. Die Arroganz des Thomas Leif, Amateure, lassen wir mal beiseite. []

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15 Antworten zu “Die nackte Angst”

  1. Robert B. sagt:

    Achja, wie schön war doch vor etlichen Wochen der Artikel in der FR (!) über die Zukunft des (gedruckten) Journalismus: Ja, er hat eine Chance, und zwar mit Qualtität. Die Erkenntnis ist teilweise schon da, nur wo bleibt die Konsequenz? Äh, bin ich eigentlich der einzige, der sich gerade an diverse Autofirmen erinnert fühlt?

  2. phoibos sagt:

    der gute herr Adam Soboczynski zeigt mit seinem artikel zuerst eines: er hat keine ahnung von demokratie– und herrschaftsgeschichte, demokratietheorien, internet, dem intellektuellen an sich (dafür kreiert er einen neuen –ismus), geschichte im allgemeinen (zumindest, was seinen exkurs zur klostertheorie betrifft…), …
    und für einen intellektualisten (was für ein perverses wort) gebraucht er aber ziemlich unverblümt das wort «Selektionsmechanismen» aus dem wortschatz des unmenschen. etwas weiter gehts schön faschistisch weiter: «da sie für die Volksgemeinschaft nicht verwertbar scheinen.» also ins digitale auschwitz herr s.?
    dafür find ich den folgenden halbsatz schön: «Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt» harrrrrr, da fühle ich mich glatt angesprochen… niveau sieht als nur von unten aus wie arroganz, lieber herr s. pamphlet sieht von hier aus jedenfalls nur peinlich aus.

    ciao
    phoibos

  3. UnderTakeThisLaw sagt:

    Sag mal, Du verallgemeinerst doch nicht weniger, oder? Du blendest diesen Artikel über den Rest der ZEIT und triffst Aussagen über die journalistische Qualität anderer Artikel, während Du Dich nur auf diesen einen Artikel (wegen mir auch Artikelserie) stützt. Das ist aber ebenso wenig zutreffend wie Jessens Unsinn, denke ich. Nur weil dieser sein Feindbild gefunden hat, weil ihm dazu nicht mehr einfällt, muss der Rest nicht Müll sein.

    Aber, davon mal ab, was Christian Stöcker hier v.a. auf der ersten Seite schreibt, fand ich schon sehr zutreffend. Sieht man diesen Kulturkampf als einen Generationenkonflikt, erhellt sich so mancher Blödsinn der Internetbasher.

    Dazu kommt aber natürlich auch die Konzeptlosigkeit der Zeitungsmacher. Anders als die Musikindustrie ist das kein Jammern auf hohem Niveau mehr, die sind mit dem Arsch auf Grundeis. Aber das Muster erinnert mich daran.

  4. Oliver sagt:

    Aber die gegenwärtigen sozialen Umgangsformen verraten keine Tendenz zur E-Democracy, sondern eher zum E-Bolschewismus.

    Wie gut dass Archive existieren, so braucht man nur in den Redaktionen in alten Hetzkampagnen gegenüber der 68er zu stöbern, hier ein wenig Vokabular zeitgemäß anpassen, dort ein wenig Wissen heucheln usw. Letztendlich schauen wir also wieder einmal eine zeitgemäße Hexenjagd, initiiert von der Journaille ob der Angst gegenüber fremden Terrain. Terrain welches von starren Denkstrukturen nicht erfaßt werden kann. Tatsächlich gewünscht ist das Diktat, man möchte dieses Netz unterjochen. Man möchte nicht liberalisieren — denn dies ist schon längst getan — man möchte oktruieren. Denn eben dieses schon vorhandene Plus an Freiheit und Demokratie empfindet die Journaille als Gefahr, als Gefahr gegenüber ihrem engstirnigen und von Oberflächlichkeit geprägten Meinungsmonopols.

    Nicht die Konservative bereitet mir Sorge, denn diese begeht Fehler über Fehler und entlarvt sich fortwährend selbst. Angst bereiten mir ihre Helfer, die sogenannte vierte Gewalt, jene die Fehler des konservativen Lagers stetig kaschieren und dem Volk glauben machen dessen Stimme zu formen. Jene Nutznießer, die den Mob steuern und melken und sich als willfährige Vollstrecker erzkonservativer Absurditäten verdingen. Jene Tintenpanscher, die in der Weimarer Republik versagten, die in der Bundesrepublik versagten bzw. versagen, jene die ob Kalkül Dinge wie Gladbeck willig in Kauf nahmen und für jeden Heller das Attribut «Stimme des Volkes» aufs Neue mißbrauchen werden. Jene die eine eigens definierte Objektivität heucheln und dennoch im Angesicht größter Not immer auf der Seite der Mächtigen zu finden sind. Jene die ihre Macht mißbrauchen und sich bei Bedarf hinter der Pressefreiheit verstecken — einst noble Idee zu mehr Demokratie, letztendlich doch nur Persilschein für unlauteres Gebaren.

  5. Oliver sagt:

    >Sieht man diesen Kulturkampf als einen Generationenkonflikt, erhellt sich so mancher Blödsinn der Internetbasher.

    Die Dominanz nachfolgender Generationen ist sicherlich unbestritten, der Konflikt jedoch ein herbeibeschworener, um die eigene Stasis zu rechtfertigen. Im Netz treffen diverse Generationen ohne Konflikt aufeinander. Ich habe Umgang mit weitaus Jüngeren, Älteren etc. — gemeinsamer Nenner ist das Niveau, nicht das Alter.

    >Sag mal, Du verallgemeinerst doch nicht weniger, oder?

    Der Fan ist sich dessen natürlich nicht unbedingt bewußt, lauscht er doch seinen Helden und übersieht wohlwollend häufigere Entgleisungen. Wenn wir gute Journalisten erwähnen, wie beispielsweise Wallraff, so sprechen wir von Ausnahmen, Ausnahmen von der Regel. Wenn wir verallgemeinern, so aufgrund einer breitgefächerten Quellenkritik. Wenn wir kritisieren, dann mit innewohnender Meinung die auf Intelligenz und Wissen gründet, wir heucheln nicht eine selbsterkorene Objektivität, um den medialen horror vacui eines willfährigen Mobs zu befüllen.

  6. UnderTakeThisLaw sagt:

    Der Fan ist sich nicht mehr viel anderem bewußt, als dem eigenen Objekt. Insofern hast Du schon Recht, das ganze mit einer gewissen Polemik aufzuknacken. Und dieser Unfug lässt einem auch nicht mehr viel anderes übrig.

    >Die Dominanz nachfolgender Generationen ist sicherlich unbestritten, der Konflikt jedoch ein herbeibeschworener, um die eigene Stasis zu rechtfertigen.

    Die Dominanz der vorangegangenen Generation wird in Frage gestellt an den Punkten, wo sie letztlich keine Ahnung mehr hat. Zurückgebissen wird natürlich, wenn man sich dies entweder nicht eingestehen oder bei den Dingen trotzdem noch mitreden möchte (oder denkt zu müssen). Der Konflikt hyperventiliert dann an dem Punkt, wo die eigene Inkompetenz nicht nur nicht eingestanden wird, sondern darüber hinaus auch noch Handlungsleitend ist. Das geht einfach nicht.
    Das greift natürlich nicht im mindesten Deine Feststellung an, dass man im Netz (wie im RL) vernünftige Menschen jeglicher Generation antreffen kann.

  7. Chris sagt:

    Sag mal, Du verallgemeinerst doch nicht weniger, oder?

    Ich denke, es ist klargeworden, dass das Ganze bei Holtzbrinck mittlerweile System hat. Dementsprechend ist die Verallgemeinerung in diesem Fall in Ordnung.

  8. […] rückt diesem Umstand zu Leibe: Massendemokratische Wurmfortsätze. Passend dazu auch dies hier oder jenes dort. Die Quintessenz: fear, uncertainty and doubt. Gerade der Intellektuelle sollte […]

  9. Oliver sagt:

    Bezüglich der Verallgemeinerung steuerten auch andere noch ihren Senf bei, natürlich existieren immer noch Zeitgenossen — nennen wir sie wohlwollend Fans — die den Wald vor lauter Bäumen nicht schauen und sich in äußerster Sinnbefreitheit ertränken …

  10. Tobi-Wan sagt:

    Muss jetzt «Die Zeit» ein wenig in Schutz nehmen. Der Artikel von Herrn Soboczynski mag angreifbar sein, deswegen aber der ganzen Zeitung eine Hetz-Kampagne gegen «das Internet» vorzuwerfen, ist in meinen Augen überzogen. Gerade «Die Zeit» zeichnet sich doch durch das Veröffentlichen konträrer Standpunkte aus — so auch im Falle der aktuellen Internet-Debatte. Wirf einfach mal einen Blick in die letzte Ausgabe, dort war die neue Internet-Kultur Titelthema und wurde nicht so einseitig abgehandelt, wie Du es hier darstellst. Ansonsten weiter so, werde wegen Deinen kritischen und tiefgreifenden Artikeln vielleicht sogar noch zum Stammleser…

  11. Oliver sagt:

    >Gerade “Die Zeit” zeichnet sich doch durch das Veröffentlichen konträrer Standpunkte aus

    A la panem et circenses — ein profaner Standpunkt ist das eine, ein fundierter Standpunkt etwas völlig anderes. Und genau letzteres läßt tief blicken, denn Alleingänge gibt es in Zeitungen nicht. Sprich es werden Schmutzkampagnen toleriert, um zu polarisieren und die Quote nach oben zu treiben.

    >Wirf einfach mal einen Blick in die letzte Ausgabe, dort war die neue Internet-Kultur Titelthema

    q.e.d.

    >Muss jetzt “Die Zeit” ein wenig in Schutz nehmen.

    WIr hatten schon beinahe jedes große Blatt hier vertreten, ob ähnlicher verbaler Amokläufe. Der in Quellenkritik geübte Leser wird somit der Fehlungen der Medien gewahr, nebst dem exemplarischen Charakter eines derartigen Artikels hier.

  12. zeitzeuge sagt:

    Vorausgeschickt: Ich bin kein ZEIT-Fan. Mir ist die Zeitung zu abgehoben und zu sperrig. Mag sein, dass ich schon zu sehr zur Internet-Generation gehöre, aber was die ZEIT macht, ist Meinung — und nichts sonst. Und die soll bitte unwidersprochen bleiben. Denn wo kämen wir hin, wenn jeder GdL oder Josef Joffe widersprechen dürfte. Majestätsbeleidigung, die kaum unter der Aberkennung intellektueller Fähigkeiten geahndet wird.

    Trotzdem: Auch Dein Artikel ist in einigen Teilen nicht okay, inhaltlich wie sachlich:

    Beispiele gefällig?

    «Ein Satz so falsch, wie die Behauptung, dass die ZEIT noch eine seriöse Tageszeitung sei.» Stimmt schon deshalb, weil die ZEIT keine Tageszeitung ist.

    » Der eine Bruder will im Internet spielen und verzockt sich mit StudiVZ, Zoomer und wie sie alle heißen.»

    Nicht nur Holtzbrinck hat noch kein Konzept, wie sich Soziale Netzwerke vermarken lassen. Das geht ALLEN anderen, von myspace über facebook bis WKW, auch so. Da von Verzocken bei Holtzbrinck zu sprechen, ist einseitig. Entweder haben sich alle, von Murdoch bis Microsoft, verzockt oder die Cahncen bestehen noch. Nur Holtzbrinck zu belächeln, ist jedenfalls Quatsch. Zoomer war, das finde nicht nur ich, ein mutiges und interessantes Projekt, das sich so kein anderes Medienhaus getraut hätte. Eher ein Zeichen dafür, dass man das Internet in allen Facetten nutzen möchte, als für Verzocke, wie Du es nennst. Dass es nicht geklappt hat, mag viele Gründe haben. Dass man es nicht lange genug durchgehalten hat, war vielleicht ein Fehler. Aber dafür auf Holtzbrinck einzuschlagen, ist nicht nur ungerecht, sondern auch dumm. Denn damit fördert man ganz sicher nicht die Ideenlaune der Verlage.

    «Der andere Bruder scheint das Internet abgrundtief zu hassen und lässt nun wöchentlich seine Meute auf die gehasste, von anderen Menschen gelebte, Demokratie los.»

    Der «andere Bruder» hat das Ruder bei der ZEIT gerade mal seit 1. 6. übernommen, das heißt, seit 5 Tagen. Davon zu sprechen, dass ausgerechnet Dieter von Holtzbrinck hinter einer Kampagne gegen das Internet stecken soll, ist lächerlich. Denn beide Holtzbrinck-Brüder sind dafür bekannt, sich eben gerade gar nicht in die inhaltliche Ausrichtung ihrer Blätter einzumischen. Manche im Verlag, so hört man, beklagen das sogar. Aber Tatsache ist, dass es so ist.

    «Und wer glaubt, dass diese Art von Journalismus bei Holtzbrinck nur im Printbereich zu finden ist, der möge sich folgendes Video anschauen. Thomas Leif war zum Zoomer-Start zu Gast in der dortigen Redaktion. Und ja, die Dame, die sich dort dermaßen blamiert, ist Mercedes Bunz — die bekannte Berliner Starbloggerin»

    Wer sich hier blamiert, ist sogar ziemlich eindeutig festgestellt worden. Es gibt gleich mehrere unabhängige Gutachten über die Reportage von Thomas Leif, die ihm unsaubere Methoden und falsche Tatsachenbehauptungen nachweisen. Unfair ist es z. B., mit laufender Kamera auf Leute zuzugehen und sie nicht darüber zu informieren. Das hat sogar dazu geführt, dass sich der zuständige ARD-Intendant öffentlich für diese Sendung entschuldigen musste. DAS als Beispiel zu nehmen, ist Meinungsmache — aber nicht von Holtzbrinck, sondern von Dir. Du machst genau das, was Du anderen vorwirfst!

    Nochmal: Ich bin kein ZEIT-Fan. Zeit Online finde ich sogar unterirdisch. Aber einfach Dinge zusammen zu mengen, die nicht zusammen gehören, macht Dich gemein mit denen, die Du kritisierst. Und Dich damit angreifbar.

  13. Oliver sagt:

    >DAS als Beispiel zu nehmen, ist Meinungsmache — aber nicht von Holtzbrinck, sondern von Dir. Du machst genau das, was Du anderen vorwirfst!

    Falsch! Denn wir heucheln nicht Objektivität, die per se nirgends existieren kann (philosophischer Exkurs gefällig?), wir haben eine Meinung und postulieren diese. Vice versa könnte ich dir Uninformiertheit vorwerfen, Chris ist über die Maße interessiert an den Vorgängen in den Medien und lieferte mannigfaltige Artikel zu diversen Teilbereichen, worauf exemplarisch nun wiederum dieser fußt (und ich bin bis heute noch sein größter Kritiker). Ist es seiner oder allgemein unser Fehler, wenn einige hier vorbeistiefeln, mit Lesefaulheit gestählt, nur einen groben Überblick suchend und letztendlich dieses ganze Ausmaß nicht im Ansatz verstehen? Ich denke nicht, mundgerechte Informationen zum Abgreifen nach Feierabend findet man hier nicht — hier bekommt man fundierte Meinung für Leser die allenfalls nur noch einen Fingerzeig benötigen (manchmal auch das entscheidende Teilchen im Puzzle), nicht aber die komplette Basis.

  14. krokodoc sagt:

    Apologeten. Allesamt.
    Jedenfalls stelle ich mir derart keifend, wie es derzeit Angestellte des Printjournalismus machen, die damaligen Pfaffen nach der Erfindung des Buchdrucks vor.
    Die sagten sicher sinngemäß so Dinge wie: Nicht jeder kann einfach die Bibel lesen, nur weil sie jetzt jeder lesen kann. Dazu bedarf es einer geistigen Erleuchtung, einem Draht zu Gott, weil nur so kann Gottes Wort richtig interpretiert werden und deswegen sind wir die einzig wahren Übermittler der Botschaft Gottes.

  15. Chris sagt:

    @zeitzeuge

    Ich bin kein ZEIT-Fan.

    Süß. :)

    Nicht nur Holtzbrinck hat noch kein Konzept, wie sich Soziale Netzwerke vermarken lassen. Das geht ALLEN anderen, von myspace über facebook bis WKW, auch so.

    Auch die anderen waren hier oft genug Thema.

    Btw, Zoomer war lächerlich…

    Der “andere Bruder” hat das Ruder bei der ZEIT gerade mal seit 1. 6. übernommen, das heißt, seit 5 Tagen. Davon zu sprechen, dass ausgerechnet Dieter von Holtzbrinck hinter einer Kampagne gegen das Internet stecken soll, ist lächerlich.

    Falsch, gerade in den letzten Tagen wurde der Ton verschärft.

    Es gibt gleich mehrere unabhängige Gutachten über die Reportage von Thomas Leif, die ihm unsaubere Methoden und falsche Tatsachenbehauptungen nachweisen.

    Das ist kein Wunder. Thomas Leif ist einer der etabliertesten Enthüllungsjournalisten Deutschlands. Dass er oftmals seine Arbeit im Gerichtsaal verteidigen muss, und wir wissen alle, was in mancher Dunkelkammer vor Gericht passiert, ist die direkte Folge. Seine Selbstdarstellung kann man kritisieren, auch seine Arroganz aber nicht seine Arbeit. Er traut sich dort hin, wo es sonst keiner tut.

    Unfair ist es z. B., mit laufender Kamera auf Leute zuzugehen und sie nicht darüber zu informieren. Das hat sogar dazu geführt, dass sich der zuständige ARD-Intendant öffentlich für diese Sendung entschuldigen musste. DAS als Beispiel zu nehmen, ist Meinungsmache — aber nicht von Holtzbrinck, sondern von Dir. Du machst genau das, was Du anderen vorwirfst!

    Wenn man dieses Argument zum Beispiel gegen Günter Wallraff einetzen würde, wie oft von der hetzerschen Springer-Presse geschehen, könnte dieser seine Arbeit einstellen. Und hey — da geht es um eine Web-2.0-Journalisten, Transparenz ist da oberestes Gebot. ich kann mich natürlich auch irren. Da ist wer mit der Hand in der Keksdose erwischt worden, und jammert und heult — der ARD-Intendant hätte bei der Beschwerde einmal laut lachen sollen und die zugehörigen Briefe veröffentlichen sollen. Im der Affäre Silvana Koch-Mehrin ist gerade genau das passiert. Das war genau richtig.

    Natürlich bin ich angreifbar. Ich habe eine Meinung — eben kein weichgespülter pr-abhängiger Journalist und anonymer Troll.

    @Oliver: Ich schenk Dir irgendwann ein T-Shirt: Ich bin sein größter Kritiker. 😀

    @Tobi-Wan: Auch die wenigen positiven Ausnahmen werden auf dieser Publikation erwähnt. Also bitte vorher informieren, bevor der Schutzinstinkt eingreift. Danke.

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