Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.

Zitat: Helmut Schmidt, 2004

13 Antworten zu “Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.”

  1. LeSpocky sagt:

    So langsam fällt der Groschen: weniger ist mehr! Und wenn daneben noch die Ausbildung des Lehrkörpers qualitativ gesteigert wird, dann klappts vielleicht auch mit den Ansprüchen an die Jugend.

    Die Diskussion geht für mich völlig am Thema vorbei. Ich habe mein Abitur auch nach 12 Jahren Schule bekommen und es war die entspannteste Zeit meines Lebens. Die Frage ist, warum man den Kids soviel Fachwissen reinprügeln muss, das sowieso nach ein paar Monaten wieder vergessen ist. In diesem Sinne hast Du völlig recht: »weniger ist mehr«, weniger stures Fachwissen pauken, mehr Arbeitstechniken, Abstraktionsvermögen, Kreativität (gerade auch in Naturwissenschaften) usw. und da hast Du auch im zweiten Punkt recht, nämlich der besseren Ausbildung und Ausstattung des Lehrkörpers. Mit dem Artikel der FAZ würde ich diese Aussagen aber nicht belegen, der geht nämlich am Kernproblem vorbei.

  2. Oliver sagt:

    >Ich habe mein Abitur auch nach 12 Jahren Schule bekommen und es war die entspannteste Zeit meines Lebens.

    Es gibt Bundesländer mit 12 Jahren und 3 LKs plus einem mündlichen Fach, es existieren desweiteren Bundesländer mit 2LKs und sonst nichts, es existieren auch Bundesländer mit gar seltsamen Kursen die einen traumhaften NC garantien, dann existieren noch einige die haben nicht einmal ein identisches Abitur quer durchs eigene Bundesland und zu guter letzt gibts davon diverse Kombinationen plus noch die Option 13 Jahre. Und last not least existieren die technisch-wissenschaftl. Gymnasien, techn. Gymnasien und Wirtschaftsgymnasien, welche noch ein weitaus höheres Pensum ansetzen im Unterricht.

    So also worum ging es noch einmal bei dir, um Entspannung? Entspannung, die du pauschal vorrausetzt für die gesamte Republik? Okay …

    >Mit dem Artikel der FAZ würde ich diese Aussagen aber nicht belegen, der geht nämlich am Kernproblem vorbei.

    Der geFAZte Artikel ist ein Link-Tipp zum … Achtung … *lesen* und selbst denken. Kein Beleg für irgendeine These, einfach ein simpler Link-Tipp. Wenn ich dazu etwas schreibe, dann brauche ich selten Belege für diese Thematik, weil ich dann mittels eigener Erfahrung ausholen kann plus «Insider-Wissen» von einigen Lehrkörpern, mit denen ich befreundet bin.

    Diesbezüglich z.B. auch mehr hier.

  3. LeSpocky sagt:

    So also worum ging es noch einmal bei dir, um Entspannung? Entspannung, die du pauschal vorrausetzt für die gesamte Republik? Okay …

    Nein, es geht darum, dass ich den Eindruck habe, dass das 12-Jahre-Abitur pauschal verteufelt wird. Die Form, in der es in den meisten Bundesländern nach jahrzehntelangem dreizehnjährigen Abitur eingeführt wird ist 100% kritikwürdig, insofern hat die FAZ schon recht. Ich würde den Artikel dennoch nicht verlinken. Ich habe zufällig Herrn Beckmann gesehen, wie er Herrn Biedenkopf unhöflich über den Mund gefahren ist, weil er von seinen eigenen Kindern den Eindruck hat, dass sie überfordert wären. Das mag ja sein, aber der hat den alten Mann gar nicht ausreden lassen, dabei haben Sachsen und Thüringen seit eh und je ein funktionierendes 12-Jahre-Abitur. Da stecken Erfahrungen, die man in den anderen Bundesländern offenbar überhaupt nicht beachtet hat.

  4. Oliver sagt:

    Ein «funktionierendes» Abitur existiert seit Jahren überall, lauscht man den Aussagen der einzelnen Länder. Schaut man dann an die Unis gilt jedoch die goldene Regel, vergiß Mathe LK, Deutsch LK etc. hier ist alles anders und es _ist_ alles anders. Sprich die sogenannte Hochschulreife mag einem zwar einen Vorteil in puncto Wissen irgendwo da draußen verschaffen, bereitet jedoch in keinster Weise auf die Uni vor.

    Oft kann man Studenten sehen, die vorher beinahe das Abi wegen z.B. Mathe nicht packten und später studierten sie Info und hielten dort mit zwar viel Aufwand dennoch bis zum Schluß durch. Der naheliegende Schluß vieler ist dann, das jene wohl zuvor auf der Schule nichts machten — nun wenn man diese Leute aber persönlich kennt, dann sieht man die Problematik, es nützte zuvor eben nichts. Diese Erfolgsstory ist keineswegs die Regel, denn oft genug sind die Schüler vorbelastet und weichen auf der Uni gekonnt den ehemaligen «Unglücksfächern» aus oder meiden aus diesem Grund gar ganz die Uni.

    Und daran krankt das ganze Schulsystem, inkl. mitunter späteren Lehrunwilligen Professoren, die ob eines lukrativen Nebenjobs die «Altersversorgung» Universität mit dem geringsten Aufwand der möglich ist betreiben möchten, sprich man «siebt» die Erstsemester. Und irgendwelche Zahlenspielereien zwischen den einzelnen Bundesländern, usus in der Politik, werden es da nicht richten. Das Schulsystem muß einheitlich von kompetenten Leuten neu gestaltet werden. Grundlegend folgen die Bildungsminister ohnehin gemeinsamen Richtlinien bei den Lehrplänen, sprich da muß schon angesetzt werden. Desaströs ist es zudem, daß jeder politische Fallensteller vor Ort noch an den Parametern drehen kann und in einigen Bundesländern ist dies gar noch möglich von Gymnasium zu Gymnasium.

    Dieses deutsche babylonische Bildungssystem ist ein einziger Krampf, wir drehen jetzt unmotiviert an zuvor international anerkannten und hochqualitativen Studiengängen wie Diplom und Magister und ersetzen diese mit einem unausgegorenem Bachelor und Master. Das Grundübel liegt in der Schule, die langen und umständlichen Studiengänge sind teils bei diesem Grundübel zu suchen und bei den schon erwähnten Professoren, die sich seit Jahrzehnten geschickt _echten_ Leistungskontrollen entziehen und zwar nicht «Leistungskontrollen» die recht lieblos ihre «Forschung» belegen, sondern *Leistungskontrollen», die die *Lehrfähigkeit* belegen. Letzteres ist ohnehin schon im Ansatz ein Unding, denn kein Doktor, kein Professor lernte jemals wie man _lehrt_!

    Übernimmt man also Dinge aus dem Ausland, wie den Bachelor (in einer anderen Form besaßen wir den über ein Jahrhundert zuvor), dann muß man auch inhaltliche _Strukturen_ übernehmen, sowie die Bildungsvorraussetzungen angleichen. Ähnlich dem Aufbau in den Staaten: Highschool, College, Uni. Dort ist auch nicht alles Gold was glänzt, aber es sagt ja auch keiner daß dieses abgeschaute System perfekt wäre. Nur wenn man schon etwas übernimmt, dann nicht oberflächlich, sondern komplett. Und nein die Gesamtschule sehe ich da keineswegs als Lösung und wie jüngste Studien belegen, erfährt die Bevölkerung damit keineswegs eine Bildungsgerechtigkeit auch bei schwächer gestellten Schichten. Ein gemeinsamer, verbindlicher Abschluß, mit einem gemeinsamen Programm wäre da angebracht — aber dazu ist Deutschland noch zu sehr von konservativen Kräften gesteuert, die um ihren elitären Status bangen.

    Last not least kommt ein näherer Blick auf unser Bildungssystem, dem Öffnen der Büchse der Pandora gleich. Flickwerk, wie es sich im Moment repräsentiert, ist keine Lösung!

  5. LeSpocky sagt:

    Das Schulsystem muß einheitlich von kompetenten Leuten neu gestaltet werden.

    Und zwar genau wie Du sagst, nicht durch oberflächlichles Abkupfern sondern von Grund auf ohne Flickschusterei. Ich sehe, wir sind einer Meinung. 😉

  6. bernd sagt:

    Dann muss man allerdings auch das Ausmisten der Le(e/h)rkörper in Betracht ziehen und das ist in D unmöglich, weil Beamtenstatus. Ist schon witzig, wie wir es immer wieder schaffen uns selbst manövrier-unfähig zu machen.

  7. Oliver sagt:

    Der Beamtenstatus ist längst keine Pflicht mehr und viele Universitäten richten sich auch mehr und mehr danach, alleine aus Kostengründen heraus. Insofern könnte man von einem Auslaufmodell sprechen, aber auch diesen Angestellten «pinkelt» keiner ans Bein, man sucht sich wie immer den Weg des geringsten Widerstands und das ist eben in diesem Fall der Student.

    Der Beamtenstatus der Lehrer ist natürlich PITA, aber auch da existieren Handhaben die nur ausgeführt werden müssen, ebenso wie bei beamteten Professoren.

  8. phoibos sagt:

    Moin,

    das Problem ist nicht G8, Länder wie Sachsen machen es seit Jahren vor, dass es funktionieren kann. Das Problem sind aktionistische Politiker, die im Pisa-Wahn unseren Kindern die Kindheit rauben wollen, indem sie durch Gesetze Ergebnisse definieren wollen, deren Erreichen pädagogisch und didaktisch sowieso nicht gesichert werden können (siehe Blackbox in der Schulpsychologie). Das ganze versuchen sie mit Methoden zu erreichen, die überhaupt wissenschaftlich, pädagogisch und didaktisch vorbereitet wurden. Zudem sind die Lehrmittel, Lehrpläne und Lehrer häufig gar nicht auf G8 eingestellt. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Pisaversager von einst (vulgo: Politiker) versuchen durch blinden Aktionismus ihr eigenes Versagen zu vertuschen, stehlen dabei unserer Jugend die Kindheit und sind selbst unfähig, Transferleistungen zu zeigen (das ist normalerweise immer die letzte Aufgabe in einer Klausur, für die es die meisten Punkte gibt). Lernen konnten Politiker jedenfalls noch nie — weder aus eigenen, noch aus fremden Fehlern.

    Ciao
    Phoibos

  9. phoibos sagt:

    Zur Verbeamtung von Lehrern: Schulen sollten meiner Meinung nicht mehr zentral vom Staat geführt werden sondern vielmehr ständig evaluiert werden (Beispiel Niederlande). Und wer nicht unterrichten kann, der sollte dann halt woanders seinen Lebensunterhalt verdienen… Dafür müsste aber die generelle crux eines jeden Bildungssystems erstmal abgeschafft werden — die chronische Unterfinanzierung. Die Verbeamtung von heute macht doch diesen Beruf primär für eine bestimmte Klientel attraktiv (und muss es auch, sonst gäbe es gar keine Lehrer mehr). Doch die Unterrichtsleistungen sollten monetär belohnt werden, damit auch ein Anreiz zur ständigen Selbstreflektion und Weiterbildung gegeben ist.

  10. phoibos sagt:

    Die Studienwahl für den Lehrerberufs entspricht, überspitzt formuliert, einer Auslese der Schlechtesten und Faulsten. Ein Drittel der Lehrerstudenten, die das Studium in diesem wichtigen Beruf wieder aufgeben, wählen nicht etwa aus Unfähigkeit die Exit-Strategie. Nein, sie tun es, weil sie — so Rauin — «sich von den fachlichen Anforderungen des Lehramtsstudiums unterfordert fühlen». Ein Viertel der Lehramtsstudenten empfindet das Studium ohnehin als Notlösung.

    Viele von denen, die im Studium bleiben, sind dann eine sehr spezielle Klientel. Rauin formuliert es so: «Nicht nur ‘geborene Erzieher’ drängen ins Lehramt, sondern oft auch Pragmatiker und Hedonisten.» Pragmatiker seien dabei jene, die in der Nähe des Heimatortes bleiben wollen, die auf ein überschaubares Studium hofften, die einen sicheren und familienfreundlichen Arbeitsplatz suchten. Hedonisten sind solche Lehrer, die «kein schwieriges Studium» wünschten und «ihren Hobbys weiter nachgehen wollen».

    quelle: Burn-out? Viele Lehrer brannten nie

  11. Oliver sagt:

    «Die Verbeamtung von heute macht doch diesen Beruf primär für eine bestimmte Klientel attraktiv (und muss es auch, sonst gäbe es gar keine Lehrer mehr).»

    Eben der falsche Weg, natürlich sieht man bei Sonderpädagogen bzw. Berufschullehrern, daß dort meist die Leute fehlen, zum Teil auch bei Gymnasiallehrern, weil eben die Anforderungen recht hoch sind im Studium. Bei genannten Sonderpädagogen und Berufsschullehrern zieht sich das Studim aus genannten Gründen gar eine Ewigkeit hin.
    Überlaufen sind die Grundschulen, eine einfach und schnelle Möglichkeit in den Staatsdient zu treten, 6–7 Semester «bla bla», ein paar Klausuren und fertig ist der Lehrer, der die Kleinen in der sehr wichtigen initialen Zeit «betreut». Das da etwas faul ist im Staate Dänemark dürfte wohl jedem offenbar werden, daß das Gros der Leute jedoch wegschaut und immer von «früher mußten wir noch …» schwaffelt, scheint wohl eher eine Art Neid darzustellen — man gönnt es dem Nachwuchs nicht, wenn es dieser leichter hat.

  12. Bernd sagt:

    Rauin formuliert es so: “Nicht nur ‘geborene Erzieher’ drängen ins Lehramt, sondern oft auch Pragmatiker und Hedonisten.”

    Naja ich unterteile da lieber in Menschen, denen was an ihrer Arbeit liegt und jene, die halt da sind, damit sie da sind. 😉

  13. phoibos sagt:

    @ oli:
    Ich denke nicht, dass die Kinder es von heute leichter haben als wir (ich fühl mich grad wie ein richtig alter Sack). Im Gegenteil, die Kinder werden schulisch derart eingespannt mit teils geradezu lächerlich anmutenden Anforderungen teils mit völlig überzogenen Lernspensa, aber auf jeden Fall mit maßlos viel Zeiteinsatz. Und mal ehrlich, kann ein Lateinschüler im siebten Lernjahr immer noch nicht die o-Deklination sicher, darf der meiner Meinung nach kein Latinum erhalten. Doch so sieht jetzt die Realität aus. Anstelle den Kindern eine Sache, die aber gründlich, beizubringen werden sie zugetextet und zu Tode evaluiert. Peinlich nur, dass dieser Art Evaluation fast bis gar nichts aussagt. Doch das wissen unsere von McKinsey und Konsorten verwirrten Politiker nicht, immerhin hat ihre Generation auch schon bei Pisa und deren Vorläufern versagt.

    @ Bernd:

    Leider kommen immer häufiger verwissenschaftlichte Fachidioten in den Lehrdienst und immer weniger Pädagogen. Zumindest in Hamburg müssen Lehrämtler de facto drei Hauptfächer (Pädagogik + zwei Unterrichtsfächer) studieren und werden dabei gar nicht auf den Schulalltag vorbereitet. Insgesamt müssen sie nur drei Praktika absolvieren und sonst ihre drei Fächer auf wissentschaftlichen Niveau studieren (was nicht verkehrt sein muss, wenn dabei nicht die angewandte Pädagogik zu kurz käme).

    Ciao
    Phoibos

RSS-Feed abonnieren