Die Medienlese stellt den Betrieb ein

Auch in der Schweiz wachsen die Bäume nicht in den Himmel — wie Blogwerkmacher, –vermarkter, –verkäufer und noch viel mehr Peter Hogenkamp heute mitgeteilt hat, wird die Medienlese geschlossen. Die Kooperation mit Null-Banner-Lieferanten Adnation war wohl ein letzter verzweifelter Versuch, bereits zum Monatsende werden die Türen geschlossen. Der Don findet es ein wenig schade, weil die Leute der Medienlese sich durchaus angestrengt haben. Nur reicht das eben nicht — selbst im Untergang beweist das Blogwerk, warum es ganz einfach nicht funktioniert.

Ein Blog zu führen, um des Geldes wegen, ist von vornerein zum Scheitern verurteilt. Wenn ich ohne große Tränen von heute auf morgen ein Blog wie die Medienlese einstelle, dann beweist es genau dies und natürlich, dass es keine Herzensangelegenheit war, sondern einfach nur eine Zahl im Budget, eine Zeile im Excel-Sheet. Die Controller haben entschieden, dass zu wenig Geld eingenommen wird und schon kippt man ein Blog in den Ausguss. Ein Blog ist jedoch mehr — das Blogwerk beweist hier, dass man nicht wirklich das Bloggen verinnerlicht oder gar verstanden hat.

Man bloggt um des Bloggens wegen. Um des Schreibens wegen. Um des Publizierens wegen. Um des Spaßes wegen. Wenn dabei dann Geld abfällt, ohne jetzt die altbekannte Diskussion zu entfachen — so sei es halt. Nerdcore sei hier mal als Beispiel genannt. Da ist Bloggen als Herzensangelegenheit durchaus erkennbar — bei allen unterschiedlichen Standpunkten. Wenn aber gebloggt wird, weil es ja total modern, hipp und Web 2.0 ist, Geld einbringen soll, dann kann man als unabhängiger Publizist mit Herz nur lächelnd und freundlich danebenstehen und abwarten.

Wird Blogsoftware auf einen Server aufgesetzt um als Geldesel zu dienen, ist dieses Projekt zum Scheitern verurteilt. Es ist ähnlich zu bewerten, wie die berühmt-berüchtigten Bildergalerien der Süddeutschen. Peter Hogenkamp beweist in der Pleite, dass die Medienlese nicht viel mehr ist, als genau das. Warum eine Webseite, die wahrlich nicht mehr Kosten verursachen dürfte als F!XMBR,1 komplett eingestellt wird, kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht muss man das Redaktionsteam betriebsbedingt kündigen, jedoch ließe sich das Blog weiter betreiben oder an einen Nachfolger übergeben.2 Jemanden, bei dem das Schreiben im Vordergrund steht. Wenn die Medienlese eine Herzensangelegenheit wäre, auch für das Blogwerk, würde man sie nicht komplett einstellen. Die Mehrzahl der Blogs und Publikationen da draußen wird aus ideellen Gründen betrieben, da kann man einfach nur mit dem Kopf schütteln wenn des Geldes wegen ein Blog dicht gemacht wird..

Die Weltwirtschaftskrise hat schon so manches prominentes Opfer gefunden — die Medienlese ist dabei nur eine kleine, unscheinbare Webseite, die in ein paar Wochen niemand mehr ernsthaft vermissen wird. Ich finde es nicht schade — zu wenig eigene Ideen, keine eigene Identität, keine exklusiven Artikel und Informationen, die man nicht woanders hätte finden können. Chat Atkins habe ich viel lieber auf seiner eigenen Webseite gelesen, den Rest des Teams sagt mir selbst heute noch nichts. Nein, es ist nicht schade, wenn eine Seite den Betrieb einstellt, wenn nicht genügend Geld eingenommen wird. Wenn wir von einem nuklearen Winter sprechen, einer unglaublichen Phase des Umbruchs für die Medien, dann gehören dazu natürlich auch kommerzielle Blogs. Ich für meinen Teil publiziere auf F!XMBR weiterhin aus Spaß an der Freude. Es kostet mich den einen oder anderen Euro, meine Unabhängigkeit kann aber nicht mit Geld aufwogen werden.

Und wenn ich jetzt lese, dass für ein Unternehmen [sic!] gespendet werden soll, dann fällt mir nichts mehr dazu sein. Das ist aktionistischer Kindergeburtstach sondergleichen. Und wenn sich dann noch auf die Vermarktungsaktion eines Profibloggers berufen wird, kann man nur noch abwinken. 5,- Euro sollen die Leser der Medienlese nun (freiwillig) pro Monat zahlen — manchmal ist weniger mehr und man sollte als Macher einfach nur den Mund halten. Erst recht, wenn man kurz vorher das Ende verkündet hat. Ich mein ja nur. 2.500 unique IPs sind für eine kommerzielle Veranstaltung lächerlich wenig. Da hat F!XMBR ja mehr — selbst an schlechten Tagen. Die Meldung der Medienlese wird nicht die einzige dieser Art bleiben. Es wird auch noch andere treffen, dafür werden neue Angebote erscheinen. Der ganz normale Lauf der Dinge. Ich bin da ganz entspannt und halte es wie Kaiser Franz: Schau m’er mal…

  1. Von der Technik her []
  2. Es ist zu vermuten, dass das jetzt auch noch um des Geldes wegen geschehen soll. []

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12 Antworten zu “Die Medienlese stellt den Betrieb ein”

  1. […] diese Einsichtsfähigkeit immer zur bewussten Verfügung hätte! Denn es stimmt: »Ein Blog zu führen, um des Geldes wegen, ist von vornerein zum Scheitern verurteilt« – und es wird auch noch recht häufig scheitern in der nächsten Zeit. […]

  2. localwurst sagt:

    Ob mich mich dem Gedanken »[…] Die Mehrzahl der Blogs und Publikationen da draußen wird aus ideellen Gründen betrieben […]« anschließen möchte — ich bin nicht sicher. Erst heute habe ich zwei Blogs aus meinen RSS-Feeds geworfen, bei denen das zentrale Thema plötzlich »wie finanziere ich am besten die abartigen Kosten für das Projekt «Blog» gegen? — Ganz klar, Werbebanner!« lautete.

    Ich hätte gerne einen wütenden Kommentar hinterlasse, sah dann aber ein, daß ich mein Pulver da umsonst verschießen würde. Aber es nervt

  3. phoibos sagt:

    moin,

    wieviel soll so ein blog denn überhaupt kosten? bei host-4-you.de kann ich die preise in etwa abschätzen, die software ist kostenfrei… oder übersehe ich da etwas? sind diejenigen, die sich ob der kosten beschweren, nicht letztlich nur geldgeil?
    oli hat mit seinem kulturrealismus schon recht, abgreifen ja, aber selber investieren ein fettes nein.

    ciao
    phoibos

  4. Chris sagt:

    Du siehst das mit den Kosten genau richtig — wenn man mal davon absieht, dass für so ein Blog *natürlich* eine ganze Redaktion bezahlt werden muss… 😉

  5. […] @chris97 artikel #medienlese BTW #fullack […]

  6. […] bedauerlich, dass die Kohle nun langsam auch bei Blogvermarktern eng wird, andererseits stellt  Chris zu Recht die Frage, ob sich ein Blog per se zur direkten Vermarktung überhaupt […]

  7. Chat Atkins sagt:

    Was mich wundert, Chris, ist Folgendes: Anders als in Holzhausen kostet ein Netzprojekt keinen Druck, kein Papier, keinen Vertrieb, keine Litho, keine Mitarbeitertoiletten, keine Miete — nur Personal, wie’s in den Zelluloseredaktionen auch vorkommen soll. Kurzum — ein Internet-Medium kostet den Bruchteil eines Holzmediums. Und trotzdem soll es sich regelmäßig nicht rechnen …

  8. Chris sagt:

    Und trotzdem soll es sich regelmäßig nicht rechnen …

    Genau richtig. Reden wir doch mal Tacheles:

    Da hat die Medienlese 2.500 unique IPs. Wie lächerlich ist das bitte???

    Nehmen wir die Bots und den Google-Fallout, aus dem sich zu 99,99% kein regelmäßiger Leser entwickelt, raus, und schon hat jede Schülerzeitung eine höhere Auflage. Nebenbei bemerkt: Unsere Abizeitung lese ich noch heute gerne — der Blogartikel von gestern ist vergessen. Und das kann exemplarisch für die meisten Blogs, Publikationen fernab des medialen Mainstreams gelten. Und bevor jemand aufschreit, auch für F!XMBR.

    Die Holzmedien mögen sich im Umbruch befinden und jahrelang geschlafen haben — sie erreichen trotzdem eine Vielzahl von Menschen. Sie sind relevant, sie sind immer noch trotz aller Unkenrufe fester Bestandteil im Leben der Menschen, sie schaffen Veränderung, in diesem Bereich sind sie noch die Vierte Gewalt im Staate. Ein Interview von Frank-Walter Steinmeier in der BILD, dem SPIEGEL, ja selbst im neben dem Mainstream stehenden Freitag, bringt weitaus mehr, als irgendwelcher Twitter– oder Facebook-Blödsinn oder ein Blogartikel auf vorwaerts.de.

    Blogs sind so irrelevant wie der kleine Pickel an meiner Nase, den ich gestern Abend ausgedrückt habe. Das hat Jakob Augstein auf der re:publica schon sehr richtig gesagt.

    Und damit willst Du Geld verdienen? Wie denn bitte, wenn ich dann zusätzlich noch davon ausgehe, dass regelmäßige Blogleser internetaffin sind, kritische Menschen sind, also mit Sicherheit einen Adblocker im Einsatz haben.

    Du kannst im Prinzip nur hoffen, über Reichweite und Quantität Geld zu scheffeln. Sprich auf Teufel komm raus Leser zu finden. Blogs müssten, bevor sie Geld verdienen, erst einmal SELBST Werbung schalten. Dann werden vielleicht Leser gefunden und somit auch Blogs für mehr Menschen interessant. Danach kommen vielleicht Werbedeals zustande.

    40 Mio. Menschen sollen in Deutschland online sein — es dürfen sogar gerne mehr sein. Selbst bei 10.000 Lesern (inkl. Bots und Google-Fallout) wären das 0,025%, die die größten Blogs lesen. Ich lach mich tot. Und diese kleine Randgruppe will Spiegel und Co. das Geschäft erklären? Die Redakteure tun aus ihrer Sicht genau das richtige: Sie lachen über die deutsche Blogosphäre, jede Menge Artikel, auch hier auf F!XMBR zerrissen, zeugen davon — und die unzähligen Blog-, Twitter und anderen Versuche zeigen auch, dass sie trotzdem mit den verschiedenen Medien experimentieren.

    Die deutsche Blogosphäre ist in den letzten Jahren zu einem inzestuösen Gesamtwerk verkommen. Wir unterhalten uns über Medien, die vermeintlichen Fehler der Medien, über uns selber. Und sonst? Uns kennt kein Mensch da draußen. Frag doch mal im realen Leben Deine Familie, Deinen Freundeskreis, wer denn Blogs KENNT, noch nicht einmal liest. Ja, jetzt höre ich schon die Antwort, es gibt doch tolle Wein– und Kochblogs, was auch immer. Diese 50-Leute-Veranstaltung interessiert aber nun wirklich nur wenige Liebhaber. Wir reden doch hier jetzt vom Geld verdienen.

    Oder zumindest von Veränderungen. Politisch. Gesellschaftlich. Von Blogs ausgehend? ich bekomme hier gleich noch einen Lachanfall.

    Warum zum Beispiel ist denn Adnation dieser desaströse Reinfall? Dicke Fresse, nichts dahinter. Da haben sich ein paar Poser Leute zusammengetan und bringen es nicht einmal fertig, ein ganzes Konglomerat von Blogs zu vermarkten. Und selbst wenn es einzelne Kampagnen gab, Peanuts haben die einzelnen Autoren verdient. Und nebenbei gesagt, genau das ist das Geschäftsprinzip von so manchem Messias der deutschen Blogosphäre.

    Ich schätze so manches Blog da draußen, ob der Thematik, der Schreiber, die hinter dem jeweiligen Projekt stehen. Würde ich für auch nur ein Blog aus unserer Leseliste Geld bezahlen? Nein. Nicht einen Cent. Ich gebe, also wird mir gegeben. That’s it. Verschwindet morgen ein Blog, nimmt übermorgen ein anderes seinen Platz ein. Das gilt für die Medienlese, WEISSGARNIX, den Spiegelfechter — und selbstverständlich auch für F!XMBR.

    Blogs sind Nische, eine wunderbare Nische. Teilweise von tollen Menschen betrieben und mit Leben gefüllt. Nur lässt sich damit so gut wie kein Geld verdienen. Gott sei Dank. Ich kenne mittlerweile den einen oder anderen Blogger privat. Verschwindet morgen sein Blog — who cares. Der gemeinsame Kaffee schmeckt noch genauso gut, vielleicht sogar öfter, weil der Blogkontakt fehlt.

    Ganz ehrlich: Ich freue mich jeden Tag, dass sich mit Blogs in Deutschland kein Geld verdienen lässt. Und die Chancen stehen hervorragend, dass die kommerzielle Karawane bald woanders ihre Kreise zieht. Vielleicht kann es dann einen Neuanfang geben, auch im Verhältnis zu den Holzmedien. Vielleicht begreifen beide Seiten dann, dass man sich wunderbar ergänzen kann, beide ohne den anderen in Zukunft auch nicht mehr leben wollen. Und dann können sich vielleicht auch professionelle Blogs etablieren. Eventuell geschieht dies nie, die Platzhirsche wissen durchaus, auch durch negative campaigning, ihre Stellung zu bewahren. Jamba und Abmahnungen waren nie der Beginn, sie waren der Anfang vom Ende. Hoffen wir also auf einen Neuanfang.

    We will see…

  9. Leuten, die glauben, nur unbezahlte Arbeit könne wirklich qualitativ hochwertig oder «mit Herzblut» geleistet werden, ist nicht zu helfen.

    Wenn wir von Blogwerk jetzt von solchen Hämeschleudern geprügelt werden, weil wir es nicht geschafft haben, medienlese.com zu vermarkten, ist das eine Sache, mit der wir gerechnet haben und leben müssen.

    Aber die Nachtreterei gegen die Autorenschaft mit der unbelegten Behauptung, sie habe weniger Leidenschaft gezeigt in ihren Texten als die Hobbyblogger, nur weil sie bezahlt worden ist, die ist nicht nur dämlich, sondern niederträchtig.

  10. Chris sagt:

    Das habe ich nirgendwo geschrieben. Du solltest mal an Deiner Medienkompetenz arbeiten — zumindest lernen, Texte zu verstehen, die Du liest. Meine Antwort auf Klaus war bewusst allgemein gehalten, auch wenn der initiale Auslöser das Aus der Medienlese war.

  11. Chris sagt:

    Letzten Kommentar gelöscht, da für mich offenbar wurde, dass Peter Sennhauser hier nur stänkern und seinen Frust ablassen wollte. Wer im ersten (freigeschalteten) Kommentar schon beleidigend wird:

    Aber die Nachtreterei gegen die Autorenschaft mit der unbelegten Behauptung, sie habe weniger Leidenschaft gezeigt in ihren Texten als die Hobbyblogger, nur weil sie bezahlt worden ist, die ist nicht nur dämlich, sondern niederträchtig.

    Das dann auf Hinweis, dass dem nicht so ist, mit diesem Satz von mir begründet:

    zu wenig eigene Ideen, keine eigene Identität, keine exklusiven Artikel und Informationen, die man nicht woanders hätte finden können. Chat Atkins habe ich viel lieber auf seiner eigenen Webseite gelesen, den Rest des Teams sagt mir selbst heute noch nichts.

    beweist eindrucksvoll, warum die Medienlese so grandios gescheitert ist. Q.e.d. Das eine hat mit dem anderen nun wirklich nichts zu tun. Der Satz ist nichts weiter als meine persönliche Meinung zur Medienlese, mir deswegen vorzuwerfen, ich sei niederträchtig, zeugt von großer Chuzpe.

    Die lächerlichen Behauptungen laufen ins Leere und sind nirgendwo zu erkennen, weder im obigen Artikel, noch in meiner Antwort auf Klaus.

  12. FoolMoon sagt:

    Erst durch diesen Artikel bin ich auf die Internetseite aufmerksam geworden. Vorher war mir diese nicht bekannt.

    Gerade hab ich mir das Interview auf breitband-online.de unter Weblog-Krise? Medienlese.com kapituliert angehört.
    Eventuell ist es erst der Anfang einer Wendung in der Blog Community. Ich bin erst seit 4 Monaten dabei und hab den Trend voll verschlafen. hab aber auch erst seit 6 Monaten Internet. Das Interview kann ich jedem empfehlen.

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