Die Mär vom intelligenten Deutschen

Vor ein paar Tagen machte eine Nachricht in deutschen Medien und auch unter Bloggern die Runde: Die Deutschen sind die Intelligentesten Bürger Europas, nachzulesen in der Taz, dem Wirtschaftsmagazin BILD, der Süddeutschen, wenige kritische Stimmen waren zu finden, wie bei SPIEGEL Online oder dem Handelsblatt. Ich musste bei diesem Fall unwillkürlich an BILDblog.de denken, eine Meldung von BILD an die dpa geschickt, und alle Medien folgen wie die kleinen Nagetiere dem Rattenfänger von Hameln.

Recherchiert, nachvollzogen, woher die Meldung kam, hatte wohl keine der bekannten alten Medien. Googeln ist unter Journalisten verpönt und so musste wieder ein Blogger her, um diese Mär aufzuklären, genauer der Großblogbaumeister.

Die angebliche Studie stammt aus der Feder von Richard Lynn — nach diesem Menschen gegoogelt treten erstaunliche Ergebnisse zu Tage:

Der Mann scheint von dem Thema besessen zu sein. Ob Geschlechter, Nationen, Einkommensschichten oder (aufgemerkt!) Rassen: Seit den 70-er Jahren ist Lynn offenbar dabei, überall IQ-Unterschiede zu verorten.

Verpönter als Google scheint aber die Wikipedia unter Journalisten zu sein. das Handelblatt hat es trotzdem getan. Richard Lynn scheint nicht nur unter seinen Kollegen sehr umstritten zu sein, Lynn sitzt auch im Direktorium der Stiftung «The Pioneer Fund»:

Gegründet wurde sie im Jahre (aufgemerkt!) 1937, von den beiden amerikanischen Wissenschaftlern Harry Laughlin und Frederick Osborn. Ersterer erhielt 1936 von der Uni Heidelberg eine Ehrendoktorwürde. Grund: Das drei Jahre zuvor von den Nazis eingeführte «Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses» basierte u.a. auf Laughlins Beiträgen zur Eugenik. Sein Gründerkollege Osborn soll sich über das Nazi-Gesetz zur Massensterilisation wie folgt geäußert haben: «Das spannendste Experiment, dass jemals versucht wurde.»

Heute unterstützt der Pioneer Fund anerkannte Organisationen, wie etwa die «Federation for American Immigration Reform», die sich für eine Reduzierung der Einwanderung ausspricht oder das «Projekt USA», welches ähnliche Ziele verfolgt.

Mal wieder ein typisches Bespiel, wie die Sau durch Klein-Bloggerdorf getrieben wurden, nein, das war was anderes, wie seriöse Meldungen das Recherchieren vergessen, wenn es um eine vermeintliche Headline geht.

(via blog.handelsblatt.de)

4 Antworten zu “Die Mär vom intelligenten Deutschen”

  1. Oli sagt:

    Cool fanden diese Meldung irgendwie alle, weil die «Studie» doch aus dem Ausland stammt. Selbst der Wahrheitsgehalt bzw. die Qualität der Quelle rückt da schnell in den Hintergrund.

  2. Chris sagt:

    Von der seriösen Times.

    Germans are brainiest (but at least we’re smarter than the French)

  3. Oli sagt:

    Ja der ewige «Kulturkampf» zwischen Briten und Franzosen.

  4. siggi sagt:

    Und ich dachte das wäre der zweite Teil der «Du bist Deutschland» Kampagne…

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